25.04.2006 |Nachrichten>Deutschland
Bundesfamilienministerin von der Leyen will christliche Werteerziehung für Kinder
Regierung und Kirchen trafen sich zum „Bündnis für Erziehung“ - Muslime und Juden waren nicht eingeladen

Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) plant, die christlichen Werte wieder zum Fundament der Erziehung zu machen. Deshalb wurde in Berlin mit Vertretern der christlichen Kirchen ein „Bündnis für Erziehung“ geschlossen, das Leitlinien für eine christliche Werteerziehung, wie zum Beispiel Respekt vor anderen, Aufrichtigkeit und Verantwortung für Schwache, erarbeiten soll. Muslime, Juden, Lehrer, Erzieher oder Eltern waren zum Treffen nicht eingeladen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßte zwar die Debatte über die Wertevermittlung, warnte aber zugleich vor einem „Fehlstart“. Es sei „im höchsten Maße irritierend“, dass Leyen nur die christlichen Kirchen eingeladen habe, kritisierte GEW-Vorstandsmitglied Norbert Hocke.

Bei einem solch sensiblen Thema dürfe die Familienministerin nicht nur mit den christlichen Kirchen die Werteerziehung festlegen, sondern müsse auch auf andere gesellschaftliche Partner hören. „Wem es mit Werteerziehung ernst ist, muss vor allem diejenigen einbeziehen, die deren Vermittlung zu verantworten haben: Eltern, Erzieher und Lehrer“, sagte Hocke.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland und der Zentralrat der Muslime in Deutschland kritisierten Leyen, weil sie nicht eingeladen wurden. Die aufgezählten Werte seien nicht exklusiv christlich, hieß es. Auch die FDP kritisierte von der Leyen für ihre Forderung, christliche Werte wieder zum Fundament der Erziehung zu machen. Dies sei ein Affront gegen andere Religionen.

Außerdem werde dadurch die in der Verfassung garantierte Religionsfreiheit verletzt. Der FDP-Kirchenpolitiker Hans-Michael Goldmann sagte: „Kirchen haben kein Monopol auf Werteerziehung. Kinder müssen zu mündigen Bürgern und aufgeklärten Menschen erzogen werden.“
Von der Leyen wies alle Vorwürfe zurück. „Wir haben jetzt einen ersten Schritt mit den beiden Kirchen gemacht, aber es ist ein Auftakt, und Andere sind eingeladen, sich diesem Bündnis anzuschließen“, sagte die CDU-Politikerin. Die Familienministerin will sich erst im Herbst mit der freien Wohlfahrtspflege, den Familienverbänden, der Wirtschaft und Vertretern anderer Religionsgemeinschaften treffen. (hv)


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