05.04.2006 | Nachrichten>International
Studie des Allensbacher Instituts über deutsch-türkische Stimmungsbilder
Allensbacher Institut: „Türken schauen in die Zukunft optimistischer als die Deutschen“

Das Allensbacher Institut für Demoskopie hat im Auftrag der Hamburger Körber-Stiftung die „deutsch-türkischen Stimmungsbilder“ erforscht. Dazu wurden Befragungen in Deutschland und in der Türkei durchgeführt. Die Umfrage hat ergeben, dass vor allem die Deutschen mit Angst und Skepsis in die Zukunft blicken. So glauben 77 Prozent der Deutschen, dass die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden.

60 - 70 Prozent der Deutschen glauben, dass viele wirtschaftlich und gesellschaftlich nicht mithalten werden können, dass Geld immer wichtiger und die Zukunft unsicherer wird. Bei den Türken liegt dieser Anteil bei nur 14 Prozent. Die Mehrheit der Deutschen glaubt, dass Oberflächlichkeit und Egoismus zunehmen.

Die Deutschen erwarten vom Staat neben Verbrechensbekämpfung, Justiz oder Bildung auch Kinderbetreuung, Arbeitsplätze, gesunde Lebensmittel und finanzielle Absicherung bei Krankheit oder im Alter.

Die meisten Türken wollen einen Staat, der sich stark um seine Bürger kümmert und sich auch in ihr Alltagsleben einmischt. Konkrete Erwartungen hat man aber weniger. So haben die Türken vom Staat weniger Erwartungen bei der Kinderbetreuung oder beim Schutz vor Verbrechen.

Die Mehrheit der Türken bevorzugen präsidiale Herrschaftsformen. Die Deutschen dagegen sind pluralistisch und glauben, dass die Demokratie die beste Herrschaftsform sei. In Ost-Deutschland meinen das jedoch mit nur 39 Prozent weniger Deutsche als Türken mit 50 Prozent. Junge Türken vertrauen der Demokratie weniger als die Älteren. In Deutschland sind es vielmehr die Älteren, die demokratieskeptisch sind.

Insgesamt finden 37 Prozent der Deutschen ihren Staat sympathisch und 23 Prozent unsympathisch. 65 Prozent der Türken hingegen finden ihren Staat ziemlich sympathisch, nur 24 Prozent unsympathisch.

Rund die Hälfte aller Türken glaubt, dass es in der Türkei mehr positive Veränderungen gebe, als negative. Diese Meinung teilen in Deutschland nur 16 Prozent. 58 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass die negativen Veränderungen in Deutschland überwiegen.

So sehen sich nach den Ergebnissen der Allensbacher Studie viele Deutsche als Verlierer der Globalisierung, der EU-Osterweiterung und des Umbaus der Weltwirtschaft. Bei vielen Türken dagegen bringen jährliche Wachstumsraten von 10 Prozent viel Selbstbewusstsein und Zuversicht. Nur 47 Prozent der Türken machen sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz. Bei den Deutschen fürchten 71 Prozent, ihren Arbeitsplatz zu verlieren.

Die Hälfte aller Deutschen beklagen, es gebe viel Armut in Deutschland. In der Türkei sind nur 46 Prozent der selben Meinung. 33 Prozent der Deutschen halten die politische Lage in ihrem Land für instabil. In der Türkei glauben das nur 31 Prozent.

Weitere Ergebnisse der Studie sind, dass mehr Deutsche die Türkei kennen als umgekehrt. Dabei sind die Erfahrungen der Deutschen touristisch und nicht lebenspraktisch wie bei den Türken. Die Deutschen mögen an der Türkei die Gastfreundschaft, die Landschaften, die Kulturdenkmäler. Kritisiert werden dagegen Menschenrechte, die Lage der Frauen, die Macht der Militärs und die Armut.

Die Türken beschreiben Deutschland mit Fleiß und Gesetzen, auf die man sich verlassen könne. Vor allem sehen Türken Deutschland als ein Land, in dem Menschen aus vielen Ländern und Kulturen lebten.

Dass Deutschland ein Land vieler Kulturen sei, wird auch von 74 Prozent der Deutschen gelobt. (hv)


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