Freitag 18. April 2008
Hutba – Das ausgewogene Verhalten

Die primäre Verantwortung des Menschen besteht darin, seine Aufgaben als Diener (Kul) Allahs zu erfüllen und die Menschen gut zu behandeln.

Verehrte Muslime,

die Religion (Dîn), der wir angehören, legt großen Wert auf die Etablierung eines gesunden gesellschaftlichen Systems und die Wahrung des sozialen Friedens. Demzufolge gibt es im Islam Maßstäbe, die das Verhältnis von Regierenden und Regierten, Arbeitgebern und –nehmern, Lehrern und Schülern, Kindern und Eltern sowie Verwandten und Nachbarn regeln. Diese Maßstäbe wurden aufgestellt, um den Frieden der Menschen und anderer Geschöpfe zu gewährleisten, weshalb es für jeden Einzelnen von Vorteil ist, sich an diesen Bestimmungen zu orientieren. Auf der anderen Seite verhindert die Missachtung dieser Prinzipien sowohl den materiellen Wohlstand als auch die geistige Ausgeglichenheit. Denn diese wurden von Allah, dem Schöpfer der Menschen und allem anderem, festgesetzt. Im Koran wird von vielen vergangenen Gesellschaften berichtet, die diese Prinzipien missachtet haben. Denn in der Gesellschaft, in der diese Grundsätze nicht beachtet werden, herrscht Hass anstatt Liebe, Feindschaft anstatt Freundschaft und Betrug anstatt Aufrichtigkeit. Diese Gesellschaft wird in ihren Grundfesten erschüttert.

Verehrte Geschwister,

am Anfang all dieser Prinzipien steht der Gedanke, seine Aufgaben Allah gegenüber zu erfüllen. Er ist es nämlich, der die Welt und all seine Gaben dem Menschen zur Verfügung stellt. Zu diesen Aufgaben gehören, der Glauben (Îmân), die Gottesdienste (Ibâdât), der gute Charakter (Achlâk) sowie die Abwendung von Verbotenem (Harâm) und die Hinwendung zum Erlaubten (Halâl). Ferner gehören hierzu, das Recht des anderen zu beachten und sich seinen Mitmenschen gegenüber gut und gerecht zu verhalten. Mit anderen Worten: Die primäre Verantwortung des Menschen besteht darin, seine Aufgaben als Diener (Kul) Allahs zu erfüllen und die Menschen gut zu behandeln. Es wird geboten, nicht zu übertreiben, sondern ausgeglichen zu handeln und nichts zu sagen, was den anderen verletzten könnte. So gehört zum Wesen des Islams, nicht nur den persönlichen Vorteil zu verfolgen, sondern sein Glück im Glück anderer zu sehen. Der Gläubige (Mu'min) lebt im Bewusstsein, dass er für alles, was er getan hat bzw. unterlassen hat, zur Rechenschaft gezogen wird. Dies wird in folgendem Vers ausgedrückt: „Und fürchtet den Tag, an dem ihr zu Allah zurückkehren müsst. Alsdann erhält jede Seele ihren Lohn nach Verdienst, und es soll ihnen kein Unrecht geschehen.“ (Sure Bakara, [2:281])

Verehrte Geschwister,

das Verhalten ist deshalb so wichtig, weil die Menschen mehr von der Handlung an sich, als vom Gesagten beeinflusst werden. Menschen, die ein unausgeglichenes Verhalten an den Tag legen, werden – so wichtig ihre Gedanken auch sein mögen – nicht ernst genommen. Die Diskrepanz zwischen dem Gesagten und der Handlung wird in folgendem Vers bemängelt: „O ihr, die ihr glaubt! Warum sagt ihr, was ihr nicht tut?“ (Sure Sâf, [61:2]) Ein anderes grundlegendes Prinzip ist das der Verantwortung. Wenn wir unverantwortlich handeln, nur an uns selbst denken und unsere Mitmenschen außen vor lassen oder im Unglück anderer sogar einen persönlichen Vorteil sehen, wird dies zu großen Nachteilen für den Einzelnen und die gesamte Gesellschaft führen. Wir müssen uns also gegenseitig unterstützen und unseren Mitmenschen so gut es geht unter die Arme greifen. Wir möchten die Hutba mit einem Hadîth beenden: „Die besten Handlung (Amal) nach dem Glauben, ist die Zuneigung gegenüber den Gläubigen. Der Glauben desjenigen unter euch, der seinem Glaubensbruder nicht das wünscht, was er für sich selbst wünscht, ist nicht vollkommen.“ (Buchârî)

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Freitag 11. April 2008
Hutba - Die fundierte Glaubenslehre

Der Gläubige muss sich in einem Zustand zwischen Furcht und Hoffnung befinden. Der Gläubige darf nicht annehmen, dass er das Paradies gewonnen hätte, nur weil er gläubig sei. Genauso darf er nicht die Hoffnung verlieren und der Meinung sein, die Hölle sei ihm sicher, da er zu viele Sünden begangen hat.

Verehrte Muslime,

der Glaube (Îmân) ist das Fundament des Islams, ohne den die Handlungen (Amâl) keinen Wert für Allah haben. Der Anfang von allem ist der Glaube und die Glaubenslehre (Akîda). So können wir sehen, dass die Verse des Korans, die zu Anfang des Islams in Mekka offenbart wurden, vom Glauben und den Glaubensprinzipien handeln. Demgegenüber beinhalten die medinensischen Verse eher Gebote bezüglich verschiedenster Themen. Erst als die falschen und irrgläubigen Vorstellungen durch einen festen Glauben ausgeräumt waren, wurden die Gebote bezüglich den Gottesdiensten offenbart. Denn es wäre falsch, zu behaupten, dass der Gottesdienst ohne den Glauben einen Menschen erretten könnte. Der Gottesdienst ohne den Glauben wird von Allah nicht angenommen. Jede Handlung muss also von einem gefestigten Glauben ausgehen. Der Vers „Wer das Rechte tut und gläubig ist, sei es Mann oder Frau,…“ (Sure Nahl, [16:97]; Sure Mu'min, [40:40]) weist darauf hin, dass die Handlung ohne Glauben, keinen Wert hat. Wir sehen, dass dort, wo von Handlungen und Gottesdiensten die Rede ist, stets auch der Glaube erwähnt wird. Dort wird dieser Sachverhalt generell in der Form „Diejenigen aber, die glauben und Gutes tun, …“ (Sure Kahf, [18:107]) zum Ausdruck gebracht.

Verehrte Geschwister,

auf der anderen Seite haben die Gottesdienste einen großen Einfluss auf den Glauben und die Gottesfurcht (Takwâ) eines Menschen. Aus diesem Grund haben die Menschen, die keine Gottesdienste verrichten einen schwachen Glauben und wenig Gottesfurcht. Die Gelehrten vergleichen einen Glauben ohne Handlung mit einem Leuchtturm ohne Licht. So wie dieser Leuchtturm, von dem kein Licht ausgeht, keinen Nutzen hat, so ist auch der Glaube, der nicht durch Gottesdienste gestärkt wird, zwar vorhanden, aber schwach und nach außen nicht sichtbar. Deshalb ist auch die Situation eines Gläubigen (Mu'min), der sich nicht an die religiösen Gebote hält, nichts Wünschenswertes. Denn die Bedeutung und Reife eines Menschen können nur an seiner religiösen Lebensweise und seinen Handlungen gemessen werden. Festzuhalten bleibt also, dass der Glaube und die Handlungen in einem engen Verhältnis stehen und als Ganzes angesehen werden müssen.

Verehrte Geschwister,

es gibt einige Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen, damit der Glaube wahrhaftig ist. Diese Voraussetzungen sind folgende: 1) Der Glaube darf nicht aufgezwungen werden, sondern muss von Herzen kommen. Der Glaube unter Zwang hat keine Gültigkeit. 2) Ein Gläubiger, also jemand, der sagt, dass er glaubt, muss sich von Aussagen oder Handlungen fernhalten, die die Ablehnung auch von nur eine der Glaubensgrundlagen beinhalten könnten. Denn diese bilden eine unzertrennliche Einheit. Der Glaube impliziert, alle Glaubensgrundlagen zu akzeptieren; der Ausschluss einer Grundlage würde die Ablehnung aller Glaubensgrundlagen bedeuten. So kann derjenige, der an alle Propheten außer an Muhammad (saw) glaubt, nicht als Gläubiger angesehen werden. Dasselbe gilt für denjenigen, der etwas Verbotenes wie Alkohol als erlaubt ansieht oder ein Gebot wie das des Gebets (Salâh) verneint oder auch nur anzweifelt. 3) Der Gläubige darf sich nicht durch die Barmherzigkeit Allahs in Sicherheit wiegen, noch darf er seine Hoffnung verlieren. Er muss sich also in einem Zustand zwischen Furcht und Hoffnung befinden. Der Gläubige darf nicht annehmen, dass er das Paradies gewonnen hätte, nur weil er gläubig sei. Genauso darf er nicht die Hoffnung verlieren und der Meinung sein, die Hölle sei ihm sicher, da er zu viele Sünden begangen hat. Dies sind die Voraussetzungen für einen wahrhaftigen Glauben. Ein Glaube, der sich an diesen Maßstäben orientiert und mit Gottesdiensten vervollständigt wird, wird akzeptiert und dem Gläubigen von Nutzen sein. Das Fehlen oder der Mangel auch nur eines dieser Bedingungen führen zu ewigem Unheil. Unsere Bitte ist es deshalb, dass uns Allah einen wahren Glauben gebe.

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Freitag 04. April 2008
Hutba – Das Familienglück

Der Islam, der sich in einer Zeit entfaltete, in der die Familie keine Bedeutung hatte, hat das familiäre Leben gefördert und Regelungen diesbezüglich getroffen.

Verehrte Muslime,

die Familie ist das Fundament jeder Gesellschaft. Eine Familie, in der Mann und Frau durch das Band der Verwandtschaft verbunden sind und durch die Wahrung ihrer gegenseitigen Rechte und Pflichten glücklich werden, ist gleichzeitig die Quelle des Glücks der gesamten Gesellschaft. Aus diesem Grund wird in unserer Religion großen Wert darauf gelegt, dass die Familie ein solides Fundament hat. So wie in jeder anderen Angelegenheit, ist uns der Prophet auch bezüglich dieses Anliegens ein Vorbild. Die Familie, deren Grundlage Liebe und Barmherzigkeit bilden, wird sogar als Zeichen Allahs angesehen. So steht im Koran: „Zu Seinen Zeichen gehört auch, dass Er euch Gattinnen aus euch selbst schuf, damit ihr bei ihnen ruht. Und Er hat zwischen euch Liebe und Barmherzigkeit gesetzt. Darin sind fürwahr Zeichen für nachdenkliche Leute.“ [30:21]

Verehrte Geschwister,

für das Fortbestehen einer Familie sind der Frieden und die Harmonie innerhalb der Familie unverzichtbar. Dafür müssen die Mitglieder jeder Familie die ihnen auferlegten Pflichten erfüllen. Die größte Last in der Familie liegt auf den Schultern der Mutter und des Vaters, denn sie sind die Vorbilder für die anderen Mitglieder. Aus diesem Grund müssen sie gut miteinander auskommen und sich gemäß den islamischen Prinzipien der Anständigkeit und Höflichkeit verhalten. Daneben müssen Probleme, die in der Familie auftreten können, im Bewusstsein der familiären Verantwortung in gegenseitigem Einvernehmen und unverzüglich gelöst werden. Bezüglich des Verhältnisses der Familienmitglieder und der Schlichtung von Konflikten gebietet unser Herr im Koran folgendes: „Sie sind euch ein Kleid, und ihr seid ihnen ein Kleid.“ [2:187] „Und wenn ihr einen Bruch zwischen beiden befürchtet, dann ernennt einen Schiedsrichter von ihrer Familie und einen Schiedsrichter von seiner Familie. Wollen sie sich aussöhnen, wird Allah Frieden zwischen ihnen stiften. Siehe, Allah ist wissend und weise.“ [4:35] Aus diesen Versen ist zu folgern, dass der Ehemann und die Ehefrau zwei sich vervollständigenden Teile eines Ganzen sind, das es zu bewahren gilt. Dass von der Ernennung eines „Schiedsrichters“ gesprochen wird, weist darauf hin, dass der Schutz der Familie eine gesellschaftliche Aufgabe ist. Der Gesandte Gottes sagte „Der Gläubige (Mu'min), dessen Glaube (Îmân) am festesten ist, ist der, dessen Charakter (Achlâk) am schönsten ist und der sich gegenüber seinem Ehepartner am besten verhält.“ (At-Tâdsch, 2/37) und zeigte auf, dass ein gutes Verhalten für die Wahrung der Harmonie in der Familie unverzichtbar ist.

Verehrte Muslime,

unsere Religion, die sich in einer Zeit entfaltete, in der die Familie keine Bedeutung hatte, hat das familiäre Leben gefördert und Regelungen diesbezüglich getroffen. Denn die Zukunft einer Gesellschaft hängt von einer auf soliden Grundlagen basierenden Familie ab. Abgesehen davon hat dies auch viele Vorteile für den einzelnen Menschen, insofern als das die Familie die Quelle der Harmonie ist. Allein die Kinder sind schon ein Glück für sich. Kein Mensch ist in der Lage ein Leben zu führen, ohne dabei eines anderen Menschen zu bedürfen. Jeder hat das Bedürfnis nach einem Freund und Lebenspartner, wobei dieses Bedürfnis in jedem Abschnitt des Lebens zu spüren ist. Wer das Glück außerhalb der Familie sucht, wofür es viele Beispiele gibt, wird kein Glück haben. Doch leider muss ebenfalls darauf hingewiesen werden, dass es auch in muslimischen Familien zu Streitigkeiten kommen kann. Es kommt sogar vor, dass Menschen, die viele Jahre zusammengelebt haben, sich aufgrund kleiner Differenzen trennen und die Familie zerstören. Sie verfallen ihrem Ego (Nafs), das sie zu unüberlegten Handlungen verleitet. Dabei beinhaltet dieser Schritt eine große Verantwortung. Denn jede zerstörte Familie hinterlässt Kinder, die ohne Vater oder Mutter groß werden und eine Gesellschaft, dessen Eintracht zerrüttet wird. Aus diesem Grund müssen aufkommende Probleme innerhalb der Familie oder durch Miteinbeziehung naher Verwandter gelöst werden, um die Familie aufrechtzuerhalten. Es muss ein außerordentliches Bemühen an den Tag gelegt werden, damit die Liebe und Barmherzigkeit nicht verloren gehen.

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