Donnerstag 23. April 2009
Probelauf für Islamprofessur
Die
Neubesetzung des Lehrstuhls für islamische Religionspädagogik an der
Universität Münster soll in Kürze erfolgen. Am heutigen Donnerstag
halten fünf von der Berufungskommission ausgewählte Bewerber Probevorträge
an der Universität Münster.
Zu den Bewerbern gehören der deutsche Islamwissenschaftler Michael Kiefer, der kurdischstämmige Sozialpädagoge Dr. Rauf Ceylan, der an der Universität Wien lehrende libanesische Islamwissenschaftler und Religionspädagoge, Dr. Mouhanad Khorchide, Dr. Yasir Sarikaya- ebenfalls aus Wien- und Dr. Mizrat Polat, der in einem Erweiterungsstudiengang zur islamischen Religionspädagogik an der Uni Osnabrück lehrt.
Nach den Probevorträgen wird die Berufungskommission, beraten durch zwei auswärtige Gutachter, eine Vorschlagsliste bilden. Die Entscheidung, welcher Bewerber die Stelle erhält, trifft zwar die Universität, das Innovationsministerium hat in diesem Fall aber ein Mitspracherecht.
Den islamischen Gemeinschaften wurde allerdings kein Mitspracherecht eingeräumt, obwohl diese die Zusammenarbeit angeboten hatten. Das Rektorat werde jedoch nach der Entscheidung Kontakt mit den islamischen Gemeinschaften aufnehmen, sie informieren und daraufhin den neuen Lehrstuhlinhaber berufen. Dies kündigte der Uni-Sprecher Norbert Frie an.
Von dem früheren Lehrstuhlinhaber Sven Kalisch hatten sich die islamischen Gemeinschaften distanziert, nach dem er die Existenz des Propheten Muhammad in Frage gestellt hatte. (fy)
Montag 20. April 2009
Özdemir: Bildungsmisere ist nicht nur ein Problem der Migrantenkinder
Auf
einer Tagung der Grünen zum Thema „Schule und Migration“ wies
der Bundesvorsitzende der Grünen, Cem Özdemir, darauf hin, dass die
Bildungsmisere nicht nur ein Problem von Migrantenkindern sei. Unter Teilnahme
von über 300 Eltern, Erziehern, Lehrern und Politikern wurden die neuen
Herausforderungen, die sich der Schule von heute stellten, diskutiert.
Kinder würden mit vielen unterschiedlichen Kompetenzen in „ihrem Rucksack“ in die Schullaufbahn starten. Dies stelle die Schulen von heute vor vielfältige Herausforderungen. Kinder mit unterschiedlichen kulturellen, sozialen und sprachlichen Hintergründen träfen in der Schule aufeinander. Dies erfordere geeignete Formen und Strukturen des Unterrichts.
Hauptredner auf der Tagung war Cem Özdemir, Bundesvorsitzender der Grünen. Özdemir wies darauf hin, dass die Bildungsmisere nicht nur ein Problem der Migrantenkinder sei. Viele, die die Pisa-Studie als funktionale Analphabeten einordnete, hätten Deutsch als Muttersprache. Die Misere sei vor allem ein soziales Problem. Die Bildungsfrage sei inzwischen zur zentralen Gerechtigkeitsfrage in Deutschland geworden. Özdemir warnte davor, dass mittlerweile jeder zweite Schüler mit Hauptschulabschluss nach einem Jahr immer noch keine Lehrstelle habe. Das Bildungssystem müsse sich ändern und allen eine gute Bildung ermöglichen.
Ursula Neumann, Uni Hamburg, äußerte sich kritisch zum Thema „Ganztagsschulbesuch und Integrationsprozesse bei MigrantInnenkindern“. Ganztagsschule sei heute zwar ein Zauberwort, wissenschaftliche Erkenntnisse über diese Schulform gäbe es jedoch kaum. Sicher sei aber, dass eine Ganztagsschule, bei der sich nur der zeitliche Rahmen ändere, keine Auswirkungen habe.
In ihrem Vortrag „Die Rolle der Sprachen in der Bildung“
hob Prof. Katja Francesca Cantone von der Uni Bremen die Bedeutung der Zweisprachigkeit
hervor. Kleine Kinder könnten sehr gut zwei und mehr Sprachen gleichzeitig
als sogenannte "Erstsprachen" lernen, ohne dass dies in eine "Halbsprachigkeit"
münde. Allerdings müsse sichergestellt werden, dass die Kinder ein
ausreichendes "Sprachbad" bekommen - spätestens mit drei sollten
sie in einen deutschen Kindergarten. Mit sechs Jahren würde sich nämlich
das Zeitfenster zum Erlernen von Erstsprachen schließen.
Sonntag 19. April 2009
Neue Moscheen in Deutschland - Zeichen für die Verwurzelung der Muslime
Wenn
in Deutschland eine neue Moschee gebaut werden soll, so geht dies meist mit
hitzigen Debatten einher, in denen die Islamisierung Deutschlands heraufbeschworen
wird. Dass dem Bedürfnis der Muslime nach größeren und repräsentativeren
Moscheen schlicht die stärkere Verwurzelung der Muslime in Deutschland
zugrunde liegt, erkennen die wenigsten. Die Religionswissenschaftlerin, Bärbel
Beinhauer-Köhler, und der Gießener Politikprofessor, Claus Leggewie,
die das Buch „Moscheen in Deutschland. Religiöse Heimat und gesellschaftliche
Herausforderung“ herausbrachten, stechen durch ihre nüchterne Herangehensweise
an dieses Thema hervor.
Darin setzt sich Bärbel Beinhauer-Köhler für mehr Verständnis für das Bedürfnis der islamischen Gemeinschaften Moscheen zu bauen ein und fordert Anerkennung der kulturellen Arbeit, die in den Moscheen geleistet werde. Von islamischen Gemeinschaften, die einen Moscheebau planen, ginge nichts Gefährliches aus. So würden die repräsentativen Moscheen für mehr Transparenz sorgen und den Islam aus den Hinterhöfen herausholen. Im Buch schreibt Beinhauer-Köhler über die Geschichte der Moscheen in Deutschland, ihre Funktion und das Alltagsleben in der Moschee und legt auch die Entwicklungen in der kulturellen Arbeit in den Moscheen dar. Sie mahnt vor einer kulturellen Abgrenzung und sagt: „Im Vergleich zum Buddhismus oder Hinduismus ist uns der Islam als monotheistische Religion sehr nahe. Die Kulturen haben sich immer gegenseitig befruchtet“ und weist auf die gemeinsamen Bauelemente in Kirchen, Synagogen und Moscheen hin. Ferner greift sie die Entwicklungen im Bereich Moschee-Architektur auf und merkt an, dass der Moscheebau in Deutschland die Muslime vor eine Herausforderung stelle und sie zwinge sich mit traditioneller und moderner Moschee-Architektur auseinanderzusetzen.
Claus Leggewie, legt in dem zweiten Teil des Buches die Konflikte um Moscheebauten in einzelnen Städten dar. Er geht insbesondere auf die Konflikte, die sich um den Bau von Moscheen in Frankfurt und Essen ergeben haben, ein und erläutert die Hintergründe des Konflikts: "Die Bürgerinitiative geriert sich im Stadtteil und in der Presse als Repräsentanz der heimatverbundenen ,kleinen Leute' - gegen eine in ihren Augen abgehobene politische Kaste, die im Zentrum der Stadt kosmopolitischen Phantasien nachgeht. ,Multikulti' ist in diesen Kreisen ein Reiz- und Hasswort, ein Anschlag auf die althergebrachte kulturelle Identität der ,Einheimischen'."
Abschließend stellt Leggewie islamischen Verbänden, Politikern und anderen Verantwortlichen zahlreiche ,,Handlungsempfehlungen“ vor. Ergänzt wird das Buch durch ein Essay des muslimischen Architekten, Alen Jasarevic, der seine Erfahrungen mit dem Moscheebau im bayerischen Penzberg schildert.
Freitag 17. April 2009
Deutschland erkennt Potential akademischer Zuwanderer
Zugewanderte
Akademiker sollen künftig einen Rechtsanspruch auf Überprüfung
ihrer im Ausland erworbenen Zeugnisse bekommen. Dies kündigte Integrationsministerin,
Maria Böhmer, in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau an.
Erst durch die Studie „Brain Waste“ sei die Öffentlichkeit auf die hohe Anzahl der nicht-anerkannten akademischen Abschlüsse zugewanderter Akademiker aufmerksam geworden. Aufgrund der Nicht-Anerkennung von Abschlüssen, seien viele Akademiker angehalten Berufe auszuüben für die sie überqualifiziert sind. Im Hinblick auf den Mangel von Ingenieuren, Naturwissenschaftlern und Informatikern wäre dies fatal. Böhmer sieht die Lösung in einem zügigeren Anerkennungsverfahren, das den Zugewanderten den Einstieg in ihren im Herkunftsland erworbenen Berufen ermöglichen soll. Zudem soll die Möglichkeit zur Nachqualifikation angeboten werden.
Im Mai vergangenen Jahres hatten die Wissenschaftlerinnen Dr. Bettina Englmann und Dr. Martina Müller die Ergebnisse ihrer Studie „Brain Waste“ vorgestellt. Laut der Studie sei es für qualifizierte Zuwanderer oft nicht möglich ihren im Herkunftsland erworbenen Beruf auszuüben. Als Ursache dafür wurden mangelnde Anerkennungsmöglichkeiten und fehlende berufliche Integrationsprogramme aufgeführt. In der Studie wurden Lösungswege aufgezeigt wie das Potenzial der zum Teil hoch qualifizierten Zuwanderer besser genutzt werden kann. Einer Schätzung der Universität Oldenburg zufolge sollen in Deutschland 500 000 zugewanderte Akademiker leben, deren Abschluss nicht anerkannt wird.
Auch dem Lehrermangel soll mit der zügigen Einstellung von qualifizierten Migranten entgegengewirkt werden. Dies hänge jedoch ebenfalls von einem beschleunigten Anerkennungsverfahren ab. Aufgrund der Unterbesetzung der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB), die für diese Verfahren zuständig ist, setze sich Maria Böhmer nun für eine zentrale, personell gut ausgestatte Clearing-Stelle ein, die auch den nicht-akademischen Bereich berücksichtigen soll. (fy)
Sonntag 12. April 2009
Rückgang bei Einbürgerungen entfacht Diskussionen um Einführung
des Doppelpasses
Einer
Statistik des Online-Portals statista zufolge ist die Zahl der Einbürgerungen
zurückgegangen. Demnach halten es 40 Prozent der türkischen und südeuropäischen
Migranten für unwahrscheinlich den deutschen Pass zu beantragen. 40 Prozent
der Befragten aus Südeuropa schließen dies gar ganz aus. Nur vier
bis elf Prozent der befragten Personen haben sich bisher für die deutsche
Staatsbürgerschaft entschieden.
In den letzten Jahren ist die Zahl der Einbürgerungen in Deutschland stetig zurückgegangen. Als Ursache dafür wird die Einführung des Einbürgerungstest gesehen, der für viele Migranten eine Hürde darstellt. Auch das verwehrte Recht auf die doppelte Staatsbürgerschaft wird als Grund für das fehlende Interesse an der Einbürgerung bewertet. So belegt eine andere Erhebung von Statista, dass über ein Drittel der Migranten den deutschen Pass beantragen würden, wenn sie das Recht auf die doppelte Staatsbürgerschaft hätten. Seit dem Staatsangehörigkeitsgesetz von 2000 erhalten Kinder von ausländischen Eltern zwar den doppelten Pass, müssen sich allerdings zwischen dem 18. und 23. Lebensjahr für eine der beiden Staatsangehörigkeiten entscheiden.
Indessen werden Forderungen nach Einführung der doppelten Staatsangehörigkeit laut. Migrantenorganisationen, darunter die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD), äußerten jüngst ihren Unmut über das bestehende Staatsangehörigkeitsgesetz. „Ich denke, mit der jetzigen Regelung wird man die jungen Menschen nicht näher an Deutschland binden, eher ist das Gegenteil der Fall. Wenn sie sich, so unter Druck gesetzt, aus pragmatischen Gründen für die deutsche Staatsbürgerschaft entscheiden, werden sie es mit Abneigung tun. Besser wäre es gewesen, die Möglichkeit einer doppelten Staatsbürgerschaft zuzulassen." so Kenan Kolat von der TGD.
Laut SPD-Vorsitzende Müntefering will die SPD den Erwartungen der Migranten entgegenkommen. Müntefering kündigte auf einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert Stiftung die Aufnahme der Diskussionen um die doppelte Staatsbürgerschaft an.
Dem Bundesministerium zufolge werden bis 2018 fast 50000 und bis 2025 rund 320000 Jugendliche vor die Wahl gestellt und müssen einen der beiden Pässe abgeben. (fy)
Freitag 10. April 2009
CSU: Betreuungsgeld für ausländische Familien nur nach Besuch eines
Integrationskurses

Der CSU-Politiker Johannes Singhammer fordert dem Münchener Kurier vom 8. April 2009 zufolge, die Auszahlung des Betreuungsgeldes von der Teilnahme an einem Integrationskurs abhängig zu machen.
Miriam Gruss, kinder- und jugendpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, zufolge, unterstellt Singhammer damit ausländischen Familien, sie würden ihre Kinder nicht ausreichend betreuen. Statt die Integration zu fördern, stigmatisiere die CSU diese Familien und ihre Kinder.
„Ostern steht zwar vor der Tür, dennoch macht sich Singhammer zu viele Gedanken über ungelegte Eier: Die endgültige Entscheidung für oder gegen das Betreuungsgeld wird erst 2013 gefällt.“, so Gruss.
Mit der neuen Regelung im Sozialgesetzbuch sollen Eltern bei der Erziehung des Kindes gewürdigt werden. Ab 2013 soll beispielsweise für diejenigen Eltern, die ihre Kinder von ein bis drei Jahren nicht in einem Kindergarten betreuen lassen wollen oder können, eine monatliche Zahlung eingeführt werden. Wie die monatliche Zahlung ausgestaltet wird, soll zum Jahr 2013 geklärt werden.
Donnerstag 02. April 2009
Die Form des Dialogs muss sich ändern

Der Dialog zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen in Deutschland „darf nicht als Dialog zwischen deutscher Mehrheitsgesellschaft und muslimischer Minderheit geführt werden», sagte der Islamwissenschaftler Abou Taam am Dienstag in Bingen bei einer Fachtagung des rheinland-pfälzischen Innenministeriums. Vielmehr müssten die Anliegen der Muslime als Anliegen von Bürgern begriffen werden.
Das Thema der Tagung war der „Dialog zwischen muslimischen Organisationen, Kommunen und Sicherheitsbehörden in Rheinland-Pfalz“. Er sehe eine grundlegende Ursache für die Integrationsprobleme gerade junger Migrantenkinder darin, dass einerseits die Ansprüche der deutschen Gesellschaft an sie wüchsen, andererseits jedoch die Chancen, die man ihnen biete, hinter hinkten. Besonders deutlich werde das bei der durch zahlreiche Studien belegten Benachteiligung im Bildungssystem.
Als eine positive Entwicklung bei der Integration bewertete
Birgit Zeller vom Landesjugendamt die Gründung von islamischen Einrichtungen.
Einwanderer würden mit eigenen Kindergärten und Schulen zum Ausdruck
bringen, dass sie sich ihrer Benachteiligung im Bildungssystem bewusst sind.
„Diese Einrichtungen sind ihr Weg, Bildungsgerechtigkeit herzustellen“,
sagte Zeller.