Freitag 24. April 2009
Hutba – Die Nachbarschaftsbeziehungen aufrecht erhalten


„Und dient Allah und setzt Ihm nichts an die Seite. Und seid gut zu den Eltern, den Verwandten, den Waisen, den Armen, dem Nachbarn, sei er einheimisch oder aus der Fremde, ... “ (Sure Nisâ, [4:36])

Verehrte Muslime,

ein Mitarbeiter unseres Sterbekasse, die eingerichtet wurde, um unseren verstorbenen Geschwistern eine islamische Bestattung zu gewährleisten, hat uns folgende traurige Geschichte erzählt: Eine alte Frau stirbt allein in ihrer Wohnung. Erst nach fünfzehn Tagen wird sie von der Polizei entdeckt. Da sich niemand ihrer angenommen hat, beschließt die Stadtverwaltung, sie einäschern zu lassen. Gott sei Dank hat ein aufmerksamer Muslim unsere Mitarbeiter der Sterbekasse informiert, die dann dafür gesorgt haben, dass die alte Frau islamisch bestattet wurde. Wenn uns früher ähnliche Schicksale zu Gehör kamen, haben wir gedacht, wie schwach doch die verwandtschaftlichen und nachbarschaftlichen Beziehungen der Menschen geworden sind. Wir haben stets darauf hingewiesen, dass sich Muslime um ihre Mitmenschen, insbesondere ihre Verwandten und Nachbarn, sorgen müssen. Nun sieht es so aus, als würden auch Muslime von derlei Schicksalen heimgesucht werden. Wir können beobachten, dass auch Muslime davon betroffen sind. Dies bedeutet, dass wir genauer über das Gebot des folgenden Verses nachdenken müssen: „Und dient Allah und setzt Ihm nichts an die Seite. Und seid gut zu den Eltern, den Verwandten, den Waisen, den Armen, dem Nachbarn, sei er einheimisch oder aus der Fremde, ... “ (Sure Nisâ, [4:36])

Verehrte Geschwister,

der Gesandte Gottes Muhammad (saw) sagte: „Die Recht des Nachbarn sind folgende: ihn zu besuchen, wenn er krank ist, ob er nun mit euch verwandt ist oder nicht; an seinem Totengebet teilzunehmen, wenn er verstorben ist; einem bedürftigen Nachbarn das zu leihen, was er möchte; ihn zu kleiden, wenn er keine Kleidung besitzt; ihn zu besuchen (und zu trösten), wenn ihm etwas Schlimmes widerfahren ist; sein Haus nicht höher zu bauen, als das des Nachbarn; ihn nicht durch den Geruch des Essens zu belästigen, ihm aber von dem Essen anzubieten; die Sünde liegt außerhalb dieser Rechte. “ (Imâm Sujûtî, Dschamîus-Sagîr) Man sieht, dass der Gesandte Gottes die Rechte des Nachbarn sehr umfassend beschrieben hat. Vor dem Hintergrund der Anweisungen des Propheten müssen uns der eingangs beschriebene Vorfall und ähnliche Schicksale aufhorchen lassen. Wie sieht es um unsere Beziehungen innerhalb der Familie und der Verwandtschaft aus? Sorgen wir füreinander? Unterstützen wir uns gegenseitig? Teilen wir die Freude und das Leid unserer Mitmenschen? Um diese Fragen zufriedenstellend beantworten zu können, müssen wir uns persönlich bemühen, unsere Aufgaben gegenüber unseren Verwandten und Nachbarn zu erfüllen. Zudem müssen wir Einrichtungen wie die Sterbekasse unterstützen, damit in Fällen wie dem am Anfang unserer Hutba berichteten Fall unsere Geschwister zumindest islamisch bestattet werden können.

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Freitag 17. April 2009
Hutba – Der Glaube, die guten Taten und der gute Charakter


„Doch Ich bin gewiss verzeihend gegen den, der sich bekehrt und gläubig wird und das Gute tut und sich leiten lässt.“ (Sure Tâhâ, [20:82])

Verehrte Muslime,

solange sich der Mensch nicht gegen Gott auflehnt, seine Sünden bereut und sich Gott zuwendet, wird ihm der Barmherzige vergeben. Denn im Koran heißt es: „Doch Ich bin gewiss verzeihend gegen den, der sich bekehrt und gläubig wird und das Gute tut und sich leiten lässt.“ (Sure Tâhâ, [20:82]) Der Islam ähnelt einem Gebäude: Die Reue (Tawba) ist das Grundstück, auf dem es steht. Der Glaube (Îmân) ist das Fundament, die guten Taten sind die Stützen und Wände und die Beharrlichkeit im Glauben ist das Dach des Gebäudes. So wie es kein Gebäude ohne Grundstück geben kann, ist es auch nicht vorstellbar, dass es Glauben gibt, ohne die Möglichkeit eine Sünde zu begehen und zu bereuen. Es existiert kein Gebäude ohne Fundament, ähnlich ist auch die Beziehung zwischen guten Taten und dem Glauben. Und in gleicher Weise hat der Glaube ohne die daraus resultierenden guten Taten keine Bedeutung, so wie es kein Gebäude ohne Stützen und Wände geben kann. Schließlich hätte ein Gebäude ohne Dach keinen Schutz, so wie der Glaube und die guten Taten nur schwer ohne Beharrlichkeit und Geduld aufrecht erhalten werden können. Die Erkenntnis, die daraus folgt, ist: Wir müssen uns stets bemühen, keine Sünden zu begehen. Falls wir es nicht schaffen, müssen wir bereuen und uns erneut Gott zuwenden.

Verehrte Geschwister,

der Muslim sollte auch folgende Eigenschaften erwerben, um das Gebäude des Glaubens zu verschönern. Der Gesandte Gottes sagte: „Wenn du folgende vier Eigenschaften hast, ist es gleichgültig, was du im Diesseits verpasst hast: das Anvertraute bewahren, Wahrhaftigkeit, ein guter Charakter, sich von verbotenen Speisen fernhalten und dem Erlaubten zuwenden.“ (Munâvî, Fajzul-Kadîr, Scharhul-Camius-Sagîr, I, 461) Mit dem Anvertrauten sind unter anderem die Religion (Dîn), der Koran, die Hadîthe, die Werke der Gelehrten, die uns anvertrauten Güter, unsere Familie, das Leben, ein uns anvertrautes Geheimnis, eine verantwortungsvolle Position und das Land, in dem wir leben, gemeint. Wahrhaftigkeit meint, das Versprechen zu halten, nicht zu lügen, niemanden zu verleumden und sich von Lug und Trug fernzuhalten. Einen guten Charakter erreicht man, indem man sich den Charakter des Gesandten Gottes Muhammad (saw) aneignet. Ferner muss man jede Art von Nahrung meiden, die verboten oder zweifelhaft ist.

Verehrte Muslime,

diese vier Eigenschaften haben solch eine Auswirkung, dass derjenige, der sie befolgt, im Diesseits wie im Jenseits zum Glück finden wird. Wenn man die Wahl hätte zwischen der ganzen Welt und diesen vier Eigenschaften, würde man nicht falsch liegen, wenn man sich für die vier Eigenschaften entschiede. Unsere Religion beabsichtigt, den Menschen zu vervollkommnen und einen guten Muslim zu schaffen. Diese vier Eigenschaften sind dabei unverzichtbar. Der Mensch, der sie besitzt, wird schließlich sowohl im Diesseits als auch im Jenseits glücklich werden. Der Ort, an dem Menschen leben, die diese vier Eigenschaften besitzen, ist das Paradies. Möge uns Allah zu den Menschen zählen, die an diesem Ort leben dürfen.

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Freitag 10. April 2009
Hutba - Ratschläge vom Gesandten Gottes


„Solange ein jeder von euch seinem Glaubensbruder nicht das wünscht, was er für sich selbst wünscht, solange ist dessen Glauben nicht vollkommen.“ (Muslim, Îmân, 71-72)

Verehrte Muslime,

zu Ehren des Gesandten Gottes Muhammad (saw) haben wir in den vergangenen Wochen große Veranstaltungen durchgeführt und versucht, ihm eine würdige Umma zu sein. Mit dem Bewusstsein, dass sie viele Weisheiten beinhalten, möchten wir in unserer Hutba einige Hadîthe zitieren.

Der erste Hadîth handelt vom Glauben (Îmân), der Aufrichtigkeit (Ichlâs) und der guten Absicht (Nijja). Der Gesandte Gottes sagte: „Die Taten werden gemäß den Absichten beurteilt. Jeder erhält die Gegenleistung für seine Absichten. Wessen Absicht es ist, zu Gott und dem Gesandten zu gelangen, also zu ihnen auszuwandern, der wird für die Hidschra zu Gott und dem Gesandten belohnt. Wer sich für etwas Weltliches oder um einer Frau Willen auf den Weg macht, dessen Hidschra wird nach dem beurteilt, um dessen Willen er auswandert.“ (Buchârî, Bad’ul Wahij 1, Îmân)

Der zweite Ausspruch des Propheten, den wir heute zitieren, stärkt die Geschwisterlichkeit der Muslime untereinander. Er weist darauf hin, wie man sich gegenüber anderen verhalten soll und wie Vorurteile abgebaut werden können. Der Gesandte Gottes sagte: „Etwas zu meiden, was einen nicht (direkt) betrifft, hat mit dem Muslimsein dieser Person zu tun.“ (Tirmizî, Zuhd, 11)

Der folgende Hadîth ist die Grundlage einer jeden Gesellschaft und eine Notwendigkeit auf dem Weg zur Einheit der Muslime: „Solange ein jeder von euch seinem Glaubensbruder nicht das wünscht, was er für sich selbst wünscht, solange ist dessen Glauben nicht vollkommen.“ (Muslim, Îmân, 71-72)

Im letzten Hadîth gibt uns der Prophet einige unverzichtbare Ratschläge, deren Befolgung uns dem Paradies ein großes Stück näher bringen wird. Wer diese Ratschläge befolgt, der wird weder das „Recht Gottes“ noch eines Mitmenschen verletzen. Der Gesandte Gottes sagte nämlich: „Das Erlaubte ist eindeutig und das Verbotene ist eindeutig. Zwischen diesen gibt es Zweifelhaftes, von denen das Volk nicht weiß, ob sie erlaubt oder verboten sind. Wer sich von Zweifelhaftem fernhält, der schützt seine Religion und seine Ehre. Wer das Zweifelhafte nicht meidet, der gerät immer tiefer in den Bereich des Verbotenen. Genauso wie die Herde des Schäfers, der seine Herde an der Grenze eines verbotenen Gebiets grasen lässt, besteht die Gefahr, dass man in den verbotenen Bereich gerät. Seid vorsichtig! Jeder Herrscher hat eine verbotene Zone; die verbotene Zone Gottes sind seine Verbote. Eines solltet ihr wissen: Im Körper des Menschen befindet sich ein kleiner Fleischklumpen. Wenn es diesem Teil des Körpers gut geht, geht es dem ganzen Körper gut. Wenn es ihm schlecht geht, geht es dem ganzen Körper schlecht. Dieser Fleischklumpen ist das Herz.“ (Buchârî, Îmân, 39; Muslim, Musakat, 109)

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Freitag 03. April 2009
Hutba – Alten und behinderten Menschen Respekt erweisen


 

Der Gesandte Gottes sagte: „Wenn ein junger Mensch einem alten Menschen aufgrund seines Alters Respekt erweist, wird ihm Allah Bedienstete erschaffen, die ihm dienen.“ (Tirmizî, 4, 372)

Verehrte Muslime,

das Ziel unserer Religion (Dîn) ist es, dem Menschen Glück im Diesseits und Jenseits (Âchira) zu bescheren. Anderen Menschen gegenüber respektvoll zu handeln, ist ein wichtiges Gebot des Islams. Insbesondere gilt dies, wenn es sich um alte oder behinderte Menschen handelt. Denn überall dort, wo kein respektvoller Umgang herrscht, gibt es Streit und Trauer. Und egal ob mit oder ohne Behinderung, der Mensch ist das wertvollste Geschöpf auf Erden. Denn im Koran heißt es: „Wir erschufen den Menschen gewiss in schönster Gestalt.“ (Sure Tîn, [95:4])

Es gibt unveränderliche, von Gott gegebene Prinzipien. Gott ist es, der festgelegt hat, wann und wo ein Geschöpf geboren wird, was für ein Leben es leben wird und wann und wo es sterben wird. Gemäß dem göttlichen Prinzip hat Gott jeden Menschen anders erschaffen: einige mit, andere ohne Behinderung, einige als Mann, andere als Frau. Manche Menschen haben ein langes, andere wiederum ein kurzes Leben. Doch trotz aller Unterschiede haben alle Geschöpfe Gottes etwas gemeinsam: Sie alle sind Diener Gottes; in dieser Eigenschaft sind alle Menschen gleich. Das Diesseits ist eine Prüfung, und wir alle werden die Erde verlassen, wenn unsere Zeit gekommen ist.

Verehrte Geschwister,

um auf der Erde in Frieden leben zu können, müssen wir uns an einige Regeln halten. Es ist unsere Pflicht als Menschen und als Muslime, uns den alten und behinderten Menschen anzunehmen, egal welcher Religion sie angehören und wo sie herkommen. Denn wer lang genug lebt, wird auch alt werden, und wann uns eine schwere Krankheit treffen wird, weiß nur Allah. Aus diesem Grund sollten wir uns insbesondere um unsere Eltern und alle anderen alten Menschen kümmern, uns nach ihr Wohlbefinden erkundigen und ihnen nach Kräften behilflich sein.

Auch unsere behinderten Mitmenschen verdienen unsere Aufmerksamkeit. Auf der Welt leben Millionen Menschen mit einer Behinderung. Es gehört zu unseren Pflichten, uns um diese Menschen zu kümmern. Denn wir wissen: Wenn wir bedürftigen Menschen helfen, wird uns Allah helfen, falls wir selbst in eine solche Situation geraten sollten. Wir dürfen nicht vergessen, dass Gesundheit eine Gabe Gottes ist, während Krankheit eine Prüfung ist.

Verehrte Muslime,

der Gesandte Gottes sagte: „Wenn ein junger Mensch einem alten Menschen aufgrund seines Alters Respekt erweist, wird ihm Allah Bedienstete erschaffen, die ihm dienen.“ (Tirmizî, 4, 372) Deshalb müssen wir uns den alten und behinderten Menschen annehmen und sie nicht vom gesellschaftlichen Leben ausschließen. Stets sollte man sich daran erinnern, dass das Alter und die Krankheit eine Prüfung darstellen. Wie viele kranke und behinderte Menschen gibt es doch, die ins Paradies gelangen werden; und wie viele gesunde junge Menschen gibt es, auf die im Jenseits nichts Gutes erwartet.

Verehrte Geschwister,

wir dürfen nie vergessen, dass uns eines Tages unsere Gesundheit, unser Besitz und schließlich auch unser Leben genommen werden kann. Die erste Generation, die diese Moscheen unter größten Schweirigkeiten erbaut und betrieben haben, verdient unsere Anerkennung und unseren Respekt. Uns gebührt nichts anderes, als Dankbarkeit und die Fortführung dieser Arbeit. Wir möchten die Hutba mit einem weiteren Hadîth beenden: Der Gesandte Gottes sagte: „Allah schaut nicht auf eure Gestalt und euren Besitz, wohl aber auf eure Herzen und eure Taten.“ (Muslim, Bd. 4, 1987)

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