Freitag 16. April 2010
Hutba – Das Schamgefühl schützt vor Schlechtem
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Der Gesandte Gottes, Muhammad (saw), sagte: „Hayâ bringt nur Gutes.“
Verehrte Muslime,
eines der Eigenschaften, die den Menschen ausmachen, ist das Schamgefühl, arabisch "Hayâ". Als Begriff der islamischen Moral bedeutet Schamgefühl "sich das Schlechte zu meiden", weil man ein schlechtes Gefühl dabei hat. Zudem bezeichnet Hayâ auch den Zustand des Menschen, der sich aufgrund einer Tat schämt und dem man dieses Schamgefühl ansehen kann.
Verehrte Geschwister,
im Koran kommt das Wort Hayâ bzw. Formen davon an drei Stellen vor. Zwei davon beziehen sich auf den Umgang zwischen Menschen. Im 25. Vers der Sure Kasâs steht, dass eine der Töchter des Propheten Schuayb (as) „schüchtern“ zu Moses kam, um ihn zu ihrem Vater zu bringen. Dieses Verhalten wird gelobt. Denn die Grenzen der Religion zu wahren, sich in seinen Aussagen und Handlungen nicht seinen Trieben herzugeben, kann nur der Fall sein, wenn der Muslim Hayâ besitzt.
Verehrte Muslime,
vielen unter uns sind etwa folgende Hadithe bekannt: „Hayâ bringt nur Gutes.“, „Hayâ umfasst nur Gutes.“ Oder „Hayâ gehört zum Îmân (Glauben).“
Dieses Gefühl der Scham, Demut und Bescheidenheit ist eine grundlegende Eigenschaft des Muslims. In einem anderen Hadith weist der Gesandte Gottes darauf hin, dass der Mensch, der kein Schamgefühl besitzt bzw. es unterdrückt, imstande ist, alles zu tun.
Der Mensch sollte also gegenüber seinem Schöpfer anständig und demütig sein. Seine ihm angeborene und natürliche Neigung sollte ihm helfen, Gottes Grenzen nicht zu überschreiten. Und falls es doch passiert, sollte er den Anstand besitzen, Reue zu zeigen und umzukehren.
So wie die Eltern gegenüber ihren Kindern anständig handeln sollten, müssen auch unsere Kinder lernen, was sich vor allem gegenüber ihren Eltern gehört. Denn wer sein Schamgefühl verliert, der wird ein schweres Leben haben – sowohl im Diesseits als auch im Jenseits. Denn die Scham ist ein Teil des Îmân und ein Schutz gegenüber allem Schlechten. Der Muslim sollte sich dies ins Bewusstsein rufen und danach handeln, sei es vor Gott oder den Menschen.
Freitag 09. April 2010
Hutba – Dankbarkeit gegenüber den Gaben Gottes

„Und was deines Herrn Wohltaten anlangt, sprich darüber!“ (Sure Duhâ, [93:11])
Verehrte Muslime,
Dankbarkeit (Schukr) gegenüber einer Gabe oder einer guten Tat äußert sich in Worten, Handlungen oder in Dankbarkeit, die man im Herzen verspürt. Es umfasst, die Bedeutung einer Gabe zu erkennen und diese Erkenntnis zu zeigen. In diesem Sinne wird auch das Wort „Hamd“ verwendet. Unser Prophet sagte: „Ihr zeigt Dankbarkeit, wenn ihr „Alhamdulillâhi rabbil alamîn“ sagt“. Dies zeigt uns die unmittelbare Beziehung von „Schukr“ und „Hamd“. Ferner sagte Muhammad (saw): „Hamd ist der Anfang von Dankbarkeit (Schukr). Wer den Hamd nicht spricht, ist nicht dankbar.“Doch egal ob „Hamd“ oder „Schukr“, letztenendes ist es Allah, dem aller Dank gebührt. Denn er ist der Besitzer von allem, auf ihn gehen alle Gaben zurück.
Verehrte Geschwister,
unsere Dankbarkeit können wir auf drei Weisen zeigen: Zum einen können wir sie in Worte fassen. Wir können Gott gedenken (Zikr), ihn lobpreisen (Tasbîh) oder zu ihm beten (Duâ). Im Koran heißt es schließlich: „Und was deines Herrn Wohltaten anlangt, sprich darüber!“(Sure Duhâ, [93:11]) Die Dankbarkeit gegenüber den Gaben Gottes kann aber auch im Herzen geschehen; und zwar, indem man den Schöpfer, von dem alle Gaben kommen, von Herzen erkennt und anerkennt (Tasdîk). Ein anderer Weg Dankbarkeit zu zeigen, geht über Handlungen. Dies umfasst alle Handlungen, die im Einklang mit dem Willen Gottes stehen. Im Koran heißt es hierzu: „Abraham war fürwahr ein Vorbild der Tugend, gehorsam gegen Allah, lauter im Glauben und kein Götzendiener. Er war für seinen Gnadenerweis dankbar, und er erwählte ihn und leitete ihn auf einen geraden Pfad.“(Sure Nahl, [16:120][16:121])
Verehrte Muslime,
ein anderer Koranvers lautet: „Auch das Opfer von Großvieh haben wir euch als ein Symbol Allahs bestimmt. Ihr habt Gutes an ihnen. So sprecht Allahs Namen über ihnen aus, wenn sie gebunden dastehen. Und nachdem sie auf die Flanke gestürzt sind, esst von ihnen und speist den Bittenden wie den (verschämten) Armen. So haben wir sie euch dienstbar gemacht, auf dass ihr dankbar seid.“(Sure Hadsch, [22:36]) Gott gegenüber für derlei Gaben dankbar zu sein, heißt, diese Gaben gemäß seinem Willen zu verwenden, sie etwa an bedürftige Menschen zu verteilen.
Das Gegenteil von „Schukr“ ist „Kufr“, also die Verneinung der Gaben Gottes. Hierbei darf nicht vergessen werden, dass es Allah selbstverständlich nicht nötig hat, dass seine Diener ihm gegenüber dankbar sind. Der Nutzen der Dankbarkeit kommt dem Diener selbst zugute. So sagt unser Herr im Koran „... Und wer dankbar ist, ist nur dankbar zu seinem Besten. Und wenn einer undankbar ist - wahrlich, mein Herr ist unabhängig und großmütig.“(Sure Naml, [27:40])
Egal, ob der Mensch Dankbarkeit zeigt oder die Gaben Gottes nicht als solche anerkennt, in beiden Fällen ist er für seine Entscheidung verantwortlich. Wer Allah gegenüber Dankbarkeit zeigt, der wird – inschâallâh – im Jenseits dafür belohnt werden. Daher obliegt uns, all das, was uns gegeben wurde, als Gaben Gottes zu erkennen. Dementsprechend ist es unsere Aufgabe, nicht undankbar zu sein und Allahs Gaben gemäß seinem Willen zu verwenden.
Freitag 02. April 2010
Hutba – Der Koran, unsere Quelle

„Und Wir senden vom Koran hinab, was eine Heilung und eine Barmherzigkeit für die Gläubigen ist; den Missetätern aber bringt es noch mehr Verderben.“ (Sure Isrâ, [17:82])
Verehrte Muslime,
unter vielen unzähligen Gaben wurde dem Menschen auch die Offenbarung (Wahy) Gottes zuteil. Ausgehend von Mekka, spricht der Koran zu allen Menschen und Gesellschaften und entwickelt ein neues Verständnis von Mensch und Gesellschaft. In der islamischen Kultur sehen wir fast überall die Handschrift des Korans.
Doch der Koran ist nicht nur geschriebenes Wort. Er spricht zu den Menschen, in jeder Beziehung. Die Verse des Korans sind die Antwort auf die Fragen der Menschheit, auf die Suche nach Rechtleitung (Hidâya) und Weisheit (Hikma). Und umgekehrt ist der gesamte Kosmos, die Natur und der Mensch gleich einem Übersetzer, der jedoch nur von den Gottesfürchtigen (sing. Muttakî) verstanden werden kann. Nur für sie ist der Koran die Quelle der Rechtleitung. Der gottesfürchtige Mensch, also jener, der sich seiner Verantwortung gegenüber Gott bewusst ist, sieht in der gesamten Schöpfung die Zeichen (pl. Âyât) Allahs.
Verehrte Geschwister,
Allah hat alles erschaffen, um jedes einzelne unserer Bedürfnisse zu decken: Nahrung stillt unseren Hunger, Wasser unseren Durst, im Schlaf erholen wir uns und die Sonne spendet uns Wärme und Energie. So wie diese Gaben Gottes entsprechend unserer Bedürfnisse erschaffen wurden, genauso hat uns Gott den Koran gegeben, um die Bedürfnisse unseres Geistes und Verstandes zu stillen. Denn dieses Buch erinnert uns an das Wesen des Menschen, ja der Menschlichkeit. Wir leben in einer Zeit, in der die Menschheit nach Lösungen für all ihre Probleme sucht wie der Verdurstende in der Wüste nach Wasser. Dabei liegt der Koran vor uns wie der Ozean.
Verehrte Muslime,
alles, wonach wir suchen, ist im Koran. Unser familiäres Wohl und Lösungen für unsere sozialen Probleme befinden sich im Koran. Der Koran weist Wege aus den Krisen unserer Zeit. Ihr braucht euch keine Sorgen um eure Familie, Kinder und Freunde zu machen, vertraut sie dem Koran an. Eure Kinder sind es schließlich, die das Licht des Korans in eure Wohnungen tragen werden. Das größte Erbe, dass wir auf dieser Welt zurücklassen können, sind unsere Kinder.
Verehrte Geschwister,
wir haben Grund zur Hoffnung. Denn die kommende Generation wird sich – inschâallâh – dem Koran annehmen. In diesem Sinne sind all unsere Geschwister zum Finale des 22. Europäischen Koranrezitationswettbewerbs am 4. April in Wuppertal herzlich eingeladen. Wir hoffen an diesem Tag euch und insbesondere eure Kinder begrüßen zu dürfen.