02.08.2006 Nachrichten>International
Mehr als 600 Tote im Libanon-Krieg
UN-Kinderhilfswerk UNICEF: „Der Schutz
von Kindern und Zivilpersonen ist eine internationale Verpflichtung in allen
Kriegen“
Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks UNICEF sind bei den Kämpfen im Libanon über 620 Menschen getötet und mehr als 3200 Menschen verletzt worden. Etwa 200 der Todesopfer seien Kinder und Jugendliche, berichtete die Organisation. Mehr als 800.000 Menschen seien auf der Flucht.
Der Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, Dietrich Garlichs sagte: „Der Schutz von Kindern und Zivilpersonen ist eine internationale Verpflichtung in allen Kriegen. Wer diese missachtet, schafft unendliches Leid und ruft nur neue Gewalt hervor.“ UNICEF forderte die Konfliktparteien zur Waffenruhe auf, damit Hilfsorganisationen dringend notwendige humanitäre Hilfe leisten können. Das Kinderhilfswerk wies außerdem auf die dramatische Situation im Gaza-Streifen hin, wo allein im Juli 35 Kinder bei Kämpfen getötet wurden.
Unterdessen hat die israelische Armee ungeachtet internationaler Forderungen seine Bodenoffensive im Libanon ausgeweitet. Hilfsorganisationen beklagten, dass sie wegen den Kämpfen die eingeschlossenen Zivilisten nicht erreichen könnten. Das UN-Welternährungsprogramm kritisierte, dass Israel die Verteilung von Hilfsgütern im Süd-Libanon verhindere. Der WFP-Experte Amer Daoudi sagte: „Die Menschen im Süd-Libanon haben bald keine Lebensmittel, kein Wasser und keine Medikamente mehr. Es gibt viele Arme, Kranke und Alte, die ihre Häuser nicht verlassen konnten.“
Die israelischen Luftangriffe forderten nicht nur zahlreiche Todesopfer, sondern verursachten auch große Umweltschäden. So hatte die israelische Luftwaffe vor zwei Wochen die Öltanks eines libanesischen Kraftwerks zerstört, wodurch sich ein Ölteppich vor der Küste Libanons bildete. Der Ölteppich sei mittlerweile 100 Kilometer lang und könne Schäden und Folgekosten in Höhe von 250 Millionen Dollar verursachen, berichtete der libanesische Umweltexperte Wael Hmaidan. Der Ölteppich könnte sich sogar bis Zypern und in die Türkei ausdehnen, hieß es. Die Umweltschutzorganisationen im Libanon wollen trotz der israelischen Angriffe mit den Aufräumarbeiten beginnen. „Das Problem ist so gravierend und die absehbaren Folgen eines weiteren Abwartens sind so katastrophal, dass uns die Bomben inzwischen egal sind“, sagte Hmaidan. (hv)