09.08.2006 Nachrichten>International
„Die Haltung der EU im Libanon ist empörend“
Vorsitzender der liberalen Fraktion im Europäischen
Parlament, Graham Watson, bezeichnet die Libanon-Politik der EU als „empörend“
Während Israel die Angriffe auf den Libanon fortsetzt, kritisieren Mitglieder des Europäischen Parlaments die Haltung der EU gegenüber dem Libanon-Krieg. Die EU habe nicht einmal zu einem Waffenstillstand aufgerufen, erklärte Graham Watson. „Es ist bedauernswert und traurig. Die EU hat in Sachen Außenpolitik und Sicherheit noch viel zu lernen. Die Glaubwürdigkeit der EU ist ins Schwanken geraten“, so Watson.
Watson erklärte zudem: „Ich verstehe nicht, warum England in der EU gegen einen Waffenstillstand-Aufruf ist. Wenn man gegen einen Waffenstillstand ist, heißt das, man ist mit den Feindschaften zufrieden. Die Ereignisse im Libanon vor allem die Situation der Kinder kann Niemanden auf der Welt glücklich machen. Ministerpräsident Blair und seine Entscheidung Bush bei allem zu unterstützen, ist der Hauptgrund, weshalb England USA in der Nahost-Krise beisteht. Es steht fest, dass Blairs Haltung von vielen Engländern nicht befürwortet wird.“
Die Forderung eines Waffenstillstandes wurde aus der EU-Erklärung entnommen, weil England diesbezüglich starken Druck ausgeübt hat. Mit der Unterstützung Deutschlands, Polens und Tschechiens wurde der Wortlaut „sofortiger Waffenstillstand“ zu „sofortige Beendigung von Feindschaften“ geändert.
Diese Haltung der EU werde der islamischen Welt den Eindruck vermitteln: „Wir sind noch nicht reif genug, um eine Stimme in dieser Angelegenheit zu haben.“ Außerdem deute diese Einstellung darauf hin, dass die EU die Libanon-Politik der USA unterstützt, sagte Watson und fügte hinzu: „Diese Situation ist bedauernswert. Die EU könnte viel mehr für den Frieden im Nahen Osten tun als die USA.“
Vor der EU-Versammlung beschuldigte Watson in einer Stellungnahme
die internationale Gesellschaft für ihre Tatenlosigkeit. Die US-Menschenrechtsorganisation
Human Rights Watch habe Israels mögliche Kriegsverbrechen im Libanon hervorgebracht.
Damit die Nahost-Krise überwindet werden könne, müsse ein interkultureller
und –religiöser Dialog stattfinden. Leider stünden sich die
drei großen Religionen wie Feinde gegenüber. Der Islam, das Judentum
und das Christentum müssten dringend Gespräche aufnehmen, so Watson.
(sa)