10.08.2006 Nachrichten>Deutschland
Vorsitzender der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein kritisiert Israel
Vorsitzender der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein: „Der jüdische Staat lässt für jeden getöteten Israeli zehn Libanesen umbringen und legt ganze Stadtviertel in Schutt und Asche“

Laut einem Bericht der „Tageszeitung“ (TAZ) hat der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein, Rolf Verleger, der zugleich ein Mitglied des Direktoriums des Zentralrats der Juden ist, die Angriffe der israelischen Armee auf den Libanon scharf kritisiert und dem Zentralratschef vorgeworfen, in öffentlichen Stellungnahmen die dunkle Seite der israelischen Politik im Libanon und gegenüber den Palästinensern zu verschweigen.

Der Zentralrat der Juden hatte mehrfach öffentlich seine Solidarität mit Israel bekundet und die libanesische Regierung für den Konflikt verantwortlich gemacht. In einem internen Brief an die anderen Direktoriumsmitglieder habe Verleger kritisiert, dass der Zentralrat „öffentlich Partei für die militärischen Maßnahmen der israelischen Regierung gegen den Libanon ergriffen“ hat. „Dazu kann und will ich nicht schweigen“, sagte er.

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein warnte zudem, dass die Militäraktion Israels den Zorn vervielfacht. Die Präsidiumsmitglieder wüssten so gut wie er selbst, dass der Konflikt im Libanon eine Folge des ungelösten Palästina-Konflikts sei.

Laut TAZ heißt es in Verlegers Brief, der jüdische Staat diskriminiere andere Menschen und bestrafe sie in Kollektivverantwortung, praktiziere Tötungen ohne Gerichtsverfahren, lasse für jeden getöteten Israeli zehn Libanesen umbringen und ganze Stadtviertel in Schutt und Asche legen. „ Ich kann doch wohl vom Zentralrat der Juden in Deutschland erwarten, dass dies wenigstens als Problem gesehen wird.“

Verleger habe jedoch von der Präsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch, eine ablehnende Antwort erhalten. Zwei andere Präsidiumsmitglieder, Hanna Sperling und Heinz Joachim Aris, hätten ebenfalls keinerlei Verständnis für ihn gezeigt. (hv)

 

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