29.08.2006 Nachrichten>Deutschland
Islamratsvorsitzender: „Auch Muslime sind vom Terror betroffen“
Kizilkaya: „Wir sind froh, dass der mutmaßliche Täter gefasst ist“

Die Muslime in Deutschland haben die vereitelten Kofferbomben-Anschläge scharf verurteilt und zugleich vor einem Generalverdacht gegenüber Muslimen gewarnt. Der Vorsitzende des Islamrats, Ali Kizilkaya, sagte: „Wir sind froh, dass der mutmaßliche Täter gefasst ist, nicht aber darüber, dass erneut Hysterie spürbar wird, ein mehr oder weniger offen vorgebrachter Generalverdacht gegen Muslime. Damit sind wir doppelt getroffen, denn auch wir können als Bürger, Bahnkunden oder Fluggäste Opfer eines Anschlags werden.“

Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime (ZMD), Aiman Mazyek, kritisierte, „die Signale aus Politik und Gesellschaft seien eher besorgniserregend als hoffnungsvoll“. „Man wird schief angesehen, auch Drohmails gehen bei uns ein“, sagte er. Mazyek kritisierte zudem, ein Verbrechen an einer Religion festzumachen. Der Generalsekretär sagte: „Ein Mord bleibt ein Mord, ein Mordversuch ein Mordversuch, egal welcher Religion der Täter angehört. Ist Milosevic ein Massenmörder oder ein orthodoxer Christ?“

Mazyek und Kizilkaya kritisierten auch die Erwartung an die muslimischen Gemeinden und Organisationen, sie könnten die Terrorbekämpfung übernehmen. Der Islamratsvorsitzende sieht das als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. „Ich möchte auch nicht, dass nun jeder seinen muslimischen Nachbarn beobachtet, sofern das nicht schon eine Überwachungskamera tut“, sagte Kizilkaya.

Der ZMD-Generalsekretär beklagte außerdem, viele Muslime seien eingeschüchtert. Gerade die, die beruflich gut dastehen, die politisch arbeiten, in Verbänden mitmachen, deprimiere dieses feindselige Klima. Junge Muslime, die in erfolgreichen Muslimen ein Vorbild sehen könnten, könnten sagen: „Seht doch, wie es euch geht. Da muss ich euren Weg doch gar nicht erst gehen.“ „Dann hätten die Terroristen wirklich gesiegt“, so Mazyek

Kizilkaya und Mazyek sagen, dass man die Menschen nicht ausgrenzen sollte, sondern ihnen das Gefühl geben, dass sie dazugehören. „Dann hat man schon viel für die Terrorprävention getan.“ (hv)


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