24.08.2007 Nachrichten>Deutschland
Experten kritisieren Fixierung der Sicherheitspolitik auf den Anti-Terror-Kampf
Wiefelspütz: „Der Kampf gegen den
Terrorismus überschattet die Gefahren der herkömmlichen Kriminalität“
Nach den Mafia-Morden in Duisburg von letzter Woche, bei denen sechs Italiener erschossen wurden, ist eine neue Debatte über Kriminalitätsbekämpfung entbrannt. Kritiker warnen, dass die Sicherheitspolitik zu stark auf Terrorismusbekämpfung ausgerichtet sei und die Aufmerksamkeit auf die herkömmliche Kriminalität zunehmend schwinde.
Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dieter Wiefelspütz, warnt: „Der Kampf gegen den Terrorismus überschattet die Gefahren der herkömmlichen Kriminalität. Dass ein Mensch in Deutschland Opfer eines terroristischen Anschlags wird, ist tausendfach unwahrscheinlicher als Opfer der organisierten Kriminalität zu werden.“
Auch Wilfried Albishausen, Vorsitzender des Bundes der Kriminalbeamten, kritisiert die einseitige Sicherheitspolitik. Albishausen sagte: „Nach den Anschlägen vom 11. September wurden versierte Beamte aus der organisierten Kriminalität zur Terrorabteilung versetzt“. Die Polizei in Duisburg etwa hätte keine Hinweise auf die Tat gehabt, obwohl eines der Opfer nach Angaben der italienischen Polizei schon lange wegen Mordes gesucht worden war.
Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, warnte ebenfalls, die organisierte Kriminalität, die eine immer größere Bedrohung darstelle, sei „aus dem Blickwinkel der Öffentlichkeit geraten.“ (hv)