Sonntag 24. August 2008
US-geführte Koalitionstruppen töten Zivilisten in Afghanistan

Bei einem Luftangriff in der Provinz Herat kamen afghanische Zivilisten ums Leben, darunter auch zahlreiche Frauen und Kinder.

Der Angriff, der rund 70 Zivilisten das Leben kostete, wurde vom afghanischen Präsidenten aufs Schärfste kritisiert.

Auf der anderen Seite erklärte das US-Militär jedoch, die Toten seien Taliban-Kämpfer gewesen, für die der Angriff ausschließlich galt. Doch bereits zuvor wurden die US-geführten Koalitionstruppen sowohl vom afghanischen Präsidenten als auch von den Vereinten Nationen bei ihren Angriffen zu größerer Vorsicht aufgerufen. Denn erst Mitte Juli töteten Koalitionstruppen bei einem US-Luftangriff auf eine Hochzeitgesellschaft in der Provinz Nangarhar 47 Zivilisten, darunter auch Frauen und Kinder. Die Nato gerät wegen der hohen Opferzahl immer mehr in Kritik. (ab)

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Freitag 22. August 2008
Außerordentliche Dienstleistung der Apotheken in England im Ramadan für Muslime

Die drittgrößte Apothekenkette Englands, The Cooperative Pharmacy, will die Muslime in England während dem Fastenmonat Ramadan gesundheitlich betreuen. Die Apothekenkette hat ihre Mitarbeiter speziell zu diesem Zweck unterwiesen.

Die Apothekenkette mit über 800 Niederlassungen in ganz England wird zu Beginn des Fastenmonats Ramadan, der am ersten September beginnt, muslimische Patienten kostenlos betreuen. Einer der Vorsitzenden der Apothekenkette, Adrian Price, teilte diesbezüglich der Zeitung „The Telegraph“ mit, dass Muslime für die Dauer des Fastenmonats die Einnahmezeiten ihrer Medikamenten, gar ihre Dosis, ohne professionelle Beratung ändern würden. „Mit Hilfe unserer Service und Beratung während der Fastenzeit werden mögliche gesundheitliche Risiken beseitigt. So haben wir uns vorgenommen, die Kontrolle der Medikamenteneinnahme unserer Patienten speziell für den Fastenmonat zu verstärken.“

Die Mitarbeiter der Apotheken werden Muslime beraten, wie sie ihre Medikamente vor oder nach dem Fasten einnehmen können, ohne ihre Gesundheit zu gefährden. Eine mögliche Lösung sei die Einnahme von Medikamenten, die eine längere Wirkung zeigen. „Wir sind uns der verschiedenen kulturellen Identitäten und des religiösen Bewusstseins unserer Patienten bewusst und respektieren sie natürlich auch bei unserer Betreuung“, versicherte Price. Er riet muslimischen Patienten dazu, sich im Falle ihrer medikamentösen Einnahmen unbedingt mit der nächstgelegenen Apotheke in Verbindung zu setzen. In England leben ca. zwei Millionen Muslime, deren Mehrheit aus Pakistan, Indien und Bengalen stammen. (ab)

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Dienstag 19. August 2008
Albanische Muslime schützten Juden vor Nazis

In einer Fotodokumentation belegt der jüdisch-amerikanische Fotograf Norman Gershman die Rettung von Juden durch die albanischen Muslime. Fünf Jahre lang habe der Fotograf Fotos von muslimischen Rettern in Albanien gesammelt, die während des Zweiten Weltkrieges viele Juden auf eigene Lebensgefahr gerettet haben.

Gershman habe während des Projekts „Besa: eine Regel der Ethik“ zunächst generell nach nicht-jüdischen Menschen gesucht, die während der Nazizeit die jüdischen Mitbürger vor dem Tod gerettet haben. Er sei sehr überrascht gewesen, als er erstmals erfahren habe, dass sich unter ihnen auch albanische Muslime befanden. Auf die Namen der albanischen Muslime sei er vor allem in der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte „Jad Vaschem“ gestoßen“.

Mit dem Projektnamen „Besa“ hat Gershman auch eine albanische Bezeichnung für sein Unterfangen gewählt. „Besa“, was soviel wie Ehre, Glaube und das Halten von Versprechen bedeute, sei ein über tausend Jahre altes albanisches Prinzip, dass jeden verpflichtet, all diejenigen zu beschützen, die Schutz bei ihm suchen.

„Ich schätze mich sehr glücklich, dass ich allen die Geschichte der muslimischen Helden erzählen konnte“, erklärte Gershman bei der Vorstellung des Projekts. Vor allem habe er bei seiner Informationssuche erfahren, dass die „Besa“ dank des Islams auch kulturell in Albanien verfestigt sei. Daher sei es für die Muslime in Albanien undenkbar gewesen, die jüdischen Mitbürger den Nazis zu überlassen. Er sei auf keinen Beleg gestoßen, der das Gegenteil bezeuge, sagte Gershman. Dies habe Letztendes auch dazu geführt, dass die Zahl der in Albanien lebenden Juden sich nach dem Krieg verzehnfacht hat. Albanien sei insoweit das einzige Land gewesen, das unter der Eroberung vob Nazis die Juden geschützt hat.

„Wir geben dem Freund die Besa, aber wir verkaufen sie nicht“

Auch aus den Akten zur Rettung der Juden in Albanien, die der Präsident des Staatsarchivs, Shaban Sinani, publiziert hat, geht hervor, dass praktisch alle Juden, die in Albanien die Zuflucht gesucht haben, gerettet wurden. Über die Rettung der Juden in Albanien schreibt die Journalistin Christine von Kohl: „Trotz aller Schrecken, die Befreiungs- und Bürgerkrieg für die albanische Bevölkerung bedeuteten, wurde kein Jude an die Deutschen ausgeliefert. Erst im letzten Moment, im Frühjahr 1944, unternahm die Gestapo in Tirana die ersten Schritte zur Registrierung der in Albanien lebenden Juden. Angesichts der großen Gefahr, die das Verstecken von deutschen Juden bedeutete, war der Schutz (durch die Besa), welcher ihnen geboten wurde, eine bemerkenswerte moralische Leistung. Darüber gibt es eine Reihe glaubwürdiger Zeugenaussagen“.

Einige dieser Zeugenaussagen gibt von Kohl wie folgt wieder: „Vom Mut und der Geistesgegenwart albanischer Gastgeber, bei denen Juden wohnten, zeugt unter anderem der Bericht von Mark Menahem, der bei einer Familie in Tirana im Versteck lebte. Als die Deutschen an die Tür klopften, steckte ihn die Hausfrau, deren Mann gerade nicht zu Hause war, in dessen Bett und stellte Mark als ihren kranken Mann vor. Josef Jakoel wiederum berichtet, dass sein Freund nach dem Krieg seinem albanischen Retter als Dank einen Geldbetrag zukommen lassen wollte und folgende Antwort erhielt: „Ich habe Dich als einen Freund behalten, ich habe Dir die Besa erwiesen, unseren traditionellen Schutz für einen Gast – wir geben dem Freund die Besa, aber wir verkaufen sie nicht“. Die Besa meint das unverbrüchliche Wort, den Schwur, die persönliche Treue, den zuverlässig gewährten Waffenstillstand. Das Halten der Besa ist unverzichtbare Voraussetzung der persönlichen Ehre eines Mannes, auch wenn er und seine Familie größte Gefahren und schwerste Opfer in Kauf nehmen müssen.“

Die Fotodokumentation von Norman Gershman, die erstmals in Jad Vaschem ausgestellt wurde, kann zurzeit im UN-Hauptquartier besichtigt werden. Von hier aus soll sie weltweit an verschiedenen Orten ausgestellt werden. Zudem werde an einem Fotobuch und einer Fernsehdokumentation gearbeitet. (ab)

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Montag 18. August 2008
Kriegsverbrecher Radovan Karadzic von Großmächten geschützt

Die frühere Sprecherin der UNO-Chefanklägerin Carla Del Ponte, Florence Hartmann, vom UNO-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) sagte, dass die Überführung des 13 Jahre lang gesuchten Kriegsverbrechers Karadzic von den Ländern USA und Frankreich bewusst verhindert worden sei. Damit habe man versucht eigene Fehler zu vertuschen.

„Die Überführung Karadzics ist mindestens ein paar Mal von Chirac und einmal von Clinton persönlich verhindert worden“, erklärt Hartmann, die sich dabei auf Beratungsgespräche beruft, an denen sie nach eigenen Angaben teilgenommen habe. Diese Mächte hätten so gehandelt, um einen Prozess zu verhindern, bei dem möglicherweise zutage gekommen wäre, dass sie bereits vor 1995 über die Pläne des früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic Bescheid wussten, schreibt Hartmann in ihrem im Herbst des Vorjahres erschienenen Buch „Friede und Bestrafung“ („Paix et Chatiment“).

Hartmann erklärt darin zudem, dass das ICTY sogar die genaue Adresse des Kriegsverbrechers Ratko Mladic gekannt und an die CIA übermittelt habe. Zudem wisse man, dass er etwa zweimal im Spital in Belgrad gelegen sei und sogar eine staatliche Pension bezogen habe. Karadzic habe mit Kenntnis der NATO und mit finanzieller Hilfe aus Belgrad in Bosnien gelebt. Nach seiner Festnahme behauptete Karadzic vor dem Den Haager Kriegstribunal, dass der damalige US-Unterhändler Richard Holbrooke ihm Immunität versprochen habe, wenn er sich aus der Politik zurückziehe. Holbrooke bestreitet dies.

Karadzic wird des Verbrechens beschuldigt, während seiner Amtszeit als Präsident Kriegsverbrechen, Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit befohlen zu haben. Er wird unter anderem für das Massaker von Srebrenica verantwortlich gemacht. (ab)

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Mittwoch 13. August 2008
„Der Iran ist ein Freund des israelischen Volkes“

Der iranische Vizepräsident, Esfandiar Rahim Maschai, hat den Iran als Freund aller Völker bezeichnet. In seiner amtlichen Webseite äußerte sich Maschai auch wohlwollend über Israel und die USA. Dennoch bleibt die Lage angespannt.

Der Iran sei ein „Freund des israelischen Volkes“, erklärte der Vizepräsident, der für die Förderung des Fremdenverkehrs und der historischen Stätten des Irans zuständig ist. „Der Iran ist heute mit dem amerikanischen und dem israelischen Volk befreundet“, sagte er am Sonntag. Maschai gilt als ein enger Vertrauter des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad.

Dabei bleiben die Beziehungen zwischen dem Iran und dem Westen weiterhin ambivalent und angespannt. Die Regierung in Washington hat im Zusammenhang mit dem Streit um Teherans Atomprogramm Sanktionen gegen fünf iranische Unternehmen verhängt. Jegliche Guthaben der Firmen würden eingefroren und amerikanische Bürger oder Unternehmen dürften keine Geschäfte mehr mit ihnen machen, kündigte das Finanzministerium am Dienstag an.

Der Iran warnte dagegen vor einem „Überraschungsangriff“. Iranischen Pressemeldungen zufolge sind drei große Kriegsschiffe der USA auf den Weg in den Persischen Golf. Eine andere Meldung der Zeitung „Teheran Times“ weist auf ein großes Seemanöver der iranischen Flotte hin. Die iranischen Streitkräfte sollen damit in die Lage versetzt werden, mögliche Schläge zu beantworten, erklärte der Flottenkommandeur Ali Mohammad Salami gegenüber der Zeitung. (sa)

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Freitag 08. August 2008
Schwere Vorwürfe gegen die US-Regierung

Der US-amerikanische Autor und Pulitzer-Preisträger für Fachjournalismus, Ron Suskind, wirft der Regierung in Washington vor, Dokumente gefälscht zu haben, um eine Verbindung zwischen dem irakischen Diktator Saddam Hussein und Mohammed Atta zu erstellen

In seinem neuen Buch „The Way of the World“ schreibt Suskind wie der ehemalige CIA-Chef George Tenet den damaligen irakischen Geheimdienstchef Tahir Jalil Habbush dazu anheuert habe, einen Brief zu unterzeichnen, worin er behauptet, dass Atta, der eines der Flugzeuge in das World Trade Center gesteuert haben soll, für seine Mission im Irak trainiert worden ist. Habbush sendete den Brief im Dezember 2003 anschließend an einen britischen Journalisten. Laut Suskind habe Habbush nach dem Einmarsch der US-Truppen in den Irak fünf Millionen Dollar von der CIA erhalten.

Zur Legitimation des Irakkrieges hatte die USA angebliche Massenvernichtungswaffen und Verbindungen zur Al-Kaida vorgeschoben. Der stellvertretende US- Verteidigungsminister, Paul Wolfowitz, hatte jedoch wenig später erklärt, dass Berichte über irakische Massenvernichtungswaffen in erster Linie aus politischen Gründen für einen Krieg gegen Bagdad genutzt worden seien. „Aus bürokratischen Gründen“ habe sich die US-Regierung auf dieses Thema konzentriert, weil es „der eine Grund war, dem jeder zustimmen konnte“, so Wolfowitz. Sie seien niemals der Kriegsgrund für die USA gewesen, sagte er gegenüber „Vanity Fair“.

Einer Studie der Institutionen „Opinion Research Business“ (ORB) und „Institute for Administration and Civil Society Studies“ (IIACSS) zufolge, sind seit der US-geführten Besatzung im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. (sa)

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Freitag 01. August 2008
Karadzic dem UNO-Kriegstribunal vorgeführt

Der ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic ist am Donnerstag an das UNO-Kriegsverbrechertribunal in die Niederlande überstellt worden. Die serbische Regierung hatte in der Nacht zum Mittwoch der Auslieferung Karadzics zugestimmt.

Der Chefankläger Serge Brammertz erklärte, dass der Prozess erst in einigen Monaten beginnen werde. Er wolle aus dem hinausgezögerten Milosevic-Prozess lernen, kündigte Brammertz an. „Es wird eine komplizierte Verhandlung, aber wir sind uns vollkommen im Klaren darüber, wie wichtig es ist, effizient zu sein.“ Karadzic werde sich, wie der frühere serbische Präsident Slobodan Milosevic, selbst verteidigen, sagte sein Anwalt Svetozar Vujacic. Ihm wird unter anderem Völkermord im Bosnien-Krieg in den Jahren 1992 bis 1995, Verschwörung zum Völkermord sowie zahlreiche Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last gelegt.

In seiner ersten Einvernahme durch den niederländischen Richter Alphons Orie erklärte Karadzic, dass die USA ihm Straffreiheit zugesichert hätten, wenn er sich völlig aus der Politik zurückziehe. Zu der Anklageschrift wolle er sich jedoch später äußern, sagte Karadzic. Damit nahm er sein Recht in Anspruch, 30 Tage zu warten, bis er auf schuldig oder nicht schuldig plädiere. Richter Orie berief eine neue Sitzung für den 29. August ein.

Während dessen wird der ehemalige bosnische Serbenführer von seinen Anhängern in Serbien weiterhin als Held gefeiert. Sowohl seine Verhaftung als auch die gestrige Auslieferung führten zu schweren Krawallen. Die Demonstranten liefern sich seitdem gewaltige Gefechte mit der Polizei.

In den Belgrader Zeitungen werden fast täglich neue Einzelheiten über die Lebensführung Karadzics während der 13-jährigen Flucht bekannt. Der 63-jährige habe unbehelligt in Belgrad gelebt. Mit einem Vollbart und langen Haaren hatte er sein Äußeres völlig geändert. Der studierte Mediziner und Psychiater habe laut Medienberichten auch außerhalb Serbiens medizinische Dienste erwiesen. Österreichische Zeitungen berichteten von mehreren Reisen des Kriegsverbrechers nach Wien. Gegenüber dem Belgrader Boulevardblatt erklärte Karadzic, dass er überzeugt gewesen sei, „dass mich niemand erkennt“. Dieser Hochmut verleitete ihn schließlich dazu, bei öffentlichen Vorlesungen und Gesundheitsforen aufzutreten und vor laufenden Kameras Reden zu halten. (sa)

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