03.12.2006 Nachrichten>International
Krise um Amtseid in den USA
Der erste muslimische Abgeordnete im US-Kongress, Keith Ellison, löste mit seinem Wunsch, den Eid im Kongress auf den Koran abzulegen, Kritik bei den Republikanern in den USA aus

Die Entscheidung des 43 jährigen demokratischen Abgeordneten Ellison stieß in Oppositionskreisen auf heftigen Widerstand. Die Opposition vertritt die Ansicht, dass die Bibel für das amerikanische Volk eine vereinheitlichende Funktion habe und die Kongressabgeordneten ihren Eid auf die Bibel abzulegen hätten, wenn sie der USA dienen wollen. Sie behaupten, nur der Eid auf die Bibel sei in den USA gesetzlich akzeptabel und wer seinen Eid nicht auf die Bibel ablege, könne nicht im Kongress das Volk vertreten.

Laut Gesetz legen die Abgeordneten und Senatoren ihren Eid auf der Bibel ab. Das Gesetz sieht bisher keine Regelung für Andersgläubige vor, es bedürfte demnach einer besonderen Erlaubnis für den Eid von Keith Ellison.

Der Schriftsteller und Kolumnist Dennis Prager gehört zu den Kritikern dieses Wunsches. Prager sagt, man dürfe auf keinen Fall die Eidesleistung auf den Koran von Ellison zulassen. „Dies bedeutet nicht, dass die Vereinigten Staaten kein Freund des Korans sind. Die Eidesleistung auf die Bibel laut dem offiziellen Gesetz wiederspiegelt aber die amerikanische Kultur“, so Prager zu diesem Thema. Im privaten Leben stehe jedem frei, auf welchen Buch er glauben möchte. Ellison könne sogar, wenn er wolle, die Bibel ironisierende Karikaturen zeichnen, sogar Unterstützung hierfür kriegen, er habe aber seinen Eid auf die Bibel abzulegen, wenn er dem amerikanischen Volk dienen wolle.

Resonanz zu den Worten von Dennis Prager ließ nicht auf sich warten. „Es ist offensichtlich, dass einige Konservative nicht einen muslimischen Abgeordneten im Kongress willkommen heißen. Die Behauptung, die Amerikaner würden nur die Bibel in so einem Fall akzeptieren ist nicht nur falsch, sondern laut dem Artikel 6 des Grundgesetzes auch illegal. Die weitere Behauptung, die Amerikaner würden entscheiden, welches Buch bei der Eidesleistung von Abgeordneten verwendet wird, ist ebenfalls falsch, geschweige denn dass es ein einheitliches Buch bei der Eidesleistung gibt“, hieß es in einem Kommentar. Außerdem wurde darauf aufmerksam gemacht, dass in Hawaii ein Budist namens Mazie Hirono die Erlaubnis erhalten habe, den Eid auf irgendeinem Buch leisten zu können und es wurde unterstrichen, diese Lage würde entgegen Prager nicht die gesellschaftliche Struktur verletzen.

Von Abgeordnetenseite bekam Ellison Untestützung: „Er glaubt an den Koran, und nicht an die Bibel. Daher ist es sein Recht, auf das Buch sein Eid abzulegen, auf das er glaubt.“ Ellison trat mit 19 Jahren vom Christentum zum Islam über. Bei der Wahlkampagne forderte er vor allem den Rückzug der Amerikaner aus dem Irak. (ab)

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