07.12.2006 Nachrichten>Deutschland
Zehn Millionen Menschen in Deutschland sind armutsgefährdet
Eine Studie des Statistischen Bundesamts zeigt,
dass im Jahr 2004 13 Prozent der Bevölkerung in Deutschland von Armut bedroht
waren
Einer
Studie des Statistischen Bundesamts zu Folge waren im Jahr 2004 in Deutschland
mit 10,6 Millionen Menschen (13 Prozent der Bevölkerung) von Armut bedroht.
1,7 Millionen unter ihnen seien Kinder gewesen. Von Armut bedroht seien die
Menschen, die nur 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens (1427 Euro) bekommen.
Für Alleinerziehende entspreche das 856 Euro. Für eine Familie mit
zwei Kindern unter 14 Jahren liege die Armutsgefährdungsgrenze bei 1798
Euro, für eine alleinerziehende Mutter mit einem Kind unter 14 Jahren bei
1113 Euro.
Der Vizepräsident des Statistischen Bundesamts, Walter Radermacher, sagte: „Armutsrisiken sind vor allem Arbeitslosigkeit und fehlende Bildungsabschlüsse.“ Demnach seien 24 Prozent der Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung armutsgefährdet. Dagegen liege der Anteil, der von Armut Gefährdeten mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung, bei elf Prozent. Am wenigsten seien Hochschulabsolventen (acht Prozent) von der Armut bedroht. Auch zeigt die Studie, dass die Bildung der Eltern einen sehr großen Einfluss hat. Bei Eltern ohne einen Schulabschluss waren etwa 25 Prozent der Kinder armutsgefährdet. Bei Familien, in denen mindestens ein Elternteil einen Schulabschluss hatte, waren nur noch zehn Prozent der Kinder armutsgefährdet.
Laut der Studie sind Alleinlebende bis 24 Jahre (53 Prozent) am häufigsten von Armut bedroht, Vollzeiterwerbstätige ohne oder mit einem Kind dagegen am wenigsten.
Auch geht aus der Studie hervor, dass in Ost-Deutschland (17 Prozent) mehr Menschen von der Armut bedroht sind, als in West-Deutschland (12 Prozent). Bei den Rentnern ist es jedoch umgekehrt. Während in Ost-Deutschland 11 Prozent der über 65-Jährigen von Armut bedroht sind, sind es in West-Deutschland 16 Prozent. 20 Prozent der Betroffenen sparen der Umfrage nach bei Arztbesuchen und heizen weniger ihre Wohnungen. Für die Studie „Leben in Europa“, die in 14 europäischen Ländern durchgeführt wurde, wurden in Deutschland 13.000 Haushalte befragt.
Radermacher sagte, dass im europäischen Vergleich die
Armutsgefahr in Deutschland unter dem Durchschnitt sei. In Irland, Portugal
und der Slowakei seien 21 Prozent, in Spanien 20 und in Italien 19 Prozent armutsgefährdet.
In Frankreich liege dieser Wert bei 14 Prozent, in Österreich bei 13 und
in Skandinavien sowie in Luxemburg bei elf Prozent.
Diese Angaben stammen aus den Jahren 2003 und 2004. „Wie sich die Hartz-Gesetze
auf die Armutsgefahr auswirken, wird sich erst in der nächsten Studie in
einem Jahr zeigen“, sagte Radermacher. (hv)