22.12.2006 Nachrichten>International
„Allianz der Zivilisationen“ in den USA
Der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan gab bei seiner USA-Reise anlässlich des Projektes „Allianz der Zivilisationen“ wichtige Botschaften

Den Auftakt des Besuches des türkischen Premierministers bildete seine Ansprache vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen. Erdogan erklärte, dass er direkt aus Konya in die USA gereist sei und gab Beispiele von Mawlana und seine Auffassung über die Liebe. „Der Kern aller reinen Religionen ist die Liebe“ und „Der Friede muss zunächst im Herzen des Menschen zustande kommen“ waren die Worte von Mawlana, auf die Erdogan aufmerksam machte. Weiterhin sagte er, dass kein religiöser Glaube die Quelle von Gewalt und Hass sein könne.

Erdogan beantwortete dir Fragen der Reporter bei einer Pressekonferenz im UN-Gebäude und erinnerte an den vom UN-Generalsekretär Kofi Annan vor zweieinhalb Jahren entworfenen und durch die Griechen gescheiterten Zypern-Plan und sagte: „Wenn ein Bericht seit Jahren nicht behandelt wird, wirft das Fragen auf und führt zu Vertrauensverlust. Wir hoffen auf eine baldige Antwort auf diese Fragen. Erdogan äußerte sich zu den vorgezogenen Neuwahlen in Palästina trotz kürzlich abgeschlossener Wahlen und deutete dies als „eine negative Einstellung zum demokratischen Prozess“. Nach den Reden von Erdogan und Zapatero, spanischer Premierminister und Ko-Vorsitzender der Initiative „Allianz der Zivilisationen“, gab das West-Eastern Divan Orchestra ein Konzert in der UN-Generalversammlung. Das vom vor drei Jahren verstorbenen palästinensischen Intellektuellen Edward Said und dem jüdischen Dirigenten Barenboim gegründete Orchester widerspiegelte mit dem Konzert vor der UN genau die Allianz der Zivilisationen in Musik. Annan machte in seiner Rede auf die Gründung des Orchesters durch einen Palästinenser und einen Juden aufmerksam und sagte: „Das zeigt uns ein wunderbares Beispiel an Versöhnung.

Die Gründer dieses Orchesters personifizierten nicht nur die wunderbaren Eigenschaften ihrer eigenen Kultur und Nation, sondern opferten sich für Frieden und Gerechtigkeit in ihren Ländern.“ Zapatero sagte außerdem, dass die arabischen und israelischen Musiker in dem Orchester durch die Musik vereint seien. Das Treffen im Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York wurde mit einem Empfang zu Ehren von Annan beendet. Erdogan unterhielt sich bei dem Empfang neben Kofi Annan und Zapatero unter anderem auch mit Ban Ki-Moon, der zum 1. Januar Annan ablösen wird, dem deutschen Ex-Außenminister Joschka Fischer und dem namhaften Musiker Yusuf Islam. Erdogan sprach außerdem an seinem zweiten Besuchstag in den USA zu den Nachrichtensendern PBS und CNN. Er kam außerdem mit den Redakteuren der Zeitung New York Times zusammen und traf sich mit dem ehemaligen US-Vize-Außenminister Richard Holbrook.
Erdogan gab vor seiner Abreise in New York eine Pressekonferenz und sagte, dass der Konflikt in Irak nun zu einem Bürgerkrieg ausgeartet sei. „Ein Vorfall, bei dem 650 000 Menschen ums Leben gekommen sind, darf nicht als ein belangloses Thema abgestempelt werden. Das ist ein Bürgerkrieg. Wenn dann in Zukunft das irakische Land zerteilt wird, wird das noch viel schlimmere Folgen haben. Wir versuchen gerade, das zu verhindern und hoffen auf ein baldiges Resultat“, fuhr Erdogan fort. Zudem bringe der Einsatz von mehr amerikanischen Soldaten in Irak keinen Erfolg sondern müsse im Gegenteil stufenweise reduziert werden. Dies müsse dann allerdings planmäßig ablaufen und dem irakischen Volk erörtert werden. Erdogan äußerte außerdem den Wunsch, mit der USA zusammen zu arbeiten, um einen möglichen Bürgerkrieg in Irak vorzubeugen und sagte, dass Türkei, Iran und Syrien mit den USA Zweier- oder Dreier-Treffen vereinbaren können. Außerdem unterstrich Erdogan die Notwendigkeit einer internationalen Übereinstimmung und eine Einigung der irakischen Nachbarländer mit den USA und dem UN-Sicherheitsrat. (ab)

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