Orte der Offenbarung-Medina al-Munawwara-Die erleuchtete Stadt
Ein Kommentar von M. Hulusi Ünye
Die Hadsch gehört zu den fünf Säulen des Islams und ist eine Pflicht, deren Ausführung man fast als eine Probe des Todes und der Wiederauferstehung bezeichnen kann. Die Zeit der Pilgerreisen hat begonnen. Wir befinden uns derzeit in der erleuchteten Stadt unseres Propheten Muhammed (saw), deren Name ursprünglich Yathrib hieß. Pilger aus der ganzen Welt beleben die Stadt. Sie laufen in ihrer gewöhnlichen Kleidung oder haben bereits das Hadsch-Gewand übergezogen. Durch die neu errichteten Hotels um die Masdschid an-Nabawi verändert sich der Anblick auf die Stadt jedes Jahr aufs Neue. Wenn die Hotels fertig gebaut sind, werden die angereisten Pilger Übernachtungsmöglichkeiten haben und leichter ihre Besuche und Gebete in der Masdschid an-Nabawi verrichten.
Über 1000 Geschwister, die diese heilige Reise mit der IGMG-Hadsch- und Umraorganisation angetreten sind, befinden sich nun in der heiligen Stadt. Wir danken Allah teala, dass Er es uns auch dieses Jahr ermöglicht hat, die Hadsch durchzuführen und gleichzeitig unseren Geschwistern bei ihrer Pflicht behilflich zu sein.
In diesem ersten Artikel über die Hadsch möchte ich die Stadt Medina mit einer lexikalischen Erläuterung kurz vorstellen.
Die Geschichte von Medina
Medina al-Munawwara ist die gesegnete Stadt, in der der erste islamische Staat gegründet wurde. Sie zählt zu den drei Moscheen, deren Besuch ein Gottesdienst ist. Medina befindet sich in dem Hidschaz-Gebiet in Saudi Arabien. Der ursprüngliche Name Yathrib wurde von Muhammed (saw) zu Medina umgeändert. Neben diesen beiden Städtenamen gibt es noch weitere: Taba, Tayyiba, Dar al-Iman, Dar as-Sunna, Azra, Dschabira, Madschbura, Muhabba, Mahbuba, Qasima, Qasamat al-Dschabira, Yandada.
Medina liegt ca. 400 km nördlich von Mekka und ungefähr 200 km vom Roten Meer entfernt. Die Stadt ist umgeben von den Bergen Uhud und Ayr und ist ein Flachland. Das Flachland ist nicht wie andere arabische Gebiete trocken sondern sehr fruchtbar und reich an Wasser. Der besondere Boden ermöglicht es, das Wasser im Untergrund zu speichern. Somit kann das Volk in Medina Landwirtschaft betreiben. Neben Datteln werden unter anderem Orangen, Zitronen, Trauben, Pfirsiche, Bananen, Feigen und Pflaumen angebaut. Der Sommer in Medina ist zwar heiß, aber nicht schwül sondern sehr angenehm. Im Winter ist es kühl und regnerisch.
Die Geschichte der Stadt Medina al-Munawwara erfährt mit der Gründung des ersten islamischen Staates seinen wichtigsten Wendepunkt. Muhammed (saw) ernannte in Medina den ersten islamischen Staat, legte ein Grundgesetz fest und bestimmte für Muslime sowie Nicht-Muslime Rechte und Aufgaben. Natürlich war er selbst das Oberhaupt des Staates und alles richtete sich nach ihm. Der Gesandte Allahs kümmerte sich um die Organisation der Gesellschaft und um die Probleme der dorthin ausgewanderten Muslime. Gleichzeitig ergriff er Maßnahmen gegen die Angriffe der Ungläubigen, die den neu gegründeten Staat bedrohten.
Nach der Hidschra errichtete Muhammed (saw) als aller erstes eine Moschee, die nicht nur ein Ort für die Verrichtung des täglichen Gebets war. Neben der Funktion als Gebetsstätte war sie auch ein Ort für staatliche Angelegenheiten. Hier wurden Entscheidungen über politische, militärische und soziale Aktivitäten getroffen oder Bildungsmöglichkeiten angeboten. Dass diese Moschee zu den drei Moscheen gehört, deren Besuch als Gottesdienst zählt, verleiht Medina wie Mekka und Jerusalem Heiligkeit.
Nach der Auswanderung war Medina zur Zielscheibe der Ungläubigen geworden. Der siegreiche Badr-Krieg verbreitete die Existenz des islamischen Staates. Die Grabenschlacht (Handak) war nach der Schlacht von Uhud sozusagen ein Verteidigungskrieg bei dem die Feinde einer Niederlage ausgesetzt wurden. Danach hatte niemand mehr den Mut, Krieg gegen Medina zu führen. Innerhalb einer kurzen Zeit herrschte unter der Führung Muhammeds (saw) der Islam auf der ganzen arabischen Halbinsel. Medina war dermaßen mächtig, sogar Byzanz den Krieg zu erklären.
Nach Muhammed (saw) blieb Medina auch unter dem Kalifat von Abu Bakr, Umar und Uthman weiterhin das Zentrum des islamischen Staates. Bis zum Ende des Kalifats von Uthman lebten die Muslime fern von Unheil in Medina. Mit der Ermordung Uthmans erlebte Medina eine unschöne Zeit. Mit der Ernennung Alis zum Kalifen wurde die Hauptstadt nach Kufe verlegt.
Medina war jetzt weit entfernt von politischen Auseinandersetzungen und wurde zum Zufluchtort für Menschen, die die gesegnete Atmosphäre erleben und die Sunna Vorort am Ursprung lernen wollten.
Einige Gelehrten aus den Reihen der Propheten-Gefährten gingen an verschiedene Orte der islamischen Welt. Andere blieben in Medina und bemühten sich, den Menschen die Sunna beizubringen.
Als die Rechtschulen anerkannt wurden, formierte sich in Medina ein eigenes der Sunna nah anliegendes Rechtsverständnis. Während die hanefitische Rechtschule in den Lehrkreisen um Imam-i Azam in Irak gebildet wurde, hielten die Schüler um den Imam von Medina, Malik bin Anas, das medinensische Recht schriftlich fest.
Medina erlebte während den Kreuzzügen und der Mongoleninvasion gefährliche Momente.
Abdu’d Dawla errichtete eine Stadtmauer, um Medina besser verteidigen zu können ( 557/1162). Leider war sie einer inneren Festung gleich, so dass ein Großteil Medinas nicht sicher war. Aus diesem Grund baute der syrische Nuraddin Zangi um ganz Medina eine zweite Mauer.
Medina erlebte unter den Osmanen eine ruhige Zeit. Der osmanische Sultan Süleyman, der den Beinamen „der Prächtige“ trug, stattete Medina mit Toren aus und baute ebenfalls eine zweite 35-40 Fuß hohe Mauer. Diese Mauer wurde von Abdulaziz auf 25 Meter erhöht. Leider gibt es heute von diesen prächtigen Stadtmauern keine Spur mehr. Kanuni Sultan Süleyman stellte einen Graben um die Mauer her und brachte durch geschlossene Wasserwege von den südlichen Süßwasserquellen Wasser in die Stadt. Während der ganzen osmanischen Zeit wurde die Masdschid an-Nabawi 16 Mal restauriert. Die Sultanen nannten sich die Diener von Mekka und Medina und sahen dies als große Ehre an. Der II. Abdulhamid begann mit den Arbeiten für eine Zugverbindung zwischen Istanbul und Medina. Dieser Weg sollte die Pilgerreise vereinfachen und eine enge Verbindung zum Zentrum aufrechterhalten und stärken. 1908 erreichten die Gleisen Medina.
Nach Mekka ist die erleuchtete Stadt Medina die von Allah teala als heilig ernannte zweite Stadt. Als Muhammed nach der Auswanderung einen Staat gründete und Gesetze formulierte, legte er auch zugleich Grenzen fest. Diese Grenzen wurden deutlich gekennzeichnet und zählten ähnlich wie in Mekka als Harem-Gebiet. In einem Hadis heisst es diesbezüglich: „Medina ist von hierhin bis dorthin Harem-Gebiet. Innerhalb dieses Gebiets dürfen die Bäume nicht gefällt werden und es dürfen dem Buche und der Sunna entgegenstehende Taten nicht verrichtet werden. Wer hier dem Buche und der Sunna zuwider Taten erfindet, auf den lastet der Fluch Allahs, der Engel und der ganzen Menschheit.“ (Buhari)
Das Gebiet um das Muhammed (saw) eine Grenze gekennzeichnet hat, liegt zwischen den Bergen Uhud und Ayr.
In einem anderen Hadis sagte Muhammed: „Mir wurde befohlen, in ein Dorf auszuwandern. Dieses Dorf besiegt alle anderen Dörfer. Dieses Dorf nennt man Yathrib. Es ist Medina. Wie der Schmied den Dreck vom Eisen bereinigt, bereinigt sie die dreckigen Menschen (schmeißt sie raus).“ (Buhari)
Der Gesandte Allahs (saw) liebte Medina sehr. Einmal ritt er aus einer Reise zurück, als er Medina sah, beschleunigte er sein Pferd. Das Bittgebet Umars bezeugt die Liebe der Gefährten zu Medina: „Mein Herr! Beschenke mich damit, auf deinem Wege als Märtyrer und in der Stadt deines Gesandten (Medina) zu sterben.“ (Buhari)
Die Pilger, die die heilige Reise antreten, beginnen damit, den Ort, an dem sich das Grab des Gesandten Allahs (saw) befindet, zu besuchen. Der Besuch seines Grabes ist ein Verhalten, welches mandub ist, das heisst, empfehlenswert. Zugleich nähert man sich damit Allah teala und stärkt die Liebe zu Muhammed (saw). Die hanefitischen Gelehrten erklärten diesen Besuch für Leute, die die finanziellen Mittel dazu haben, für sehr wichtig und bei Nichtverfolgung dieser Tat, als hartherzig und sorglos.