Freitag 30. Januar 2009
Eklat auf dem Weltwirtschaftsforum - Erdogan verlässt Podiumsdiskussion

Der türkische Premierminister, Recep Tayyip Erdogan, verließ eine Podiumsdiskussion des Weltwirtschaftsforums, als er nach einer aggressiven Rede des israelischen Präsidenten Shimon Peres nicht das Wort erteilt bekam. Mit aggressivem Auftreten hatte der israelische Präsident Shimon Peres in seiner langen Rede Israels Gaza-Politik verteidigt und die internationalen Schuldzuweisungen zurückgewiesen.

Zu Beginn der Podiumsdiskussion, an dem auch UN-Generalsekretär, Ban Ki Moon, und der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Musa, teilnahmen, kritisierte Erdogan die Gaza Politik Israels scharf und wies unter anderem auf die Verletzung der Menschenrechte und auch auf die langen Wartezeiten an den Grenzübergängen hin, die während der israelischen Gaza-Offensive die Hilfslieferungen lahm gelegt hatten.

Shimon Peres reagierte scharf auf die Aussagen Erdogans und wies die Kritik mit aggressiver Wortwahl und erhobener Stimme zurück. Israel habe das Recht, sich zu verteidigen. Trotz des Rückzugs aus den besetzten Gebieten wäre Israel dennoch bombardiert worden.

Als der Moderator die Diskussion nach der Rede von Shimon Peres aus Zeitgründen beenden wollte, erbat Erdogan, mehrmals Stellung nehmen zu dürfen, bis der Moderator einwilligte. Erdogan richtete daraufhin das Wort an Peres und sagte: „Sie erheben die Stimme. Das muss von ihrem schlechten Gewissen herrühren. Ich werde meine Stimme nicht gegen sie erheben. Sie beherrschen das Töten sehr gut. Wir wissen, wie sie Kinder an Stränden getötet haben.“ Während seiner Rede legte ihm der Moderator mehrmals nahe, die Diskussion zu beenden. Daraufhin verließ Erdogan die Veranstaltung mit den Worten: „Sie haben mir nicht das Wort erteilt, damit ist Davos für mich beendet.“

Auf der im Anschluss einberufenen Pressekonferenz mit dem Organisator des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schab, sagte Erdogan, seine Wut habe sich nur an den Moderator gerichtet, weil dieser ihm keine Redezeit gegeben und nicht eingegriffen habe, als Shimon Peres die Stimme erhoben und ganze „25 Minuten“ lang geredet habe. Dies entspreche nicht seiner Vorstellung von einer ausgeglichenen Diskussion. Ferner habe er Respekt vor Shimon Peres und seinem hohen Alter, sonst hätte er ebenfalls die Stimme erhoben.

Nach diesem Eklat verließ Erdogan Davos. Dem türkischen Nachrichtensender CNN Türk zufolge habe Shimon Peres in einem Telefongespräch mit dem türkischen Premierminister Erdogan sein tiefes Bedauern über diesen Vorfall zum Ausdruck gebracht. Er habe großen Respekt vor ihm und der Türkei. Die Beziehungen zwischen Israel und der Türkei seien sehr stark und könnten durch solch einen Vorfall nicht getrübt werden. (fy)

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Freitag 30. Januar 2009
Türkei: „Hamas ist in Gaza eine Realität“

Der türkische Außenminister Ali Babacan hat in einem Interview mit der Tageszeitung „Milliyet“ die Hamas als eine Realität des Gazastreifens bezeichnet. Israel müsse das akzeptieren. Andererseits forderte Babacan die Hamas zu einer klaren Positionsbestimmung auf.

Zu den Friedensgesprächen müsse die Hamas eigebunden werden, forderte Babacan. „Wer soll die Waffenruhe aussprechen, wenn nicht die Hamas? Wie soll die humanitäre Hilfe in Gaza organisiert werden? Wie soll der Wiederaufbau geregelt werden?“, fragt Babacan. Die Hamas kontrolliere den Gazastreifen. Auch könne sie mit der vollen Unterstützung der Bevölkerung rechnen. „Bei den letzten Wahlen hat die Hamas 44 Prozent der Wählerstimmen erreicht. Sie hat 74 Parlamentssitze. Das ist mehr als die Hälfte. Die Hamas besetzt zehn Ministerposten“, stellte Babacan fest und sagte, dass man das nicht einfach ignorieren könne. Man müsse realistisch bleiben.

Andererseits müsse sich aber die Hamas entscheiden, so Babacan, ob sie eine bewaffnete Organisation oder eine politische Bewegung sein wollen. „Unser Vorschlag ist es, Teil einer politischen Konstruktion zu sein“, sagte Babacan. Nötig sei aber auch ein Ende der israelischen Abriegelung des Gazastreifens, der eine Art Freiluftgefängnis sei.

Der türkische Außenminister erklärte, dass auch die Hamas Fehler gemacht habe. „Wir können das nicht gutheißen.“ Zur Überwindung der derzeitigen politischen Lage in Palästina fordert er ferner eine politische Reform. Das Volk müsse da bei selbst über ihre Zukunft bestimmen können. Er betonte jedoch, dass die Wahlergebnisse im In- und Ausland von jedem respektiert werden müssen. Zugleich bekräftigte er, seine Regierung unterstütze derzeit den Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas. (sa)

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Freitag 23. Januar 2009
EU: „In Gaza sind die Menschen eingesperrt“


Der UN-Sicherheitsrat fordert die Öffnung der israelischen Grenzübergänge zum Gazastreifen. In Gaza müsse ein normales Leben möglich sein.

Auch die Bundesregierung hält eine Öffnung der Grenzübergänge zum Gazastreifen für notwendig. Ziel müsse „eine komplette Beendigung der Blockade des Gazastreifens“ sein, sagte Staatsminister im Auswärtigen Amt Gernot Erler am Donnerstag dem Südwestrundfunk. Der schwedische Außenminister Carl Bildt bezeichnete die Lage in Gaza sogar als explosiv. In Gaza müsse „wieder Wirtschaftstätigkeit und ein normales Leben“ möglich sein. Dafür sei ein normaler Grenzverkehr nötig. Derr luxemburgische Außenminister Jean Asselborn bezeichnete den Gazastreifen als „potenzielle Bombe“, weil dort „Menschen eingesperrt“ seien.

Kontaktsperre zur Hamas: „Ohne die Hamas wird es keine umfassende Lösung geben.“

Der finnische Außenminister Alexander Stubb sagte, es gibt „keine Möglichkeit, zu einem dauerhaften Frieden zu gelangen, ohne dass sich alle an einen Verhandlungstisch setzen“. Ohne die Hamas werde es keine umfassende Lösung geben, zumal die Organisation großen Rückhalt in der Bevölkerung hat. Auch Frankreich drängt auf eine vorsichtige Öffnung. Allein Deutschland halte sich an die Kontakt-Sperre, heißt es in Brüssel.

Das Thema werde am Sonntag beim Abendessen der EU-Außenminister mit den Außenministern von Ägypten, Jordanien, der Türkei und der Palästinensischen Autonomie-Behörde auf der Tagesordnung stehen. (sa)

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Mittwoch 21. Januar 2009
Gaza nach der Invasion: „Es ist herzzerreißend“


UN-Generalsekretär Ban Ki Moon besuchte am Dienstag den Gazastreifen, um sich ein Bild vom Ausmaß der Zerstörung zu machen. Er sei entsetzt, sagte Moon: „Es ist herzzerreißend, es ist schockierend, mir fehlen die Worte.“

Ban forderte eine internationale Untersuchung über die getöteten Zivilisten. Nach Angaben der palästinensischen Gesundheitsbehörde sind bei den israelischen Angriffen mindestens 1415 Menschen getötet und mehr als 5500 verletzt worden. Mindestens die Hälfte aller Todesopfer seien Zivilisten. Das bestätigten auch die Mitarbeiter der Vereinten Nationen. Israelischen Medienberichten zufolge, bereitet sich die Regierung deshalb auf eine mögliche Klage wegen Kriegsverbrechen vor. Internationale Organisationen werfen Israel den illegalen Einsatz von Phosphorbomben und Angriffe auf UN-Einrichtungen vor.

Gründung eines palästinensischen Staates notwendig

Der Generalsekretär ehrte in seiner Rede auch die UN-Mitarbeiter, die trotz israelischer Angriffe in den vergangenen Wochen mit großem Mut ihre Aufgabe erfüllt haben. Den Bewohnern des Gazastreifens, die Freunde und Familienmitglieder verloren haben, übermittelte er seinen Respekt und seine Betroffenheit. Moon versicherte, dass die UN dringend benötigte humanitäre Hilfe leisten wird.

Die Sprecherin des UN-Generalsekretär, Arne Molfenter, sagte, dass ein wirkliches Ende der Gewalt und wahre Sicherheit für Israelis und Palästinenser nur durch eine umfassende Vereinbarung erreicht werden könne. „Diese muss auch die Gründung eines palästinensischen Staates umfassen, der friedlich – in Einklang mit den betreffenden Resolutionen des Sicherheitsrats – neben dem Staat Israel existieren muss.“

Arabische Liga beschließt Wiederaufbauhilfe für Gaza

Die Mitgliedstaaten der Arabischen Liga erklärten zum Abschluss eines zweitägigen Wirtschafts- und Sozialgipfels in Kuwait, dass sie die durch Israel zerstörten Häuser, Schulen und Regierungsgebäuden wieder aufbauen möchten. Alleine Saudi-Arabien stellte am Montag Aufbauhilfe in Höhe von einer Milliarde Dollar in Aussicht.

Die arabische Liga rief Israel zudem dazu auf, das Friedensangebot der arabischen Länder anzunehmen. Das Angebot, das 2002 in Beirut von allen Staaten der Liga akzeptiert worden war, bietet Israel die Aufnahme normaler Beziehungen zu den arabischen Staaten an, wenn sich Israel aus allen Gebieten zurückziehen sollte, die er im Sechs-Tage-Krieg von 1967 kriegerisch besetzt hat.

Internationale Nahost-Konferenz

Unterdessen bereite sich der französische Präsident Nicolas Sarkozy auf eine internationale Nahost-Konferenz zur Aushandlung eines dauerhaften Friedens in Paris vor. Im Mittelpunkt solle die Schaffung eines Palästinenserstaates stehen, heißt es laut „Figaro“.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier legte hingegen einen Fünf-Punkte-Plan vor, der das europäische Vorgehen nach Beginn der Waffenruhe in Gaza bündeln soll. Neben humanitärer Hilfe und Wiederaufbau sieht der Plan die Verhinderung des Schmuggels von Waffen und die Ausbildung und Beratung von Personal sowie die Beschaffung von Spezialausrüstung vor. Das Auswärtige Amt legte seine humanitäre Hilfe auf 13 Millionen Euro fest. (sa)

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Samstag 17. Januar 2009
Israelische Angriffe auf humanitäre Einrichtungen – UN-Hauptquartier beschädigt


Die israelischen Streitkräfte haben in Gaza das UN-Hauptquartier angegriffen. Dabei seien drei UN-Mitarbeiter verletzt worden, sagte ein Sprecher desUN-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA). Auch der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak bestätigte am Donnerstag die Angriffe. Er habe sich bei dem UN-Generalsekretär Ban Ki Moon entschuldigt. Moon erklärte hingegen, er sei „empört“ über den Beschuss und bezeichnete, die hohe Zahl der palästinensischen Opfer als „nicht hinnehmbar“.

Nach Angaben eines Mitarbeiters verbrannten bei dem Angriff Hunderte Tonnen Hilfsgüter. Die israelische Armee setzte laut UNRWA-Sprecher bei dem Angriff Phosphorbomben ein, die schwere Verbrennungen verursachen. Einem Bericht des arabischen Nachrichtensenders „al-Dschasira“ zufolge wurde auch ein Krankenhaus des Palästinensischen Roten Halbmondes getroffen, in dem sich 500 Verletzte und Kranke aufhalten. Auch seien Geschosse in Richtung von Wohnhäusern keine Seltenheit in Gaza.

Die Europäische Union hat den israelischen Angriff auf das UN-Gebäude verurteilt. Die Angriffe auf das Hauptquartier des UN-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) sei „einfach inakzeptabel“, sagte die tschechische EU-Präsidentschaft am Donnerstag. Die EU verlangte von Israel, Angriffe auf zivile und humanitäre Ziele künftig zu unterbinden. EU-Entwicklungskommissar Louis Michel forderte sogar eine unabhängige Untersuchung.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte die israelischen Angriffe ebenfalls. „Die Berichte, die wir hier hören, sind erschreckend“, sagte Steinmeier in Ramallah. Die militärische Operation sei nicht akzeptabel. Der Nahostexperte der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai), Malcom Smart, bezeichnete den Beschuss von humanitären Einrichtungen sogar als „Kriegsverbrechen“. (sa)

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Freitag 16. Januar 2009
Stationierung türkischer Soldaten in Gaza erwünscht


Die Hamas hat dem von Premierminister Erdogan vorgelegten Zweistufenplan zur Beendigung des Gaza-Krieges zugestimmt und ist bereit, den Gazastreifen von türkischen Truppen überwachen zu lassen.

Laut einer Nachricht der in London erscheinenden arabischen Zeitung „Al-Hayat“ zufolge sei die Hamas bereit, den Zweistufenplan des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan zu akzeptieren und so die Stationierung der türkischen Truppen am Grenzübergang Rafah zu Ägypten zu billigen. Die erste Phase des Plans sehe vor, dass nach Inkrafttreten eines Waffenstillstandes die Grenzübergänge im Gazastreifen geöffnet und türkische Truppen in der Region stationiert werden. In der zweiten Phase sollen dann Verhandlungen zwischen den beiden Palästinenserfraktionen Fatah und Hamas beginnen.

Ein Vertreter der Hamas erklärte gegenüber „Al-Hayat“, die Hamas würde türkische Truppen deshalb akzeptieren, weil sie die „Türkei als eine islamische Nation“ respektiere. Die "muslimischen Brüder aus Anatolien" kämen nicht als Besatzer in betracht, sondern als Freunde.

"Stationierung türkischer Truppen kann dem massaker in Gaza ein Ende setzten"

Der ägyptische Plan wurde hingegen von der Hamas abgelehnt, weil die Hamas nicht miteinbezogen werde. Dagegen seien die türkischen Vorschläge aufgrund ihrer realistischen Inhalte eher dazu geeignet, dem Massaker im Gazastreifen ein Ende zu setzen. Voraussetzung für die Stationierung türkischer Truppen sei jedoch der unverzügliche Abzug israelischer Soldaten aus dem Gazastreifen sowie die Öffnung aller Grenzübergänge.

Auch der israelische Botschafter in Ankara hat sich für die Beteiligung der Türkei an einer möglichen internationalen Friedenstruppe im Gazastreifen ausgesprochen. Sein Land vertraue der Türkei, sagte der Diplomat Gabby Levy nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Anadolu. (ab)

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Montag 12. Januar 2009
Israel widersetzt sich der UN-Resolution


Israelische Außenministerin Livni: "Wir werden weiterhin eigene Interessen verfolgen."

Nur Stunden nach der der Verabschiedung der UN-Resolution für eine sofortige Waffenruhe sagte Livni in einer Ansprache, dass Israel weiterhin nur eigene Interessen verfolgen werde. Israel werde auch künftig stets nur danach handeln, was im Interesse der Sicherheit für seine Bürger und für seine Selbstverteidigung notwendig sei. Nach Verabschiedung der Resolution setzte Israel seine schweren Angriffe ungehindert fort und widersetzte sich damit abermals der Entscheidungen der Vereinten Nationen. Livnis Bezeichnung der aggressiven und unverhältnismäßigen Gewalt Israels als Selbstverteidigung rief weltweit Empörung hervor.

Die Resolution fordert umgehende und dauerhafte Waffenruhe und den Rückzug der israelischen Streitkräfte aus palästinensischen Gebieten. Zudem ruft sie auf, den Waffenschmuggel in den Gaza-Streifen zu unterbinden. Der Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen forderte außerdem die Öffnung der Grenzen, den ungehinderten Zugang und ungehinderte Hilfslieferung in den Gaza-Streifen. Die USA enthielten sich bei der Abstimmung mit der Begründung, dass sie die Ergebnisse der ägyptischen Friedenbemühungen abwarten wollten. Dennoch unterstütze die USA die Resolution, sagte US-Außenministerin Rice. Barack Obama dementierte indessen Berichte über angebliche Verhandlungsgespräche mit der Hamas.

Derweil nehmen die Vorwürfe, dass Israel Kriegsverbrechen begehe, zu. Die Vereinten Nationen fordern unabhängige Menschenrechtsbeobachter im Krisengebiet. (fy)

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Montag 12. Januar 2009
Kinder - die eigentlichen Leidtragenden der israelischen Aggression im Gazastreifen


Laut den Zahlen des Gesundheitsministeriums von Gaza sind von den bislang getöteten rund 800 Menschen 257 Kinder, die zum Opfer der israelischen Angriffe fielen. „Diese Zahlen sind leider glaubhaft und zutiefst beunruhigend“, sagte auch der UN-Koordinator für humanitäre Einsätze.

Wegen der anhaltenden Angriffe Israels im Gazastreifen spitzt sich die humanitäre Katastrophe immer weiter zu. Laut Angaben der Hilfsorganisation für Kinder, UNICEF, sind insbesondere Kinder im Gazastreifen von der Katastrophe betroffen.

In einem Interview beschrieb ein Sprecher der UNICEF die unerträgliche Lage der Kinder und Jugendlichen sowie die Folgen der Gewalt in Gaza. Für die Kinder bedeute das Aufwachsen in Gaza eine permanent traumatisierende Situation, sagte der UNICEF-Sprecher Rudi Tarneden. Die Kinder könnten nachts nicht schlafen und sich in der Schule nicht konzentrieren. Sie würden jeden Tag mit Hass und Gewalt konfrontiert, hieß es. Der UNICEF-Mitarbeiter in Gaza sagte auch, dass das Unerträglichste vor allem sei, dass den Kindern die Hoffnung auf eine Zukunft geraubt werde. Sie würden nicht mehr glauben, dass die Gewalt in ihrer Heimat jemals aufhören wird.

Es sei schwierig zu beschreiben, wie groß die Katastrophe und das Elend seien, schildert unterdessen ein palästinensischer Ökonom. „Die Kampfjets verschwinden nicht vom Himmel“, sagte er. Seine beiden Söhne, zehn und 16 Jahre alt, würden bei ihm im Bett schlafen, da sie Angst hätten. Der Vater habe auf die Frage der Kinder, weshalb sie so gehasst würden, keine Antwort.

Insbesondere die Kinder sind die wahren Opfer der katastrophalen humanitären Situation in Gaza. „Was soll zum Beispiel mit Säuglingen geschehen, die auf einen Inkubator angewiesen sind?“ sorgt sich der Chef des Shifa-Hospitals, Hassan Khalaf. Seine Angestellten müssten die Verletzten am Boden behandeln, weil alle Stationen überfüllt seien. „Wir amputieren am laufenden Band, die Korridore sind voll mit Verstümmelten“, berichtet einer von Khalafs Ärzten. Ohnehin sei mittlerweile die medizinische Versorgungslage „prekär“, wie von der Pharmakologin Amani Abu Rahmeh bezeichnet wird, die früher im palästinensischen Gesundheitsministerium gearbeitet hat und weiß: „Die Kliniken sind total überlastet.“ Im Shifa-Hospital, dem größten Krankenhaus im Gazastreifen, sei der Vorrat wichtiger Medikamente aufgebraucht. Generatoren, die die Stromversorgung aufrechterhalten, gehe demnächst der Sprit aus.

Psychologen befürchten Traumatisierung der Kinder von Gaza


Für die überlebenden Kinder von Gaza sei die Lage schlimm, weil sie durch die Gewaltspirale sich in einer auswegslosen Situation befinden würden: Sie hätten das Gefühl, nirgendwo sicher zu sein und wüssten, dass auch die Erwachsenen sie nicht schützen könnten, meinen Psychologen zu der Situation der Kinder in Gaza.

Unterdessen forderte die UNICEF-Chefin, Ann Veneman, von allen Beteiligten für sichere Zonen und ungehinderten Zugang für Hilfe für Kinder zu sorgen, wenn sie schon die Kämpfe nicht einstellten. "Als Folge der derzeitigen Militäraktion werden Tag für Tag Kinder getötet und verletzt", beklagte sie. "Das ist nicht hinnehmbar." Sämtliche Beteiligten müssten alles dafür tun, um sicherzustellen, "dass Kinder den Schutz erhalten, der ihr Recht ist und unsere gemeinsame Pflicht."

Eine Million Palästinenser leben nun in einer isolierten Lage ohne Strom, ohne Müllversorgung. Viele der Telefonleitungen sind zerstört, es gibt zudem keine Batterien für Mobiltelefone, wird die jetzige Lage der Menschen von Gaza beschrieben. (ab)

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Freitag 02. Januar 2009
Israel zerstört Moscheen in Gaza


Israelischen Medienberichten zufolge haben israelische Kampfflugzeuge in der Nacht zum Freitag eine Moschee im Flüchtlingslager Dschabalija angegriffen. Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete von rund 60 neuen Angriffen auf den Gaza-Streifen.

Die israelische Luftwaffe bezeichnete das Gotteshaus als „Befehlsstand“ und „Treffpunkt“ der Hamas. Die Moschee habe ferner als Waffenlager gedient. Die Moschee sei nach dem Angriff der israelischen Luftwaffe völlig zerstört worden. Es sei die fünfte Moschee, die seit Beginn der israelischen Angriffe bombardiert wurde, schrieb der israelische Onlinedienst „ynet“.

Wie auf der ganzen Welt wird heute im Westjordanland und in Ost-Jerusalem mit Massenprotesten gegen Israel gerechnet. Die israelische Polizei habe deshalb tausende Sicherheitskräfte mobilisiert. Im Westjordanland gilt seit Mitternacht für 48 Stunden eine Ausgehsperre sowie ein Einreiseverbot. Laut Angaben der Gesundheitsbehörde in Gaza sind bisher mindestens 414 Palästinenser getötet und 2070 weitere verletzt worden.

Livni: „Keine humanitäre Krise in Gaza“

Die israelische Außenministerin, Zipi Livni, hat gestern in Paris mit dem französischen Staatspräsidenten Nicola Sarkozy die Lage im Gazastreifen erörtert. Dabei wies sie den von der EU geforderten Waffenstillstand aus humanitären Gründen erneut zurück. Ihrer Ansicht nach herrsche im Gazastreifen keine humanitäre Krise. (sa)

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Freitag 02. Januar 2009
Arabische Liga beratet über internationale Schutztruppe für Gaza


Die Außenminister der arabischen Liga forderten bei einer Dringlichkeitssitzung am Mittwoch die Hamas und die Fatah auf, sich zu einigen. Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, verlangte eine sofortige Beendigung der Streitigkeiten.

Die scharfe Kritik von Mussa richtete sich insbesondere an den Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas. Er verstehe nicht, weshalb Abbas den brutalen Angriffen der israelischen Armee untätig zusehe. „Du bist doch der Präsident aller Palästinenser, tue endlich etwas!“, forderte er ihn auf. Mussa erklärte zudem, dass Gaza das Opfer des Wahlkampfs in Israel sei. Die israelische Regierung habe ihre Offensive im Gazastreifen nur begonnen, um ihre Chancen bei der bevorstehenden Parlamentswahl zu verbessern.

Auch der saudi-arabische Außenminister Saud al-Faisal sagte, dass die arabischen Staaten den Palästinensern nicht helfen können, solange diese zerstritten seien. „Das schreckliche Massaker wäre nicht passiert“, so al-Faisal, wenn das palästinensische Volk vereinigt hinter einer Führung gestanden hätte, die mit einer Stimme spricht. Er forderte die Parteien auf, erneut eine Regierung der nationalen Einheit zu bilden.

Die zwölfstündige Sitzung ging mit der Forderung nach einem Waffenstillstand zu Ende. Außerdem werde eine Delegation zum UN-Sicherheitsrat geschickt. Sollte es dort weiter keine Lösung geben, werde man erneut in Doha (Katar) zusammenkommen. Einem Bericht der Wochenzeitung „Die Zeit“ zufolge wird über die Entsendung einer internationalen Schutztruppe in den Gazastreifen beraten.

Türkei um Waffenruhe bemüht

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan ist währenddessen am Mittwoch zu einer zweitägigen Reise in die Krisenregion aufgebrochen. Vor Beginn seiner dreitägigen Nahost-Tour, die nach Syrien, Jordanien, Ägypten und Saudi-Arabien führt, erklärte Erdogan, dass er ausloten will, „was getan werden kann, um den Frieden und die Stabilität in der Region zu sichern“. Karim El-Gawhary, Leiter des Nahostbüros der ORF in Kairo und Nahost-Korrespondent für elf deutschsprachige Zeitungen, bezeichnete in einem Kommentar für die „taz“ die Türkei als einen „ehrlichen Makler“ und einen „schmalen Silberstreifen am morgenländischen Horizont“. Ergebnis wie immer ohne Gewähr (sa)

 

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