Freitag 30. Januar 2009
Hutba – Ein vorbildlicher Mensch sein

„Wir erschufen den Menschen gewiß in schönster Gestalt. Dann machen Wir ihn wieder zum Niedrigsten der Niedrigen.“ (Sure Tîn, [95:4][95:5])
Verehrte Muslime,
unter den Geschöpfen Gottes hat der Mensch eine ganz besondere Stellung, ihm wird ein besonderer Wert beigemessen. Unser Herr hat dies in vielen Versen des Korans zur Sprache gebracht. So sagt er in der Sure Tîn: „Wir erschufen den Menschen gewiß in schönster Gestalt.“ (Sure Tîn, [95:4]) Gemäß den Kommentatoren des Korans bedeuten die Worte „in schönster Gestalt“, dass der Mensch körperlich als auch geistig der Beste unter den Geschöpfen ist. Dass jeder von uns „in schönster Gestalt“ geschaffen wurde, hat die Verpflichtung, ein diesem Wesen entsprechendes, also menschenwürdiges Leben zu führen. Allah stellt dem Menschen zwar frei, seinen Weg selbst zu wählen, doch gibt er ihnen auch eine Rechtleitung. Denn der Mensch wird mit vielen Schwierigkeiten und Hürden konfrontiert, die als Prüfungen angesehen werden müssen und zu denen an erster Stelle die Triebe des Menschen und der Teufel (Schajtân) gehören. Wenn der Mensch sich nicht an sein Versprechen zu Gott erinnert, dass er ihm noch vor seiner Erschaffung gegeben hat, und sich seinen Trieben und den Versuchungen des Teufels hingibt, wird er alles Menschliche verlieren. Dies wird in dem eben erwähnten Koranvers ausgedrückt: „Dann machen Wir ihn wieder zum Niedrigsten der Niedrigen.“ (Sure Tîn, [95:5])
Verehrte Geschwister,
unsere Aufgabe also ist es, als Geschöpfe in „in schönster Gestalt“ ein diesem Vers entsprechendes Leben zu führen. Doch gerade darin besteht unser größtes Problem: Wir scheinen nicht in der Lage zu sein, unsere Religion (Dîn) in würdiger Weise zu leben. Dies ist nicht nur zum Nachteil des einzelnen Muslims, sondern auch ein Hindernis für diejenigen, denen somit die Möglichkeit genommen wird, den Islam kennenzulernen. Um sich aus dieser Situation zu befreien, müssen wir unsere Religion erlernen, das Gelernte in bester Weise leben und anderen vermitteln. Wir müssen prüfen, ob unser jetziges Leben den Geboten Gottes entspricht oder ob wir eher den Wünschen unserer Triebe folgen. Im Koran werden die Gläubigen mit vielen Attributen beschrieben. Gemäß diesen Beschreibungen sind die Gläubigen Geschwister, sie müssen ein freundschaftliches Miteinaner pflegen. Sie müssen das Leid ihrer Glaubensgeschwister teilen und sich um diese kümmern. Wir dürfen nicht vergessen, dass diese Welt ein Ende hat und uns nur ein begrenztes Leben zur Verfügung steht.
Dies, verehrte Muslime,
müssen wir uns stets vor Augen halten. Nur wenn wir uns selbst und dann unsere nähere Umgebung in diesem Sinne leiten, können wir ein vorbildlicher Mensch sein und das Wohlwollen Allahs erlangen.
Freitag 23. Januar 2009
Hutba – Die Umra-Saison beginnt

„Eine Umra gilt als Sühne für alle Sünden bis zur nächsten Umra. Die Belohnung für eine angenommene Hadsch ist das Paradies.“ (Buchârî, Muslim, Tirmizî, Nasâî, Ibni Mâdscha)
Verehrte Muslime,
im Koran heißt es: „Und vollzieht die Pilgerfahrt und die Umra um Allahs willen...“ (Sure Bakara, [2:196]) Gemäß der hanafitischen und malikitischen Rechtsschule ist die Umra, von der hier die Rede ist, eine Sunna. Die Schafiten und Hanbaliten sind sogar der Meinung, dass es sich hierbei um eine Pflicht (Farz) handelt, wie die Pilgerfahrt selbst. Die Umra ist also ein Gottesdienst (Ibâda), die von jedem, der in der Lage dazu ist verrichtet werden sollte. Sie ist eine äußerst verdienstvolle Reise. Der Gesandte Gottes hat sie in vielen Hadîthen erwähnt. Er hat selbst die Umra vollzogen und sie uns empfohlen: „Eine Umra gilt als Sühne für alle Sünden bis zur nächsten Umra. Die Belohnung für eine angenommene Hadsch ist das Paradies.“ (Buchârî, Muslim, Tirmizî, Nasâî, Ibni Mâdscha) „Vollzieht die Hadsch und die Umra zusammen. Denn die Hadsch und Umra tilgen die Sünden und helfen gegen Armut… Die Belohnung einer angenommenen Hadsch ist das Paradies.“ (Nasâî)
Verehrte Geschwister,
die Umra-Reise kann zu jeder Zeit des Jahres angetreten werden. Jedoch ist die Durchführung der Umra zu bestimmten Zeiten verdienstvoller als sonst. Der Ramadan gehört beispielsweise zu diesen Zeiten. Der Prophet sagte nämlich: „Die Umra im Ramadan zählt soviel wie eine Hadsch oder gilt als Hadsch, die mit mir durchgeführt wurde.“ (Kutub as-Sitta) Bei dieser verdienstvollen Reise, sei es nun die Hadsch oder die Umra, hat man auch die Möglichkeit die Geburtsstätte des Islams zu besuchen. In dieser Hinsicht ist die Hadsch und die Umra eine Bildungsreise. Insbesondere unseren jüngeren Geschwistern kann somit der Islam nähergebracht und ihr Glaube gestärkt werden.
Verehrte Muslime,
vor allem aus dem letztgenannten Grund bietet unsere Hadsch- und Umraorganisation nahezu in allen Ferien diverse Reiseangebote an. Als Eltern müssen wir uns des positiven Einflusses einer solchen Reise auf den Charakter und den Glauben unserer Kinder bewusst werden. In diesem Sinne sei allen empfohlen, die Ferienzeiten in dieser alternativen Weise zu nutzen und insbesondere unsere Jugendlichen zu eine Umrareise anzuregen. Wer möchte kann sich sofort an die Verantwortlichen in unseren Moscheen und Regionalverbänden wenden. Wir möchten unsere Hutba mit einem weiteren Hadîth beenden: Der Gesandte Gottes sagte: „Wer die Kâba besucht, sich nicht von seinen Trieben leiten lässt und vor verletzenden Worten fernhält, wird rein (von Sünden) wie ein Neugeborenes zurückkehren.“ (Buchârî, Muslim)
Freitag 16. Januar 2009
Hutba – Nicht von der Gerechtigkeit ablassen

„Siehe, Allah gebietet, Gerechtigkeit zu üben, Gutes zu tun und die Nahestehenden zu beschenken. Und Er verbietet das Schändliche und Unrechte und Gewalttätige. Er ermahnt euch, euch dies zu Herzen zu nehmen.“ (Sure Nahl, [16:90])
Verehrte Muslime,
wir tragen die Verantwortung, uns stets auf die Seite der Unterdrückten zu stellen und uns gegen jede Art von Ungerechtigkeit zu wehren. Wer sich auf die Seite der Ungerechten stellt, den wird dasselbe Ende ereilen wie das der Ungerechten. Unser Herr sagt dies deutlich in der Sure Hûd, wo es heißt: „Und neigt euch nicht denen zu, die Unrecht begehen, sonst erfasst euch das Feuer. Und außer Allah habt ihr keinen Beschützer und findet ihr keinen Helfer.“ (Sure Hûd, [11:113])
Verehrte Geschwister,
wie der Vers verdeutlicht, werden diejenigen, die sich den Ungerechten zuwenden, im Jenseits bestraft werden. Doch auch im Diesseits können sie verschiedene Strafen heimsuchen. Aus diesem Grund müssen wir darauf achten, stets gerecht zu handeln und niemals das Maß zu überschreiten.
Denn nur eine Gesellschaft, in der Gerechtigkeit herrscht, kann frohen Mutes in die Zukunft blicken. Dies gilt nicht nur für Gesellschaften, sondern auch für die Familie, einen Staat oder eine einzelne Gruppe. Wenn in einer Familie nicht Gerechtigkeit gegeben ist, kann sie nicht aufrecht erhalten werden und alle Familienmitglieder werden darunter zu leiden haben. Wie viele Familien, Gesellschaften und Staaten sind zerbrochen, weil sie nicht in der Lage waren, Gerechtigkeit walten zu lassen? Nicht umsonst wird nach der Freitagspredigt folgender Vers rezitiert: „Siehe, Allah gebietet, Gerechtigkeit zu üben, Gutes zu tun und die Nahestehenden zu beschenken. Und Er verbietet das Schändliche und Unrechte und Gewalttätige. Er ermahnt euch, euch dies zu Herzen zu nehmen.“ (Sure Nahl, [16:90])
In einem anderen Vers wird auf das Ende derjenigen hingewiesen, die Unrechtes tun: „Und wie viele sündige Städte vertilgten Wir! Jetzt liegen sie auf ihren Fundamenten in Trümmern da! Wie viele Brunnen sind verlassen und wie viele stattliche Schlösser!“ (Sure Hadsch, [22:45])
Verehrte Geschwister,
der Islam verlangt nicht nur Gerechtigkeit für Muslime; auch Nichtmuslimen gegenüber muss gerecht gehandelt werden. In einer Gesellschaft, in der Muslime leben, herrscht Frieden und Sicherheit für alle Menschen. Ihr Leben, ihr Besitz, ihre Freiheit stehen unter dem Schutz der Gesellschaft. Denn unser Prophet sagte unmissverständlich: „Ich bin der Feind dessen, der einem Nichtmuslim Schaden zufügt. Und wessen Feind ich bin, den werde ich im Jenseits am Kragen packen.“ (Kaschful Chafâ, 2. Bd., Hadîth Nr. 2341)
Verehrte Muslime,
wie den Versen und dem Hadîth zu entnehmen ist, wird uns befohlen, stets auf der Seite der Gerechtigkeit zu stehen und uns gegen den Ungerechten zu wenden. Aus diesem Verständnis heraus stellen wir uns auch auf die Seite der Muslime im Gazastreifen, an denen vor den Augen der Welt ein Mord verübt wird. Doch wir werden nicht nur zusehen. Wir haben uns deutlich gegen dieses Verbrechen geäußert. Denn dies ist in erster Linie nicht eine Verpflichtung gegenüber unseren Glaubensgeschwistern, sondern eine Verantwortung als Menschen. Deshalb fordern wir alle Menschen auf, das zu tun, was eine Erfordernis ihrer Menschlichkeit ist. Möge Allah dem Krieg ein baldiges Ende bereiten und uns vor allem Schlechten beschützen.
Mittwoch 07. Januar 2009
Hutba – Gerechtigkeit, aber für alle!
„O
ihr, die ihr glaubt! Steht in Gerechtigkeit fest, wenn ihr vor Allah bezeugt.
Der Haß gegen (bestimmte) Leute verführe euch nicht zu Ungerechtigkeit.
Seid gerecht, das entspricht mehr der Gottesfurcht. Und fürchtet Allah.
Siehe, Allah kennt euer Tun.“ (Sure Mâida, [5:8])
Verehrte Muslime,
Gerechtigkeit bedeutet, ausgewogen zu handeln, allem und jedem das zu geben, was ihm zusteht und den Weg der Mitte zu gehen. Das Gegenteil von Gerechtigkeit ist Unterdrückung, Unerbittlichkeit und Ungerechtigkeit. Unsere Religion misst der Gerechtigkeit einen hohen Stellenwert bei; vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich, Menschen dürfen nicht anders behandelt werden, weil sie einer anderen Kultur angehören oder einen anderen Bildungs- und Sozialstatus haben. In diesem Sinne hat die Gerechtigkeit einen festen Platz innerhalb der Religion. Nicht die Willkür, der Vorteil, die Verwandtschaftsbeziehung, der Reichtum, das Ansehen oder die Macht sind der Maßstab, sondern die Gerechtigkeit. Nur in einer Gesellschaft, in der die Rechte aller Individuen gewahrt werden, ohne auf ihre Religion und Kultur zu sehen, kann von Gerechtigkeit gesprochen werden. Viele Verse des Korans weisen auf die Bedeutung und Erfordernis der Gerechtigkeit hin: „O ihr, die ihr glaubt! Tretet für die Gerechtigkeit ein, wenn ihr vor Gott Zeugnis ablegt, und sei es gegen euch selber oder euere Eltern und Verwandten. Handele es sich um arm oder reich, Allah steht euch näher als beide. Und überlaßt euch nicht der Leidenschaft, damit ihr nicht vom Recht abweicht. Wenn ihr (das Recht) verdreht oder euch (von ihm) abkehrt, siehe, Allah weiß, was ihr tut.“ (Sure Nisa, [4:135]) Unser Prophet sagte: „Diejenigen, die gerecht herrschen und zu denen, für die sie die Verantwortung tragen, gerecht sind, werden bei Allah auf einem Podest aus Licht stehen.“ (Muslim, Imâra, 18)
Verehrte Geschwister,
Muslime dürfen, wenn es um Gerechtigkeit geht, nur um Allahs Willen handeln. Deshalb haben und werden wir uns stets auf die Seite der Unterdrückten stellen und uns gegen die Ungerechten wenden, egal welcher Religion sie angehören. Denn wir wissen um den Vers: „O ihr, die ihr glaubt! Steht in Gerechtigkeit fest, wenn ihr vor Allah bezeugt. Der Haß gegen (bestimmte) Leute verführe euch nicht zu Ungerechtigkeit. Seid gerecht, das entspricht mehr der Gottesfurcht. Und fürchtet Allah. Siehe, Allah kennt euer Tun.“ (Sure Mâida, [5:8]) Auch folgende Begebenheit ist von großer Bedeutung: Der Kalif Umar und ein anderer Gefährte des Gesandten Gottes, Ubaj bin Kâb, begaben sich aufgrund einer Streitigkeit zu Zajd bin Thâbit, dem Richter von Medina. Der Richter behandelte Umar sehr zuvorkommend und ließ ihm ein Sitzkissen bringen. Der Kalif wandte sich an Zajd und sagte: „Dies ist die erste ungerechte Entscheidung in diesem Verfahren, die du gefällt hat. Ich werde mich dahin setzten, wo mein Gegner sitzt.“ Im Verlauf des Verfahrens ergab es sich, dass Umar einen Eid leisten musste. Der Richter sagte zu Ubaj, dass es sich nicht ziehmen würde, einen Eid vom Kalifen zu fordern. Doch Umar legte den Eid ab und sagte wütend: „Solange Zajd nicht gelernt hat, dass er den Kalifen und einen anderen Muslim gleich behandeln muss, sollte er keine Urteil fällen.“
Verehrte Muslime,
in der islamischen Geschichte gibt es viele solcher Berichte. Die Muslime haben immer versucht gemäß den Prinzipien, die in diesen Berichten zum Vorschein kommen, zu handeln. Seit zwei Wochen ist die Welt Zeuge der Angriffe auf die Palästinenser. Die Weltöffentlichkeit beobachtet, wie Männer und Frauen, Alt und Jung, den Attacken zum Opfer fallen. Als Muslime können wir nicht dulden, dass auch nur ein unschuldiger Mensch getötet wird. Doch müssen wir uns fragen, weshalb diejenigen internationalen Organisationen, die dafür gesorgt haben, dass die Kämpfe in Georgien nach drei Tagen enden, sich nicht gegen Israel wenden und ein Ende der Angriffe fordern. Die Frage drängt sich auf, ob die Reaktion ausbleibt, weil es sich hier um Muslime handelt. Wir rufen alle auf, sich in aller Deutlichkeit gegen diese schreiende Ungerechtigkeit zu stellen, sie zu verurteilen und mit den Opfern zu solidarisieren. Wir fordern von den Vereinten Nationen, der Europäischen Union und insbesondere der Organisation der Islamischen Konferenz, dass sie sich im Namen der Menschlichkeit für ein Ende der Angriffe einsetzten. Inzwischen dürfen wir nicht aufhören, unseren Geschwistern im Gaza-Streifen unsere finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen. Die IGMG bemüht sich unter allen Schwierigkeiten, diese Spenden ihrem Bestimmungszweck zuzuführen. Doch dass dies nicht ausreicht, kann jeder nachvollziehen. Möge Allah unsere Geschwister im Gaza und alle anderen Muslime beschützen und uns Gutes im Diesseits und im Jenseits geben.
Freitag 02. Januar 2009
Hutba – Wenn die Gemeinschaft zerbricht
Verehrte Muslime,
unsere
Religion legt großen Wert auf die Gemeinschaft und den Zusammenhalt der
Muslime. Nicht umsonst werden sie im Koran als „Geschwister“ bezeichnet
und vom Gesandten Gottes Muhammad (saw) mit den Ziegeln einer Mauer verglichen.
Unter Muslimen herrscht Geschwisterlichkeit, Gleichheit, Solidarität und
Zusammenhalt; der „Wert“ eines Muslims wird nicht durch seine Herkunft
oder seinen sozialen Status bestimmt.
Sowohl der Koran als auch die Sunna leiten die Muslime dazu an, zusammenzuhalten und berichten von denjenigen, die dieses Gebot missachtet haben. Einige Koranverse und Hadîthe diesbezüglich lauten: „O ihr, die ihr glaubt! Fürchtet Allah geziemend, und sterbt nicht anders denn als Muslime. Und haltet allesamt an Allahs Seil fest, und zersplittert euch nicht...“ (Sure Âli Imrân, [3:102][3:103]) „So richte dein ganzes Wesen aufrichtig auf den wahren Glauben, gemäß der natürlichen Veranlagung, mit der Allah die Menschen erschaffen hat. Es gibt keine Veränderung in der Schöpfung Allahs. Dies ist die richtige Religion. Jedoch, die meisten Menschen wissen es nicht. Wendet euch Ihm zu und fürchtet Ihn und verrichtet das Gebet und seid nicht unter denen, die Ihm Gefährten zur Seite setzen; unter denen, die ihre Religion aufgespaltet haben und so in Sekten zerfielen, wobei sich jede Partei ihrer eigenen Doktrin erfreut.“ (Sure Rûm, [30:30] [30:31][30:32]) „Und gehorcht Allah und Seinem Gesandten und hadert nicht miteinander, damit ihr nicht kleinmütig werdet und euere Kraft euch verlorengeht. Und seid standhaft; siehe, Allah ist mit den Standhaften.“ (Sure Anfâl, [8:46]) Und unser Prophet sagte: „Die Hand Allahs ist mit der Gemeinschaft.“ (Tirmizî, Fitan, 7) „Der Segen kommt mit der Gemeinschaft.“ (Ibni Mâdscha, At'ima, 17) „Gemeinschaft ist Barmherzigkeit, Zersplitterung ist Qual.“ (Ahmad bin Hanbal, IV, 145)
Verehrte Geschwister,
leider müssen wir feststellen, dass die Situation der Muslime im Allgemeinen eher der Beschreibung des zuletzt zitierten Verses entspricht: Die Muslime haben sich in viele Gruppen zersplittert und trotz ihrer großen Zahl, besitzen sie kaum einen Einfluss in der Welt. Die einzige Möglichkeit, sich aus dieser Lage zu befreien, ist es, keinen Unterschied zwischen seinen Glaubengeschwistern zu machen, sie zu respketieren, sich mit ihnen zu freuen und ihr Leid zu teilen, als ob es das eigene wäre. Nur so kann ein Bewusstsein für die Gemeinschaft, für die Umma entstehen. Das Geheimnis des Erfolges des Islams liegt nicht zuletzt in seinem Verständnis von Geschwisterlichkeit und seinem Bewusstsein für die Gemeinschaft.
Verehrte Muslime,
wenn wir uns fragen, was passiert, wenn dieser Zusammenhalt nicht gewährleistet werden kann und zerbricht, müssen wir uns nur die Lage der Muslime auf der Welt ansehen. Ja, wir haben den Koran und die Sunna und zählen an die 1,5 Millarden Muslime, aber wir haben keinen Einfluss. Das beste Beispiel hierfür ist die aktuelle Situation im Gaza-Streifen. Dies ist der beste Beweis dafür, dass es keinen Zusammenhalt unter den Muslimen auf der Welt gibt. Denn während ein Teil von uns niedergemetzelt wird, besitzt der andere Teil nicht einmal den Mut, dieses Verbrechen zu verurteilen. Wir müssen zu Bewusstsein kommen und der Leitung des Korans und der Sunna folgen. Es ist erforderlich, dass wir uns unserer Verbundenheit als Glaubengeschwister erneut bewusst werden und dies auch unter Beweis stellen.
Verehrte Geschister,
seit etwa einer Woche haben unsere Geschwister im Gaza-Streifen unter den erbitterten israelischen Angriffen und deren Folgen zu leiden. Wir verurteilen die Attacken des israelischen Staates, für den anscheinend jede Art von Kriegsführung gerechtfertigt zu sein scheint. Wir beten für unsere palästinensichen Geschwister, die ohnehin seit fünfzig Jahren unter Besatzung leben. Neben unseren Gebeten bemühen wir uns, unseren Geschwistern humanitäre Hilfe zukommen zu lassen. Unsere wirksamsten Mittel sind allerdings immer noch unsere Gebete. Deshalb rufen wir all unsere Geschwister dazu auf, in der Nacht vom Freitag auf den Samstag aufzustehen und Bittgete für die Menschen im Gaza-Streifen zu sprechen. Außerdem möchten wir daran erinnern, dass wir alle Gemeindemitglieder – Frauen und Männer, jung und alt – zum Morgengebet am kommenden Sonntag, den 4. Januar 2009, in den Moscheen erwarten. Nach dem Morgengebet werden wir für unsere palästinensischen Geschwister und alle anderen Menschen in Not beten. Ferner bitten wir unsere Geschwister, an dem Dschanâza-Gebet (Totengebet), direkt im Anschluss an das Freitagsgebet, teilzunehmen. Möge Allah uns erneut zusammenbringen und uns Kraft geben.