Donnerstag 28. Januar 2010
Israel verweigert Untersuchungskommission zum Gaza-Krieg

Trotz der Forderung der UN eine unabhängige Untersuchung einzuleiten, beharrt Israel weiterhin darauf, eine eigene Untersuchungskommission zum Gaza-Krieg einzurichten. Zwei Tage vor dem Fristablauf lehnte die israelische Regierung eine unabhängige Kommission erneut ab. Der Vorwurf des Kriegsverbrechens gegen Israel bleibt nach wie vor bestehen.

Israel will keine offizielle Untersuchung des Gaza-Kriegs vor einem Jahr anordnen. Israel habe "nicht die Absicht", eine solche Kommission einzuleiten, sagte Informationsminister Juli Edelstein im öffentlich-rechtlichen israelischen Rundfunk und wies damit eine zentrale Forderung des Untersuchungsberichts des südafrikanischen Richters Goldstone zurück. Israel werde der UNO lediglich ein Dokument vorlegen, in dem es um "spezielle Vorfälle" gehe, die Gegenstand einer internen Armee-Untersuchung gewesen seien, sagte Edelstein.

Unterdessen berichtete die israelische Zeitung "Haaretz", dass Israel einer Untersuchungskommission mit eingeschränkten Befugnissen bei der Befragung von israelischen Politikern und Offizieren zustimmen könne. Laut Militärstaatsanwalt Avichai Mandelblit haben die Streitkräfte bereits 140 Beschwerden von Soldaten geprüft. Es gebe Dokumente und Videos, die zahlreiche Anschuldigungen des Berichts als "Lügen" entlarvten, sagte Mandelblit in einem Interview mit der Zeitung "New York Times".

Goldstone hatte in seinem Gaza-Bericht Israel und der Palästinenserorganisation Hamas vorgeworfen, Kriegsverbrechen während der dreiwöchigen Offensive vor einem Jahr begangen zu haben. Israel und Hamas wurden darin aufgefordert, innerhalb von drei Monaten Untersuchungen zu den Vorwürfen einzuleiten. Seit Veröffentlichung des Berichts im September hatten die Vereinten Nationen dann beide Parteien gedrängt, glaubwürdige Prüfungen der Vorfälle einzuleiten.

Der Goldstone-Bericht plädiert dafür, die Vorwürfe vor den internationalen Gerichtshof in Den Haag zu bringen, sollten beide Seiten keine ernsthaften Untersuchungen einleiten. (ab)

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Donnerstag 28. Januar 2010
Unicef befürchtet Entführung von Waisen aus Haiti

Laut dem UN-Kinderhilfswerk Unicef besteht in Haiti die Gefahr, dass Waisenkinder Opfer von Menschenhändlern werden. Es seien bereits 15 Kinder aus Krankenhäusern verschwunden. Unicef zufolge werden Menschenhändler nach Naturkatastrophen umgehend aktiv, daher fordert das Hilfswerk die vorläufige Einstellung von Adoptionen haitianischer Kinder.

Unicef fordert die Adoption haitianischer Kinder zunächst völlig einzustellen. Es bestehe die Gefahr, dass Waisenkinder in die Hände von Menschenhändlern geraten. So sollen nur diejenigen Kinder schnell ausreisen, bei denen die Formalitäten schon vor dem Erdbeben weitgehend abgeschlossen waren. Am Donnerstag waren mehr als 100 bereits adoptierte haitianische Kinder in den Niederlanden eingetroffen. Gestern landeten 33 Waisenkinder in Frankreich.

„Wir haben derzeit Informationen über ungefähr 15 Kinder, die aus Krankenhäusern verschwunden sind, und zwar mit Menschen, die nicht zu ihrer Familie gehören", sagte Unicef-Vertreter Jean-Luc Legrand. Die Täter stünden „mit dem internationalen Adoptionsmarkt in Verbindung".

Ähnlich sei es nach der Tsunami-Katastrophe Ende 2004 in Asien gewesen. „Diese Netzwerke treten bei einer Katastrophe sofort in Aktion und nutzen die Schwäche des Staates und die schlechte Koordination vor Ort, um Kinder zu entführen und außer Landes zu bringen", sagte Legrand.

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen plädiert aus diesem Grund dafür, verwaiste haitianische Kinder in die Obhut von Verwandten zu geben und möglichst in ihrem Heimatland zu lassen. Unicef-Generaldirektorin Ann Veneman erklärte: „Es werden alle Anstrengungen unternommen, um diese Kinder mit ihren Familien zusammenzuführen. Erst wenn sich das als unmöglich erweist und wenn jeder einzelne Fall sorgfältig geprüft wurde, sollten die Behörden andere dauerhafte Lösungen wie Adoption ins Auge fassen."

Nach Angaben von Unicef sind über Haiti verteilt Aufnahmezentren für rund 900 Kinder eingerichtet worden, wo diese medizinisch versorgt, ernährt und psychologisch betreut werden. „Unicef-Mitarbeiter suchen in Kinderheimen, Schulen, Lazaretten, Krankenhäusern und Notunterkünften nach unbegleiteten Kindern", teilte das Hilfswerk mit. Für Kleinkinder unter fünf Jahren würden an verschiedenen Stellen Schutzzonen eingerichtet. Dennoch bestehe außerdem die Sorge, dass wegen der akuten Überlastung bereits Kinder aus Lazaretten entlassen wurden, obwohl sie nicht in der Obhut von Angehörigen stünden. (ab)

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Mittwoch 20. Januar 2010
IHH e. V. startet Hilfskampagnen für Erdbebenopfer in Haiti

Eine Woche nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti wird das Ausmaß der Katastrophe immer deutlicher. Nach Regierungsangaben wurden bereits 70 000 Tote geborgen. Die tatsächliche Anzahl der Erdbebenopfer wird auf 200 000 geschätzt. Die Leichen türmen sich auf den Straßen wie Hilfsorganisationen vor Ort berichten. Zu viele Menschen benötigen Hilfe und es mangelt an Nahrung, Trinkwasser, Medikamenten und ärztlicher Versorgung. Die eingereisten Ärzte zeigen sich schockiert über das Ausmaß der Katastrophe.

Noch nie hätten sie so viele Menschen mit so schweren Verletzungen gesehen, erklären Mitarbeiter von Hilfsorganisationen. Seit ihrer Ankunft in Port-au-Prince arbeiten die Notfallteams ohne Unterbrechung und nur die dringendsten Fälle werden behandelt. Die Anzahl der Ärzte vor Ort sei nicht ausreichend. Ferner gebe es logistische Probleme berichtete die Organisation Ärzte ohne Grenzen. Von Berlin und Frankfurt aus sind bereits Flugzeuge mit Medikamenten, Verbandsmaterialien und weiteren Hilfsgütern geschickt worden.

3.000.000 Menschen in Not und 1.500.000 obdachlos

Berichten zufolge ist der Flughafen von Port-Au-Prince völlig überlastet, so dass täglich nur 90 Flugzeuge landen können. Die meisten müssen wieder umkehren. Derzeit sind etwa 3.000.000 Menschen in Not und 1.500.000 obdachlos. Viele Menschen versuchen zu fliehen, weil sie Angst vor weiteren Nachbeben haben. Die Gerüchte über Seuchen und drohende Tsunamis, versetzen die Menschen ebenfalls in Angst und Schrecken.

Die Verzweiflung der Menschen wandelt sich in Wut um und die Zerstörung in der Stadt nimmt zu. Es gibt viele Prügeleien und Aufruhr wegen Nahrungsmangel. Die Polizisten haben Schwierigkeiten, die Randalierer aufzuhalten. Weltweit zeigen Menschen ihre Solidarität und organisieren Spendenaktionen.

Die Europäische Union stellt nach Diplomatenangaben 200 Millionen Euro für die Erdbebenopfer in Haiti mittelfristig zur Verfügung und weitere 200 Millionen langfristig. Diese Summe nannte am Montag ein EU-Diplomat nach einem Treffen der EU-Entwicklungshilfeminister in Brüssel. Das Geld solle aus dem EU-Haushalt kommen. Vor allem handele es sich um nicht benötigte Mittel, die ursprünglich für andere Länder gedacht gewesen seien.

Bundesregierung stock Hilfe für Haiti auf

Am gestrigen Abend gab Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer von ZDF und Bild-Zeitung organisierten Spendengala bekannt, dass die Bundesregierung ihre Hilfe für Haiti von 7,5 Millionen um 2,5 Millionen aufstockt. Die CDU-Politikerin kündigte zudem an, dass Spenden an anerkannte Hilfsorganisationen künftig steuerlich einfacher absetzbar sein sollen.

Ein Bareinzahlungsbeleg oder ein Kontoauszug soll dann als Spendennachweis für die steuerliche Abzugsfähigkeit genügen. Finanzminister Wolfgang Schäuble sei bereits diesbezüglich mit seinen Länderkollegen im Gespräch.

IHH e. V. startet Hilfskampagnen

Auch die Hilfsorganisation IHH e. V. hat bereits Hilfskampagnen gestartet und bittet um Spenden. Da nach Auskünften des Auswärtigen Amtes nur großen Hilfsorganisationen der Transport von Hilfsgütern in das Erdbebengebiet erlaubt sei, habe sich die IHH mit der Deutschen Welthungerhilfe in Verbindung gesetzt und ihre Zusammenarbeit angeboten, teilte ein Sprecher der IHH e. V. mit. Die IHH e.V. habe bereits Soforthilfe in Höhe von 10 000 Euro zugesichert und wolle Mitarbeiter in das Erbebengebiet schicken.

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Dienstag 19. Januar 2010
OIC-Generalsekretär: „Jemen darf nicht enden wie Afghanistan“

Bei einem Treffen mit dem Bundesaußenminister Guido Westerwelle drückte der OIC-Generalsekretär Ekmeleddin Ihsanoglu seine Sorge bezüglich der instabilen Lage im Jemen aus. Zusätzlich kam man bei dem Treffen überein, dass die Zusammenarbeit zwischen der OIC und Deutschland gestärkt werden soll.

Der Generalsekretär der Organisation der Islamischen Konferenz, Ekmeleddin Ihsanoglu, machte auf die unruhige Atmosphäre im Jemen aufmerksam. Mit ernsthafter Sorge würden sie die Geschehnisse mitverfolgen, sagte Ihsanoglu und fügte hinzu, dass die Gefahr bestehe, dass der Jemen zu einem „zweiten Afghanistan“ werde. Das Geschehen im Jemen interessiere sie insbesondere auch politisch, da dieses Land in vielerlei Hinsicht Ähnlichkeiten mit Afghanistan habe. Es sei daher zu befürchten, dass der Jemen in eine aussichtslose Lage wie Afghanistan gerate.

Das Eindringen von terroristischen Gruppen ins Land verschlimmere die ohnehin angespannte Atmosphäre im Jemen, sagte Ihsanoglu weiter und unterstrich, dass die Probleme keineswegs nationalisiert werden dürften, da dies sonst eine Gefahr für den Staatsverband Jemens bedeute. Der türkischen Nachrichtenagentur Cihan teilte er ferner mit, dass die OIC humanitäre Hilfe nach Jemen geschickt hätte und dies auch weiterhin tun werde.

Bundaußenminister Westerwelle trifft OIC-Generalsekretär Ihsanoglu

Auf Wunsch des Bundesaußenministers kam der Generalsekretär der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC), Ekmeleddin Ihsanoglu mit Westerwelle zusammen. Während des einstündigen Treffens in Riad, der Hauptstadt Saudi Arabiens, seien sie auf zahlreiche Themen eingegangen, die die islamischen Länder und Europa gleichermaßen betreffen, teilte Ihsanoglu mit. Der Nahost-Konflikt, die Friedensverhandlungen im Nahen Osten, die aktuelle Lage im Jemen sowie die terroristischen Gewaltaktionen in Somalia seien besprochen worden.

Dieses Treffen sei erstmals auf der Ministerebene zustande gekommen, teilte der OIC-Generalsekretär mit. „Wir pflegen bereits seit geraumer Zeit gute Beziehungen zu anderen europäischen Ländern. Wir freuen uns, nun auch den Austausch mit Deutschland stärken zu können“, sagte Ihsanoglu und drückte damit die Bedeutung des Treffens aus.

Die OIC würde sich freuen, den Bundesaußenminister in seinem Hauptsitz in Dschidda empfangen zu können. Auch Westerwelle lud den OIC-Generalsekretär nach Deutschland ein. Beide Seiten bekundeten bei dem Treffen ihren Wunsch nach einer stärkeren Zusammenarbeit.

Mit Sorge beobachtet die internationale Gemeinschaft die gespannte Lage im Jemen, die durch die verstärkten Gewaltaktionen zwischen Gruppen verschiedener Konfessionen und dem Eindringen von terroristischen Gruppierungen zu einem höchst bedrohlichen und instabilen Land geworden ist. Seit August tobt zudem im Norden ein blutiger Bürgerkrieg und der Süden will sich von dem Staatsverband ganz abspalten. Die terroristische Gruppe Al-Qaida gewinnt im Jemen immer mehr Anhänger, was insbesondere der USA, aber auch anderen Ländern, Sorge bereitet. (ab)

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Montag 11. Januar 2010
Türkische Religionsbehörde für Öffnung der Paulus-Kirche

Die türkische Religionsbehörde (Diyanet) hat sich dafür ausgesprochen, die Paulus-Kirche im südtürkischen Tarsus wieder zum Gottesdienst zu öffnen.

Die Wiedereröffnung der Kirche sei ein Beitrag zur Religionsfreiheit, signalisierte die türkische Religionsbehörde (Diyanet) am Mittwoch in Ankara. Das christliche Gotteshaus war bis zum letzten Sommer während des Paulusjahres für ein Jahr für Gebete geöffnet gewesen. Das Paulusjahr hatte die katholische Kirche zur Erinnerung an den 2000. Geburtstag des Völkerapostels aus Tarsus im Juni 2008 ausgerufen. Dieaus dem 12. Jahrhundert stammende Kirche St. Paul am Geburtsort des Apostel Paulus war seit 1943 über mehrere Jahrzehnte von der türkischen Armee als Lagerhaus genutzt worden. Anschließend wurde sie bis zum Beginn des Paulusjahres als Museum genutzt. (ab)

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Sonntag 10. Januar 2010
Hilfskonvoi nach Gaza: Friedensaktivisten berichten

Nach tagelangen Protesten und blutigen Zusammenstößen in Ägypten wurde 100 Friedensaktivisten der Einlass in den Gaza-Streifen gewährt. Die Lage sei alarmierend, berichten Friedensaktivisten über ihre Eindrücke aus dem Gaza-Streifen. Vergangene Woche griff die israelische Armee erneut den Gaza-Streifen an. Dabei sind nach palästinensischen Angaben drei Palästinenser getötet worden. Ägyptens Pläne für den Bau einer unterirdischer Mauer sind ebenfalls besorgniserregend.

Trotz der Hindernisse der ägyptischen Behörden, die unter anderem die Einreise des Hilfskonvois verboten hatten und die rund 220 Fahrzeuge auf eine Genehmigung am Hafen warten ließen, konnte der Hilfskonvoi endlich in den Gaza-Streifen gelangen. Die vom Konvoi mitgebrachten Hilfsmittel wie Medikamente, Rollstühle und vieles mehr seien Regierungsfunktionären und Vertretern von Nichtregierungsorganisationen übergeben worden.

So erfreulich die Nachricht ist, dass die mitgebrachten Hilfsmittel die Not der leidenden Palästinenser ein wenig lindern kann, so erschütternd sind dennoch die Berichte der Teilnehmer des Gaza-Freiheitsmarsches.

Beispielsweise wird über die Samuli-Familie berichtet, bei der 28 Mitglieder lebendig in den Trümmern ihres Hauses begraben wurden. Das Fatale ist jedoch, dass den traumatisierten Menschen in Gaza eine psychologische Unterstützung kaum möglich ist. 45. 000 Menschen stehen auf der Warteliste des Mental Health Zentrum, das Kinder mit Kriegstraumata therapiert. Die Bilder, die die Kinder malen hätten sie erschreckt, erzählt eine Aktivistin aus Sydney: Zerfetzte Körper, aus denen Blut spritzt oder ein übergroßes Auge, das Tränen aus Blut weint.

Vielen Aktivisten, die in Gaza waren, ist der Mangel an Kinderschuhen aufgefallen. Überall würden Kinder barfuß durch die Kälte laufen oder durch die Trümmer klettern.

Eine andere Aktivistin berichtet darüber, dass das eigentliche Problem das Importverbot für Ersatzteile und Software für medizinische Geräte sei, obschon Medikamente vorhanden seien. Oft müsse mit lebensgefährlichen und defekten Apparaturen operiert werden.

Besonders ergreifend sei der Empfang für vier Rabbis der orthodoxen Neturei-Karta-Bewegung gewesen, die der Buskonvoi irgendwo an der Straße im Sinai aufgelesen hatte, berichten Augenzeugen. „Wir, und sicherlich auch die von der Hamas kontrollierte Polizei, die die ganze Zeit ein strenges Auge auf uns hatte, waren zunächst ziemlich besorgt um die Sicherheit der Rabbis", erzählt eine amerikanische Teilnehmerin. „Aber die Leute haben sie mit Begeisterung empfangen, haben sie umarmt und geküsst. Die Kinder haben sich ein Vergnügen daraus gemacht, mit den Locken der Rabbis zu spielen. Überall wo wir mit ihnen hinkamen, wurde ihnen der Ehrenplatz zugewiesen. Es gibt wohl kaum einen besseren Beweis, dass ein zusammenleben zwischen Juden und Palästinensern möglich ist", berichtet die Amerikanerin.


Viele Friedensaktivisten seien zudem erstaunt über das hohe Bildungsniveau der Menschen. „Ich habe einem Polizisten, der mich begleitet hat gesagt, ich komme aus England und er begann englische Gedichte zu zitieren", erzählt ein älterer Mann. Ein Student aus New York, der seinen 22. Geburtstag in Gaza feierte, erzählt, die Menschen wollten lernen und Bildung sei ihre einzige Hoffnung. Viele hätten Stipendien für amerikanische oder europäische Universitäten, aber sie könnten wegen der Blockade nicht ausreisen. "Ich werde keine Ruhe geben, bis meine neuen Freunde genauso frei durch die Welt reisen dürfen, wie ich", erklärte der Student.

Ein Kanadier berichtet des Weiteren, er hätte einer Familie, die in Trümmern lebte, gesammelte Spenden geben wollen. Doch sie hätten konsequent abgelehnt. Schließlich hätte er kleine Beträge an die Kinder verteilt, so wie es in der arabischen Welt beim Zuckerfest am Ende des Ramadan Tradition ist.

Die Reise der knapp hundert Teilnehmer war umstritten. Nach tagelangen Protesten hatten die ägyptischen Behörden endlich den Transit für 100 Personen freigegeben.

In einer Pressemitteilung kritisierte die Schura Bremen das brutale Vorgehen der ägyptischen Polizei gegen die rund 500 Friedensaktivisten, die aus 17 verschiedenen Ländern, unter anderem auch aus Deutschland, eingereist waren, um notleidenden Menschen zu helfen und auf die Unterdrückung im Gaza-Streifen aufmerksam zu machen, unabhängig von Nationalität und Religionszugehörigkeit.

Ägypten will Gaza-Streifen mit unterirdischer Mauer abriegeln

Trotz massiver Proteste im eigenen Land geht Ägypten massiv gegen das palästinensische Schmugglertunnelsystem an der Grenze zum Gaza-Streifen vor. Mit dem Bau einer unterirdischen Mauer, will die ägyptische Regierung den Waffenschmuggel der Hamas unterbinden. Offiziell wird der Mauerbau mit nationalen Sicherheitsinteressen begründet. Doch für die 1,5 Millionen Bewohner des Gaza-Streifens ist die Lage dramatisch.

„Warum brauchen wir eine Mauer gegen unsere palästinensischen Brüder, wenn die Grenze zu Israel völlig ungesichert ist?"kritisiert eine Zeitungsjournalistin das Vorhaben Ägyptens. Sie belegt dies mit dem Beispiel eines Korrespondenten, der ohne kontrolliert zu werden über die israelisch-ägyptische Grenze in die israelische Negev-Wüste gewandert sei. Die meisten Drogen und Waffen würden über die israelische, nicht über die palästinensische Grenze nach Ägypten geschmuggelt werden, so die Redakteure.

Auch an mehreren ägyptischen Universitäten sollen Studenten gegen den Mauerbau demonstriert haben. Sie werfen ihrer Regierung vor, Erfüllungsgehilfen der israelischen Blockade zu sein. Eine Gruppe von Rechtsanwälten hat am Montag Klage gegen die Regierung eingereicht und fordert die sofortige Aussetzung der Bauarbeiten an der Stahlmauer. In einem offenen Brief der Rechtsanwältegewerkschaft an Präsident Mubarak heißt es unter Anspielung auf Mubaraks Rolle im Oktoberkrieg 1973: "Als Führer der Befreiung des Sinais fordern wir vom Präsidenten, den Bau des Sicherheitszaunes sofort zu unterbinden, die Grenzübergänge nach Gaza zu öffnen und dazu beizutragen, die Leiden der Palästinenser zu lindern.... Ägypten muss auch in Zukunft die Palästinenser nicht nur in Worten, sondern auch in Taten unterstützen."

Israelische Luftwaffe greift Gaza-Streifen an

Unterdessen griff die israelische Luftwaffe den Gaza-Streifen an und tötete dabei drei Palästinenser. Wie Krankenhausärzte in Rafah mitteilten, starb ein Palästinenser, als Schmuggler-Tunnel an der Grenze zu Ägypten mit Raketen beschossen wurden. Vier Männer wurden verletzt. Ein israelischer Armee-Sprecher bestätigte vier Angriffe. Bei einem Ziel habe es sich um eine Werkstatt zur Herstellung von Waffen gehandelt. Kurz zuvor sei der Süden Israels vom Gazastreifen aus mit 17 Granaten und zwei Raketen beschossen worden. Schäden wurden nicht gemeldet. (ab)

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Montag 04. Januar 2010
Mordversuch an dänischem Karikaturen-Zeichner

Am Freitagabend wurde der dänische Zeichner Westeergard, bekannt durch seine umstrittenen Mohammed-Karikaturen, in seiner Wohnung angegriffen. Richter ordneten nach der Gefangennahme des Täters strenge Isolation an.

Ein mit einer Axt und einem Messer bewaffneter Somalier war am Wochenende in das Haus des dänischen Zeichners, Kurt Westeergard, in Aarhus eingedrungen. Unmittelbar danach gab der 74-jährige Karikaturist einen Notruf ab und floh in einen Sicherheitsraum. Die Polizei überwältigte den Eindringling, Westergaard blieb unverletzt.

Der Angreifer wurde wegen versuchten Mordes an Westergaard und einen Polizisten angeklagt. Über seinen Anwalt wies jedoch der 28-Jährige vor Gericht beide Vorwürfe zurück. Weiteren Aufschluss über die Tat versprechen sich die Ermittler von der fünfjährigen Enkelin des Zeichners, die sich zur Tatzeit im Haus befand.

Nach Angaben des dänischen Geheimdienstes PET hatte der Mann enge Verbindungen zu führenden Mitgliedern von Al-Kaida in Ostafrika sowie zur somalischen Terror-Organisation al-Shabaab. Der Somalier verfüge über eine gültige Aufenthaltsgenehmigung für Dänemark und sei bereits seit längerem beobachtet worden.

Unterdessen meldete sich die Schabaab-Miliz aus Somalia. In einer Stellungnahme teilten sie mit, dass sie den Anschlagsversuch auf Kurt Westergaard begrüßten. Ein „somalischer Junge" habe „den Teufel angegriffen, der den Propheten Mohammed beleidigt hat".

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) hat indes eine harte Bestrafung des Angriffs gefordert. „Die Meinungsfreiheit muss gegen die Vertreter von Minderheitenmeinungen verteidigt werden, die mit Waffen versuchen, Terror und Schweigen zu verbreiten", erklärte die Vereinigung am Wochenende.

Seit der Publikation der Mohammed-Karikaturen in der „Jyllands-Posten" 2005 erhielt der Zeichner mehrfach Todesdrohungen und lebte eine zeitlang unter Polizeischutz. (ab)

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Freitag 01. Januar 2010
Qaradawi äußerte sich zu Weihnachtsfeiern in islamischen Ländern

In einer Freitagpredigt sprach der ägyptische Islamgelehrter Yusuf Qaradawi zum Thema Weihnachtsfeier. Entgegen einiger europäischer Medien, die seine Aussagen falsch darstellten, kritisierte Qaradawi nicht die Weihnachtsfeiern von Christen in muslimischen Ländern. Vielmehr kritisierte Qaradawi die Muslime, die Weihnachten feiern. Dies sei nicht mit dem islamischen Glauben vereinbar und verletze die muslimische Identität, sagte der Gelehrte weiter.

In seiner Predigt stellt Qaradawi die Frage, in welcher Gesellschaft man eigentlich lebe, in einer islamischen oder christlichen? Was geschehe dieser Tage in Doha, der Hauptstadt von Katar, bei all diesen Feierlichkeiten zum Geburtstag des Propheten Jesus. Lebe man in einem islamischen Land im Nahen Osten, oder in einem christlichen Land in Europa. Manche Muslime würden nicht einmal den Geburtstag des Propheten Muhammad oder das Ramadanfest feiern, wie könnten sie dann das christliche Fest Weihnachten feiern?

Qaradawi kritisierte ferner den Verkauf von Weihnachtsbäumen in von Muslimen betriebenen Läden. Dies stelle den Verlust der islamischen Identität dar.

Gerade in dieser Zeit, in der in einem europäischen Land gegen den Bau von Minaretten abgestimmt wurde, sei dies sehr bedauerlich. Er unterstrich ferner, dass laut einer Umfrage 40 Prozent aller Franzosen gegen den Bau von Moscheen und Minaretten stimmen würden.

Qaradawi sei zudem wütend auf muslimische Ladenbesitzer, die wegen Profit in ihren Läden typische Weihnachtsartikel verkauften.

Die Predigt des Islamgelehrten Qaradawi ist auf vielen Internetplattformen wie beispielsweise Youtube zu finden. Darin ist eindeutig zu erkennen, dass die Kritik lediglich an die muslimische Gemeinschaft gerichtet ist, die Weihnachten feiern - und nicht an die christliche Gemeinschaft selbst, wie dies einige hetzerische Medien behaupteten.

„Muslime sollten Minderheiten anderen Glaubens freundschaftlich begegnen“

Qaradawi hatte 2007 während der Weihnachtstage Muslime dazu aufgerufen, christliche und jüdische Minderheiten in den muslimischen Ländern freundschaftlich zu begegnen und unterstrichen, dass dies im Sinne des Korans sei. Im Koran werden Muslime aufgerufen, alle Menschen gleich zu behandeln und den nicht-muslimischen Nachbarn, Verwandte und Kollegen an ihren Feiertagen wie Weihnachten frohe Festtage zu wünschen. (ab)

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