Freitag 29. Januar 2010
Hutba – Das Herz rein halten

„Und lass mich am Tage der Auferweckung nicht zuschanden gehen; am Tage, an dem weder Vermögen noch Söhne helfen, sondern nur (gerettet wird), wer zu Allah mit reinem Herzen kommt!“ (Sure Schuarâ, [26:87][26:88][26:89])
Verehrte Muslime,
der Mensch mit einem reinen Herzen, der ein Leben gemäß seiner natürlichen Veranlagung (Fitra) führt, lebt in Einklang mit sich und seiner Umwelt. Denn ein reines Herz bewahrt den Menschen vor Ungerechtem und leitet ihn zum Guten; es befreit ihn von schlechten Gedanken und macht ihn zu einem für die Gesellschaft nützlichen Menschen. Das Herz ist nämlich quasi das Zentrum des Menschen, von ihm geht alles Gute aus. So sagte der Gesandte Gottes, Muhammad (saw): „Seid achtsam! Im Körper des Menschen befindet sich ein Fleischklumpen. Wenn es diesem Teil des Körpers gut geht, geht es dem ganzen Körper gut. Wenn es ihm schlecht geht, geht es dem ganzen Körper schlecht.“ (Buchârî, Îmân, 39)
Verehrte Geschwister,
nur wenn das Herz rein ist, wird es eine positive Wirkung auf das Denken und Handeln des Gläubigen haben. Vor diesem Hintergrund ist es nicht schwer, zu erkennen, dass die Probleme der Menschheit mit einer aufrichtigen Einstellung und einem reinen Herzen überwunden werden können. Denn weder Reichtum noch Einfluss werden uns am Tag der Abrechnung helfen, wenn wir vor unserem Schöpfer stehen. Im Koran heißt es hierzu: „Und lass mich am Tage der Auferweckung nicht zuschanden gehen;am Tage, an dem weder Vermögen noch Söhne helfen, sondern nur (gerettet wird), wer zu Allah mit reinem Herzen kommt!“ (Sure Schuarâ, [26:87][26:88][26:89])
So wie es für alles eine Medizin gibt, ist der Koran die Medizin des Herzens. Ihn zu lesen, zu leben, sich mit ihm zu beschäftigen, ob alleine oder in der Gemeinschaft, ist der Weg der Reinigung des Herzens.
Verehrte Muslime,
wir müssen uns im Klaren darüber sein, dass die Bedürfnisse unserer Triebseele (Nafs) kein Ende finden werden. Dementsprechend sollten wir unserem Herz eine solche Erziehung angedeihen lassen, dass unserem Nafs Grenzen gesetzt werden und unser Denken und Handeln nur noch dem Guten und Nützlichen zugewandt ist.
Bevor wir unsere Hutba mit einem Hadîth beenden, bitten wir unseren Herrn, dass er unsere Herzen reinige, uns von allem Schlechten fernhalte und zum Guten leite. Unser Prophet sagte: „Wenn der Diener (Gottes) einen Fehler begeht, entsteht ein schwarzer Fleck in seinem Herzen. Wenn er sich von der Sünde entfernt, um Vergebung bittet und Einsicht zeigt, verschwindet der schwarze Fleck. Wenn er aber erneut einen Fehler begeht, wird der schwarze Fleck größer, bis er schließlich das ganze Herz umfasst. Dies ist es, was unser Herr meint, wenn es im Koran (Sure Mutaffifîn, [83:14]) heißt: „Ihre Herzen sind von dem zerfressen, was sie getan haben.“ (Tirmizî, Tafsîr, 83)
Freitag 22. Januar 2010
Hutba – Schlechte Gewohnheiten

„O ihr, die ihr glaubt! Siehe, Berauschendes, Glücksspiele, Opfersteine und Lospfeile sind ein Gräuel, Satans Werk. Meidet sie, auf dass es euch wohl ergehe. Der Satan will durch Berauschendes und Spiel nur Feindschaft und Hass zwischen euch säen und euch von dem Gedanken an Allah und dem Gebet abhalten. Wollt ihr deshalb nicht davon ablassen?“ (Sure Mâida, [5:90][5:91])
Verehrte Muslime,
um den Menschen Glück im Diesseits (Dunya) sowie im Jenseits (Âchira) zu ermöglichen, gibt es im Islam gewisse Gebote und Verbote. Wer sein Leben nach diesen Maßstäben ausrichtet, wird im Diesseits und vor allem im Jenseits belohnt werden. Umgekehrt gilt: Wer sich nicht daran orientiert, wird ein unwürdiges Leben führen und nicht auf das ewige Glück im Jenseits hoffen dürfen. Zu den Dingen, die das von Gott gesetzte Gleichgewicht auf der Welt zerstören gehören Unglaube, Mord, Wucher, Unterdrückung, Respektlosigkeit gegenüber den Eltern, Meineid, üble Nachrede, bewusste Anschuldigungen oder Diebstahl. Ferner können noch solche Gewohnheiten genannt werden, die nicht nur für den Einzelnen, sondern auch die Gesellschaft äußerst schädlich sind: Alkoholkonsum, Glücksspiel, Unzucht sowie Drogen- und Tabakkonsum. Deshalb werden all diese Dinge im Koran ausdrücklich verboten.
Verehrte Geschwister,
in der Sure Mâida heißt es: „O ihr, die ihr glaubt! Siehe, Berauschendes, Glücksspiele, Opfersteine und Lospfeile sind ein Gräuel, Satans Werk. Meidet sie, auf dass es euch wohl ergehe. Der Satan will durch Berauschendes und Spiel nur Feindschaft und Hass zwischen euch säen und euch von dem Gedanken an Allah und dem Gebet abhalten. Wollt ihr deshalb nicht davon ablassen?“ (Sure Mâida, [5:90][5:91]) Unser Prophet, Muhammad (saw) hat gesagt: „Wenn ihr Alkohol trinkt, trinkt ihn nicht als Gläubiger.“ (Buchârî und Muslim) Im Koranvers wird neben dem Alkohol auch vor den Folgen des Glücksspiels gewarnt. Wir alle wissen, welche Auswirkungen derlei Spiele auf das Familienleben und die Gesellschaft haben.
Im Koran befiehlt uns Gott auch uns von der Unzucht (Zinâ) fernzuhalten: „Und kommt der Unzucht nicht nahe. Das ist fürwahr etwas Schändliches und ein übler Weg.“ (Sure Isrâ, [17:32]) Auch der Gesandte Gottes warnt vor der Unzucht: „Wer Unzucht begeht, tut dies nicht als Gläubiger.“ (Buchârî und Muslim)
Verehrte Muslime,
was das Rauchen angeht, ist es kein Geheimnis, dass mehr Menschen durch das Rauchen und dessen Folgen sterben als durch Verkehrs- und Berufsunfälle. Ganz zu schweigen vom Drogenkonsum, der unheilbare körperliche und seelische Schäden hinterlässt. Es ist unsere Pflicht uns der Menschen anzunehmen, die diesen äußerst schädlichen Gewohnheiten anheim gefallen sind, und uns selbst sowie unsere Familie, Gemeinschaft und die gesamte Menschheit von diesen üblen Dingen zu befreien. Wir sollten daher stets an die Stellung des Menschen vor Gott erinnern und uns auf die Werte des Islams besinnen. Wichtig ist es hierbei vor allem, dass wir auf das Umfeld und den Freundeskreis unserer Kinder achten, um sie keiner Gefahr auszusetzen. Schließlich müssen wir erneut daran erinnern, dass nur Gott es vermag, uns, unsere Kinder, Familien und Gesellschaft vor allem Schlechten zu schützen. Ihm sollten wir uns zuwenden und nur ihn sollten wir um Schutz und Hilfe bitten.
Freitag 15. Januar 2010
Hutba – Ein Diener Gottes sein
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„Und diejenigen, welche glauben und das Rechte tun, wir werden gewiss ihre Sünden tilgen und sie nach ihren besten Taten belohnen.“ (Ankebut Suresi, [29:7])
Verehrte Muslime,
wir Menschen wurden so geschaffen, dass wir dank der Gabe des Verstandes nach dem Grund unseres Daseins suchen und unseren Schöpfer erkennen können.
Die arabischen Begriffe „Abd“ (türkisch Kul) und „Ibâda“ (türkisch Kulluk) sind Begriffe, die die Ergebenheit und den Gehorsam des Gläubigen gegenüber seinem Schöpfer bezeichnen, meinen aber auch Barmherzigkeit und Geborgenheit. Der Mensch, der aufrichtig und demütig seinen Schöpfer erkennt und sich ihm zuwendet, sich ihm hingibt, wird von Gott Barmherzigkeit und Geborgenheit erfahren. Der Gesandte Gottes erinnerte oft daran, dass auch er ein Diener Gottes war. In vielen Hadithen spricht Gott die Gläubigen mit „meine Diener“ an und ehrt sie. Einem Gelehrten wurde mal die Frage gestellt, was er antworten werde, wenn er im Jenseits gefragt werde: „O mein Diener, was hast du auf der Welt für mich getan?“ Der Gelehrte antwortete: „Es würde mir reichen, wenn mich mein Herr mit „mein Diener“ ansprechen würde. Hauptsache er sieht mich als seinen Diener, der Rest ist kein Problem.“
Verehrte Geschwister,
um ein Diener Gottes sein zu können, muss man wissen, was es heißt ein Diener zu sein und welche Handlungen innerhalb bzw. außerhalb des Rahmens der Dienerschaft liegen. Diese können am besten vom Propheten gelernt werden. Denn er war derjenige, der die Ergebenheit gegenüber Gott am Besten in seinem Leben umgesetzt hat.
Er ist für uns, in allen Bereichen des Lebens, ein Vorbild. Er, der immer barmherzig und hilfsbereit war und sogar in schwierigen Zeiten nicht von der Gerechtigkeit abließ. Er war es, der die Gottesdienste (pl. Ibâdât) ohne Versäumnisse verrichtete und sich zu jeder Zeit und an jedem Ort den Bedürftigen und Benachteiligten annahm. Er ist es, der im Koran mit den Worten „Und du bist fürwahr von edler Natur.“ (Sure Kalam, [68:4]) gerühmt wird.
So ist es notwendig, dass wir uns der umfassenden Barmherzigkeit Gottes und unserer Bedürftigkeit bewusst werden und uns ihm zuwenden. Wir sollten uns in allen Lagen an den Propheten als Vorbild erinnern und unser Leben demgemäß ausrichten. Dazu gehören die täglichen Gebete (Salâh), die Zakât, das Einhalten des Fastens (Sawm), und der zmfassende Einsatz für eine bessere Gesellschaft und gegen alle Formen von Ungerechtigkeiten.
Verehrte Muslime,
wer in seinem alltäglichen Leben aufrichtig ist, seine Gottesdienste nicht vernachlässigt und sich seiner Dienerschaft gegenüber Gott bewusst ist, darf auf die Belohnung hoffen, die in folgenden Versen verheißen wird: „Und diejenigen, welche glauben und das Rechte tun, wir werden gewiss ihre Sünden tilgen und sie nach ihren besten Taten belohnen.“ (Ankebut Suresi, [29:7]) „Verheißen hat Allah denen von euch, die glauben und das Rechte tun, dass er sie zu Statthaltern (seiner Macht) auf Erden einsetzen wird, so wie er es denen, die vor ihnen lebten, gewährte; und dass er ihnen ihre Religion, so wie er sie für sie gutgeheißen hat, befestigen will; und dass er ihre Furcht in Sicherheit verwandeln will. „Sie sollen Mir alleine dienen; Sie sollen Mir nichts an die Seite stellen. „ Und wer danach ungläubig ist, das sind die Missetäter.“ (Nur Suresi, [24:55])
Verehrte Geschwister,
in diesen Versen wird denjenigen, die glauben und das Rechte tun die Vergebung ihrer Sünden versprochen. Gott wird ihr Beschüzter und Helfer sein. Sie werden zu denen gehören, die in das Paradies gelangen werden, sofern sie ihr Leben im Lichte ihres Glaubens formen, mit sich, ihrer Umwelt und ihrem Herrn in Einklang sind und der Gesellschaft nützliche Dienste erweisen. Schließlich dürfen wir nicht vergessen, dass die wahre Freiheit in der Dienerschaft gegenüber Gott liegt. Denn nur wer sich ihm hingibt, ist frei von allen Versuchungen der Triebseele (Nafs) und allem Schlechten dieser Welt. Mögen wir zu den wahren Dienern Gottes gehören!
Freitag 08. Januar 2010
Hutba – Das Diesseits ist das Saatfeld des Jenseits
„Das
irdische Leben ist nur ein Spiel und ein Scherz. Doch das jenseitige Haus ist
für die Gottesfürchtigen besser. Seht ihr das nicht ein?“ (Sure
An’âm, [6:32])
Verehrte Muslime,
der Mensch durchläuft in seinem Leben fünf Stadien: die Welt der Seelen, den Mutterleib, das Diesseits (Dunjâ), das Grab und das Jenseits (Âchira). Über die Welt der Seelen haben wir nur wenig Kenntnis. Die Zeit im Mutterleib ist eine Vorbereitung auf das Diesseits. Dort findet die körperliche Entwicklung statt. Das Diesseits allerdings steht unmittelbar in Bezug zum Jenseits. Mit allem, was der Mensch auf der Welt tut, wird er später konfrontiert werden. Somit ist das Diesseits das wichtigste Stadium des Menschen.
Verehrte Geschwister,
unser Herr, der uns dieses Leben gab und uns für jede unserer gelebten Sekunden zur Verantwortung ziehen wird, hat uns mit dem Diesseits, in dem wir leben, vertraut gemacht. Einige Koranverse lauten demnach: „Das irdische Leben ist nur ein Spiel und ein Scherz. Doch das jenseitige Haus ist für die Gottesfürchtigen (Muttaki) besser. Seht ihr das nicht ein?“ (Sure An’âm, [6:32]) „Was bei euch ist, vergeht, und was bei Allah ist, besteht, und wahrlich, wir werden den Standhaften ihren Lohn nach ihren besten Werken bemessen.” (Sure Nahl, [16:96]) „Doch nein! Ihr zieht das irdische Leben vor, obwohl das Jenseits besser und dauerhafter ist.” (Sure A’lâ, [87:16][87:17]) Ein vorrausschauender Mensch tauscht das endlose Jenseits nicht gegen das vergängliche Diesseits. Er weiß, dass alles Gute und sein Wohl in den religiösen Geboten und deren Einhaltung liegt. Der Gesandte Gottes (saw) sagte dazu: „Wird das Jenseits dem Diesseits vorgezogen, so schützen den Menschen die Worte „Lâ ilâha illallâh“ vor dem Zorn Gottes. Doch wird das Diesseits dem Jenseits vorgezogen, so sagt Gott zu dem, der „Lâ ilâha illallâh“ spricht: „Du lügst und bist deinem Wort nicht treu.“(Bajhâkî)
Verehrte Muslime,
eigentlich ist das Diesseits für den, der sich an Gottes Gebote hält, ein Segen. Für den, der seinen Gottesdiensten (Ibâda) nachkommt, ist es eine Auszeichnung. Derjenige, der auf das Diesseits blickt, um daraus zu lernen, erkennt dessen Sinn. Und derjenige, der den Sinn erkennt, findet Ruhe und Frieden. Mit dem Diesseits und dem Jenseits verhält es sich, wie mit der Entfernung zwischen Ost und West. Wer sich dem Einen nähert, entfernt sich von dem Anderen. Wer Gott fern ist, wird dem Diesseits verfallen.
Der Gesandte Gottes, Muhammad (saw), sagte: „Das Diesseits ist das Saatfeld des Jenseits.” Es ist schade um den, der hier nichts sät, um Gutes zu ernten. Wer sich nicht auf den Tag vorbereitet, an dem sich jeder für seine Fehler schämen wird, wird im Diesseits und auch im Jenseits im Nachteil sein. Derjenige, der das Diesseits als Gelegenheit auffasst und es als vergängliche Reise ansieht, wird im Vorteil sein. Das Diesseits ist eine Brücke. Und Brücken sind dazu da, sie zu überqueren, um auf die andere Seite zu gelangen, und nicht, um auf ihnen zu verweilen. Jemand, der sich dessen bewusst ist, wird das säen, was Gott gefällt, um so Gutes zu ernten. Einmal fasste der Gesandte Gottes Ibni Umar (ra) an den Schultern und sagte: „Sei auf Erden wie ein fremder Reisender!” darauf entgegnete Ibni Umar (ra): „Ist der Abend angebrochen, erwarte nicht den Morgen. Ist der Morgen angebrochen, erwarte nicht den Abend. Bereite dich bei Gesundheit auf Krankheit vor und während du lebst, bereite dich auf den Tod vor.”(Buchârî, Rikak, 3)
Verehrte Geschwister,
es gibt ein Sprichwort: “Man erntet, was man sät.” Gemäß unserer Religion (Dîn) sollten wir zu Lebzeiten stets Gutes säen, um – inschâallâh –, die unvergleichlichen Gaben des Paradieses (Dschanna) ernten zu können. Möge Gott uns dies erleben lassen.
Freitag 01. Januar 2010
Hutba – Sich im neuen Jahr zur Rechenschaft ziehen

„Niemand wird am Tag der Abrechnung entlassen, bevor er nicht über alles, was er getan hat, Rechenschaft abgelegt hat.“ (Tirmizî, Kijâma, 1)
Verehrte Geschwister,
Gott hat jedem Lebewesen eine bestimmte Lebenspanne zugewiesen. Im Gegensatz zu anderen Lebewesen hat er den Menschen jedoch mit einem Verstand ausgezeichnet. Im Jenseits (Âchira) wird Gott jeden Menschen zur Rechenschaft ziehen; und zwar sowohl für jede Handlung, die er nicht hätte tun dürfen als auch für alle Handlungen, die er unterlassen hat. Doch unser Schöpfer hat uns mit dieser Bürde nicht alleine gelassen. Um dieser Verantwortung auf die beste Weise nachkommen zu können, hat er uns Propheten und Bücher gesendet, die uns helfen. Somit gibt es für den Menschen keinerlei Vorwände, sich seiner Verantwortlichkeit zu entziehen. Gott hat uns mit der Kraft und den Möglichkeiten ausgestattet, das Leben mit all seinen Facetten zu meistern.
Verehrte Geschwister,
tagtäglich werden wir Zeuge der Vergänglichkeit der Welt. Die Reise des Lebens wird eines Tages mit dem Beginn des Jenseits enden. Jedes Lebewesen wird eines Tages den Tod kosten. Aus diesem Grund sollten wir unsere Zeit im Diesseits zu schätzen und sinnvoll zu nutzen wissen. Denn keine gute oder schlechte Handlung wird ohne Gegenleistung bleiben. Daher sollten wir uns dies stets vor Augen halten und uns selbst zur Rechenschaft ziehen, bevor wir gegenüber unserem Schöpfer Rechenschaft ablegen müssen. So wie Umar (ra) sollten wir jeden Tag erneut fragen: „Was hab ich heute für Gott getan?“
Verehrte Muslime,
um ein Leben gemäß dem Willen Gottes zu führen, also um die eigene Glückseligkeit im jenseitigen Leben nicht zu gefährden, ist es notwendig bewusster zu leben. So wie der vorrausschauende Schüler sich rechtzeitig auf seine Prüfung vorbereitet, so bereitet sich auch der Muslim auf sein Leben im Jenseits vor. Dies ist erforderlich, damit wir im Jenseits die Fragen über unser Leben auf dieser Welt mit ruhigem Gewissen beantworten können. Unser Prophet sagte: „Klug ist, wer sich selbst zur Rechenschaft zieht und für das Leben nach dem Tode arbeitet.“(Tirmizî, Kijâma, 26; Ibni Mâdscha, Zuhd, 31)
Am Anfang des Jahres sollten wir deshalb unser Handeln im vergangenen Jahr hinterfragen und unsere Fehler oder sogar Sünden mit Einsicht verbessern und bereuen. Wir sollten uns vornehmen, das kommende Jahr in bester Weise zu nutzen. Denn der Wert unserer Lebenszeit kann durch nichts ersetzt werden. Daher sollten wir – angefangen von unseren Gottesdiensten (pl. Ibâdât) – unsere Zeit für ein gottgefälligeres Leben verwenden. Unsere Gebete (pl. Salât) sollten wir nach Möglichkeit in der Gemeinschaft verrichten. Wir sollten uns all unserer Verpflichtungen gegenüber der Familie bewusst sein und diese nach bestem Gewissen erfüllen. Schließlich sollten wir Gott um Gesundheit und Wohlbefinden für das kommende Jahr bitten. Der Gesandte Gottes sagte:„Niemand wird am Tag der Abrechnung entlassen, bevor er nicht über alles, was er getan hat, Rechenschaft abgelegt hat.“ (Tirmizî, Kijâma, 1)
Wir möchten unsere Hutba mit einem Koranvers beenden: „O ihr, die ihr glaubt! Fürchtet Allah! Und eine jede Seele habe auf das acht, was sie für morgen vorausschickt. Und fürchtet Allah! Allah weiß sehr wohl, was ihr tut.“ (Sure Haschr, [59:18])