11.07.2006 Nachrichten>Deutschland
Kritik an Integrationsgipfel
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die wichtigsten
islamischen Organisationen in Deutschland zum Integrationsgipfel nicht eingeladen
Der
Integrationsgipfel von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird von vielen Migrantenverbänden
sowie Politikern heftig kritisiert. Dabei geht es vor allem um die Gästeliste.
Außer der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion
(DITIB) wurden die wichtigsten islamischen Organisationen, wie etwa der Islamrat
für die Bundesrepublik Deutschland, nicht eingeladen. Eingeladen sind rund
70 Vertreter von Bund, Ländern, Kommunen, Sozialverbänden, Migrantenorganisationen
und Religionsgemeinschaften. Das Gipfel-Treffen soll jedoch nur drei Stunden
andauen.
Deshalb sehen auch eingeladene Gäste den Integrationsgipfel als eine reine „Showveranstaltung“, wie etwa der Leiter des Essener Zentrums für Türkeistudien, Faruk Sen, der aus Protest zu der Veranstaltung nicht hingehen werde. Sen sprach von einer „Farce“. Der Gipfel falle in die Urlaubszeit, sei schlecht vorbereitet und jeder Teilnehmer müsse mit maximal fünf Minuten Redezeit auskommen, beklagte er.
Auch der Vorsitzende des Rates der Türkeistämmigen, Yasar Bilgin, (CDU) kritisierte den Integrationsgipfel von Merkel und kündigte an in Köln einen Gegengipfel veranstalten zu wollen. „Wenn sich die Mehrheit der Türken auf dem Gipfel nicht vertreten sieht, wird das ein Pseudo-Gipfel“, sagte Bilgin. Schleswig-Holsteins Innenminister Ralf Stegner (SPD) sagte: „Eine Schauveranstaltung zur Integration bringt nichts.“
Das Ministerium für Integration kündigte an, die Liste der Eingeladenen werde am Mittwoch veröffentlicht. (hv)