17.07.2006 Nachrichten>Deutschland
Bildungsgewerkschaft warnt vor zu hohen Sprachhürden für die Einbürgerung
Stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW): „Beherrschung der deutschen Sprache wird zu einem Ausgrenzungsinstrument statt zu einem Integrationsinstrument gemacht“

Die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marianne Demmer, hat vor integrationsfeindlichen Schnellschüssen bei dem Integrationsgipfel am 14. Juli gewarnt. Demmer verlangte von den Politikern, zuerst Experten zu hören und dann Beschlüsse zu fassen. Die Gewerkschafterin kritisierte, der Bundesrat habe in seiner letzten Sitzung „erschreckend hohe Sprachhürden“ für die Einbürgerung beschlossen, an denen sogar viele Deutschsprachige scheitern würden. Viele der in Deutschland lebenden jungen Türken und arabisch stämmigen Migranten besuchten Hauptschulen und erreichten das geforderte Sprachniveau nicht. Demmer glaubt, dass die Beherrschung der deutschen Sprache vielmehr zu einem Ausgrenzungsinstrument statt zu einem Integrationsinstrument gemacht wird.

Ein Beispiel dafür sei, dass die Ministerpräsidenten darüber nachdächten, die Höhe der Transferleistungen und den Zugang zum Arbeitsmarkt von der mündlichen und sogar schriftlichen Beherrschung der deutschen Sprache abhängig zu machen.

Vor allem kritisierte Demmer, dass die Ministerpräsidenten der Länder künftig nur noch Einbürgerungsbewerber einbürgern wollen, deren sprachliche Fähigkeiten auf dem Realschulniveau oder aufwärts sind. Diese Anforderung liege jedoch deutlich über entsprechenden Vereinbarungen auf europäischer Ebene. Demmer forderte die Rücknahme dieser „absurden Vereinbarung“ und schlug stattdessen vor, eine Expertenkommission mit der Definition angemessener Anforderungsprofile zu beauftragen. Die Gewerkschafterin sagte: „Statt eine Schauveranstaltung zu zelebrieren, sollte der Integrationsgipfel verabreden, auch politisch heiße Eisen anzupacken.“

Dazu gehörten die Diskussion über eine Kontingentlösung für Illegale, das kommunale Wahlrecht, Chancengleichheit und das Recht auf Bildung und Ausbildung auch für statuslose Kinder und Jugendliche, genügend Ausbildungsmöglichkeiten, verbindliche Qualitätsstandards für Sprach- und Integrationskurse, die Anerkennung der Herkunftssprachen der Migranten als erste Fremdsprache, mehr Pädagogen mit Migrationshintergrund in den Bildungseinrichtungen und Anreize zu gelebter Interkulturalität. (hv)


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