19.07.2006 Nachrichten>International
Muslimische Denker kamen in Istanbul zusammen
In der türkischen Metropole Istanbul wurden
zahlreiche Gelehrte, Denker und Autoren zu zwei wichtigen Konferenzen empfangen
Die
erste Konferenz unter dem Motto „Europas Muslime- Herausforderungen und
Chancen“ fand am 1. und 2. Juli statt. Vergangenen Sonntag kam die Internationale
Vereinigung Muslimischer Gelehrter zusammen. Die Konferenzen nahmen die Probleme
in der islamischen Welt zum Thema. An den Veranstaltungen nahmen neben über
150 muslimischen Vertretern verschiedener Länder aus Deutschland Ali Kizilkaya,
Vorsitzender des Islamrats für die Bundesrepublik Deutschland, Ridvan Cakir,
Vorsitzender der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion
und der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Ayyup Köhler, teil.
Mithilfe vieler muslimischer Vereinigungen in Europa und der Unterstützung der British Council wurde die Konferenz „Europas Muslime 2006“ organisiert. Die Anwesenden rückten Probleme und Lösungsvorschläge rund um die in Europa lebenden Muslime ins Zentrum der Betrachtung.
Unter den Rednern befanden sich der Staatsminister Mehmet Aydin, der Generalsekretär der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC), Ekmeleddin Ihsanoglu, der Mufti von Bosnien, Mustafa Ceric, der Mufti von Ägypten, Ali Gomaa, Prof. Tariq Ramadan und der ehemalige Ministerpräsident Malaysias, Enver Ibrahim.
Am Ende der Konferenz „Europas Muslime“ wurde eine „Topkapi Deklaration“ verabschiedet. Die Erklärung beschäftigt sich zusammengefasst mit folgenden Beschlüssen: Im Hinblick auf Geschichte und Kultur hat der Islam in Europa eine verwurzelte und reiche Vergangenheit. Der Islam beeinflusste angesichts der Konfrontation mit der europäischen Gesellschaft den intellektuellen Werdegang Europas ganz besonders. Zu den gesellschaftlich-demokratischen Grundordnungen gehört auch die Religionsfreiheit. Auch Muslime in Europa, die sich ihrer Verantwortung und Rechte bewusst sind und gesellschaftliches Engagement zeigen, haben genau wie die anderen europäischen Bürger das Recht, zu kritisieren und zu protestieren. Leider stellen wir fest, dass Muslime in Europa vielen Schwierigkeiten begegnen, da gewisse Europäer ihre Anwesenheit nicht tolerieren oder den Lebensraum der Menschen, die einen anderen kulturellen Hintergrund, einen anderen Glauben oder eine andere Hautfarbe haben, einschränken.
Dies ist eine Angelegenheit, die uns alle angehen sollte. Wir missbilligen jede Art von Diskriminierung und Islamophobie. Muslime als Gefahrenpotenzial anzusehen oder sie als Bürger zweiter Klasse in Betracht zu ziehen, schadet nur dem Weltfrieden. Muslime, insbesondere muslimische Jugendliche, würden der sozialen Struktur viel Potenzial verleihen und diese sollten daher als solche angesehen und eingesetzt werden. So appellieren wir an die europäischen Regierungen, den gesellschaftlichen Dialog weiter auszubauen.
Wir haben bereits anti-rassistische und anti-diskriminierende Vorstöße einiger europäischer Länder mit viel Lob und Zustimmung einvernommen. Hier zeigt sich auch der wichtige Stellenwert der Medien, die verantwortungsbewusst aufrechte Mediendarstellungen darbieten sollten. Der Islam votiert niemals für terroristische Akte, worunter das unschuldige zivile Volk leiden muss. Wir verurteilen Menschen, die im Namen des Islams zulasten unschuldiger, armer und mittelloser Menschen Gewalt verbreiten.
Damit die Ungerechtigkeiten, denen Muslime überall auf der Welt unterliegen und dadurch Hoffnungslosigkeit verspüren und die Zustände, wie sie in Palästina vorherrschen bald ein Ende haben, rufen wir die Weltbevölkerung dazu auf, diesen Geschehnissen noch intensiver entgegenzuwirken.
Wir intentionieren, die Botschaften des Islams jedem zu vermitteln und gegen alle Fehl-Annahmen eine gemeinsame Front zu bilden, um diese zu beseitigen.
Bei der Konferenz der Internationalen Vereinigung Muslimischer Gelehrter kamen die Anwesenden mit Bedauern zu dem Schluss, dass der Hauptgrund für den Rückstand der muslimischen Länder, das defizitäre Verständnis des Islams und damit die falsche Auslebung sei. „Damit wir nicht zurückbleiben, müssen wir als Gelehrte vorangehen“, betonten die Gelehrten. Zu der Eröffnungsveranstaltung erschienen der Staatsminister und der Berater des Ministerpräsidenten, Mehmet Ali Sahin, der Gouverneur von Istanbul, Muammer Güler und der Generalsekretär der Organisation der Islamischen Konferenz, Ekmeleddin Ihsanoglu.
Bei seiner Eröffnungsrede, erwähnte Mehmet Ali Sahin, dass in Zeiten, in denen Vorurteile und unwahre Informationen stark im Umlauf sind, der Bedarf an authentischen Informationen größer sei, als je zuvor. (sb)