Freitag 23. Juli 2010
Hutba – Die Berât-Nacht (2010)

„Ha. Mim. Bei dem deutlichen Buch! Wahrlich,Wir haben es hinabgesandt in einer gesegneten Nacht – wir waren doch stets ein Warnender! –, in welcher der Unterschied zwischen allen Dingen in Weisheit erläutert wurde.” (Sure Duchan, [44:1-4])
Verehrte Muslime,
Allah schreibt gewissen Zeitspannen mehr Bedeutung zu als anderen. Zum Beispiel ist die Kadr-Nacht wertvoller als tausend Monate, während die 15. Nacht des Monats Radschab, also die Berât-Nacht, als Nacht der Vergebung gilt. Zudem weisen die Koranexegeten daraufhin, dass diese Nacht im Koran Erwähnung findet. In der Sure Duchan heißt es nämlich: „Ha. Mim. Bei dem deutlichen Buch! Wahrlich, Wir haben es hinabgesandt in einer gesegneten Nacht – wir waren doch stets ein Warnender! –, in welcher der Unterschied zwischen allen Dingen in Weisheit erläutert wurde.” (Sure Duchan, [44:1-4])
Verehrte Geschwister,
die Berât-Nacht ist in diesem Jahr in der Nacht von 26. Juli zum darauffolgenden Dienstag. Möge Gott diese gesegnete Nacht zum Anlass nehmen, um den Muslimen und allen Menschen nur Gutes widerfahren zu lassen, mögen Frieden und Freude herrschen.
Menschen sind schwache Geschöpfe. Sie machen oft Fehler, handeln unüberlegt und begehen große oder kleine Sünden. So führen seine Fehler den Menschen oft zu Konflikten mit dem Gewissen, diese gehen über in Hoffnungslosigkeit und können mit großen Sünden enden.
Doch Alhamdulillâh, Gott sei Dank, verheißt uns der Schöpfer im Koran seine grenzenlose Barmherzigkeit und Gnade. Genau das ist das göttliche Seil, an dem sich jene festhalten können, die aufgrund ihrer Fehler an sich selbst zu verzweifeln drohen und alle Hoffnung verloren zu haben glauben. Die Berât-Nacht ist eine der Gelegenheiten, die uns Allah geschenkt hat, um uns in aufrichtiger Weise an ihn zu wenden, mit allen Schwächen, die wir haben.
Verehrte Muslime,
unser Prophet, Muhammad (saw), hat uns empfohlen, diesen Anlass in unserem Sinne zu nutzen. Deshalb ist es erforderlich, Reue (Tawba) zu zeigen und seine Fehler einzusehen. Doch diese Einsicht muss grundlegend und wirksam sein. Die Absicht, einen Fehler nie wieder zu begehen, muss sich auf das Denken, Fühlen und Handeln des Gläubigen erstrecken.
Über die Berât-Nacht sagte der Gesandte Gottes folgendes: „In dieser Nacht befreit Allah so viele Menschen von der Strafe der Hölle wie die Anzahl der Haare der Schafsherde des Kalb-Stammes.“ (Buchârî, at-Targîb wat-Tarhîb, II, 118) In dieser Nacht ist die Barmherzigkeit Gottes besonders groß, er vergibt nahezu alles und allen: „Allah vergibt allen, außer den Zauberern, Magiern, denen, die viel Hass in sich tragen oder viel Alkohol trinken, denen, die ihren Eltern widersprechen und Ehebruch begehen.“ Solange wir also nicht an unserem Fehlverhalten festhalten, wird uns die Einsicht unserer Fehler von allen Sünden befreien.
Deshalb sollten wir die Berât-Nacht in gebührender Weise verbringen, wir sollten dieses Geschenk Gottes nicht ignorieren. Nicht nur unsere Eltern, Familien und Verwandten sollten wir in unsere Duâ (Bittgebete) einschließen, sondern alle unseren muslimischen und nichtmuslimischen Geschwister auf der ganzen Welt. Vor allem aber jene, die unter schweren Bedingungen, oft in Furcht um ihr Leben, ihre Existenz zu bestreiten versuchen. In diesem Sinne beglückwünschen wir alle anlässlich der Berât-Nacht und bitten Allah, dass er uns glüclich und gesund den Ramadan erleben lässt.
Freitag 16. Juli 2010
Hutba – Das Tor der Vergebung: Tawba

„… Siehe, Allah liebt die sich Bekehrenden und liebt die sich Reinigenden.“ (Sure Bakara, [2:222])
Verehrte Muslime,
Allah hat den Menschen so erschaffen, dass er sowohl Gutes als auch Schlechtes tun kann. Doch hat er ihn auch wissen lassen, dass Fehler wieder gut gemacht werden können. Das Fehlverhalten, das zur Sünde führt, ist wie ein Fleck auf der Kleidung, welches entfernt werden kann. So hält uns Gott dazu an, unsere Fehler einzusehen und Reue (Tawba) zu zeigen. Tawba ist die Einsicht des Geschöpfes, einen Fehler begangen zu haben, die Reue und Scham, die ihn deswegen überkommt und die feste Absicht, es nicht wieder zu tun. In Bezug auf Gott ist Tawba ein bis in alle Ewigkeit geöffnetes Tor der Vergebung. Der Gläubige kennt dieses Tor, er glaubt daran und wird niemals seine Hoffnung auf Vergebung verlieren, denn „… Siehe, Allah liebt die sich Bekehrenden und liebt die sich Reinigenden.“(Sure Bakara, [2:222])
Verehrte Geschwister,
der Gesandte Gottes, Muhammad (saw), gab uns folgende erfreuliche Nachricht: „Wenn jemand seinen Fehler erkennt und bereut, sagt Allah zu seinen Engeln: „Seht, diese Person hat einen Fehler gemacht, sich aber daran erinnert, dass er einen Herrn hat, der Fehler bestraft und vergibt, und dann seinen Fehler bereut. Bezeugt, dass ich ihm vergeben habe.“ (Buchârî) In einem anderen Hadith erzählt der Prophet folgende Geschichte: „In einem abgelegenen Teil der Wüste schläft jemand, um sich auszuruhen. Als er aufwacht sieht er, dass sein Reittier mit samt dem Proviant verschwunden ist. Er sucht es überall, kann es aber nicht finden. Erschöpft kehrt er zu seinem ursprünglichen Platz zurück. Hoffnungslos denkt er: „Ich werde wohl in dieser Wüste sterben.“ und schläft wieder ein. Als er wieder aufwacht, sind sein Kamel und sein Proviant an seiner Seite, so dass er sich sehr freut. Doch noch größer als die Freude dieses Menschen, ist die Freude Allahs, wenn jemand Reue zeigt.“ (Muslim)
Verehrte Muslime,
wir befinden uns in den gesegneten Drei Monaten, in denen die Barmherzigkeit (Rahma) Gottes gegenüber seinen Geschöpfen noch größer ist als sonst. Es ist genau die richtige Zeit, um uns unserer Fehler bewusst zu werden, Einsicht und Reue zu zeigen und um Vergebung zu bitten. Zuerst sollten wir uns selbst, dann unsere Geschwister, die schlechten Gewohnheiten verfallen sind, auf das Tor der Vergebung aufmerksam machen. Denn wir dürfen nicht vergessen, „Wer seinen Fehler bereut, ist ohne jede Sünde.“ (Ibni Mâdscha)
Auch sollten wir uns vergegenwärtigen, dass uns die Engel mit ihren Duâ (Bittgebet) unterstützen, wenn wir Reue zeigen: „Diejenigen, welche den Thron tragen, und die, welche ihn umgeben, lobpreisen ihren Herrn und glauben an ihn und bitten um Verzeihung für die Gläubigen: „O unser Herr! Du umfasst alle Dinge in Barmherzigkeit und Wissen. So vergib denen, die sich bekehren und deinem Pfad folgen; und bewahre sie vor der Strafe der Hölle.“(Sure Gâfir, [40:7])
Mit einer kurzen Erzählung möchten wir unsere Hutba beenden: Ein Mann ging mit seinem Sohn am Strand spazieren. Das Kind fragte: „Was ist das?“, der Vater antwortete: „Das ein Haufen Kieselsteine.“„Gibt es etwas, was noch mehr ist als diese Steine?“, fragte das Kind. „Ja“, sagte der Mann, „die Sünden deines Vaters.“ „Und gibt es noch etwas, das noch mehr ist als deine Sünden?“ fragt das Kind weiter. „Ja natürlich, mein Sohn, die Gnade Gottes.“
Jeder, der das Tor der Vergebung aufsucht, wird mit offenen Armen empfangen, niemand wird zurückgewiesen. Möge Allah unsere Gebete annehmen und unsere Fehler vergeben.
Freitag 09. Juli 2010
Hutba – Islam heißt, sich dem Guten zuwenden

„Unser Herr, gib uns im Diesseits Gutes und im Jenseits Gutes und hüte uns vor der Strafe des Feuers.“ (Sure Bakara, [2:201])
Verehrte Muslime,
unsere Religion (Dîn), der Islam, ruft nur zum Guten und den Geschöpfen dienlichen auf. Dem Islam anzuhängen bedeutet also sich dem Guten zu verpflichten. In der Sure Mâida heißt es: „… Helft einander zur Rechtschaffenheit und Gottesfurcht und nicht zur Sünde und Feindschaft. Und fürchtet Allah; siehe, Allah ist streng im Strafen.“(Sure Mâida, [5:2]) Dem Menschen ist also die Verantwortung gegeben worden, alles zu vermeiden, was sündhaft ist und zu Feindschaft führt. In einem anderen Vers steht: „Andere unter ihnen sprechen: „Unser Herr, gib uns im Diesseits Gutes und im Jenseits Gutes und hüte uns vor der Strafe des Feuers.“(Sure Bakara, [2:201])
Diesen Versen zufolge besteht die Absicht des Islams darin, dem Menschen zum Glück im Diesseits und im Jenseits zu führen. Damit der Islam dieses Ziel erreichen kann, ruft er seine Mitglieder dazu auf, sich immer für das Gute einzusetzen und Geschwisterlichkeit und Solidarität zu üben. Unser Schöpfer sagt im Koran: „O ihr, die ihr glaubt! Beugt euch und werft euch nieder und dient euerem Herrn und tut Gutes, damit es euch wohl ergeht.“(Sure Hadsch, [22:77])
Verehrte Geschwister,
unser Prophet, Muhammad (saw) hat seine Gefährten und damit auch alle Muslime in der Zukunft oft dazu motiviert, ein bewusst auf das Wohlwollen Allahs Leben zu führen. In einer der Überlieferungen sagt er: „An jedem Tag, an dem die Sonne aufgeht, ist es jedem Muslim geboten, Sadaka zu geben (Gutes zu tun).“ Seine Gefährten fragten: „O Gesandter Gottes, was soll der Gläubige tun, wenn er nichts besitzt, um Sadaka zu geben?“„Dann arbeitet er, bestreitet seinen Unterhalt und gibt vom Rest Sadaka.“, sagte der Prophet. „Was ist, wenn er das nicht vermag?“, wurde gefragt. Muhammad antwortete: „Dann hilft er jemandem, der der Hilfe bedarf; dies zählt für ihn als Sadaka.“„Und wenn er auch das nicht machen kann?“, fragten die Gefährten weiter. „Dann soll er die Menschen zum Guten und Rechten aufrufen. Er soll sie zum Rechten einladen und sich davor hüten, anderen Schaden zuzufügen.“, erwiderte der Gesandte Gottes. (at-Tâdsch, 2, 40)
Verehrte Muslime,
lassen wir noch einige der weisen Worte Muhammds auf uns wirken. Unser Prophet sagte: „Es gibt keine Sadaka, die bei Allah angesehener ist, als die Wahrheit und das Rechte zu sprechen.“ (at-Tâdsch, 454) „Die beste Sadaka ist es die Zunge (vor Lügen, übler Nachrede und bösen Worten) zu behüten.“ (at-Tâdsch, 454) „Die schönste Sadaka ist es zerstrittene Menschen zu miteinander zu versöhnen.“ (Dschâmius Sagîr) „Die wertvollste Sadaka isz jene, die dem Verwandten gegeben wird, der Feindschaft gegenüber einem hegt.“ (Dschâmius Sagîr, 467) „Es ist Sadaka Hindernisse wie einen Stein, Dorn und Knochen aus dem Weg zu räumen…“ (Mischkatul Masâbih, 1991) „Seine Gattin zu behandeln, ist Sadaka.“ (Mischkatul Masâbih, 1898) „Unterschätze keine gute Tat, auch wenn es nur ein lächelndes Gesicht ist.“(Muslim, 1782)
Verehrte Geschwister,
angesichts der bevorstehenden Ferienzeit möchten wir unsere Hutba mit einigen Erinnerungen diesbezüglich beenden. Die Sommerferien werden viele unserer Geschwister dazu nutzen, um sich in ihren ursprünglichen Herkunftsländern vom Stress eines arbeitsreichen Jahres zu erholen und ihre Verwandten zu besuchen. Andere werden nicht verreisen können. Den letzteren empfehlen wir vor allem ihre Kinder zur Teilnahme an unseren Reisen zu motivieren. Mit diesen Reiseveranstaltungen beabsichtigen wir, das Wissen und die Kultur unserer Kinder und Jugendlichen zu fördern und ihren Horizont zu erweitern. Denn wie wir alles wissen, ist der größte Feind des Menschen seine Unwissenheit und Beschränktheit.
Unsere Geschwistern, die ihre Verwandten besuchen, empfehlen wir gemeinsam mit ihren Kindern historisch und kulturell bedeutende Sehenswürdigkeiten in ihren Ländern zu besichtigen. Keineswegs sollte außerdem der Verwandtschaftsbesuch darunter leiden. Denn noch wichtiger als die Wurzeln unserer Kultur zu verlieren, ist es, den Kontakt zu den Menschen zu unterbrechen, mit denen uns eine selbstverständliche Nähe verbindet. Wir glauben, dass dies den Charakter unserer Nachkommen nicht unerheblich beeinflussen wird.
Möge uns Allah zu jenen Geschöpfen zählen, die sein Wohlwollen erlangt haben, möge er uns schützen und uns helfen.
Freitag 02. Juli 2010
Hutba – Isrâ und Mirâdsch

„Gepriesen sei der, der seinen Diener des Nachts von der unverletzlichen Moschee zur fernsten Moschee führte, deren Umgebung Wir gesegnet haben, um ihm einige von unseren Zeichen zu zeigen. Wahrlich, er ist der Hörende, der Schauende.“ (Sure Isrâ, [17:1])
Verehrte Muslime,
der erste der gesegneten Drei Monate, also der Monat Radschab, nähert sich nun seinem Ende zu. Wie wir alle wissen, ereigneten sich in der 27. Nacht diese Monats der Isrâ und Mirâdsch, also die nächtliche Reise unseres Propheten von Mekka nach Kuds (Jerusalem) und die Himmelfahrt. Die Mirâdsch-Nacht ist die Nacht vom Donnerstag auf den Freitag. Möge uns Allah ermöglichen reichlich vom Segen dieser Nacht zu profitieren.
Verehrte Geschwister,
die Himmelfahrt ist ein wundersames Ereignis. Es gehört zu den Wundern Muhammads (saw). Im Koran wird es wie folgt beschrieben: „Gepriesen sei der, der seinen Diener des Nachts von der unverletzlichen Moschee zur fernsten Moschee führte, deren Umgebung Wir gesegnet haben, um ihm einige von unseren Zeichen zu zeigen. Wahrlich, er ist der Hörende, der Schauende.“ (Sure Isrâ, [17:1]) Wunder wie die nächtliche Reise von Mekka nach Kuds und das Aufsteigen unseres Propheten in den Himmel zu verleugnen, nur weil sie die Grenzen unseres Verstandes übersteigen, ist nicht richtig und kann schlimmstenfalls bis zum Verlust des Îmân führen. Über beide Ereignisse wurden uns zahlreiche Hadithe überliefert.
Verehrte Muslime,
sicherlich ist es nicht möglich in einer kurzen Hutba diese großen Ereignisse zugenüge darzulegen. Doch reicht schon der Gedanke, dass Gott den Gesandten Gottes zu sich gerufen hat, ihn also die höchste Ehrung zukommen ließ. Dem Koran zufolge war Gott „Bis auf zwei Bogen(schüsse) entfernt oder noch näher und offenbarte seinem Diener, was er zu offenbaren hatte.“(Sure Nadschm, [53:9] [53:10]) Da man seinen Gast reich bewirtet und beschenkt, hat unser Schöpfer auch unseren Propheten beschenkt und dabei seine Umma nicht vergessen. Zu den Segnungen, die uns der Gesandte Gottes überbrachte, gehört folgendes:
1) Den Muslimen wurde das tägliche Gebet (Salâh) geschenkt. Das Gebet wird deshalb auch als Moment beschrieben, in dem man Gott am nähesten ist.
2) Die letzten beiden Verse der Sure Bakara wurden offenbart.
3) Gott teilte Muhammad (saw) die frohe Botschaft mit, dass alle Muslime, die Allah nichts beigesellen, also keinen Schirk (Polytheismus) begehen, in das Paradies (Dschanna) eintreten werden.
Wir wir sehen, verehrte Geschwister,
ist dies die Mirâdsch-Nacht der Geschenke. So sollten wir bemüht sein, diese Nacht zu nutzen, um unserer Fehler und Sünden bewusst zu werden und Einsicht zu zeigen. Wir sollten diese Geschenke nicht zurückweisen.
In diesem Sinne möchten wir unsere Gechwister zur Mirâdsch-Nacht beglückwünschen. Möge uns Allah vergeben uns reich belohnen.