14.06.2006 Nachrichten>Deutschland
Ausländische Schüler sollen gleichmäßiger verteilt werden
Baden-Württembergs Kultusminister Rau will ausländische Schüler gleichmäßiger verteilen

Baden-Württembergs Kultusminister Helmut Rau plant ausländische Schüler gleichmäßiger zu verteilen. Kindern aus Vierteln mit hohem Migrantenanteil sollen in andere Schulbezirke umgeleitet werden. Auch die Pisa-Bildungsforscher meinen, dass ab 20 Prozent Ausländerquote der Lernerfolg in einer Klasse drastisch sinkt. „Es geht darum Schüler so zu verteilen, dass überall vergleichbare Integrationsaufgaben zu bewältigen sind“, sagte Rau. Bis zur Sommerpause sollten Kommunen und Fachleute an einem Runden Tisch Details klären. Der Ausländeranteil an baden-württembergischen Grundschulen betrug im Schuljahr 2003/2004 im Schnitt 14,3 Prozent. Zusammen mit den Aussiedlerkindern waren es sogar 17 Prozent. An den Hauptschulen lag der Ausländeranteil bei 24,5, mit den Aussiedlerkindern bei 32,7 Prozent. Die Verteilung im Land ist jedoch stark unterschiedlich: In Stuttgart lag der Ausländeranteil an Grundschulen bei 35,5 Prozent, in Freiburg bei 17,2 Prozent und im Main-Tauber-Kreis bei nur 6,5 Prozent.

Raus Vorschlag wurde von mehreren Seiten kritisiert. Der Landesverband Bildung und Erziehung (VBE) ist dagegen, dass die Stadtkinder aufs Land geschickt werden. VBE-Sprecher Michael Gomolzig sagte: „Stellen Sie sich doch mal den öffentlichen Aufschrei vor, wenn man deutsche Kinder in Schulen mit hohem Ausländeranteil schicken wollte.“

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) will lieber auf verstärkte Sprachförderung setzen. Der Städtetag befürchtet eine „Nivellierung nach unten“ und warnte vor zu hohen Kosten und für die Grünen ist Raus Vorschlag ein „typischer Schnellschuss“.

Der Landeselternbeirat meinte, die zugeteilten Kinder würden stigmatisiert. Es sei unmöglich, objektive Kriterien dafür zu finden, wer die Schule wechseln muss. Nach dem Familienbericht des Landes seien Türken, Italiener, Ex-Jugoslawen und Aussiedler schulische Problemfälle, Spanier, Griechen und Kroaten dagegen bildungsmotivierter.

Unterstützt wurde der Kultusminister vom Regierungschef Günther Oettinger (CDU), der sein Vorschlag legitim findet. (hv)


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