06.06.2007 Nachrichten>Deutschland
Kritischer Dialog zwichen dem KRM und der EKD
Muslimische und evangelische Vertreter diskutierten
in Mannheim über die Zukunft des Dialogs
Auf
Einladung des Koordinationsrates der Muslime (KRM) trafen sich in der Mannheimer
Sultan Selim Moschee Vertreter des KRM mit der Leitung der Evangelischen Kirche
Deutschland (EKD). An dem Treffen nahmen neben dem KRM-Sprecher Ayyub Axel Köhler
die Vorsitzenden der Mitgliedsorganisationen (Islamrat, Ditib, VIKZ, ZMD) und
Vertreter der Mitgliedsorganisationen teil. Für die IGMG nahm der Generalsekretär,
Oguz Ücüncü, an der Debatte teil. Von Seiten der EKD waren der
Ratsvorsitzende, Bischof Huber, der frühere Bundesjustizminister Jürgen
Schmude (SPD), das EKD-Ratsmitglied Hermann Gröhe (CDU) anwesend.
Vor dem Treffen hatte der KRM eine Stellungnahme zur EKD-Handreichung „Klarheit und gute Nachbarschaft veröffentlicht. Darin kritisierte der KRM den Versuch der EKD, sich auf Kosten der Muslime zu profilieren. Unter anderem wurde der EKD vorgeworfen, den Islam absichtlich in ein negatives Licht darzustellen, um dann wiederum die Evangelische Kirche in einem positiven Licht erscheinen zu lassen. Insbesondere wurde dem Islam indirekt eine unterschwellige Gewaltbereitschaft attestiert. Auf besondere Kritik stieß in der Stellungnahme die Forderung der EKD, den Dialog mit den Muslimen im Rahmen der christlichen Mission zu führen. Auch auf dem Treffen machten die muslimischen Vertreter deutlich, dass die Handreichung für den Dialog mit Christen eher einen Rückschritt bedeute, als ein Fortschritt und dass man dennoch zum Dialog keine Alternative hat und das direkte Gespräch mit Vertretern der evangelischen Amtskirche trotz aller Rückschläge weiterhin suchen werden. Die EKD wies jedoch die Kritik an ihrer Handreichung zurück. Zu einem Ausräumen der entstandenen Irritationen kam es bei dem Treffen somit nicht.
Der KRM hatte in seiner damaligen Stellungnahme kritisiert, dass eine unzulässige Nähe hergestellt wird, wonach der Glaube zur Intoleranz und Gewalt verleite. Auch seitens prominenter Christen wurde die EKD-Handreichung kritisiert.
Die EKD-Handreichung „Klarheit und gute Nachbarschaft“ war jedoch nicht nur bei Muslimen auf Kritik gestoßen, sondern auch bei Protestanten. Für Jürgen Micksch vom Interkulturellen Rat in Deutschland, jahrelang Ausländerreferent der EKD, ist die Handreichung „unerträglich“. So würden Kopftuchträgerinnen pauschal diskriminiert und Muslime schlecht geredet, sagte Miksch der Frankfurter Rundschau gegenüber. Insbesondere würde „nichts gegen verbreitete islamfeindliche Einstellungen gesagt“. Micksch kritisierte Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber wegen der Abkehr der EKD-Leitung vom Kurs des respekt- und vertrauensvollen Umgangs mit Muslimen. Besondere Kritik erntete der weite Einfluss evangelikaler, fundamentalistischer Strömungen in der EKD. So gehörte auch Christine Schirrmacher, ein bekannter Name aus der evangelikalen Szene in Deutschland, zu den Autoren der Handreichung.(aek)