28.06.2007 Nachrichten>Deutschland
Bildungsministerin Schavan will Zuzug von ausländischen Fachkräften
erleichtern
Arbeitgeberpräsident Hundt: „Ein
Verzicht auf den Zuzug von ausländischen Fachkräften wäre für
die deutsche Wirtschaft tödlich“
Bildungsministerin
Annette Schavan (CDU) will auf den Fachkräftemangel in Deutschland reagieren
und ausländischen Hochqualifizierten den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt
erleichtern. „Deutschland muss ganz klar machen, dass es an ausländischen
Talenten sehr hohes Interesse hat“, sagte sie der „Süddeutschen
Zeitung“. Schavan sprach sich dafür aus, die Verdienstgrenze zu senken.
Bisher müssen ausländische Arbeitnehmer etwa 85.500 Euro im Jahr verdienen,
um in Deutschland ein Aufenthaltsrecht zu bekommen. Schavan will die Einkommensgrenze
auf bis zu 40 000 Euro absenken.
Auch Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sagte, dass Deutschland dringend qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland brauche. Ein Verzicht auf den Zuzug von Fachkräften wäre für die deutsche Wirtschaft tödlich, warnte er.
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagte, es müssten zunächst die inländischen Arbeitskräfte qualifiziert werden. Die SPD werde „keinen Weg gehen, bei dem Bildung und Weiterbildung hier im Land vernachlässigt wird und dann gleichzeitig der Bedarf an Fachkräften durch Zuwanderung gedeckt wird.“ Demgegenüber erklärte Hundt, deutsche Arbeitskräfte zu qualifizieren reiche nicht aus. Deutschland sei auf ausländische Arbeitskräfte dringend angewiesen.
Die Bildungsministerin reagierte damit auf eine am Montag veröffentlichte Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Darin fordert die Organisation eine bessere Integration der Zugewanderten in den deutschen Arbeitsmarkt und empfiehlt zudem, den Zuzug von Fachkräften aus dem Ausland zu erleichtern.
Grünen-Fraktionsvize Thea Dückert kritisierte, die Regierung habe bei der Abstimmung über das Zuwanderungsgesetz gegen eine Erleichterung des Zuzugs von Hochqualifizierten gestimmt. Auch die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth kritisierte, Schavans Aussagen seien ein „schlechter Witz - kurz nachdem sie ein desaströses Zuwanderungsverhinderungsgesetz mit beschlossen hat“. (hv)