Freitag 26. Juni 2009
Hutba – Die Gesundheit wahren

„Außer dem Tod gibt es keine Krankheit, für die es keine Behandlung gibt. Hauptsache man findet die Medizin.“
Verehrte Muslime,
die Gesundheit zu wahren, gehört zu den fünf Erfordernissen der Religion (Dîn). Nicht umsonst sagte der Gesandte Gottes: „Ihr solltet eure Gesundheit zu schätzen wissen, bevor euch die Krankheit erreicht.“(Fathul Kabîr, 1/203)Dieser Hadîth ruft uns auf, den Wert der Gesundheit nicht zu unterschätzen und alles Nötige zu tun, um sie nicht zu verlieren. Die Gesundheit zu wahren, also gesund zu leben, ist also eine religiöse Pflicht. Denn um im Diesseits ein Leben gemäß dem Willen Gottes zu führen, ist auch von der gesundheitlichen Lage des Einzelnen abhängig. So wird im folgendem Hadîth auf die Wichtigkeit der körperlichen und geistigen Gesundheit hingewiesen. Der Gesandte Gottes sagte nämlich: „Der starke Gläubige ist besser als der schwache.“(Muslim, Hadîth Nr. 2664) Der Prophet machte auch darauf aufmerksam, dass es erforderlich ist, aktiv gegen Krankheiten vorzugehen und sich nicht mit ihnen abzufinden: „Außer dem Tod gibt es keine Krankheit, für die es keine Behandlung gibt. Hauptsache man findet die Medizin.“(„Büyük Islam Ilmihali“, S. 464) Es gibt also keine Krankheit, die nicht geheilt werden kann. Man muss nur die entsprechende Medizin finden. Auch im folgendem Hadîth kommt dies zur Sprache: „Gott hat keine Krankheit erschaffen, für die er keine Heilung hinabsandte. O Geschöpfe Gottes, sucht nach Befreiung von euren Leiden.“(Tirmizî, Hadîth Nr. 2028)
Verehrte Geschwister,
genauso wichtig wie die Wahrung der Gesundheit, ist, sich vor Dingen fernzuhalten, die der Gesundheit schaden. Dazu gehört unter anderem die Hygiene. Insbesondere, weil wir Anhänger einer Religion sind, die die Sauberkeit als Teil des Glaubens (Îmân) ansieht, ist die Hygiene von besonderer Wichtigkeit. Eltern müssen als Vorbilder für ihre Kinder dienen und diese zu bewusst gesund lebenden Menschen erziehen. Der einfachste Weg der gesunden und hygienischen Lebensweise ist es, einige praktische Regeln im täglichen Leben zu befolgen. Dazu gehört beispielsweise sich vor und nach dem Essen die Hände zu waschen, vor den Gebeten die Waschung vorzunehmen, seine Kleidung sauber zu halten, Grünflächen zu schützen und sauberes Wasser zu verwenden. Vor allem, wenn eine Gefahr von leicht übertragbaren Krankheiten ausgeht, ist es erforderlich die vorbeugenden Maßnahmen genauer zu befolgen. Dies gilt insbesondere für die Grippe, an der in vielen Ländern der Erde schon zahlreiche Menschen gestorben sind. Auch wenn diese Länder weit von uns weg zu liegen scheinen, ist es, aufgrund der Mobilität in dieser globalisierten Welt, nicht unmöglich, dass auch wir von dieser Krankheit heimgesucht werden.
Deshalb, verehrte Geschwister,
müssen wir Vorbeugungen treffen. Eine Quarantäne ist in den meisten Fällen die einfachste Lösung. Auf sie wird auch in einem Hadîth hingewiesen: „Die Pest ist ein Zeichen der Vernichtung. Mit ihr prüft Gott einige seiner Diener. Wenn ihr von ihr hört, dann bleibt dem Ort fern. Wenn ihr in einem Gebiet seid, das von ihr befallen ist, flieht nicht.“(Muslim, Salâm, 32)Gemäß dem Gebot des Korans, sich nicht mit seinen eigenen Händen in Gefahr zu bringen (SureBakara, [2:196]) sind wir angehalten, Vorbeugungen zu treffen und uns Gott anzuvertrauen.
Freitag 19. Juni 2009
Hutba – Die gesegneten Drei Monate und die Regâib-Nacht

„Es gibt fünf Nächte, in denen die Bittgebete nicht abgelehnt werden. Diese Nächte sind: der erste Freitag des Radschab (die Regâib-Nacht), die fünfzehnte Nacht des Monats Schabân (Berât-Nacht), jede Freitagnacht und die Nacht vor den Festtagen.“ (Ibni Athâkir, Muchtarul Ahadith, S.73)
Verehrte Muslime,
am 24. Juni beginnt wieder die Zeit der gesegneten Drei Monate. Unser Wunsch ist es, dass diese segenvolle Zeit für alle Menschen nur Gutes bringt.
Die gesegneten Drei Monate, also die Monate Radschab, Schabân und Ramadan, sind für uns Muslime eine besondere Zeit. Denn in diesen Monaten befinden sich einige besondere segenvolle Nächte. Welch Glück für jene Muslime, die den Wert dieser Nächte kennen.
Verehrte Geschwister,
manche Zeitabschnitte sind wertvoller als andere. Die Gottesdienste (pl. Ibâdât), die während dieser Zeit verrichtet werden, werden besonders reich belohnt. Zu diesen besonders segenvollen Zeiten gehören die Monate Radschab, Schabân und Ramadan. In diesen Monaten gibt es widerrum Nächte, die segenreicher sind als die anderen. Die Gottesdienste, die in diesen Nächten verrichtet werden sind noch verdienstvoller als solche in anderen Nächten. Dies wissen wir vom Gesandten Gottes, der sagte: „Es gibt fünf Nächte, in denen die Bittgebete nicht abgelehnt werden. Diese Nächte sind: der erste Freitag des Radschab (die Regâib-Nacht), die fünfzehnte Nacht des Monats Schabân (Berât-Nacht), jede Freitagnacht und die Nacht vor den Festtagen.“(Ibni Athâkir, Muchtarul Ahadith, S.73) Außerdem wird folgender Hadîth überliefert: „Der Radschab ist der Monat Allahs. Der Monat Schabân ist mein Monat. Der Ramadan ist der Monat meiner Umma.”
Verehrte Muslime,
laut dem eben zitierten Hadîth ist der erste der gesegneten Drei Monate der Monat Radschab. Die erste segenvolle Nacht ist die erste Nacht zum Freitag in diesem Monat. Die Nacht vom kommenden Donnerstag auf den Freitag ist die Regâib-Nacht. Regâib bedeutet „das Ersehnte“, Barmherzigkeit und Segen, Gnade und Wohltat. Unser Prophet hat den Tag vor dieser Nacht mit Fasten (Sijâm) und die Nacht mit Gebeten (sing. Salâh) verbracht. Von diesem Beispiel ausgehend ist es sehr löblich diese gesegnete Nacht für Gottesdienste wie Gebete, Bittgebete (sing. Duâ) und dem Gedenken Gottes (Zikr) zu nutzen. So wie der Gesandte Gottes sollten wir den Tag zuvor fasten und in der Nacht mit verschiedenen Gottesdiensten beschäftigen.
Verehrte Geschwister,
was die Technik und den wissenschatlichen Fortschritt angeht, hat die Menschheit ein nie zuvor dagewesenes Niveau erreicht. An den seelischen Bedürfnissen hat sich aber nichts geändert. Ja, manche sprechen sogar von einer geistigen Verarmung. Der einzige Weg aus einer solchen Misslage ist, sich an den Barmherzigen und allvergebenden Schöpfer zu wenden und an den Gottesdiensten festzuhalten, um Gottes Wohlwollen zu erlangen. Insbesondere innerhalb der gesegneten Drei Monate müssen wir darauf achten. Vor allem sollten wir die Nächte für Bittgebete nutzen, denn mit dem Bittgebet wendet sich der Muslim direkt an Gott. Wir sollten für unser und das Wohl unserer Familie, Verwandten und Glaubensgeschwister beten. Lasst uns unsere Herzen öffnen, unseren Zusammenhalt stärken und im Guten wettstreiten. Lasst uns den Radschab und Schabân dazu nutzen, uns auf den Ramadan vorzubereiten, zu fasten, zu beten und den Koran zu lesen.
Bevor wir die Hutba beenden, möchten wir Gott bitten, dass er uns eine segenvolle Zeit beschere und der Menschheit nur Gutes widerfahren lasse. In den gesegneten Drei Monaten sprach der Gesandte Gottes oft dieses Bittgebet: „O Allah, segne die Monate Radschab und Schabân und führe uns in den Ramadan.“(Kaschful Chafâ, Bd. 1, S. 186, Hadith Nr. 554)
Freitag 12. Juni 2009
Hutba – Die religiöse Erziehung unserer Kinder

„Der Vater kann seinem Kind kein besseres Erbe als eine gute Erziehung hinterlassen.” (Tirmizî, Birr, 33)
Verehrte Muslime,
das Bedürfnis nach Religion (Dîn) gehört zur Natur des Menschen. Sie ist eine Realität der Menschheitsgeschichte. Religion ist, wie auch der Koran bestätigt, Teil der menschlichen Natur (Fitra) und Mittel zur Glückseligkeit im Diesseits wie auch im Jenseits. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Annahme vieler Wissenschaftler, mit voranschreitender Industrialisierung und Modernisierung werde Religion eine immer unbedeutendere Rolle spielen, sich nicht bestätigt. Vielmehr stehen wir heute vor vielfältigen Problemen, bei deren Lösung die Religion unersetzlich ist. Denn trotz technischem Fortschritt, der einen nie dagewesenen Luxus ermöglicht, findet die Menschheit nicht den Frieden, den sie sich ersehnt. Zur Fitra heißt es im Koran: „So richte dein ganzes Wesen aufrichtig auf den wahren Glauben, gemäß der natürlichen Veranlagung (Fitra), mit der Allah die Menschen erschaffen hat. Es gibt keine Veränderung in der Schöpfung Allahs. Dies ist die richtige Religion. Jedoch die meisten Menschen wissen es nicht.“ (Sure Rûm, [30:30])
Verehrte Geschwister,
der Islam strebt an, Menschen zu formen, die sich ihrer Verantwortung gegenüber sich selbst, gegenüber Gott sowie ihren Mitmenschen bewusst sind; Menschen, die in der Lage sind, ein ausgewogenes Leben zu führen. Um dies zu erreichen bedarf der Mensch der Erziehung und Führung. Im Koran wird auf die Unwissenheit des Menschen hingewiesen: „Und Allah hat euch aus den Leibern eurer Mütter als ganz und gar Unwissende hervorgebracht. Doch er gab euch Gehör und Gesicht, Verstand und Gemüt, damit ihr dankbar wäret.“ (Sure Nahl, [16:78])
Neben der allgemeinen Erziehung des Menschen ist die religiöse Erziehung unserer Kinder von besonderer Wichtigkeit. Unser Prophet sagte: „Der Vater kann seinem Kind kein besseres Erbe als eine gute Erziehung hinterlassen.”(Tirmizî, Birr, 33) Die Gelehrten sind der Auffasung, dass die Erziehung ein Recht des Kindes ist und von den Eltern gewährleistet werden muss.
Verehrte Muslime,
so wie die schulische Bildung in jungen Jahren beginnt, muss auch die religiöse Erziehung gewährleistet werden. Dies muss in einer der Entwicklung des Kindes entsprechenden Art und Weise geschehen. Nur eine dem Kind gerechten Atmosphäre und mit spielerischen Mitteln vermittelte Erziehung kann erfolgreich sein. Dabei beginnt die Erziehung im Elternhaus und wird in der Schule fortgeführt. Die einfachsten Dinge, zum Beispiel ein Gebetsteppich auf dem Boden, die Koranrezitation zuhause oder das Gebet nach dem Essen, können zu einer Atmosphäre im Elternhaus beitragen, in der das Kind ein natürliches Verhältnis zur Religion gewinnt. Nur eine religiöse Erziehung, die auf den rechten Grundlagen basiert, kann den Heranwachsenden auf ein Leben in dieser komplizierten Welt vorbereiten. Nicht zuletzt ist eine grundlegende religiöse Erziehung ein Schutz gegen allerlei Schlechtem, von dem es auf dieser Erde leider viel zu viel gibt.
Verehrte Geschwister,
wir dürfen nicht vergessen, dass eine falsche bzw. ungenügende religiöse Erziehung auch Grund für Gewalt und Irrglauben sein kann. Uns muss bewusst sein, dass uns letzenendes nicht weltlicher Besitz und Reichtum glücklich machen können. Nur ein ausgewogenes Verhältnis zur Religion kann uns sowohl im Diesseits als auch im Jenseits Glückseligkeit bescheren. Deshalb sind wir dafür verantwortlich unseren Kindern an erster Stelle unseren Glauben, unsere Gottesdienste (pl. Ibâdât) und unsere Vorstellungen eines sozialen und moralischen Lebens zu vermitteln. So ist es durchaus sinnvoll, unseren Kindern die Teilnahme an unseren Sommerkursen zu ermöglichen. Mit diesem Hinweis möchten wir die Hutba beenden, indwem wir uns an die Ratschläge Lukmâns (as) erinnern, die er seinem Sohn erteilte: „O mein Sohn! Verrichte das Gebet und gebiete, was Rechtens ist, und verbiete das Unrechte und ertrage standhaft, was dich trifft. Siehe, dies ist die richtige Entschlossenheit in allen Dingen.“(Sure Lukmân, [31:17])
Freitag 05. Juni 2009
Hutba – Religiöse Erziehung in der Familie

„O ihr, die ihr glaubt! Rettet euch und euere Familien vor dem Feuer, dessen Brennstoff Menschen und Steine sind. Darüber sind Engel (gesetzt,) starke und gestrenge, die gegen Allahs Befehl nicht aufbegehren, sondern alles tun, was ihnen befohlen wird.“ (Sure Tahrîm, [66:6])
Verehrte Muslime,
die Erziehung unserer Kinder beginnt in der Familie und wird in der Schule sowie der Gesellschaft fortgeführt. Das bedeutet, dass auch die religiöse Erziehung in der Familie beginnt. Aus diesem Grund heißt es im Koran: „Und mache deinen Angehörigen das Gebet zur Pflicht und zeige darin Ausdauer...“ (Sure Tâhâ, [20:132]) Demnach sollen wir die religiöse Erziehung, für die hier das Beispiel des Gebets (Salâh) genannt wird, in der Familie beginnen lassen. Noch deutlicher und ernster kommt dies in foldendem Vers zur Sprache: „O ihr, die ihr glaubt! Rettet euch und euere Familien vor dem Feuer, dessen Brennstoff Menschen und Steine sind. Darüber sind Engel (gesetzt,) starke und gestrenge, die gegen Allahs Befehl nicht aufbegehren, sondern alles tun, was ihnen befohlen wird.“ (Sure Tahrîm, [66:6])
Verehrte Geschwister,
die religiöse Erziehung unserer Kinder sollte also in jungen Jahren beginnen. So wie in allen Bereichen unseres Lebens, ist auch hier der Gesandte Gottes Muhammad (saw) der Maßstab unseres Handelns. Ein Gefährte des Propheten, Abû Hurajra (ra), berichtet hierzu: Einmal hat Hasan (ra), der Enkel des Propheten, eine von den Datteln essen wollen, die als Sadaka verteilt wurden. Der Gesandte Gottes, der dies sah, sagte: „Lass, lass das! Schmeiß das weg! Weißt du nicht, dass wir nicht essen, was als Sadaka gegeben wird.“ (Buchârî, Muslim) In einer anderen Überlieferung erzählte Abû Hafs Umar, der Sohn des Adoptivsohnes des Propheten, Abdullâh ibni Abdulasad, folgende Begebenheit bezüglich der religiösen Erziehung im Hause des Gesandten Gottes: Ich war ein Kind, das in der Obhut des Propheten aufwuchs. Beim Essen fuhr ich mit der Hand durch den ganzen Teller. Daraufhin sagte der Gesandte Gottes: „Mein Sohn, sprich die Basmala! Esse mit der rechten Hand! Esse immer von deiner Seite des Tellers.“ Von da an habe ich immer auf diese Weise gegessen. (Buchârî, Muslim, Ibni Mâdscha)
Verehrte Muslime,
diese Hadîthe verdeutlichen uns die Notwendigkeit, mit der Erziehung schon in frühen Jahren zu beginnen, um unseren Kindern unseren Glauben (Îmân), die Gottesdienste (pl. Ibâdât), die Rechte gegenüber unsere Mitmenschen oder nur einfache Regeln des alltäglichen Lebens zu vermitteln. Die Annahme, dass Kinder solche Regeln selbst lernen werden, wenn sie etwas älter sind, ist nicht richtig. Denn dann wenden sich unsere Kinder an andere Vorbilder und sind unter anderem diversen Medien ausgeliefert. Die Folgen einer solchen Vernachlässigung sind uns allen bekannt: Eine Jugend ohne Gott und ohne die Führung des Propheten, die außer sich gerät und alle mitreisst, die in ihre Nähe kommen. Umso wichtiger ist es, dass die religiöse Erziehung unserer Kinder ernsthaft und umfassend stattfindet. Nur so können wir das Wahre, Gute, Schöne und Richtige fördern und das Schlechte verhindern. Wir möchten die Hutba mit einem Hadîth beenden, in dem wir auf unsere Verantwortung gegenüber unseren Mitmenschen hingewiesen werden. Der Gesandte Gottes sagte:
„Ihr alle seid Hirten, ihr alle seid von eurer Herde verantwortlich. Der Staatschef ist ein Hirte und für seine Herde verantwortlich. Der Mann ist der Hirte seines Hauses und für seine Herde verantwortlich. Der Bedienstete ist der Hirte des Besitzes seines Herrn, und auch er ist für seine Herde verantwortlich. Schießlich seid ihr alle Hirten und für eure Herde verantwortlich.“ (Buchârî, Muslim)