Freitag 25. Juni 2010
Hutba – Das Gebet: Frieden und Segen

„Trage vor, was dir von dem Buche geoffenbart wird und verrichte das Gebet. Siehe, das Gebet bewahrt vor Schandbarem und Verbotenem. Doch das (ständige) Gedenken an Allah ist fürwahr das Größte. Und Allah weiß, was ihr tut.“(Sure Ankabût, [29:45])
Verehrte Muslime,
das Leben des Muslims beginnt mit dem Gebetsruf (Azân), das ihm nach der Geburt in sein Ohr gesprochen wird, und endet mit dem Totengebet. Ibâdas (Gottesdienst) außerhalb des Salâh (Gebet) sind zeitlich oder räumlich begrenzt. Nur das Gebet hat einen ständigen Platz im täglichen Leben des Gläubigen. Keine Beschäftigung sollte ihn vom Gebet abbringen können. Denn wie wir wissen, bietet Allah für jene, die sich in bestimmten Situationen befinden zahlreiche Erleichterungen bezüglich des Gebets.
Der Mensch als ein Geschöpf Gottes, der an Allah glaubt und ihn liebt, seine Allmacht erkennt und seine Gaben sieht, hat das Bedürfnis, seine Dankbarkeit gegenüber seinem Schöpfer Ausdruck zu verleihen. Das beste Mittel hierfür ist das Gebet, das als Gespräch zwischen Geschöpf und Schöpfer verstanden werden kann. Somit sind die Gebetszeiten Momente des Dankes und der Erwiderung dieser Dankbarkeit. Der betende Muslim folgt dem Ruf seines Herrn und wird von ihm gehört. So wird das Gebet auch als „Himmelfahrt“ (Mirâdsch) des Mu’min bezeichnet. Unser Prophet, Muhammad (saw), hat dies verdeutlicht, indem er das Gebet als sein „Augenlicht“ (Nasâî, Nisâ, 1) beschrieb. Weil er sich diese Atmosphäre der Barmherzigkeit Gottes nicht vorenthalten wollte, hat er gebetet bis seine Füße anschwollen. (Buchârî, Tahadschud, 6)
Verehrte Geschwister,
das Gebet ist die beste Weise, sich seiner Position als Geschöpf bewusst zu werden und dies auch auszudrücken. Denn während das Gebet den Geist (Rûh) des Menschen an Allah bindet, stellt es auch die höchste Stufe der Ergebenheit des Menschen gegenüber Gott dar. Insbesondere die Niederwerfung (Sadschda) ist ein Symbol hierfür. Doch diese Loyalität ist keine, die auf Zwang basiert. Vielmehr ist sie ein Zeichen des Gott tief verbundenen Menschen. Denn das Gebet erfordert stets Aufrichtigkeit; diese Eigenschaft wird durch das Gebet zur Natur des Gläubigen. Sie wird durch die Hinwendung zu Allah gefördert und gefestigt. So wird sich dieser durch das Gebet geformte Mensch von allem Schlechten fernhalten; das Gebet schützt ihn quasi davor. Im Koran heißt es diesbezüglich: „Trage vor, was dir von dem Buche geoffenbart wird und verrichte das Gebet. Siehe, das Gebet bewahrt vor Schandbarem und Verbotenem. Doch das (ständige) Gedenken an Allah ist fürwahr das Größte. Und Allah weiß, was ihr tut.“(Sure Ankabût, [29:45]
Verehrte Muslime,
gemäß seiner Natur ist der Mensch zum Guten sowie zum Schlechten fähig. Dies gilt für jeden Menschen und zu jeder Zeit. So wie es gute Menschen gibt, die sich dem Schlechten zuwenden, so kann es auch Menschen geben, die vom Schlechten ablassen und sich dem Guten hinwenden. Das Gebet birgt die Möglichkeit, stets auf dem Weg des Guten zu bleiben, indem es regelmäßig daran erinnert. Wir sollten versuchen, diese Eigenschaft des Gebets zu erkennen und es sie göttliche Hilfe sehen, ein Leben innerhalb der Grenzen des Guten und Rechten zu führen. Möge uns Allah helfen, dies zu schaffen.
Freitag 18. Juni 2010
Hutba – Die Verwandtschaftsbande festigen

„Wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, soll seinen Gast bewirten. Wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, soll seinem Verwandten Gutes tun. Wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, soll gute Worte sprechen, oder schweigen.“ (Buchârî, Adab, 85; Muslim, Îmân, 74)
Verehrte Muslime,
eine unserer wichtigen Aufgaben ist es, die verwandtschaftlichen Beziehungen zu pflegen. Dies wird im islamischen Sprachgebrauch als „Silâ-i Rahîm“ bezeichnet. Allah ist es, der dieser Beziehung eine hohe Bedeutung beigemessen hat und uns dazu aufruft, sie zu festigen. Demnach ist es unsere Pflicht, unsere Verwandten zu besuchen und unseren Kontakt zu ihnen nicht abbrechen zu lassen. Diejenigen, die diese Aufgabe erfüllen, wird Gott reichlich belohnen.
Verehrte Geschwister,
die Verwandtschaftsbande zu pflegen ist ein göttliches Gebot. Denn im Koran heißt es: „Und dient Allah und setzt ihm nichts an die Seite. Und seid gut zu den Eltern, den Verwandten, den Waisen, den Armen, dem Nachbarn, sei er einheimisch oder aus der Fremde, …“ (Sure Nisâ, [4:36]) „… Und seid euch Allahs bewusst, in dessen Namen ihr einander bittet, und eurer Verwandtschaftsbindungen. Siehe, Allah wacht über euch.“ (Sure Nisâ, [4:1]) Auch unser Prophet hat oft auf die Bedeutung der verwandtschaftlichen Beziehung hingewiesen. So sagte er: „Wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, soll seinen Gast bewirten. Wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, soll seinem Verwandten Gutes tun. Wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, soll gute Worte sprechen, oder schweigen.“ (Buchârî, Adab, 85; Muslim, Îmân, 74)Ein anderes Mal erzählte er folgendes: „Als Allah die Geschöpfe erschaffen hatte, stand die Verwandtschaftsbande auf und sagte: „Diese Haltung ist die Haltung dessen, der die verwandtschaftliche Bande aufrecht erhält.“ Allah fragt: „Bist du nicht damit einverstanden, dass ich demjenigen meine Barmherzigkeit verweigere, der dich nicht achtet?“ Die Verwandtschaftbande antwortete: „Ja, ich bin damit einverstanden.“ Daraufhin Allah: „Das ein dein Recht.“ Nachdem der Gesandte Gottes dies erzählt hatte, sagte er: „Wenn ihr wollt, lest diesen Vers, der das bestätigt: „Wenn ihr euch abwendet, wollt ihr dann vielleicht Unheil auf Erden stiften und euere Blutsbande zerreißen?“(Sure Muhammad, [47: 22][47:23]) (Buchârî, Adab, 13)
Verehrte Muslime,
die kommenden Sommerferien sind eine gute Gelegenheit unsere Verwandten zu besuchen, um unsere Verwandtschaft und Freundschaft aufzufrischen und zu festigen. Selbstverständlich sollten die Ferien auch dazu genutzt werden, um den Stress des Berufs- und Bildungslebens abzuwerfen. Doch sollten wir auch unsere Verwandten nicht vernachlässigen. Vor allem für unsere Kinder ist es wichtig, dass sie ihre Verwandten kennenlernen und die Ursprungsländer ihrer Großeltern und Eltern sehen. So bietet es sich an historische und kulturell bedeutende Orte und Sehenswürdigkeiten in der Türkei zu besichtigen. Falls vorhanden sollten auch etwaige Streitigkeiten mit unseren Verwandten geschlichtet werden. Zudem ist es ein Segen, dass wir die Gelegenheit haben, die kommenden gesegneten Nächte in der Atmosphäre der großen Moscheen etwa in der Türkei zu verbringen, da wir uns nun in den gesegneten Drei Monaten befinden. All unseren Geschwistern, die sich in diesem Sommer auf den Weg zu ihren Verwandten machen, wünschen wir eine gute und unbeschwerliche Reise. Gott möge sie beschützen und gemäß ihrer Absicht belohnen.
Freitag 11. Juni 2010
Hutba – Die drei gesegneten Monate und die Regâib-Nacht

„O Allah, segne die Monate Radschab und Schabân und führe uns in den Ramadan.“ (Ahmad bin Hanbal, 1/259)
Verehrte Muslime,
am 13. Juni beginnt wieder die Zeit der sogenannten Drei Monate. Dies sind die Monate Radschab, Schabân und Ramadan, die in der Tradition als besonders segensreiche Zeit angesehen werden. Denn in diesen gesegneten Monaten ist Allah noch barmherziger und vergebender zu seinen aufrichtigen Geschöpfen und belohnt sie um ein Vielfaches. Die Monate Radschab und Schabân sind die Vorbereitungszeit auf den Ramadan, dem sogenannten „König der elf Monate“. Der Ramadan hingegen ist der Höhepunkt unseres Jahres. Wir verbringen ihn mit Fasten; in ihm befindet sich außerdem die Kadr-Nacht. Die erste Nacht des Monats Radschab vom Donnerstag auf den Freitag, also der 17. Juni, ist die Regâib-Nacht. Wir beglückwünschen all unsere Geschwister anlässlich des Beginns der gesegneten Drei Monate.
Verehrte Geschwister,
der erste Monat der gesegneten Drei Monate ist der Monat Radschab und die erste Nacht zum Freitag ist die Regâib-Nacht. Diese Nacht ist voller Barmherzigkeit und Segen, Gnade und Wohltat. Außerdem befindet sich auch die Miradsch-Nacht in diesem Monat. In der Miradsch-Nacht stieg unser Prophet in den Himmel. Vor dem Hintergrund solch bedeutender Ereignisse ist es selbstverständlich, dass es uns gebührt, den Wert dieser Zeit zu erkennen und die gesegnete Atmosphäre zu nutzen. Dabei sollten wir den Worten Gottes folgen, der da sagt: „Und bekehrt euch zu Allah allzumal, o ihr Gläubigen, damit es euch wohl ergehe.“ (Sure Nûr, [24:31])
Verehrte Muslime,
in diesen Monaten werden unsere Ibâdas (Gottesdienste) angenommen und unsere Dua (Bittgebet) erhört, denn im Koran verspricht uns Allah: „Ruft mich an, ich werde auf euren Ruf eingehen!“(Sure Mu'min, [40:60])
Wir sollten diese Zeit nutzen, um uns auf den Ramadan vorzubereiten. So sollten wir uns ab dem Radschab mehr den Gebeten hingeben und neben den täglichen Gebeten auch freiwillige Gebete verrichten oder versäumte Gebete nachholen. Es ist auch empfohlen, den Tag vor der Regâib-Nacht und den anderen gesegneten Nächten mit Fasten zu verbringen. Spenden zu geben, Bittgebete zu sprechen und sich von allem Schlechten fernzuhalten, gehört zu den Handlungen, die an diesen Tagen besonders reich belohnt werden. Weiter sollten wir uns mit denjenigen versöhnen, mit denen wir vielleicht zerstritten sind, um mit reinem Herzen den Ramadan zu beginnen. In unseren Dua sollten wir – angefangen von unseren Geschwistern in Palästina – für alle Menschen beten, die unter verschiedenen Nöten zu leiden haben.
In einem Hadith heißt es: „Es gibt fünf Nächte, in denen die Gebete nicht zurückgewiesen werden. (Diese Nächte sind): die Nächte zum Freitag, die Nächte zu den Festtagen des Ramadan und des Opferfestes, die erste Nacht zum Freitag im Monat Radschab (die Regâib-Nacht) und die fünfzehnte Nacht des Monats Schabân (die Berât-Nacht).“(Imâm Schâfî, Al-Umm) An diese Worte unsere Propheten sollten wir uns halten. In einem anderen Ausspruch wird folgender Dua des Gesandten Gottes überliefert: „O Allah, segne die Monate Radschab und Schabân und führe uns in den Ramadan.“(Ahmad bin Hanbal, 1/259)
Freitag 04. Juni 2010
Hutba – Die Menschenrechte achten

„O ihr, die ihr glaubt! Steht in Gerechtigkeit fest, wenn ihr vor Allah bezeugt. Der Hass gegen (bestimmte) Leute verführe euch nicht zu Ungerechtigkeit. Seid gerecht, das entspricht mehr der Gottesfurcht. Und fürchtet Allah. Siehe, Allah kennt euer Tun.“ (Maide Suresi, [5:8])
Verehrte Muslime,
die Menschheit hat schon viele Schandtaten gesehen. Doch der Angriff der israelischen Armee auf die Friedensflotte am vergangenen Montag kennt nur wenige seiensgleichen. Ohne Skrupel wurden Schiffe und Friedensaktivisten angegriffen, die Lebensmittel und medizinische Hilfsgüter nach Gaza transportierten. Weder die Friedensflotte noch die Passagiere besaßen Waffen, um als Bedrohung angesehen werden zu können. Der israelische Angriff ist gleichzeitig ein Angriff auf die weltweiten Friedensbemühungen und wird nicht so schnell vergessen werden. Denn Israel hat auf unbewaffnete Zivilisten geschossen und unschuldige Menschen getötet. Wir verurteilen den Angriff aufs Schärfste und protestieren gegen dieses gewissenlose Vorgehen. Gleichzeitig kritisieren wir den Angriff auf den Marinestützpunkt in Iskenderun, der mit dem Angriff Israel in Verbindung gebracht wird. Möge Allah den Getöteten Barmherzigkeit und den Familienangehörigen Geduld geben.
Verehrte Geschwister,
das Vorgehen der israelischen Armee ist ablsout inakzeptabel und entbehrt jeglicher Menschlichkeit. Es kann nicht hingenommen werden, dass die Friedensflotte angegriffen wurde. Ihre Absicht bestand allein darin, humanitäre Hilfe für die Hilfsbedürftigen in Gaza zu leisten und gleichzeitig auf das menschliche Drama dort aufmerksam zu machen. Zudem ereignete sich der Angriff auf internationalen Gewässern außerhalb des israelischen Hoheitsgebiets, so dass es auch gegen internationales Völkerrecht verstößt. Egal, wie man ihn zu begründen versucht, der Angriff ist ein Akt des Staatsterrors. Mit diesem Terrorakt hat die israelische Regierung noch einmal gezeigt, dass sie nicht ernsthaft an einem Frieden in der Region interessiert ist. Angesichts dieser Haltung darf die Weltöffentlichkeit nicht schweigen. Einige mögen sich auf die Seite Israels stellen, doch auch der Krieg hat regeln. Doch wie kann man diesen Angriff rechtfertigen, wenn es doch gar keinen Krieg gibt, und in diesem Fall nicht einmal eine konkrete Bedrochung gab? Was auch geschieht, wir müssen stets auf der Seite des Rechts und des Friedens stehen. Wir werden nicht müde, uns gegen solche Greueltaten auszusprechen und sie eindeutig zu verurteilen.
Verehrte Muslime,
selbstverständlich werden wir es nicht hierbei belassen. Wir werden uns im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten in ausgewogener Weise gegen solch eine bare Ungerechtigeit stellen und erwarten diese Haltung auch von unseren Gemeinden. Bevor wir die Hutba mit einigen Koranversen abschließen, wünschen wir den getöteten Brüdern und Schwestern die Barmherzigkeit Gottes. Für die Verletzten hoffen wir auf eine schnelle Genesung. Unsere Gebete sind mit den Aktivisten in der Friedensflotte, ihren Familien und Hinterbliebenen und den unterdrückten Menschen in Palästina. „O ihr, die ihr glaubt! Steht in Gerechtigkeit fest, wenn ihr vor Allah bezeugt. Der Hass gegen (bestimmte) Leute verführe euch nicht zu Ungerechtigkeit. Seid gerecht, das entspricht mehr der Gottesfurcht. Und fürchtet Allah. Siehe, Allah kennt euer Tun.“ (Maide Suresi, [5:8])„Und neigt euch nicht denen zu, die Unrecht begehen, sonst erfasst euch das Feuer. Und außer Allah habt ihr keinen Beschützer und findet ihr keinen Helfer.“ (Hud Suresi, [11:113])
Freitag 28. Mai 2010
Hutba – Die Eroberung der Herzen

Der Islam und seine Anhänger haben in der langen Geschichte des Islams nicht versucht, Länder zu erobern, um die Menschen zu versklaven und sie ihres Besitzes zu berauben, sondern um ihre Herze zu erobern und der Gerechtigkeit zur Geltung zu verhelfen.
Verehrte Muslime,
in der Geschichte der Menschheit gibt es Ereignisse, deren Folgen bis in unsere Zeit hineinwirken. Die Eroberung Istanbuls gehört zu diesen historischen Ereignissen. Schon unser Prophet hat auf die Bedeutung der Eroberung hingewiesen, als er sagt: „Ohne Zweifel, Istanbul wird erobert werden. Welch ruhmreicher Kommandant ist dieser Kommandant, welche ruhmreiche Armee ist diese Armee.“ (Ahmad bin Hanbal, Bd. 4, 335) Angefangen von der Zeit der Prophetengefährten bis zum 29. Mai 1453 hat es zahlreiche Versuche gegeben, diese bedeutende Stadt einzunehmen. Erobert wurde sie aber schließlich von einem der wichtigsten Herrscher unter den Osmanen, Sultan Mehmet Han. Seit dem ist Sultan Mehmet Han unter dem Namen „Fatih“, also „Eroberer“ bekannt.
Verehrte Geschwister,
das Wesentliche bei der Eroberung Istanbuls, der wir heute gedenken, sind sicherlich nicht die zahlreichen Eroberungsversuche. Vielmehr ist es der Geist und die Absicht, die hinter diesem Ereignis steckt. Gemäß den Quellen unserer Religion ist es nicht erlaubt, eine Stadt oder ein Land einzunehmen, nur um das eigene Territorium zu vergrößern und den politischen Einflussbereich zu erweitern. Dieselben Grundlagen des Islams verbieten auch, die eroberte Stadt bzw. das Land in despotischer Weise zu regieren, die Menschen zu versklaven und ihre Schätze zu plündern. Aus diesem Verständnis heraus, ist die Eroberung vielmehr als Mittel zur Befreiung von Ländern, die unter Unterdrückung und Ungerechtigkeit leiden. So ist Fatih Sultan Mehmet, nachdem Istanbul eingenommen wurde, geradewegs in die Hagia Sophia gegangen, in der viele verängstigte Bewohner Schutz suchten. Als er sah, dass sich einige der Geistlichen und anderen Anwesenden vor ihm niederwarfen, beruhigte er sie, indem er sagte: „Steht auf! Ich, Sultan Mehmet Han, Sohn des Sultan Murat Han, sage: Von diesem Tag an steht euer Leben, euer Besitz und eure Freiheit unter meinem Schutz.“ Hatte nicht der Gesandte Gottes genauso gehandelt, als er Mekka einnahm?
Verehrte Muslime,
so wie zur Zeit der Eroberung Istanbuls, leiden auch heute in vielen Teilen der Welt vor allem Muslime unter Unterdrückung und Ungerechtigkeit. Dahingegen wurden einen Tag nach der Eroberung überall in der Stadt die Weisung Fatihs verlesen, mit der die Freiheit jedes Einzelnen garantiert wurde. Die Bevölkerung, die sich versteckt hielt, wurde aufgefordert, wieder aus ihren Verstecken hervorzutreten. Denn ihr Leben, ihr Besitz und ihre Würde wurde unter Schutz gestellt, weder ihre religiöse Freiheit noch ihre Traditionen und Sitten wurden angetastet, und dies alles wurde durch das osmanische Recht gewährleistet. Diese Versprechen wurden im Folgendem mit großer Sorgfalt eingehalten, so dass Jahrhunderte lang Menschen verschiedener Herkunft und Religion in Frieden zusammen leben konnten.
Verehrte Geschwister,
der Islam und seine Anhänger haben in der langen Geschichte des Islams nicht versucht, Länder zu erobern, um die Menschen zu versklaven und sie ihres Besitzes zu berauben, sondern um ihre Herzen zu erobern und der Gerechtigkeit zur Geltung zu verhelfen. So war es auch bei der Eroberung Istanbuls. Einer Religion, deren Ziel es ist den Menschen bewusst zu machen, dass sie alle Geschwister sind, werden auch ihre Anhänger nicht zuwiderhandeln. So ist es unsere Aufgabe, uns für Geschwisterlichkeit und Gerechtigkeit einzusetzen. Alternativen anzubieten, die die Menschen zur Glückseligkeit führen und zum Frieden verhelfen.