20.03.2006 | Nachrichten>Deutschland
Geburtenrate in Deutschland erreicht Tiefstand
Die Geburtenrate in Deutschland ist so tief,
wie im Jahr 1945 nach Kriegsende
Nach den jüngsten Angaben des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung hat Deutschland weltweit die niedrigste Geburtenrate. Demnach bringe statistisch gesehen jede Frau nur 1,36 Kinder zur Welt. Für eine stabile Bevölkerungszahl in Deutschland bräuchte man eine Rate von 2,1 Kindern, hieß es.
Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte: „Die hohe Kinderlosigkeit ist alarmierend. Wir müssen alle umdenken. Wir müssen im Zusammenhang mit Kindern nicht mehr darüber streiten, was nicht geht. Sondern jeder muss sich fragen, was er besser machen kann, damit Kinder in einer modernen Welt willkommen sind. Kinder bedeuten für unser Land Lebensfreude, Kreativität, wirtschaftliches Wachstum und auch soziale Sicherheit.“
Hans Fleisch, Vorsitzender der Stiftung Berlin-Institut sagte, dass die Geburtenrate immer weiter sinke. So sollen im Jahr 2050 nur noch etwa halb so viele Kinder geboren werden wie heute. Die Geburtenrate liegt in Ostdeutschland niedriger als in Westdeutschland.
Laut der Tageszeitung „Die Welt“ hat die Geburtenzahl in Deutschland inzwischen den Tiefstand vom Ende der Kriegszeit im Jahr 1945 erreicht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kamen vergangenes Jahr weniger als 676.000 Kinder in Deutschland zur Welt.
Die Vorsitzende des Bundestags-Familienausschusses, Kerstin Griese (SPD), erklärte die mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Kindern zur Hauptursache für die niedrige Geburtenrate. In Europa ist die Geburtenrate dort am höchsten, wo die Frauenerwerbsquote hoch und die Kinderbetreuung gut geregelt ist“, erklärte Griese. Deutschland liege hingegen bei der direkten finanziellen Förderung von Kindern EU-weit an der Spitze.
Von der Leyen will mit dem ab 2007 geplanten Elterngeld auch Männer dabei unterstützen, sich um ihr Kind zu kümmern. Eine Umfrage habe ergeben, dass 56 Prozent der Männer unter 44 eine Elternzeit nehmen würden, wenn sie dies finanzieren könnten.
Das Institut untersuchte die demographische und wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit der deutschen Bundesländer, Landkreise und kreisfreien Städte. Zu den 22 Indikatoren gehörten unter anderem Kinderzahlen, Altersverteilung, Wanderungsbewegungen, Freizeitwert, Ausbildungsstand und wirtschaftliche Entwicklung.
Die beste Bewertung erhielten die süddeutschen Länder
Bayern und Baden-Württemberg. In Sachsen-Anhalt liegen die vier größten
„Problemkreise“. (hv)
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