01.03.2006 | Nachrichten>International
kommentar Serbien wegen Völkermords vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag
Der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag hat die Anhörungen zur Völkermord-Klage Bosnien-Herzegowinas gegen Serbien-Montenegro aufgenommen

Vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag haben am Montag die Anhörungen zur Völkermord-Klage Bosnien-Herzegowinas gegen Serbien-Montenegro begonnen. Die Regierung in Sarajewo wirft der damaligen jugoslawischen Regierung von Ex-Präsident Slobodan Milosevic vor, für das Kriegsverbrechen wie Folter, Mord, Vergewaltigungen und ethnische Säuberungen verantwortlich zu sein. Der juristische Vertreter Bosnien-Herzegowinas, Sakib Softic, erklärte: „Die Gewalt, die unser Land überrollt hat, hat den Charakter von Bosnien und Herzegowina zerstört und sicher einen wesentlichen Teil seiner nicht-serbischen Bevölkerung ausgelöscht.“

Serbien-Montenegro argumentierte dagegen, dass nicht der serbische Staat oder das serbische Volk vorsätzlich Völkermord begangen hätten, sondern einzelne Personen bosnische Muslime töten wollten.

Die Klage wurde von Bosnien bereits 1993 eingereicht. Die Regierung in Sarajevo behauptet, dass die damalige jugoslawische Regierung von Ex-Präsident Slobodan Milosevic die bosnisch-serbischen Truppen beim Völkermord unterstützte. Im Jahr 1992 beschlossen bosnische Muslime und Kroaten eine Loslösung ihrer Teilrepublik von Jugoslawien. Die serbische Minderheit in Bosnien war damit nicht einverstanden und führte dagegen mit Unterstützung der serbischen Armee unter Führung Belgrads bis 1995 Krieg.

Zwischen 1992 und 1995 wurden rund 200 000 Bosnier getötet. Die Anhörungen sollen bis zum 9. Mai andauern. Das Urteil wird bis Ende des Jahres erwartet. Gegen IGH-Urteile gibt es keine Berufungsmöglichkeiten. (hv)

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