15.03.2006 | Nachrichten>International
Ihsanoglu kritisiert den “Doppelstandard” im Westen
Die Organisation der Islamischen Konferenz kritisierte den Doppelstandard der westlichen Regierungen

Der Generalsekretär der OIC, Ekmeleddin Ihsanoglu, teilte in einer Pressekonferenz in London mit, dass die grausamen Folterungen und Vergewaltigungen im Guantanamo-Gefängnis in Kuba, im Abu-Ghuraib-Gefängnis im Irak und in dem Gefängnis von Basra einen eindeutigen Doppelstandard aufzeigen würden. Ihsanoglu betonte, dass dies ein westliches und europäisches Problem sei und in angemessener Weise behandelt werden müsse. Die Werte des Westens sollten hier ebenfalls gelten und dazu beitragen, die globale Spannung zu verringern.

„Wenn wir meinen, dass die Menschenrechte universell sind, wie kann dann die Rede von einer Insel sein, auf der die Menschenrechte ignoriert werden? Darin besteht das Problem. Die Meinungsfreiheit und die Menschenrechte, die von dem Westen plädiert werden, sind mit den amerikanischen Camps in Guantanamo, der amerikanischen Besatzung im Irak und der israelischen Besatzung in Palästina sabotiert“, sagte Ihsanoglu weiter.

Der Generalsekretär der OIC unterstrich, dass die Extremisten nicht den wahren muslimischen Glauben repräsentieren und betonte, dass der Doppelstandard den Hass dieser Extremisten schüre und die Zahl der Terroristen vermehre. „Warum unterstützen einige Menschen diese Extremisten? Denn sie sagen ihnen, dass es in Palästina und im Irak einen Doppelstandard gibt und fragen die Menschen, ob sie das mögen. Sie sagen `Nein, das mögen wir nicht`. Und so gewinnen sie materielle und moralische Unterstützung“, erklärte Ihsanoglu.

Der Generalsekretär sagte, dass die Londoner Attentate vom 7. Juli, an dem vier angebliche Muslime verantwortlich gemacht werden, unerklärbar seien und forderte die muslimischen Führer auf, gegen die Radikalen, die die Attentäter ehren, vorzugehen.

Unfaire EU

Ihsanoglu kritsierte außerdem die EU, da sie im Hinblick auf die beleidigenden Propheten-Karikaturen ungenügende Reaktionen gezeigt habe. „Wir haben von der EU erwartet, dass sie die Karikaturenkrise fairer behandelt“, sagte der Generalsekretär der OIC.

Ihsanoglu sagte außerdem ausdrücklich, dass sie von den Ergebnissen der Versammlung von letzter Woche in Brüssel nicht zufrieden seien. Die von der EU veröffentlichte Erklärung sei weit entfernt von dem, was sie erwartet hätten.

Nach den Experten zufolge sei die Erklärung der EU eher eine Kritik an die Reaktionen der Muslime über die Karikaturen als eine Kritik an die Karikaturen selbst. Der Karikaturen-Streit zeige die dicke Kluft zwischen dem Westen, der die Veröffentlichung der Karikaturen als eine Pressefreiheit sieht, und den Muslimen, die solche Veröffentlichungen als einen Angriff auf ihren Glauben sehen.

Auf einer Konferenz in Kopenhagen verlangten muslimische Gelehrte und Imame erneut, dass sich die dänische Regierung für die Veröffentlichungen der Karikaturen entschuldigen solle und riefen dazu auf, ein internationales Gesetz zu erlassen, das Religionen vor Beleidigungen schützen soll.
Der Hohe Vertreter für die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der EU, Javier Solana, und die EU-Kommissarin für Außenbeziehungen, Benita Ferrero-Waldner, schlugen in einem gemeinsamen Schreiben der Europäischen Union und der Organisation der Islamischen Konferenz vor, einen gemeinsamen Lösungsentwurf für religiöse Toleranz den Vereinten Nationen vorzulegen. Der dänische Außenminister, Per Stig Møller, äußerte gegenüber Reportern, dass er sich unsicher sei, ob sich die EU und die OIC auf einen gemeinsamen Text einigen könnten. (ab)


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