22.03.2006 | Nachrichten>International
Islam-Unterricht in Italien
Der Vatikan spricht sich für die Einführung
von islamischem Religionsunterricht an italienischen Schulen aus
Den Angaben des vatikanischen Justizministers zufolge soll Schülern muslimischen Glaubens islamischer Religionsunterricht erteilt werden. Der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden (Iustitia et Pax), Kardinal Renato Martino, betonte während des Symposiums „Die Wege des Friedens“ in Rom: „Wenn es in einer Schule hundert moslemische Kinder gibt, sehe ich nicht ein, warum sie keinen Islam-Unterricht erhalten sollten. Hier geht es um menschlichen Respekt.“ Der Vatikan hat laut Reuters einen großen Einfluss auf die italienische Politik und sei daher ernst zu nehmen.
Muslimische Dachverbände fordern eine Stunde Islam-Unterricht pro Woche, ähnlich wie es der Katholisch-Unterricht für Schüler katholischer Konfession ist.
Italien lehnt den Katholizismus seit 1984 als staatliche Religion ab. Jedoch sind Gesetzgebungen bezüglich des christlichen Kreuzes in einigen öffentlichen Einrichtungen immer noch in Kraft, wenn auch selten vollstreckt.
Der Islam ist nicht wie das Judentum und der Buddhismus als offizielle Religion anerkannt. Viele in Italien lebende Muslime stammen aus Nordafrika und zeigen kein hohes Profil auf. Auch sind derzeitig keine muslimischen Volksvertreter im italienischen Parlament anzutreffen.
Die Zahl der muslimischen Bürger in Italien beläuft sich derzeit auf etwa 1,5 Millionen, bei einer Gesamtpopulation von 58 Millionen Menschen. Angaben bezüglich der Anzahl muslimischer Schüler liegen gegenwärtig nicht vor. 55 000 Muslime sind wahlberechtigt.
Die jüngsten Ausschreitungen über den Karikaturenstreit lösten in Italien keine augenfälligen Proteste aus. Papst Benedikt und Erzbischof Fitzgerald verurteilten die Karikaturen aufs Schärfste. (sb)