06.03.2007 Nachrichten>Deutschland
Muslimische Akademikerinnen mit Kopftuch haben kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt
Wirtschaftswissenschaftlerin Monika Huesmann: „Schon ein arabisch oder türkisch klingender Namen ist ein Hindernis bei der Bewerbung“

In einem Beitrag berichtet der „Spiegel Online“, dass muslimische Akademikerinnen kaum berufliche Chancen in Deutschland haben. Anstelle von qualifizierten Jobs würden daher viele im Familienbetrieb helfen. Als Beispiel hierzu wird eine 28-jährige Frau erwähnt, die Zahnmedizin studierte, weil sie als Kopftuchträgerin keine Aussicht darauf hatte, als Lehrerin arbeiten zu dürfen. Erst nach über 130 erfolglosen Bewerbungen habe sie ein Zahnarzt gefunden, bei dem sie zum Dumpinglohn ihre Assistenz mache.

Viele würden deshalb nicht Ärztin oder Lehrerin werden wollen und studierten beispielsweise Soziologie oder würden im Familienbetrieb arbeiten, heißt es in dem „Spiegel Online“-Bericht. „Es gibt kaum ein Land, das sich so vehement und standhaft gegen den Diversity-Gedanken (Förderung und Wertschätzung von Vielfalt der Beschäftigten) wehrt wie Deutschland“, sagt der Kölner Unternehmensberater Michael Stuber und empfiehlt: „Vielfalt gestalten macht erfolgreicher.“ Eine andere muslimische Akademikerin mit Kopftuch, die in Berlin Wirtschaftswissenschaften studiert hat, sagte gegenüber „Spiegel-Online“: „Andere in meinem Studiengang haben drei oder vielleicht mal zehn Bewerbungen verschickt, bis sie einen Platz fürs Praxissemester hatten, die ganz schlechten maximal 15.“ Sie dagegen habe über 50 Bewerbungen verschicken müssen. Beide Frauen wurden nur bei telefonischem Bewerben zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Beim persönlichen Erscheinen jedoch würden sie jedes Mal wegen ihres Kopftuchs abgelehnt, manchmal sogar hat in diesem Rahmen aufgefordert, dass Kopftuch abzulegen. Die Berliner

Wirtschaftswissenschaftlerin Monika Huesmann hat in diesem Rahmen in einer Studie herausgefunden, „dass schon ein arabisch oder türkisch klingender Namen ein Hindernis bei der Bewerbung ist: Der deutsche Mann wurde zum Vorstellungsgespräch bestellt, die deutsche Frau auch, dann, abgeschlagen, der Mann mit dem türkischen Namen. Die Türkin, in deren Lebenslauf die gleichen Qualifikationen standen, wartete vergebens auf eine Einladung.“ (hv)


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