16.03.2007 Freitagspredigt
Hutba- Frauenrechte
Verehrte Geschwister,
einer der wichtigsten Anrechte, die mit dem Islam wieder im Leben der Menschheit
Eingang gefunden hat, sind die zuvor weitestgehend verloren gegangenen Rechte
der Frauen. Zu dieser Zeit wurde darüber diskutiert, ob die Frauen menschliche
Wesen sind oder nicht. Sie hatten weder soziale noch wirtschaftliche Rechte.
In machen Regionen hatten Frauen noch nicht einmal ein Recht auf Leben. In einigen
Ländern wurden sie sogar bei lebendigem Leibe begraben. Dazu heißt
es im Koran: „Und wenn das lebendig begrabene Mädchen gefragt
wird, um welcher Schuld willen es getötet wurde.“ (Takvir
8-9)
Eine der wichtigsten Errungenschaften unserer Religion ist, dass der Islam den
Frauen Rechte gewährt und sie gewürdigt hat. Obwohl wir Muslime heutzutage
in dieser Hinsicht oft kritisiert werden, ist zu berücksichtigen, dass
den Frauen durch die Errungenschaften des Islams möglich war, ihre Rechte
wieder zurückzuerlangen. In der vorislamischen Zeit, also vor 1500 Jahren,
wurden die Frauen wie Sklaven behandelt und oft misshandelt. Der Islam hob diese
menschenverachtenden Zustände auf. Diese Erklärung der Frauenrechte
leitete eine Umwälzung der Weltanschauung ein und änderte das Gesicht
der Gesellschaft, denn keine religiöse Lehre vor dem Islam hatte die Rechte
der Frau solchermaßen anerkannt. Seit der Offenbarung des Islams vom Propheten
(saw) bis hin zu den rechtgeleiteten Kalifen sehen wir, dass die Frauen in jedem
Lebensbereich mit den Männern gleichgestellt sind.
Liebe Geschwister,
unser Prophet (saw) hat stets verhindert, dass die Frauen ungerecht behandelt
wurden und hat sich für ihre Rechte eingesetzt. Deshalb genossen die Frauen
zur Prophetenzeit Freiheiten, die sie vorher nicht gekannt hatten. Sie befanden
sich im gleichen Umfeld wie die Männer, hörten zusammen den Offenbarungen
zu, verrichteten zusammen das Gebet und hatten ein eigenes Eingangstor an der
Moschee des Propheten. Die Frauen betraten ohne Hemmungen die Moschee des Propheten
und hörten seinen Predigten zu oder fragten ihn nach religiösen Angelegenheiten.
Außerdem spielten die Frauen eine wichtige Rolle in der Bildung und Erziehung.
Die, die lesen und schreiben konnten, brachten es den anderen bei; so wurden
ihre Häuser zu Bildungseinrichtungen. Besonders die Frauen des Propheten
waren in der Gesellschaft anerkannte Persönlichkeiten und Ansprechpartner
für religiöse Angelegenheiten. Neben all diesen Freiheiten bekamen
die Frauen auch umfassende Rechte in der Eheschließung. Sie wurden in
ihrer Partnerwahl freigestellt und nicht zur Heirat gezwungen. Auch durfte die
Tochter ohne ihr Einverständnis nicht von ihrem Vater verheiratet werden.
Zudem konnte die Frau die Höhe der Morgengabe für ihre alleinige Verfügung
selbst bestimmen.
Liebe Brüder und Schwestern,
letztendlich hat der Islam den Frauen alle Rechte gewährt. Die Frauen nehmen
am Gesellschaftsleben teil und beteiligen sich in der Wissenschaft, Wirtschaft,
Politik, Kunst und können sich in jedem Gebiet beweisen. In dieser Hinsicht
hat der Islam keine Einschränkungen gemacht. Trotzt dessen ist es eine
Tatsache, dass die Frauen sowohl in den islamischen als auch in den nicht-islamischen
Ländern oft nicht die Möglichkeit haben, ihre Rechte in Anspruch zu
nehmen. In den islamischen Ländern haben leider skrupellose Traditionen
und Bräuche den Platz des Islams eingenommen. In den nicht-islamischen
Ländern dagegen werden Frauen immer wieder zu Sex-Objekten degradiert.
Es wird keine Rücksicht auf ihre seelischen und physischen Bedürfnisse
genommen und sie werden ausgenutzt. Heute sind Frauen in der gesamten Welt jeder
Art von Gewalt ausgesetzt und haben keine Sicherheiten. Die Zahlen der Gewalttaten
gegenüber Frauen bleiben in den so genannten fortgeschrittenen Ländern
nicht hinter denen in den Entwicklungsländern zurück. Das zeigt deutlich,
dass die Menschheit den Islam braucht. Denn im Islam sind die Rechte und Pflichten
zwischen Mann und Frau gleichmäßig verteilt und es besteht ein Gleichgewicht
zwischen ihnen; der Islam gebietet respektvoll miteinander umzugehen. Diese
Rechte zählt Allah teala zu Seinen eigenen Rechten und erklärt sie
heilig. Und es ist undenkbar, dass ein gläubiger Mensch ein Heiligtum verletzt.
Wir möchten die Hutba mit diesen beiden Koranversen zum Thema
beenden:
„O ihr Menschen! Fürchtet eueren Herrn, Der euch aus einem
(einzigen) Wesen erschuf und aus ihm seine Gattin und aus ihnen viele Männer
und Frauen entstehen ließ…“ (Nisa 1)
„Die Männer sollen einen Teil der Hinterlassenschaft ihrer
Eltern und Verwandten erhalten, und ebenfalls sollen die Frauen einen Teil von
der Hinterlassenschaft ihrer Eltern und Verwandten erhalten. Sei es wenig oder
viel, sie sollen einen bestimmten Teil davon bekommen.“ (Nisa
7)