Freitag 21. März 2008
Supranationale Organisationen rufen zum Kampf gegen Intoleranz und Diskriminierung
auf

Die OSZE/ODIHR, der Europarat/ECRI und die Agentur der Europäischen Union für Grundrechte haben am Freitag alle politischen Parteien dazu aufgerufen, den Rassismus zu bekämpfen.
Anlässlich des Jahrestages der tragischen Ereignisse von 1960 in Sharpeville (Südafrika), verurteilten die Organisationen jede Rede, in den Ideen der Überlegenheit aus Gründen der Rasse, der Hautfarbe, der Sprache, der Religion, der Nationalität oder der nationalen und ethnischen Herkunft verbreitet wird. Die Polizei hatte bei einer friedlichen Demonstration gegen die Apartheidspassgesetze in Sharpeville 69 Menschen getötet.
Die unterzeichnenden Organisationen wiesen daraufhin, dass rassistische, antisemitische und fremdenfeindliche politische Reden nicht länger die alleinige Domäne von extremistischen politischen Parteien darstellen, sondern im gesamten politischen Umfeld in vielen Staaten zu finden sind. Diese tragen „zur Dehumanisation von Menschen, zur Verunglimpfung bestimmter ethnischer, religiöser oder kultureller Gruppen, zur Fortsetzung von Stereotypen und zur Schaffung eines Klimas bei, in dem rassistische Gewalt gedeihen kann“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. (sa)
Freitag 21. März 2008
Düstere Bilanz der Besatzung des Irak

Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen haben im Jahrestag des Irak-Krieges eine düstere Bilanz der Besatzung gezogen. Der Krieg habe eine Millionen Menschen das Leben gekostet und weitere vier Millionen Menschen seien auf der Flucht.
Der 24-seitige Bericht der Amnesty International, „Gemetzel und Verzweiflung. Der Irak fünf Jahre später“, bezeichnet die Menschenrechtslage im besetzten Irak als „desaströs“. Die Autoren des Reports berichten von Hunderten Menschen, die jeden Monat „in der allgegenwärtigen Gewalt getötet“ würden. Daneben seien unzählige Menschenleben durch Armut bedroht. Dazu kämen die schlechten Verhältnisse im Gesundheits- und Bildungssystem. Darüber hinaus seien etwa 60 000 Iraker derzeit ohne Anklage und Prozess in Haft. Vorwürfe über Missbrauch, Folter, Vergewaltigung und Mord seien die „beunruhigendsten Aspekte“ der gegenwärtigen Situation.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) kritisierte die „desolate humanitäre Lage“ im Land. Der Zugang zu grundlegender Gesundheitsversorgung, sanitären Einrichtungen und sauberem Wasser sei für die meisten Menschen im Irak nicht gewährleistet. Hinzu käme, dass bewaffnete Männer die Krankenhäuser stürmten, um die Ärzte dazu zu zwingen, ihre eigenen Patienten vor allen anderen zu behandeln. In den fünf Jahren seien etwa 2200 Mediziner und Krankenschwestern ermordet worden. Diese Situation habe unter anderem dazu geführt, dass mehr als die Hälfte der 34 000 Ärzte den Irak zwischenzeitlich verlassen haben. (sa)
Montag 17. März 2008
Mitgliedstaaten der OIC verabschieden neue Charta

Die Organisation der Islamischen Konferenz hat am Freitag eine neue Charta verabschiedet. Alle 57 Mitgliedstaaten haben sich einstimmig für Demokratie, Menschenrechte, die grundlegenden Freiheiten, den Rechtsstaat und für eine verantwortungsbewusste Regierungsführung ausgesprochen.
Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono sagte auf dem Gipfel, dass „uns eine islamische Renaissance“ bevorstehe. „Wir müssen endlich unsere Hausaufgaben machen“, betonte er und forderte verstärkte Anstrengungen gegen die Islamfeindlichkeit im Westen und mehr Demokratie in den muslimischen Ländern. Die zahlreichen Konflikte in der muslimischen Welt trübten das Bild des Islams, so der Präsident des weltweit bevölkerungsreichsten islamischen Staates.
Die muslimischen Staatschefs forderten zudem verstärkte Anstrengungen der OIC und westlicher Regierungen, Beleidigungen gegen den Islam und die islamischen Heiligtümer zu verhindern. „Wir, die Könige und Staatschefs und Regierungen der OIC erneuern unser Versprechen, härter zu arbeiten, um sicherzustellen, dass der wahre Islam reflektiert wird [...] und zur Bekämpfung der Islamfeindlichkeit sowie der Verzerrung unserer Religion“, heißt es in der Abschlusserklärung. Die OIC verurteile deshalb Terrorakte, die im Namen des Islams verübt werden. „Wir verurteilen weiterhin alle Formen von Extremismus und Dogmatismus, die unvereinbar mit dem Islam, eine Religion der Mäßigung und der friedlichen Koexistenz, sind.“
Politische Lösung für Palästina
In dem Palästinakonflikt befürwortet die Organisation eine politische Lösung. Während in einem Beschluss von 1972 der palästinischen Führung die Unterstützung für den Kampf zur Befreiung der besetzten Gebiete zugesagt wurde, ist jetzt die Rede von einer Unterstützung der Palästinenser in ihrem Streben nach Selbstbestimmung und nach einem eigenen Staat. (sa)
Montag 17. März 2008
Muslime in Europa gegen Extremismus

Der portugisische Europapolitiker und christdemokratische Vetreter in der Parlamentarischen Versammlung, João Bosco Mota Amaral, veröffentlichte einen Bericht über Muslime in Europa und Extremismus.
João Bosco Mota Amaral weist in der Einleitung des Berichtes darauf hin, dass sich viele Menschen, bewusst oder unbewusst, die Frage stellen, ob der islamische Glaube mit westlichen Werten und Lebensweisen vereinbar sei.
Islamischer Extremismus, Demokratie und Meschenrechte: Der Zusammenprall verschiedener Ideen birgt ernste Gefahren.
„Ich lehne das Konzept eines Kampfes der Zivilisationen ab. Der Islam und der Westen können auf eine jahrhundertelange Koexistenz zurückblicken und basieren auf denselben universellen Werten. Aber ich sehe durchaus eine Gefahr im Konflikt zwischen der Ideologie des islamischen Fundamentalismus und der Ideologie der Demokratie und Menschenrechte, welche die Wiege der europäischen Staaten darstellt.“, meint Amaral und fügt folgendes hinzu: „Muslimische Führer in Europa müssen den Gedanken des islamischen Fundamentalismus offen und klar ablehnen und somit die Verbreitung dieser Ideologie verhindern, weshalb sie eine besondere Verantwortung tragen. Andererseits müssen die politischen Führer Europas erkennen, dass der islamische Fundamentalismus, der in einigen Fällen zu Extremismus und Gewalt führen kann, ein Problem darstellt. Währenddessen muss jedoch darauf geachtet werden, dass der islamische Glaube respektiert wird und alle friedlich gesinnten Muslime nicht unter den negativen Folgen dieses Kampfes zu leiden haben.“
Der Bericht, der von einer großen Mehrheit des Komites für Politische Angelegenheiten akzeptiert wurde, soll in der nächsten Sitzung des Komites zwischen dem 14. und 18. April erneut behandelt werden. Im Bericht werden des Weiteren Vorschläge zur Bekämpfung der Diskriminierung und Islamfeindlichkeit behandelt sowie Überlegungen angestellt, welche Maßnahmen gegen Hasspredigten eingeführt und wie Menschenrechte geschützt werden können. Ebenfalls wird über Normen bei der Bekämpfung des Terrors diskutiert. (am)
Samstag 08. März 2008
USA plante Putsch gegen die Hamas

Einem Bericht des Magazins „Vanity Fair“ zufolge hat die Regierung der USA einen Staatsstreich der Fatah gegen die demokratisch gewählte Hamas geplant und unterstützt. Die Außenministerin Condolezza Rice war beauftragt einen palästinensischen Bürgerkrieg zu provozieren.
Das Magazin veröffentlichte als Beweismittel drei vertrauliche Memos aus dem amerikanischen Außenministerium, die den geheimen Plan zum Staatsstreich beschreiben.
Somit wird die Hamas darin bestätigt, dass die USA die Fatah mit Waffen und Geld aufgerüstet habe, um die demokratisch gewählte Regierung zu stürzen. Die Hamas sei mit der Übernahme der Kontrolle in Gaza im Juni 2007 dem Staatstreich der USA und der Fatah zuvorgekommen, so das Magazin. Der ehemalige Nahost-Berater von US-Vizepräsident Dick Cheney, David Wurmser, erklärte „Vanity Fair“ gegenüber, dass die Übernahme der Kontrolle in Gaza durch die Hamas eine Reaktion auf die Putschpläne der Fatah war.
Der neokonservative Wurmser sagt ferner, dass er von dem Gegensatz zwischen den Aufrufen Bush´ s zur Demokratie im mittleren Osten und seiner konkreten Politik verärgert gewesen sei und deshalb zurückgetreten ist. Busch “praktizierte das genaue Gegenteil von Demokratie“, so Wurmser. (sa)
Donnerstag 06. März 2008
Neue Entwicklung im christlich-islamischen Dialog

Der Vatikan hat dem Dialogangebot von islamischen Gelehrten geantwortet und sie zu Gesprächen nach Rom eingeladen. Beide Seiten kamen überein, ein „Katholisch-Muslimisches Forum“ zu gründen.
Im vergangenen Jahr hatten 138 islamische Gelehrte ein schriftliches Dialogangebot nach Rom geschickt, woraufhin der Vatikan eine Begegnung mit führenden Vertretern vorgeschlagen hatte. Nun kamen in Rom am 4. und 5. März auf Einladung von Papst Benedikt XVI. führende Repräsentanten des Islams mit Vertretern des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog zusammen.
Die islamische Delegation bestand aus fünf Gelehrten aus fünf verschiedenen Ländern: Scheich Abdel Hakim Murad Winter, Aref Ali Nayed, emeritierter Professor des Päpstlichen Instituts für Arabische Studien (PISAI), Sergio Yahya Pallavicini, Vizepräsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Italien („Comunita Religiosa Islámica delle Italia", COREIS), Ibrahim Kalin, Direktor der „Seta Foundation" in Ankara und Sohail Nakhooda, Leiter des „Islamic Magazine", das in den USA aufgelegt wird. "Bei der Initiative geht es darum, unsere grausame, zerstörte Welt zu heilen und uns gemeinsam für den Frieden einzusetzen", sagte Aref Ali Nayed.
In einer Presseerklärung haben die Leiter der islamischen und katholischen Delegation bekannt gegeben, man sei überein gekommen, ein „Katholisch-Muslimisches Forum“ zu errichten und das erste Seminar mit dem Generalthema: „Gottesliebe, Nächstenliebe“ vom 4. bis zum 6. November 2008 in Rom abzuhalten. Das Forum soll jedes Jahr wechselweise in Vatikan und in einem muslimischen Land stattfinden. Das genaue Programm müsse noch ausgearbeitet werden, hieß es bei der Pressekonferenz in Rom.
Im Rahmen ihrer Initiative wollen sich die islamischen Religionsgelehrten auch mit dem geistlichen Oberhaupt der Anglikanischen Kirche, dem Erzbischof von Canterbury, sowie mit jüdischen Vertretern und weiteren christlichen Religionsoberhäuptern treffen. (üh/sa)
Samstag 01. März 2008
Gallup-Umfrage: Was eine Milliarde Muslime wirklich denken

Das renommierte US-Forschungsinstitut Gallup hat die Ergebnisse der Studie "Wer spricht für den Islam - Was eine Milliarde Moslems wirklich denken" bekannt gegeben. Die sogenannte Gallup-Umfrage wird im März als Buch veröffentlicht.
Die Autoren der Studie, Professor John L. Esposito von der Universität Georgetown und Dala Mogahed vom Gallup-Zentrum für Moslem-Studien erklärten, dass nach den Umfrageergebnissen die große Mehrheit der Menschen in islamisch geprägten Gesellschaften und in den USA in wichtigen Fragen ähnlich denken. Muslime hätte jedoch das Gefühl, dass ihr Glaube im Westen nicht respektiert werde. „Hört endlich auf, auf Muslime herabzusehen“, sei die Forderung der Gesprächsteilnehmer.
In sechs Jahren hat das Institut in über 50.000 Interviews die Meinung der Muslime über den Westen untersucht. Die Ergebnisse widerlegen die großen Vorbehalte im Westen, so Mogadeh. Nur sieben Prozent der muslimischen Bevölkerung halten etwa die Anschläge des 11. Septembers für gerechtfertigt. Die überwiegende Mehrheit von 93 Prozent lehnt den terroristischen Anschlag aus religiösen Gründen ab. (sa)