Freitag 21. März 2008
Hutba – Am Koran festhalten

Im Koran gebietet Allah: „Und haltet allesamt an Allahs Seil fest, und zersplittert euch nicht…“ (Âl-i Imrân, [3:103]) Allahs Seil ist der Koran, der alle Grundlagen des Islams und damit eine von Allah aufgezeigte Lebensweise beinhaltet.
Verehrte Muslime,
im Koran wird der Koran selbst als „Seil“ Allahs beschrieben. Wer sich an ihm festhält, wird vor allem Schlechten bewahrt und nie vom rechten Weg abkommen. Im Koran gebietet dies Allah mit den Worten „Und haltet allesamt an Allahs Seil fest, und zersplittert euch nicht…“ (Âl-i Imrân, [3:103]) Allahs Seil ist also der Koran, der alle Grundlagen des Islams und damit eine von Allah aufgezeigte Lebensweise beinhaltet. Er ist ein Bindeglied, wodurch nicht nur die Beziehung zwischen dem Menschen und seinem Schöpfer geregelt wird, sondern auch die Menschen zu einer Gemeinschaft geformt werden. An Allahs Seil festzuhalten, heißt für Muslime, dem Weg Allahs allergrößten Wert beizumessen, ihre Religion ins Zentrum ihres Lebens zu stellen und den Islam in vorbildlicher Weise zu leben. Sobald sie dieses Seil loslassen und sich vom Weg Allahs entfernen, wird Zwietracht unter ihnen aufkommen. Sie werden gespalten und ihnen wird das widerfahren, was den früheren Völkern, zu denen Allah seine Propheten sandte, widerfahren war. Am Ende werden sie – Allah bewahre – im Diesseits sowie im Jenseits bloß gestellt. Kurz: Der Vers spricht von der Situation, in der sich die Muslime heute leider befinden. Dabei hatte uns der Gesandte Gottes Muhammad (saw) schon vor Jahrhunderten davor gewarnt, wie folgende Überlieferung zeigt: Abû Schurajh (ra) erzählt: Eines Tages kam unser Prophet und sagte: „Bezeugt ihr, dass es keinen Gott außer Allah gibt und ich sein Gesandter bin?“ Wir antworteten: „Ja wir bezeugen es.“ Dann sagte er: „Ein Ende des Korans ist in Allahs und das andere in eurer Hand. Haltet daran fest. Denn solange ihr daran festhaltet, werdet ihr nie irren und nicht zugrunde gehen.“ (Ibni Hibbân)
Verehrte Geschwister,
es ist offensichtlich, wie die Muslime also in die Situation geraten sind, in der sie sich heute befinden. Die Frage ist, ob sie sich wieder aus dieser misslichen Lage befreien können. Wenn man bedenkt, dass sich die Menschheit mit Hilfe des Korans schon aus einer dunkleren Zeit befreien konnte, kann man diese Frage nur bejahen. Denn wie in folgenden Versen ausgesagt wird, ist der Koran ein „Licht“, eine „Mahnung“, eine „Leitung“ und eine „Barmherzigkeit“: „Von Allah ist zu euch nunmehr ein Licht und ein deutliches Buch gekommen.“ (Sure Mâida, [5:15]) „O ihr Menschen! Nun ist eine Mahnung eures Herrn zu euch gekommen und eine Arznei für das, was eure Herzen bewegt, und eine Leitung und Barmherzigkeit für die Gläubigen.“ (Sure Jûnus, [10:57]) Durch den Koran wird aus Dunkelheit Licht. Er heilt die kranken Herzen und leitet die Verirrten. Etwas anderes ist auch nicht möglich. Jeder, der die folgenden Worte des Gesandten Gottes vernimmt und gemäß dem Koran lebt, wird dies verstehen: „Der Koran ist der Fürbitter, dessen Fürbitte angenommen wird und der Bote, dessen Botschaft wahr ist. Wer den Koran vor sich nimmt (ihm folgt), dem wird er ins Paradies leiten und wer ihn hinter sich nimmt (ihm nicht folgt), dem wird er in die Hölle führen.“ (Abû Dâwûd)
Verehrte Geschwister,
es stellt sich also die Frage, was wir tun sollen? Was wir tun müssen, ist, am Koran festzuhalten, die in ihm enthaltenen Wahrheiten zu erkennen und in unserem Leben einzuhalten. Das, was er erlaubt und verbietet, müssen wir einhalten und keine Zugeständnisse machen. Wir müssen ihn lernen und lehren. Nur wenn wir uns ihm wirklich annehmen, werden seine Gegner nichts ausrichten können. Durch ihn wird Frieden und Gerechtigkeit auf der Welt herrschen. Während wir die Hutba mit einem Hadîth beenden, möchten wir nochmal auf den Koranrezitationswettbewerb am kommenden Sonntag hinweisen. Unser Prophet sagte: „Der Koran ist die Tafel Allahs. Nehmt an dieser Tafel Platz, solange ihr könnt. Der Koran ist das feste Seil Allahs, sein Licht und die Quelle der Heilung. Wer sich ihm anvertraut, wird beschützt. Wer ihm folgt, wird errettet und nicht von der Wahrheit abzubringen sein. Wer ihm Folge leistet, wird nicht vom Weg abkommen und vom Weg Abgekommene leiten.“ (Tirmizî)
Freitag 14. März 2008
Hutba – Unser Prophet Muhammad (saw) und der Koran

Je mehr wir über den Propheten Muhammad (saw) und die Zeit seines Wirkens lernen, desto deutlicher werden wir erkennen, wie dringend die Menschheit seiner bedarf.
Verehrte Muslime,
in der Nacht vom kommenden Mittwoch, dem 19. März, zum Donnerstag ist die Nacht der Geburt des Gesandten Gottes Muhammad (saw). In dieser Nacht werden wir ihm gedenken, der mit seiner Geburt die Welt beglückt hat und als Barmherzigkeit für alle Welten gesandte wurde, und Segenswünsche für ihn sprechen. Er wurde der gesamten Menschheit gesandt und spricht an alle Völker, wie es der folgende Vers ausdrückt: „Doch Wir haben dich zur gesamten Menschheit nur als einen Freudenboten und Warner entsandt…“ [34:28] „Sprich: „O ihr Menschen! Seht, ich bin für alle von euch ein Gesandter Allahs, Dessen das Reich der Himmel und der Erde ist…“ [7:158] In dieser Hinsicht ist unser Prophet einzigartig unter allen Propheten. Er ist der größte und letzte aller Propheten, die seit dem ersten Menschen und Propheten Âdam (as) zu verschiedenen Zeiten an verschiedene Völkern gesandt wurden. Er ist das „Siegel der Propheten“. So heißt es in folgendem Vers: „Muhammad ist nicht der Vater eines eurer Männer, sondern Allahs Gesandter und das Siegel der Propheten. Und Allah kennt alle Dinge.“ [33:40] Das Buch, dass ihm offenbart wurde, ist das letzte Buch und die Religion (Dîn), die er gebracht hat, ist die letzte und abschließende Religion Allahs. Im Koran heißt es dazu: „…Heute habe Ich euren Glauben für euch vollendet und habe Meine Gnade an euch erfüllt, und es ist Mein Wille, dass der Islam euer Glaube ist…“ [5:3]
Verehrte Geschwister,
so wie jedes Jahr werden wir auch dieses Jahr mit einer Reihe von Programmen unseres Propheten in einer ihm gebührenden Art und Weise gedenken. Wir werden versuchen, ihn in umfassender Weise kennenzulernen und uns in seine Lebensgeschichte vertiefen. Je mehr wir über ihn und die Zeit seines Wirkens lernen, desto deutlicher werden wir erkennen, wie dringend die Menschheit seiner bedarf. Denn noch bevor der Gesandte Gottes auf die Welt kam, hatten die Menschen schon längst ihre Wertmaßstäbe verloren und waren vom rechten Weg abgekommen. Unglauben (Kufr) und Vielgötterei (Schirk) hatten die Herzen verdunkelt und Ungerechtigkeit herrschte in allen Bereichen des Lebens. Das soziale Leben war zerstört und die Moral verdorben. Ebenso war das Band der Verwandtschaft durchtrennt und die Rechte des Nachbarn wurden nicht geachtet. Frauen hatten keinerlei Wert und galten nicht als Menschen, die Schwachen wurden unterdrückt, ohne sich zur Wehr setzten zu können. In solch einer dunklen Zeit beehrte der Gesandte Gottes die Welt und schenkte den von Vielgötterei und Aberglauben verdunkelten Herzen Licht, indem er sie mit dem Koran zur alleinigen Verehrung Allahs aufrief.
Verehrte Muslime,
zuerst müssen wir Muslime durch den Koran und die Sunna erneut Leben gewinnen. Deshalb dürfen wir uns nicht nur an einem bestimmten Tag oder Monat im Jahr an ihn erinnern, sondern müssen ihn ein Leben lang als Führung akzeptieren und ihn niemals aus den Augen verlieren. Nur so können wir behaupten, uns des Buches (des Korans) angenommen zu haben. Denn das Buch und die Sunna ist das einzige Erbe, das der Prophet hinterlassen hat und die Völker, die sich dessen bewusst waren, waren stets die Gewinner. Aus diesem Grund sind wir verpflichtet, dieses Erbe jedem einzelnen Menschen und jedem Volk zugänglich zu machen. Denn die Menschen sind der Feind dessen, das sie nicht kennen. Wir glauben, dass jedem Menschen, der den Koran und die Sunna aufrichtig kennenlernt, nichts anderes übrig bleibt, als diese zu akzeptieren. So hat unser Prophet folgendes gesagt: „Wahrlich, das beste Wort ist das Buch Allahs und der beste Weg ist der Weg Muhammads.“ (Buchârî, Itisâm 2, Adab 70) In diesem Sinne wird unser Verband am 23. März in Wuppertal das Finale des Rezitationswettwerbs durchführen, während in allen Regionalverbänden einen ganzen Monat lang Gedenkveranstaltungen zu Ehren unseres Propheten mit dem Motto „Barmherzigkeit für alle Welten“ organisiert werden. Ebenso wird in Solingen einen Tag vor dem Wettbewerb, also am 22. März, ein Seminar zum Thema „Der Koran und das Leben“ stattfinden. Zu beiden Veranstaltungen sind all unsere Geschwister herzlich eingeladen. Wir möchten unsere Hutba mit einem Hadîth beenden: Der Gesandte Gottes hat gesagt: „Dem Korankundigen wird im Paradies gesagt werden: „Lies und steige auf!“ Er wird lesen und aufsteigen. Für jeden Vers wird er einen Rang aufsteigen. So wird er alle Verse lesen, die er kennt und für jeden Vers um eine Stufe erhöht.“ (Kutub-u Sitta)
Freitag 07. März 2008
Hutba – Den Koran lesen und verstehen

Den Koran zu lesen, über seine Verse nachzudenken und seine Gebote einzuhalten, gilt als Gottesdienst (Ibâda) und gehört zu den Pflichten des Glaubens.
Verehrte Muslime,
der gesegnete Koran ist ein Wegweiser fürs Leben und die Quelle des Glücks für den Einzelnen sowie die gesamte Menschheit. Er trennt das Rechte vom Unrechten (Sure Târik, [86:13]) und wer sich an ihn hält, wird errettet werden. (Sure Âl-i Imrân, [3:103]) Der Koran ist das größte Wunder des Gesandten Gottes Muhammad (saw). Weder gab es ein dem Koran ähnliches Werk in der Vergangenheit, noch wird es eines in der Zukunft geben. Unser Herr hat den Koran gesandt, um die Menschen, deren Herzen sich verfinstert haben, zu retten und als Rechtleitung (Hidâja) für diejenigen, die nach der Wahrheit suchen. Der Koran ist „eine Arznei für das, was eure Herzen bewegt, und eine Leitung und Barmherzigkeit für die Gläubigen.“ (Sure Jûnus, [10:57]) Damit der Koran aber diese Funktionen erfüllen kann, muss er gelesen und sein Inhalt begriffen werden. Dies ist eine der wichtigsten Aufgaben jedes Muslims. Den Koran zu lesen, über seine Verse nachzudenken und seine Gebote einzuhalten, gilt als Gottesdienst (Ibâda) und gehört zu den Pflichten des Glaubens. Denn unser Herr hat im Koran folgendes geboten: „Ein segensreiches Buch sandten Wir auf dich herab, damit sie seine Verse bedenken und damit die Verständigen sich ermahnen lassen.“ (Sure Sâd, [38:29]) Unser Prophet hat dementsprechend auf die Vorzüge der Rezitation des Korans und das Nachdenken über seine Verse verwiesen: „Der beste unter euch ist der, der den Koran lernt und anderen lehrt.“ (Buchârî, Fadâilu'l Kur'ân, 21; Tirmizî, Fadâilu'l Kur'ân, 15; Ibni Mâdscha, Mukaddima,16)
Verehrte Geschwister,
wer über die Verse nachdenkt, auf die wir verwiesen haben, wird sehen, dass der Grund der Herabsendung des Korans die Sicherstellung des Glücks im Diesseits sowie im Jenseits ist. Dies ist jedoch nur möglich, wenn die Botschaft des Korans und seine Werte, die den Menschen ausmachen, richtig verstanden und umgesetzt werden. Der gesegnete Koran ist nicht nur für eine einzelne Gruppe oder bestimmte Epoche gültig. Er wurde der gesamten Menschheit gesandt und hat Gültigkeit bis zum Ende der Welt. Das heißt also, die Menschen aller Epochen bedürfen der Botschaft des Korans. Im Koran finden jedoch nicht nur Glaubensgrundlagen und Gottesdienste Erwähnung. Die Verse des Korans regeln alle Bereiche des Lebens in der Gesellschaft wie beispielsweise die Beziehungen der Menschen untereinander, und machen Aussagen über die Moral, das gute Benehmen, die Gerechtigkeit oder die Achtung des Rechts. So beinhaltet der Koran Prinzipien, die für alle Gesellschaften zu allen Zeiten Gültigkeit haben. Der Koran ist nämlich eine unerschöpfliche Quelle für jeden, der sich mit Aufrichtigkeit an ihn wendet.
Verehrte Geschwister,
unser Verband, der im festen Glauben an die Religion (Dîn), die im Koran geboten und vom Propheten dargelegt wurde, sich schon immer in der Verantwortung sah, hat alles getan, damit der Koran gelernt und verstanden werden kann. So wird der Koran in hunderten unserer Moscheen und Gemeinden unseren Kindern näher gebracht. Das beste Ergebnis dieser Arbeit ist der jährlich organisierte Koranrezitationswettbewerb, der dieses Jahr am 23. März in Wuppertal stattfinden wird. An diesem Tag wird man erleben können, dass allein der Vortrag des gesegneten Korans ein Wunder für sich ist. Einen Tag vorher wird eine Tagung mit dem Thema „Den Koran verstehen und leben“ stattfinden, dessen Veranstaltungsort und –zeit noch bekannt gegeben werden. Zu diesen Programmen erwarten wir all unsere Geschwister samt ihren Familien und insbesondere unsere Kinder und Jugendlichen aus unseren Moscheen. Zuletzt möchten wir Allah bitten, dass Er uns und der gesamten Umma Muhammads (saw) ermögliche, die Botschaft des Korans zu leben und dass Er uns auf dem Weg des Korans führe.
Freitag 29. Februar 2008
Hutba – Das Prinzip der Gerechtigkeit im Islam
Unserer
Religion (Dîn) zufolge ist Gerechtigkeit, die Menschen gleich zu behandeln
und nicht zwischen Religion, Sprache, Kultur, Bildung oder sozialem Stand zu
unterscheiden. Dieses Prinzip hat Gültigkeit sowohl zwischen einzelnen
Menschen als auch zwischen verschiedenen Gesellschaften.
Verehrte Muslime,
das Prinzip der Gerechtigkeit ist eines der Werte, die den Menschen ausmachen und ihn zu seiner wahren Bestimmung führen. Die Praktizierung der Gerechtigkeit hat es Völkern ermöglicht, ihre Staaten über Jahrhunderte aufrecht zu erhalten. Gerechtigkeit ist, jedem sein Recht zu geben und mit gesundem Menschenverstand, Vernunft, Weisheit (Hikma) und gemäß dem Allgemeinwohl zu handeln. Das Gegenteil von Gerechtigkeit ist Ungerechtigkeit (Zulm), worunter die Vorenthaltung des Rechts gemeint ist. So wie ungerechte Menschen ihre Würde und Ehre verlieren, so gibt es in einer von ungerechten Menschen bestehenden Gesellschafte oder einem Staat weder Frieden und Sicherheit, noch werden sie für lange Zeit fortbestehen. Die Menschheitsgeschichte ist voll von Staaten, die zusammengebrochen sind, da die Menschen das Prinzip der Gerechtigkeit nicht eingehalten haben.
Verehrte Geschwister,
unserer Religion (Dîn) zufolge ist Gerechtigkeit, die Menschen gleich zu behandeln und nicht zwischen Religion, Sprache, Kultur, Bildung oder sozialem Stand zu unterscheiden. Dieses Prinzip hat Gültigkeit sowohl zwischen einzelnen Menschen als auch zwischen verschiedenen Gesellschaften. In diesem Sinne wird im Islam bei der Umsetzung der Gerechtigkeit nicht auf persönliche Wünsche der Menschen, etwaige Freund- oder Feindschaften, verwandtschaftliche Beziehungen oder reich und arm geachtet. Da der Islam aufgrund dieser Vorstellung in der Lage war jedem sein Recht zuzugestehen, hat die islamische Gesellschaft über Jahrhunderte hinweg in Sicherheit fortbestehen können. Das Prinzip der Gerechtigkeit ist in den Quellen unserer Religion klar erläutert und von muslimischen Herrschern eingehalten worden. Als Beispiele können folgende Verse und Hadîthe genannt werden: „O ihr, die ihr glaubt! Tretet für die Gerechtigkeit ein, wenn ihr vor Gott Zeugnis ablegt, und sei es gegen euch selber oder eure Eltern und Verwandten. Handele es sich um arm oder reich, Allah steht euch näher als beide. Und überlasst euch nicht der Leidenschaft, damit ihr nicht vom Recht abweicht. Wenn ihr (das Recht) verdreht oder euch (von ihm) abkehrt, siehe, Allah weiß, was ihr tut.“ (Sure Nisâ, [4:135]) „Siehe, Allah gebietet euch, die euch anvertrauten Güter ihren Eigentümern zurückzugeben, und wenn ihr unter den Leuten richtet, nach Gerechtigkeit zu richten. Siehe, wie trefflich ist das, wozu Er euch mahnt! Siehe, Allah hört und sieht.“ (Sure Nisâ, [4:58]) „Siehe, Allah gebietet, Gerechtigkeit zu üben, Gutes zu tun und die Nahestehenden zu beschenken. Und Er verbietet das Schändliche und Unrechte und Gewalttätige. Er ermahnt euch, euch dies zu Herzen zu nehmen.“ (Sure Nahl, [16:90]) „Diejenigen, die gerecht herrschen und zu denen, für die sie die Verantwortung tragen, gerecht sind, werden bei Allah auf einem Podest aus Licht stehen.“ (Muslim, Imâra, 18) „Gerechte Staatsmänner und Beamte werden am Tag der Abrechnung die Führer derer sein, die Allahs Gnade und Schutz genießen.“ (Buchârî, Adab, 36)
Verehrte Geschwister,
wie man aus den Versen und Hadîthen entnehmen kann, gebietet uns der Islam, die Menschen um Allahs Willen gerecht zu behandeln, bei unseren zwischenmenschlichen Beziehungen dem Wohlwollen (Rizâ) Allahs entsprechend zu handeln und wieder um Allahs Willen wahre Zeugen zu sein. Diese Religion hat der Menschheit vollkommene Prinzipien beschert und gewährleistet, dass jeder, ob gläubig oder nicht, von der Gerechtigkeit profitiert. Ihr Rechtsverständnis ist ein Vorbild für die ganze Menschheit. Wir erfahren ebenfalls, dass die Umsetzung dieses Prinzips eine Aufgabe für die Muslime darstellt und dass, sobald die islamische Gemeinschaft (Umma) dieses göttliche Gebot erfüllt, Gerechtigkeit auf der Welt herrschen wird. Doch leider sehen wir auch, dass in unseren Tagen, was die Erfüllung dieses Gebotes betrifft, bei den Muslimen noch viele Mängel bestehen. Leider kann auch nicht immer behauptet werden, dass wir sowohl unter uns als auch in der Gesellschaft, in der wir Leben, Gerechtigkeit walten lassen. Falsches Verhalten wie die Begünstigung bestimmter Personen, die Missachtung des Rechts oder auch die Unzufriedenheit mit dem, was einem zusteht, können – auch wenn es viele Ausnahmen gibt – auch von Muslimen an den Tag gelegt werden. Aus diesem Grund sind die Muslime heute nicht diejenigen, von denen Gerechtigkeit ausgeht, sondern meistens diejenigen, denen Gerechtigkeit empfohlen wird. So möchten auch wir alle dazu aufrufen, die Erfordernisse der Gerechtigkeit zu erfüllen. Insbesondere möchten wir uns an diejenigen Führer der westlichen Staaten richten, die die Menschenrechte besonders betonen und sie darauf hinweisen Abstand von diskriminierenden Handlungen und Aussagen zu halten. Der Meinungs-, Gewissens- und Religionsfreiheit sowie den Wertvorstellungen der Menschen muss mit Respekt begegnet werden. All unseren muslimischen Geschwistern möchten wir raten, folgenden Vers nicht zu vergessen und seiner Aufforderung nachzukommen: „O ihr, die ihr glaubt! Steht in Gerechtigkeit fest, wenn ihr vor Allah bezeugt. Der Hass gegen (bestimmte) Leute verführe euch nicht zu Ungerechtigkeit. Seid gerecht, das entspricht mehr der Gottesfurcht. Und fürchtet Allah. Siehe, Allah kennt euer Tun.“ (Sure Mâida, [5:8])