Freitag 27. März 2009
Sinus-Studie: Bildungserfolg hängt von der sozialen Herkunft ab


„Die meisten in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund haben eine hohe Leistungsbereitschaft und streben nach Erfolg.“ Das macht Caritas-Präsident Peter Neher heute in Berlin aus Anlass der Präsentation der Sinus-Migranten-Milieu-Studie des Heidelberger Instituts Sinus Sociovision deutlich.

Die Studie räume mit einigen Vorurteilen auf, die in Deutschland nach wie vor das Bild von Migranten bestimmten. So gehöre die Mehrheit beispielsweise einer christlichen Konfession an (56 Prozent), 22 Prozent bekennen sich zum Islam. Auffallend sei die große Bereitschaft, sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Dazu gehöre auch, die deutsche Sprache zu beherrschen.

So bestätigten 85 Prozent der Befragten, ohne die Sprache könne man in Deutschland keinen Erfolg haben. 68 Prozent schätzten die eigenen Sprachkenntnisse als sehr gut bis gut ein. „Die Studie belegt eine Vielfalt an Lebenslagen und Einstellungen, die jedoch in der öffentlichen Diskussion um Integration viel zu wenig wahrgenommen werden“, macht Neher deutlich. Es zeige sich, dass die Frage des Bildungserfolges keine vorrangige Frage des Migrationshintergrundes sei. „Dies ist eine Frage der sozialen Herkunft, die für Deutsche ohne Migrationshintergrund ganz ähnlich gelte“, so Neher.

In einem spezifischen Teil der Studie hatte die Caritas Fragen zur Einbürgerung, der Organisation von Migranten in Vereinen, zum Heiratsverhalten und zur Bekanntheit und Nutzung sozialer Dienste in Auftrag gegeben. „Die Ergebnisse zeigen, dass der soziale Hintergrund und der Bildungsstand das Handeln und die Möglichkeiten der Menschen wesentlich stärker bestimmen als der ethnische Hintergrund“, so Neher.

Die Studienergebnisse machten auch deutlich, dass eine differenzierte Strategie für eine einbürgerungsfreundliche Gesellschaft entwickelt werden müsse. Die Studie wurde von einem Gremium aus Politik, Medien und Verbänden beauftragt. Ziel der Gesamtstudie war es, die Alltagswelt und Lebensstile der in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund zu untersuchen. Die Studie besteht aus einem Basisteil und den Exklusivteilen der einzelnen Auftraggeber.

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Mittwoch 25. März 2009
Merkel bezeichnet Dialog mit Muslimen als unabdingbare Voraussetzung zur Integration


Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte am Dienstagabend bei einem Besuch der Katholischen Akademie in Berlin die Kirchen auf, sich stärker in die politischen Debatten einzumischen. Die CDU-Chefin betonte dabei unter anderem die Bedeutung des interreligiösen Dialogs und bezeichnete den gesellschaftlichen Dialog mit Muslimen als eine unabdingbare Voraussetzung zur Integration.

Die Kanzlerin bekannte sich in ihrem Vortrag klar zum christlichen Menschenbild als Leitlinie für ihr politisches Handeln. Dazu zähle, dass der Mensch als einzigartiges Geschöpf Gottes zur „Freiheit in Verantwortung“ und dem Wunsch, seine Fähigkeiten entfalten zu wollen, berufen sei. Der Mensch habe als Geschöpf Gottes eine unteilbare und unantastbare Würde, so Merkel.

Das christliche Menschenbild in der Politik habe insoweit auch Bedeutung etwa für die Familien- und Integrationspolitik, sagte Merkel weiter. Werte wie das christliche Menschenbild seien Grundprinzipien eines dauerhaften Zusammenhalts der Gesellschaft. Sie wünsche deshalb eine weitere „und manchmal noch lautere Einmischung“ der Kirchen in gesellschaftliche Themen wie die weltweite Finanzkrise. (ba)

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Donnerstag 19. März 2000
Schäuble: „Muslime sollen in Deutschland heimisch werden”


 

Innenminister, Wolfgang Schäuble, richtet sich in einem Artikel an die Muslime: „Muslime sollen in Deutschland heimisch werden”.

In einem Artikel für die Internetseite Qantara ruft Innenminister Schäuble zum Dialog auf und sagt: „Dass die Muslime in Deutschland hier heimisch werden, ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. Die Muslime müssen sich nach dem geltenden Recht organisieren, wenn sie sich voll einbringen wollen.” In der Deutschen Islam-Konferenz, aber auch im täglichen Miteinander müssten sich alle um ein gutes Verhältnis zwischen den Religionen und ihren Anhängern bemühen. Dann könne die religiöse Vielfalt als eine Bereicherung betrachtet werden und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.

Behauptungen darüber, dass der technische Fortschritt die Religion aus unserem Bewusstsein verbannen werde, findet Schäuble haltlos. Es sei im Grunde das Gegenteil zu beobachten. „Viele Menschen besinnen sich auf ihre Religion, suchen nach Orientierung und Halt in einer Welt immer schnellerer Umbrüche.” Es sei zudem nicht ungewöhnlich, dass die verschiedenen Religionen verschiedene Antworten auf verschiedene Themen geben und darüber hinaus den alleinigen Wahrheitsanspruch für sich erheben würden. Für das gesellschaftliche Miteinander seien aber bestimmte Regeln zu beachten.

“Der christliche-muslimische Dialog gibt wichtige Impulse”

Der deutsche Staat sei offen für den Dialog mit den Muslimen, schreibt Schäuble in seinem Artikel, in dem er zudem auf die Vorbehalte der Deutschen gegenüber dem Islam eingeht. Schäuble bringt seinen Unmut darüber zum Ausdruck und hält dafür die Extremisten dafür verantwortlich. Dies erfordere von den Muslimen eine deutlichere Abgrenzung von den Extremisten und ein stärkeres Eintreten für die Demokratie.

Schäuble betont, dass der deutsche Staat allen Religionen gegenüber neutral sei und sich weiterhin bemühen werde mit Hilfe des interreligiösen Dialogs das gegenseitige Kennenlernen und das Miteinander zu fördern. Ein weiterer Grund für die Förderung des interreligiösen Dialogs sei, dass Religionen eine „Quelle von Orientierung und Gemeinschaftlichkeit” seien. „Nur aus Vernunft ergibt sich auch kein gutes Miteinander. Deshalb haben wir in Deutschland eine säkulare Ordnung, aber keinen säkularistischen Staat. Sich in dieser Ordnung zurechtzufinden, fällt vor allem in Deutschland relativ neuen Religionen wie dem Islam nicht leicht”, so Schäuble. Das schlechte Bild, das die Mehrheitsgesellschaft vom Islam habe, erschwere die Integration der Muslime zusätzlich. (fy)

 

 

Dienstag 17. März 2009
Studie: Jeder siebte Jugendliche ist "sehr" ausländerfeindlich


Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hat in Berlin die Studie "Jugendliche in Deutschland als Täter und Opfer von Gewalt" vorgestellt. Der Studie nach ist zwar die Brutalität unter Jugendlichen zurückgegangen, viele Jugendlichen sind jedoch ausländerfeindlich, nehmen Drogen oder spielen zu viel Computer.

Das Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachen hatte anlässlich der Studie 53.000 Jugendliche der vierten und neunten Jahrgangsstufen in 61 Landkreisen und kreisfreien Städten zu dem Thema "Jugendliche in Deutschland als Täter und Opfer von Gewalt“ befragt.

Ergebnis der Studie ist, dass zwar seit der letzten Befragung dieser Art aus dem Jahre 1998 zwar die Jugendgewalt einen rückläufigen Trend vorweist, etwa jeder siebte Jugendliche in Deutschland sei jedoch ausländerfeindlich. In hohem Maß ausländerfeindlich seien 14,4 Prozent. Dem Satz: „In Deutschland gibt es zu viele Ausländer“, stimmten 29,7 Prozent der Jugendlichen uneingeschränkt zu.

Rechtsextreme Einstellungen seien vor allem bei Jungen anzutreffen, sagte der Leiter des Instituts Chritian Pfeiffer. Sie verteilten sich zudem regional sehr unterschiedlich. „Das muss uns aufrütteln, dass ein hoher Anteil der Jungen in West- und Ostdeutschland ins Fahrwasser der Rechten geraten ist.“ Am ausgeprägtesten seien Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus an Hauptschulen.

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Montag 09. März 2009
Sprachtest beim Ehegattennachzug - "Von einem Schutz der Ehe kann kaum noch die Rede sein"


Ausländische Personen, die zu ihrem Ehepartner nach Deutschland ziehen wollen, sehen sich oftmals unzumutbaren Hindernissen ausgesetzt. Der Deutsche Bundestag debattierte am 6. März 2009 über einen Antrag der FDP-Fraktion, mit dem die Handhabung der obligatorischen Sprachnachweise beim Ehegattennachzug vereinfacht werden soll.

Der Sprecher für Auswärtige Kulturpolitik der FDP-Bundestagsfraktion, Öffnet externen Link in neuem FensterHarald Leibrecht, Öffnet externen Link in neuem Fensterproblematisierte die Änderung des Aufenthaltsgesetzes im Jahre 2007, aus der sich unzumutbare Hindernisse für Ehepaare aufgetan hätten. Im Speziellen bemängelte Leibrecht, dass bei der praktischen Umsetzung von Sprachkursen und Sprachtests im Ausland Antragsteller unnötig behindert würden.

Seit der Änderung des Aufenthaltsgesetzes wird von Personen, die zu ihrem jeweiligen Partner in Deutschland nachziehen wollen, verlangt, einen zertifizierten Sprachnachweis zu erbringen. Harald Leibrecht kritisierte, dass die Konsequenzen für die betroffenen Menschen nach der Änderung “fatal” seien. So könnten Sprachkurse und Zertifikate nur in Ausnahmefällen bei anderen Sprachkursanbietern als den Goethe-Instituten erworben werden. Dies erschwere die notwendigen Nachweise zu erlangen. Weder existierten in allen Ländern Goethe-Institute, noch könnten Antragsteller mehrere hundert Kilometer reisen, um mehrmonatige Kurse zu besuchen. Zwar sei es laut Gesetz möglich, Sprachkenntnisse auch von anderen Anbietern bestätigen zu lassen. In der Praxis aber verwiesen die Auslandsvertretungen auf die Goethe-Institute, auch wenn diese in einem anderen Land lägen.

Die FDP-Fraktion fordert daher in ihrem Antrag, auch andere Sprachkursanbieter bei einer einheitlichen Qualitätssicherung zuzulassen. Harald Leibrecht erklärte, dass die FDP-Fraktion seit Einbringung dieses Antrags Ende Januar zahlreiche Zuschriften erhalten hätte, die zeigten, dass dieses Thema Teile der Bevölkerung sehr stark beschäftige. In erster Linie gehe es in dem Antrag darum, die Probleme aus der Änderung des Aufenthaltsgesetzes für den Ehegattennachzug zu beheben und nicht den gesetzlich zugesicherten Schutz der Ehe einzuschränken. Vielmehr könne “mit der derzeitigen Verwaltungspraxis vom Schutz der Ehe kaum eine Rede sein”. Leibrecht betonte, dass es nicht von Belang sei, wo jemand die deutsche Sprache erlerne, sondern ob ein Sprachtest auf einem bestimmten Niveau bestanden werde. Die Rückmeldungen von Bürgern hätte die FDP-Fraktion in ihrem Vorhaben bestätigt.

CDU sieht kein Handlungsbedarf

Die CDU hingegen sieht kein Handlungsbedarf. Es stehe den nachziehenden Ehegatten grundsätzlich frei, einfache Deutschkenntnisse mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu erlernen. Dazu gehöre in erster Linie Sprachkurse beim Goethe-Institut oder anderen Sprachanbietern. Es existiere aber auch ein umfangreiches Internet-Sprachkursangebot von der Deutschen Welle und des Goethe-Instituts. Daneben bestehe die Möglichkeit, mittels Sprach-CDs einfache Deutschkenntnisse zu erlernen.

Die Qualität der Prüfungen werde dadurch gesichert, dass das nachzuweisende Sprachstandsniveau mindestens der Stufe A 1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens des Europarates (GER) entsprechen müsse. Entsprechende standardisierte Sprachprüfungen der Kompetenzstufe A 1 würden bisher nur von Goethe Institut und der telc GmbH angeboten.

Die Auslandsvertretungen seien angewiesen, in Ausnahmefällen auch andere Sprachzeugnisse als das Sprachzertifikat „Start Deutsch 1“ des Goethe-Instituts als Sprachnachweis anzuerkennen, wenn im Einzelfall die Gleichwertigkeit festgestellt werde.

Das Gesetz sehe bereits eine Reihe von Ausnahmeregelungen vom Sprachnachweis, u.a. eine Härtefallregelung bei Vorliegen von körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheiten oder Behinderungen vor. Die mit der Regelung verbundene integrationsfördernde Wirkung sowie das Ziel der Bekämpfung der Zwangsehen dürften nicht durch eine allgemeine Härtefallregelung ausgehöhlt werden.

Öffnet externen Link in neuem FensterReinhard Grindel (CDU) erklärte in seiner Öffnet externen Link in neuem FensterRede vor dem Bundestag, dass “der moderate Rückgang der Visazahlen beim Ehegattennachzug aus der Türkei und einigen anderen arabischen Ländern … auch ein Indiz dafür” sei, “dass hier mancher jungen Frau Schicksalsjahre in Deutschland erspart worden sein dürften.”

Außerdem, so Grindel, könne man “sehr wohl die Frage stellen, ob junge Leute, die achtzehn, zwanzig Jahre und noch länger in Deutschland leben, die hier geboren wurden und aufwuchsen, in unserer Gesellschaft wirklich angekommen sind, wenn sie Ehegatten aus den Heimatländern ihrer Eltern nach Deutschland holen wollen.” Das lasse sehr wohl auf Lebensstrukturen schließen, die man – von Ausnahmen natürlich abgesehen – als Parallelwelten bezeichnen könne.

Da helfe als Gegenargument auch nicht der Hinweis, die betroffenen Ehegatten könnten Deutsch dann ja in den Integrationskursen lernen. Aber gerade die Frauen, die dringend in die Kurse gehen müssten, und zwar auch gerade unter den Neuzuwanderern, kämen in diesen Kursen nicht an. “Entweder, weil ihnen der Kursbesuch von den Familien nicht erlaubt wird oder die Betroffenen die entsprechenden Informationen gar nicht erreichen.”, so Grindel.

Der Antrag wurde zur weiteren Beratung in die Ausschüsse überwiesen.

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Dienstag 03. März 2009

Lehrkräfte mit Migrationshintergrund


Der Berliner Integrationsbeauftragte Günter Piening wirbt bei Abiturienten mit Migrationshintergrund um den Lehrerberuf. Obwohl die Vielfalt in Berliner Klassenzimmern wachse, seien in den Kollegien kaum Lehrkräfte mit Migrationshintergrund anzutreffen. Diese Schieflage sei ein deutlicher Standortnachteil, sagte Piening. Wissenschaftler weisen zudem auf Diskriminierungen von Lehrkräften mit Migrationshintergrund hin.

Der Berliner Integrationsbeauftragte ist sich sicher, dass mehr Vielfalt im Lehrerzimmer die Bildungschancen von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund verbessern kann. Er sagte: „Sie tragen zum Abbau kultureller und sprachlicher Hürden bei und fördern die Verständigung zwischen Schulen und Elternhaus.“ Voraussetzung hierfür seien Lehrkräfte mit interkulturellen Erfahrungen und Kompetenzen. Piening betonte auch die Vorbildfunktion von Lehrkräften: „Für Kinder und Jugendliche und auch für ihre Eltern sind sie ein wichtiges Signal für ein positives Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft. Verschiedene Kulturen im Lehrerzimmer bereichern nicht nur Schulen mit hohem Migrantenanteil.“

Die neue Lehrerkampagne ist Teil der umfassenden Initiative „Berlin braucht dich!“, mit der seit 2006 junge Frauen und Männer mit Migrationshintergrund über Ausbildungsmöglichkeiten im Öffentlichen Dienst informiert werden. Die Aktivitäten führt das Berufliche Qualifizierungsnetzwerk für Migrantinnen und Migranten auf Initiative des Integrationsbeauftragten durch.

Statistische Daten über Lehrkräfte mit Migrationshintergrund liegen nicht vor. Ihr Anteil wird bundesweit auf 1 % geschätzt. Als vermutete Ursachen für das dürftige Interesse am Lehrerberuf zählt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge unter anderem das geringe Sozialprestige und kaum vorhandene Karrieremöglichkeiten des Lehrerberufs, schlechte Vorerfahrungen mit Lehrern oder der Schule sowie Ängste, den Anforderungen im Staatsdienst nicht gewachsen zu sein, auf.

Der Ruf nach mehr Lehrkräften mit Migrationshintergrund an Schulen und Hochschulen versperre zugleich den Blick darauf, dass auch diese täglichen Diskriminierungen ausgesetzt sind. Magdalena Tartakowska und Lisanne Ackermann berichten in ihrer Studie von Erfahrungen solcher Lehrkräfte. „Lehrkräfte mit Migrationshintergrund erfahren Diskriminierung in ihrem beruflichen Umfeld und oftmals schon in ihrer Bildungslaufbahn. Die Beispiele aus den USA zeigen eindrucksvoll, wie sich Lehrkräfte mit sich selbst und mit den RepräsentantInnen der Mehrheitsgesellschaft auseinandersetzen, um internalisierte Stereotypen und Vorurteile aufzudecken und so letztendlich gegen ihre Diskriminierung anzugehen. Die vorhandenen Forschungen im angelsächsischen Raum, aber auch die jüngsten Initiativen in Deutschland weisen darauf hin, dass Deutschland nicht nur mehr Lehrkräfte mit Migrationshintergrund braucht, sondern auch mehr über ihre beruflichen Erfahrungen mit Diskriminierung gesprochen werden muss“, so das Resümee der Wissenschaftler. (ba)

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Montag 02. März 2009
„Die Wiedervereinigung Deutschlands hat am meisten die Türken im Osten getroffen“


Günter Piening, Berliner Beauftragter für Integration und Migration, sagte, dass die Wiedervereinigung Deutschlands am meisten die im Osten lebenden Türken getroffen habe.

Bei einem Treffen mit der Türkischen Gemeinde zu Berlin e.V (TGB) sagte der Integrationsbeauftragte von Berlin, Günter Piening im Bezug auf die zuletzt erhobenen Integrationsstudien, dass Türken durch die Wiedervereinigung Deutschlands die am meisten benachteiligte Migrantengruppe sei.

Piening machte darauf aufmerksam, dass die unausgebildeten türkischen Arbeiter, die damals in der ehemaligen DDR noch Arbeit fanden, durch die Wiedervereinigung Deutschlands plötzlich ohne Arbeit dastanden. Insbesondere durch die Schließung vieler Industrien sei dieses Problem ausgeufert, was jedoch im Hinblick auf die Türken zu spät erkannt worden sei, so Piening weiter. Daher sei es irreführend, aus den genannten Studien die Schlussfolgerung zu ziehen, Türken seien die eigentlichen Selbstschuldner dieses Rückfalls.

Piening betonte an dieser Stelle die prekäre Rolle der Medien, in denen dieses Problem der benachteiligten Türken wenig behandelt werde. Im Besonderen seien die erfolgreichen türkischen Unternehmen hervorzuheben, um so das Gegenstück zu leisten und kein falsches Bild von einer Migrantengruppe zu erzeugen.

Entgegen den Studien sei das Bildungsniveau der in Berlin lebenden Türken ziemlich hoch. Zudem zähle die türkische Migrantengruppe in Berlin zu der aktivsten und am meisten organisierten Gruppe überhaupt, meinte Piening weiter, was jedoch dazu führe, dass sie im Besonderen im Vorfeld stehe.

Piening führte im weiteren Verlauf eine von seiner Abteilung durchgeführte Studie vor, die belege, dass neben den Türken auch in den anderen Migrantengruppen Berlins ein gewaltiges Potential ruhe, das nur richtig gefördert werden müsse.

Unterdessen kritisierte der Vorsitzende der TGB, Bekir Yilmaz, die Ergebnisse der aktuellen Integrationsstudie, die fehlverleite, dass Türken die am meisten integrationsbedürftige Migrantengruppe in Deutschland sei. Die Zahl von erfolgreichen und erfolgreich integrierten Türken belege wider, dass Schlüsse dieser Art nicht stimmen können, meinte Yilmaz weiter. Zudem kritisierte der TGB-Vorsitzende auch, dass in den Medien nur noch von schlechten Beispielen gesprochen werde. (ab)

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Montag 02. März 2009
Zahlen der Bundesregierung zu Todesopfern rechts motivierter Gewalt nicht wahrheitsgemäß – Reale Zahl liegt weit über 100

Aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion die Linke (BT-Drucks. 16/11319) war hervorgangen, dass in Deutschland in den Jahren 1990 bis 2007 lediglich 40 Menschen bei politisch rechts motivierten Gewalttaten ums Leben gekommen seien. Doch die eigentliche Zahl der Todesopfer, die von Rechtsextremisten getötet wurden, liegt nach Angaben der **Stern-Aktion „Mut gegen rechte Gewalt“(MUT) sowie der Amadeu Antonio Stiftung bei 142.

Die Linksfraktion hatte mit einem Verweis auf eine neue „Qualität“ in der rechtsextremen Szene auf vier Fälle mit tödlichem Ausgang vom Sommer 2008 aufmerksam gemacht. In einer Anfrage an die Bundesregierung wollten sie der Sache auf den Grund gehen.

Hierzu hatte die Bundesregierung in ihrer Antwort darauf hingewiesen, dass es sich bei den Statistiken um vorläufige Zahlen handele. Zudem wurde vermerkt, dass jedes Bundesland eine eigene Systematik zur Einordnung eines Falls als eine politisch motivierte Tat innehabe.

Nun hat sich aber herausgestellt, dass die Zahl der Todesopfer seit 1990 weit über 100 liegt, nämlich genau bei 142, wie die Zählungen der bundesdeutschen Opferberatungsstellen ergeben haben.

Dass der Unterschied zwischen diesen beiden Zahlen so drastisch ist, liege daran, dass die Bundesregierung die Gewalttaten nicht mitzählt, die mit einem rechtsextrem und rassistisch geprägten Hintergrund ausgeübt worden sind. Entgegen den Angaben der Bundesregierung wiesen zudem die Datenerfassungen von MUT und der Amadeu Antonio Stiftung nach, dass es im Jahre 2008 wohl Todesopfer rechtsmotivierter Gewalt gegeben habe, nämlich fünf.

Die Bundesregierung hatte zuvor angegeben, dass es seit dem Jahr 2005 keine Morde mehr durch Rechtsradikale gegeben habe.

Die Stern-Aktion „Mut gegen rechte Gewalt“ (MUT) zählte jedoch einschließlich dieser fünf Toten 142 Morde auf, Einzelheiten unter diesem Link aufrufbar
http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/news/chronik-der-gewalt/todesopfer/

(ab)

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