Freitag 27. März 2009
Hutba – Duâ und Zikr

„In den Häusern, deren Errichtung Allah erlaubt hat, damit dort Seines Namens gedacht werde, preisen Ihn des Morgens und des Abends. Männer, die weder Handel noch Geschäft abhält von dem Gedenken an Allah und der Verrichtung des Gebets und dem Entrichten der Steuer. Sie fürchten den Tag, an dem sich Herzen und Blick verkrampfen.“ (Sure Nûr, [24:36-37])
Verehrte Muslime,
die wertvollsten Momente im Leben eines Gläubigen (Mu'min) sind diejenigen, in denen er sich an seinen Herrn wendet. Dazu gehören die Momente des Bittgebets (Duâ) und des Gedenkens (Zikr), denn „Der Kern des Gottesdienstes (Ibâda) ist das Bittgebets (Duâ).“ (Tirmizî, Da’awât, 1) Das Bittgebet und das Gedenken Gottes sind ein Band zwischen dem Diener (Kul) und seinem Schöpfer, das nicht vernachlässigt werden darf. Dies hätte nämlich ein abgeschwächtes religiöses Leben zur Folge. In einer Welt, in der dem Materiellen ein großer Wert beigemessen wird, können unsere Herzen nur durch das Gebet und das Gedenken Gottes Ruhe finden. Aus diesem Grund ist es von äußerster Bedeutung für das religiöse Leben eines Muslims, den Duâ und Zikr nicht zu vernachlässigen und seine Beziehung zu seinem Schhöpfer stets aufrecht zu erhalten.
Der Gläubige weiß, dass auch wenn er seinen Herren nicht sehen kann, Gott ihn sieht. Der Gläubige, der seine Gottesdienste verrichtet, als würde er seinen Schöpfer sehen können, wird mit der Zeit ein Gefühl dafür entwickeln und sich seinen Gebeten in vollem Bewusstsein seiner Dienerschaft widmen. Jeder Augenblick seines Lebens wird von diesem Bewusstsein geprägt werden. Diese Menschen werden im Koran wie folgt beschrieben: „In den Häusern, deren Errichtung Allah erlaubt hat, damit dort Seines Namens gedacht werde, preisen Ihn des Morgens und des Abends. Männer, die weder Handel noch Geschäft abhält von dem Gedenken an Allah und der Verrichtung des Gebets und dem Entrichten der Steuer. Sie fürchten den Tag, an dem sich Herzen und Blick verkrampfen.“ (Sure Nûr, [24:36-37]) Allah wird auch immer mit seinen Dienern sein, die seiner gedenken. Denn im Koran heißt es: „So gedenkt Meiner, damit Ich eurer gedenke...“ (Sure Bakara, [2:152])
Verehrte Geschwister,
ein Muslim, der durch seine Bittgebete und sein Gedenken ein starkes Verhältnis zu seinem Schöpfer aufgebaut hat, wird nicht ohne Weiteres die Grenzen Allahs übertreten und das Erlaubte (Halâl) und Verbotene (Harâm) missachten. Das Band zwischen dem Gläubigen und seinem Herrn wird so stark sein, dass die Einflüsterungen des Teufels keine Wirkung haben werden. Der Gläubige wird alles daran setzten, um dieses Band, das er als eine Gabe (Ni'ma) Gottes ansieht, aufrecht zu erhalten. Für den Muslim kann es kein anderes Ziel geben, als das Wohlwollen Allahs zu erlangen; das Wohlwollen des Allwissenden, desjenigen, der hört, wenn niemand anderes mehr hört, der sieht, wenn kein anderer mehr sieht und hilft, wenn es keinen Ausweg zu geben scheint. Bittgebete und das Gedenken Gottes sind die Mittel dazu.
Verehrte Muslime,
das Bittgebet und das Gedenken Gottes sind der Kern aller Gottesdienst. Jedoch gilt dies nur, wenn sie korrekt verrichtet werden. Allah sieht nicht auf die Form des Gebets, sondern in das Herz. Wenn das Herz von Schlechtem erfüllt ist, hat es für Gott keinen Wert. Deshalb sagte unser Prophet: „Allah erhört kein Gebet eines unbewussten (gâfil) Herzens.“ (Tirmizî, Da’awât, 64) So ist der Muslim angehalten, seine Gottesdienste zu verrichten und sich von Verbotenem und sogar Zweifelhaftem fernzuhalten. Der Gläubige wird alle Anlässe, darunter das gemeinschaftliche Gebet, nutzen, um zu beten und Gottes zu gedenken. Zum Schluss unserer Hutba noch ein Hadîth: „Der Unterschied zwischen jemandem, der Gottes gedenkt und jemandem, der dies nicht tut, ist wie der Unterschied zwischen einem Lebenden und einem Toten.“ (Buchârî, Da’awât, 666)
Freitag 20. März 2009
Hutba – Sich seiner Sache bewusst sein

„Oder glaubt ihr etwa, in das Paradies einzutreten, ohne dass euch das gleiche traf wie die vor euch? Es traf sie Unglück und Not, und sie wurden so hin- und hergeschüttelt, dass der Gesandte und die Gläubigen bei ihm sprachen: „Wann kommt Allahs Hilfe (endlich)?“ Doch Allahs Hilfe ist nahe!“ (Sure Bakara, [2:214])
Verehrte Muslime,
wir sind die Anhänger einer Religion (Dîn), welche vom Schöpfer an die Menschheit gesandt wurde. Dies ist ein Weg, den alle Propheten seit Âdam (as) gelehrt und gelebt haben und der durch die Gelehrten in unzähligen Werken festgehalten, ausformuliert und an uns überliefert wurde. Wir dürfen uns glücklich schätzen, uns zu den Anhängern dieser Religion zählen zu dürfen. Unsere erste Aufgabe ist es, den Weg unserer Vorfahren, also den Weg der Sunna zu verfolgen, und uns allen Schwierigkeiten zu stellen, die uns auf diesem Weg begegnen. Denn das Diesseits ist eine Prüfung und erst das Jenseits ist der Ort der Belohnung. Der Gläubige (Mu'min) ist sich der Prüfung bewusst und weiß, dass die Schwierigkeiten nicht weniger werden, solange er sich ihnen nicht stellt. Der Hadîth „Das Paradies ist von Strapazen umgeben und die Hölle von Verführungen.“ (Buchârî und Muslim) bringt die Situation des Gläubigen im Diesseits zum Ausdruck. Nur derjenige, der sich den Strapazen des Lebens stellt, kann ins Paradies gelangen. Und nur derjenige, der die Verführungen des Diesseits erkennt und diesen den Rücken zukehrt, kann die Hölle meiden. Im Koran fragt Allah: „Oder glaubt ihr etwa, in das Paradies einzutreten, ohne dass euch das gleiche traf wie die vor euch? Es traf sie Unglück und Not, und sie wurden so hin- und hergeschüttelt, dass der Gesandte und die Gläubigen bei ihm sprachen: „Wann kommt Allahs Hilfe (endlich)?“ Doch Allahs Hilfe ist nahe!“ (Sure Bakara, [2:214])
Verehrte Geschwister,
der Gläubige, der sich seiner Sache bewusst ist, wird erst seine Religion lernen und seinen Glauben (Îmân) festigen, bevor er anderen seinen Glauben vermittelt. Jedoch ist es nicht ausreichend nur genügend Wissen und einen gefestigten Glauben zu besitzten. Denn nur die Hilfe Gottes ist ausschlaggebend für den Erfolg im Diesseits. Doch um der Hilfe Gottes würdig zu sein, muss der Gläubige den Weg des Propheten verfolgen, sich also seiner Sache mit vollem Einatz widmen. Erst dann darf er auf die Hilfe Gottes hoffen. Der Gläubige muss also seinen Glauben festigen, sich Wissen aneignen und sich nach Kräften für sein Ziel einsetzten. Auf diese Weise wird sein Leben der Spiegel seines Glaubens werden und als Vorbild für andere Menschen dienen.
Freitag 13. März 2009
Hutba – Wohin steuert die Menschheit?
„Bei der Zeit! Der Mensch kommt bestimmt ins
Verderben, außer denen, welche glauben und Gutes tun und sich gegenseitig
zur Wahrheit anhalten und sich gegenseitig anhalten zur Geduld.“ [103:1][103:2][103:3]
Verehrte Muslime,
im Koran heißt es: „Er lenkt alle Dinge – vom Himmel bis zur Erde. Zu guter Letzt steigt alles zu Ihm empor an einem Tage, dessen Maß tausend Jahre von denen sind, die ihr zählt. So ist Er, der Kenner des Verborgenen und des Sichtbaren, der Mächtige, der Barmherzige, der, Der alle Dinge aufs beste erschaffen hat. Zunächst formte er den Menschen aus Lehm; Dann bildete Er seine Nachkommen aus dem Tropfen einer verächtlichen wässerigen Flüssigkeit; Dann formte Er ihn und blies von Seinem Geist in ihn. Und Er gab euch Gehör, Gesicht, Gefühl und Verstand. Wenig Dank erweist ihr Ihm!“ [32:5][32:6][32:7][32:8][32:9]
Verehrte Geschwister,
diese Verse handeln vom Menschen, also von uns. Es wird anschaulich dargestellt, dass der erste Mensch aus Lehm erschaffen, im Mutterleib befruchtet wurde und sich nach und nach entwickelt, um nach seiner Geburt den Marathon des Lebens zu beginnen, bis er stirbt.
Der Mensch wurde erschaffen, um seinem Schöpfer zu dienen. Für diesen Gehorsam wird ihn Allah unvorstellbar größzügig belohnen.
In der Geschichte der Menschheit stoßen wir immer wieder auf Menschen, die vom Weg abgekommen sind und sich sogar gegen ihren Schöpfer auflehnen. In diesen Phasen der Geschichte sandte ihnen Gott seine Bücher mittels Propheten, die er aus ihrer Mitte auswählte. Doch auch das hat viele nicht von ihrem Ungehorsam abgebracht. Unter ihnen gab es solche, die auch diese Offenbarungen und Propheten verleugneten und bekämpften. Deshalb wurden sie von Katastrophen heimgesucht. Infolgedessen zeigten viele von ihnen Reue, doch andere ließen sich nicht belehren.
Verehrte Muslime,
in unseren Tagen können wir viele Arten von Ungehorsam und Auflehnung beobachten: Das Materielle nimmt den Platz Gottes ein; Generation von Menschen, die sich dem Materiellen verschrieben haben und das Geistige vollends ausblenden; eine Jugend, die infolge der geitigen Leere sich vielfältigen Sünden hingibt, eine Welt, in der die Frau zum sexuellen Objekt wird.
Die Menschen sind nicht mehr im Stande andere Menschen zu lieben, geschweigedenn respektvoll zu behandeln. Angesichts dieser Tatsachen kommen wir nicht umhin, uns einige Frage zu stellen.
Wohin steuert die Menschheit? Was erwartet uns? Gibt es keinen Ausweg aus diesem Elend? Ohne Zweifel könne wir die Antworten auf diese Fragen im Koran finden. Dort heißt es: „Bei der Zeit! Der Mensch kommt bestimmt ins Verderben, außer denen, welche glauben und Gutes tun und sich gegenseitig zur Wahrheit anhalten und sich gegenseitig anhalten zur Geduld.“ [103:1][103:2][103:3]
Freitag 06. März 2009
Hutba – Der Koran und unser Prophet (saw)

Als Muhammad (saw) das Licht der Welt erblickte, befand sich diese in tiefster Dunkelheit und Unwissenheit (Dschâhilijja); Gewalt und Sittenlosigkeit waren Gang und Gäbe. Der Glaube an den einen Gott (Tawhîd) war beinahe verschwunden und die Menschen beteten nicht mehr zu Gott, wie es ihm gebührt.
Verehrte Muslime,
wie wir alle wissen, ist die Nacht vom kommenden Sonntag auf den Montag, die Nacht der Geburt (Mawlîd) des Gesandten Gottes Muhammad (saw). Ein weiterer Grund zur Freude ist, dass an diesem Sonntag, also dem 8. März 2009, auch unser 21. Europäischer Koranrezitationswettbewerb stattfinden wird. Wir werden diesen Tag also begehen, indem wir der Rezitation des Korans lauschen. Wir beglückwünschen alle zu diesem freudigen Ereignis.
Verehrte Geschwister,
der Gesandte Gottes, der als letzter Prophet an die Menschheit gesandt wurde, um diese zu erretten, kam in der 12. Nacht des Monats Rabî al-Awwal im Jahre 571 auf die Welt. Diese Nacht wird als „Mawlîd an-Nabawî“, also der Geburt des Propheten gekennzeichnet. Als Muhammad (saw) das Licht der Welt erblickte, befand sich diese in tiefster Dunkelheit und Unwissenheit (Dschâhilijja); Gewalt und Sittenlosigkeit waren Gang und Gäbe. Der Glaube an den einen Gott (Tawhîd) war beinahe verschwunden und die Menschen beteten nicht mehr zu Gott, wie es ihm gebührt. Durch den Gesandtes Gottes wurde der Tawhîd wieder belebt. Es herrschte wieder Gleichheit und Gerechtigkeit zwischen den Menschen. Die Geburt des Gesandten Gottes markiert also einen Ausgangspunkt der Erretung der Menschheit.
Verehrte Muslime,
ohne Zweifel war die Religion (Dîn) und deren Grundlage, der Koran, für die Gesellschaft, in der der Prophet lebte, die Rettung aus der Dunkelheit. Nicht zufällig ist es, dass der Islam aus Mitgliedern dieser Gesellschaft solche Menschen formte, die was ihre Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Menschlichkeit angeht, als Vorbilder für die gesamte Menschheit angesehen werden können. Denn diese Menschen handelten auf der Grundlage des Verses: „Dieser Koran leitet gewiß zu dem, was richtig ist, und verheißt den Gläubigen, die das Rechte tun, großen Lohn.“ (Sure Isrâ, [17:9])
Derjenige, der diese Persönlichkeiten formte war der Gesandte Gottes Muhammad (saw). Indem wir seine Geburt feiern, versuchen wir seinen Charakter besser kennenzulernen. Durch den Koranrezitationswettbewerb werden wir versuchen, die Botschaft des Korans besser zu verstehen. Wir werden der Rezitation unserer Kinder lauschen, und dabei an folgenden Hadîth denken: „Der beste unter euch ist derjenige, der den Koran lernt und anderen lehrt.“ (Mutafakkun alajh)
Verehrte Geschwister,
der Wettbewerb, wovon wir dieses Jahr den 21. veranstalten dürfen, gehört zu den Veranstaltungen, auf die man mit Recht stolz sein kann. Umso größer wäre die Freude, wenn sie mit möglichst vielen unserer Geschwister geteilt werden könnte. All unsere Geschwister laden wir deshalb ein, der Veranstaltung, die im Regionalverband Stuttgart statfinden wird, beizuwohnen. Wir beglückwünschen noch einmal alle Muslime zum Mawlîd an-Nabawî und hoffen auf einen segenvollen Rezitationswettbewerb.
Freitag 27. Februar 2009
Hutba – Der Gläubige als Vorbild

„In dem Gesandten Allahs habt ihr wirklich ein schönes Beispiel für jeden, der auf Allah und den Jüngsten Tag hofft und oft Allahs gedenkt.“(Sure Ahzab, [33:21])
Verehrte Muslime,
unser Herr hat den Menschen mit Verstand und einem Willen ausgestattet und ihm entsprechende Aufgaben und Pflichten auferlegt. Er hat ihn aber nicht mit dieser Verantwortung allein gelassen, sondern ihn durch seine Propheten und die Offenbarung (Wahij) geleitet. Dies kommt zur Sprache im Vers „… Es gibt ja kein Volk, unter dem kein Warner gelebt hätte“ (Sure Fâtir, [35:24]). Propheten sind Vorbilder und Führer. Wer ihrem Beispiel folgt, wird selbst zum Vorbild für die anderen Menschen. Im Koran heißt es dazu: „In dem Gesandten Allahs habt ihr wirklich ein schönes Beispiel für jeden, der auf Allah und den Jüngsten Tag hofft und oft Allahs gedenkt.“ (Sure Ahzab, [33:21])
Verehrte Geschwister,
ein Mu'min ist ein in seinem Glauben (Îmân), seinen Gottesdiensten (pl. Ibâdât) und seinem Charakter (Achlâk) aufrichtiger Mensch und somit ein Vorbild für alle anderen. So verlangen es nämlich Allah und sein Gesandter. Ein Mu'min glaubt fest an die Einheit (Tawhîd) Gottes, daran, dass Muhammad (saw) der Diener (Abd) und Gesandte Gottes ist und den Geboten Gottes Folge leistet. Der Gläubige ist derjenige, der sein Leben gemäß den Geboten des Korans und der Sunna gestaltet und somit das Wohlwollen Allahs und des Propheten zu gewinnen versucht. Er verrichtet seine Gottesdienste gewissenhaft und hält sich von unnützen Dingen fern; er zahlt seine Zakât, hält sein Versprechen und ist ein Vorbild für andere Menschen.
Verehrte Muslime,
ein Mu'min ist derjenige, der sich des koranischen Gebotes „Lies!“ voll bewusst ist. Da er weiß, welchen Stellenwert das Wissen und die Bildung haben, versucht er, mit seinem Wissen den Menschen dienlich zu sein. Der Gläubige ist derjenige Mensch, der sich gegenüber den Gaben Gottes dankbar zeigt, seine Fehler und Sünden bereut, nicht an etwas Falschem festhält und den Menschen nur zum Guten leitet. Ein gläubiger Mensch achtet die Rechte des anderen, denn er weiß, dass alle Menschen Geschöpfe Gottes sind. Er ist nicht derjenige, der spaltet, sonder derjenige, der vereint. Der Mu'min ist bescheiden und barmherzig; bei all seinen Handlungen denkt er nur an das Wohlwollen Allahs und daran, wie er der Allgemeinheit nützlich sein kann.
Verehrte Geschwister,
unser Herr und unser Prophet erwarten von uns, dass wir uns die eben genannten Eigenschaften aneignen. Wir bemühen uns, diese Erwartung zu erfüllen, da wir wissen, dass nur ein Leben nach Koran und Sunna zum Glück im Diesseits und im Jenseits führen kann.