Die Basis des Imans: Der Glaube an Allah
Der
Glaube an das Dasein Allah tealas ist die erste Glaubensgrundlage, die ein Muslim
zu verinnerlichen hat. Zwei Glaubensinhalte der “Sechs Glaubenssäulen”
heben sich besonders hervor. Dies sind der Glaube an Allah und der Glaube an
den Jüngsten Tag. In diesem Beitrag wollen wir genauer auf den Glauben
an Allah eingehen.
Der Glaube an Allah stellt die Basis für all die anderen Glaubensgrundsätze dar. Ohne an Allah teala zu glauben, wird es kaum möglich sein, die restlichen Glaubensinhalte zu verinnerlichen. Beim Glauben an Allah teala treten zwei Bereiche hervor: Das Wesen Allah tealas und die Eigenschaften Allahs.
Das Wesen Allah tealas vollständig zu erkennen und ihn vollständig zu verstehen, liegt außerhalb der uns gegebenen geistigen und körperlichen Möglichkeiten. Auf grund dessen werden wir auch in vielen Hadisen, die uns erreicht haben, immer wieder aufgefordert, nicht über das Wesen Allah tealas zu denken sondern ihn quasi über seine Schöpfung zu erkennen.
Eines dieser Hadise ist folgender, von Ibni Abbas (ra) überlieferter Hadis: „Denkt nicht über das Wesen Allahs, sondern vertieft eure Gedanken in die von ihm erschaffene Schöpfung.“ (Fethu’l Bari, c. 13, shf. 383; Mecmau’z- Zevaid, c.1, shf. 81; Tefsiru Kurtubi, c. 4,shf. 210) Aus diesem Grund wird das Grübeln über das Wesen Allahs als haram angesehen. Denn sein Wesen zu erkennen, ist mit unserem Verstand nicht möglich. „Nichts gleicht Allah teala“ (Sure Schura: 11), „nichts ist ihm gleich“ (Sure Ihlas: 1-5), „Augen können ihn nicht erkennen“ (Sure An'am: 103), „Allah ist aus sich heraus Allah“. ( Sure Bakara: 255 )
Der zweite Bereich sind die Namen und Eigenschaften Allah tealas. Das Wort „Allah“ ist der uns von Koran und Sunna mitgeteilte Eigenname des Schöpfers. Einige seiner Eigenschaften liegen in seinem Wesen, einige Eigenschaften folgen aus seinem Wesen. Das Dasein Allah tealas, seine Anfangslosikeit, seine Endlosigkeit, dass er keinem Erschaffenen gleicht, seine völlige Unabhängigkeit von Allem und seine Einzigartigkeit sind Eigenschaften aus seinem Wesen. Sein Lebendigsein, sein Allwissen, sein Wollen, seine Allmacht, sein Allerhören und Allsehen, sein Sprechen ohne auf Buchstaben und Laute angewiesen zu sein und sein Erschaffen ohne Vorbild sind Eigenschaften, die aus seinem Wesen folgen. Außerdem gibt es noch seine Namen, die Ausflüsse seines Wesens und seiner Eigenschaften sind und von denen es nach unseren Kenntnissen aus den Versen und Hadisen 99 gibt.
Der Glaube an Allah muss sich im Rahmen dieser Eigenschaften bewegen. An ein anderes Wesen zu glauben und ihm diese Eigenschaften zuzusprechen ist Schirk, die Beigesellung einer anderen Gottheit zu Allah teala. Dies zerstört den Glauben an Allah teala.
Manchmal kann es vorkommen, dass der eine oder andere diese Namen und Eigenschaften falsch versteht und so Opfer seiner Missverständnisse wird. Das trifft sogar manchmal auf Muslime zu, die äußerlich die Gebote ihrer Religion befolgen und ihre Gebete verrichten. So zählen das Anrufen manch Heiliger als Mittler zwischen Allah und seinen Geschöpfen, das Ausnutzen der Religion, statt nach dem Wohlwollen Allahs zu streben, das abergläubische Handeln, das sich anmaßen von Allmacht und Allwissen zu diesen den Glauben vernichtenden Handlungen. Diesen Lastern sind diejenigen verfallen, die Aussagen wie „mein Scheich kennt meine Taten, selbst wenn er weit weg von mir ist, er legt für mich Fürsprache bei Allah ein, er schützt mich vor allem Schlechten, er löst meine Probleme in meiner Abwesenheit, würde ich aus seiner Hand Wein trinken, so würde es zu Zamzam“ von sich geben. Solch ein Glauben und Denken führt zum Schirk, ohne dass sich der- oder diejenige es sich bewusst wird. Fähigkeiten, die Allah teala nicht einmal seinen Propheten gewährt hat, bei einem einfachen Menschen zu suchen, ist unannehmbar: „Und Allah beabsichtigt nicht, euch zu offenbaren, was sich menschlicher Wahrnehmung entzieht.“ (Sure Ali Imran: 179)
Wenn wir uns seine Namen und Eigenschaften genauer betrachten, werden wir sehen dass er sowohl Dschelal-Eigenschaften der Größe, Strafe und Allmacht, als auch Dschemal-Eigenschaften der Liebe hat. Manche blicken nur auf die Dschelal-Eigenschaften und sehen in Ihm nur den Strafenden und denken „es gibt sowieso keine Möglichkeit, die Vergebung zu erlangen; wohin wir uns auch wenden, wir sündigen, wozu also beten“. Andere sehen nur seine Dschemal-Eigenschaften und Ihn als den Liebenden, Vergebenden, Barmherzigen und Belohnenden und machen sich überhaupt keine Gedanken mehr über ihre Vergehen. Manche wollen gar dem Islam schaden, wenn sie behaupten, dass die Eigenschaften der Strafe und des Zorns den Eigenschaften wie Barmherzigkeit und Liebe vorgehen.
Dem Muslim obliegt es in dieser Hinsicht, seinen Schöpfer zu kennen und von Einstellungen, die seinem Glauben schaden, fernzubleiben. Fürwahr Allah teala ist sowohl der Strafende, als auch der Liebende. Als Muslime denken wir an seine
strafenden Eigenschaften und halten uns von Sünde und Vergehen fern, bitten um Vergebung für unsere schlechten Taten. An die Eigenschaften der Liebe denken wir und hoffen auf Seine Barmherzigkeit.
Gleich zu Anfang des Korans wird Allah teala barmherzig und allerbarmend genannt. Und in der dritten Sure, Ali Imran, heißt es in Vers vier: „Und Allah ist der Erhabene, der Herr der Vergeltung.” Insgesamt gibt weitaus mehr es Dschemal-Eigenschaften als Dschelal-Eigenschaften. Aus diesem Grund werden im Jenseits auch gute Taten mit dem Siebenhundertfachen, schlechte Taten aber nur mit dem Gleichen vergolten. „Vergeltung werde aber nur im gleichen Ausmaße geübt;“ (Sure Schura: 40) „die ihr Vermögen auf Allahs Weg ausgeben, gleichen einem Korn, das in sieben Ähren schießt, in jeder Ähre hundert Körner. Und Allah gibt doppelt, wem Er will, und Allah ist umfassend und wissend.” ( Sure Bakara: 261 )
Leider kommt es immer wieder vor, dass wir unsere Grenzen nicht erkennen und uns in Situationen wiederfinden, die unseren Glauben an Allah auf die Probe stellen. Manchmal setzen wir Mittler zwischen uns und Allah teala ein, sehen manche Menschen oder Instituionen als Ernährer an, manche Ängste treten vor unsere Ehrfurcht vor Allah teala. Wir könnten diese Aufzählung noch erweitern. Wenn wir bedenken, dass uns sowohl Satan, als auch unser Ego immer sehr nahe aber immer gegen uns gewandt sind, können wir immer wieder diesen Fehlern verfallen. Deswegen müssen wir wachsam sein, uns an dem Wissen des Korans und der Sunna klammern und uns gegen Gefahren für unseren Glauben wehren.
„Siehe, in der Schöpfung der Himmel und der Erde und in dem Wechsel der Nacht und des Tages und in den Schiffen, welche das Meer durcheilen mit dem, was den Menschen nützt, und in dem was Allah vom Himmel an Wasser niedersendet, womit er die Erde nach ihrem Tode belebt, und was Er an allerlei Getier auf ihr verbreitet, und in dem Wechsel der Winde und der Wolken, die dem Himmel und der Erde dienen- wahrlich, in all dem sind Zeichen für Leute von Verstand!” ( Sure Bakara: 164 )
M. Hulusi Ünye