16.05.2006 Nachrichten>Deutschland
Demografie-Experte warnt vor Verschleierung der Berliner Bevölkerungsentwicklung
Im Jahr 2026 soll jedes zweite Kind in Berlin
einen Migrationshintergrund haben
Eine
neue Expertise, die im Jahr 2005 im Auftrag der Bundesregierung angefertigt
wurde, hat die Prognose aufgestellt, dass in 20 Jahren jeder zweite Schüler
in Berlin einen Migrationshintergrund haben wird. Zurzeit stammt jeder vierte
Schüler in Berlin aus einer Einwanderer-Familie. Die Expertise beschäftigt
sich mit der Geburtenentwicklung bei Deutschen und Ausländern in Berlin
zwischen 1992 und 2002. Dabei wurde nicht nur auf die Staatsangehörigkeit
der Kinder geachtet, sondern auch auf die der Mütter und Väter.
Das Gutachten zeigt, dass die deutschen Mütter im Durchschnitt 1,1 Kinder, die ausländischen 1,7 und die türkischen Mütter 2,1 Kinder gebären. Die Türkinnen bekommen im Schnitt fünf bis sieben Jahre früher Kinder als die Deutschen. So waren 2002 ausländische Frauen im gebärfähigen Alter im Schnitt 35 Jahre alt, deutsche Frauen dagegen 42,5.
Zwischen 1992 und 2002 gab es bei den Ausländern einen Geburtenüberschuss von 48 000 Kindern. Bei den Deutschen ein Minus von 133 000 Kindern.
Gustav Lebhart, der Verfasser der Expertise, sagte: „Unter den gegebenen Bedingungen wird sicherlich in 20 Jahren die Hälfte der Schüler in Berlin aus einer Migrantenfamilie kommen.“ Die tatsächliche Migrationsentwicklung in Berlin werde verschleiert, indem die Statistiker nur die Staatsangehörigkeit der Kinder betrachteten, die bei der Geburt automatisch Deutsche würden, aber nicht die der Eltern.
Die Senatsverwaltung für Bildung achtet dagegen nicht mehr nur auf den Pass, sondern auch auf die Herkunftssprache und kann somit mehr Lehrer für die Sprachförderung zur Verfügung stellen.
Durch diese spezielle Statistik sei dem Bildungssenator bekannt, dass in diesem Jahr 34 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund hätten. Noch vor zehn Jahren hatte nur jedes fünfte Kind einen Migrationshintergrund.
Aus dieser Entwicklung könne man feststellen, dass Schüler mit einem Migrationshintergrund in 20 Jahren ein Anteil von 50 Prozent erreichen würden.
Die aktuelle Prognose der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zeigt dagegen, dass sich der Ausländeranteil von jetzt 13,6 Prozent auf nur 16,7 Prozent im Jahr 2020 erhöhen wird. Hier wurde nämlich nur die Staatsangehörigkeit betrachtet und nicht auch der Migrationshintergrund. Lebhart begründete: „Es würde Geld kosten, und man müsste viele verschiedene Integrationskonzepte anbieten, wenn man den tatsächlichen Migrantenanteil thematisieren würde.“ (hv)