23.05.2006 Nachrichten>Wissenschaft
Aufruf für eine differenziertere Mediendarstellung
Das Institut für Medienforschung startet
eine Unterschriftenaktion gegen diffamierende Medienberichterstattung
Das Institut für Medienverantwortung (IMV) in Erlangen startet eine Aufrufaktion, um einen „verantwortungsbewussteren Umgang mit Darstellungen“ aus bundes- und europaweiten Medien zu erreichen. Nicht selten käme beispielsweise der Islam in Verbindung mit Gewaltsymbolen in Verruf.
„Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner dieses Aufrufs fordern eine sorgfältigere Prüfung der Inhalte der jeweiligen medialen Verbreitung – ob Film, Karikatur, Bildmontage, Pressetext oder Schlagzeilen“, so das IMV. Statt kollektiv-diffamierenden Bildern Raum zu geben, fordert das IMV einen sensibleren Umgang mit Darstellungen, nicht nur in Bezug auf den Islam, sondern bezüglich aller rassistischen Verallgemeinerungen.
„Wer etwa antiislamische Darstellungen zulässt, nimmt implizit die Verbreitung antijüdischer Pamphlete in Kauf. Dieser aktuellen Entwicklung gilt es jetzt entschieden entgegenzuwirken“, erinnerte das IMV.
Mit deutlichem Appell gegen neorassistische Erwägungen „in Wort und Bild“ spricht sich das Institut klar wider jedwede Kulturkämpfe aus. Die Abwertung und Beleidigung anderer Ethnien und Religionen dürfe nicht zur Gewohnheit werden, da das Konstrukt des Feindbildes schon einmal beim Hitlerregime gezeigt hat, welche Wirkung es haben kann.
Das IMV weist darauf hin, von der Betrachtung von Einzelaspekten abzukommen und eine Minderheit nicht auf ganze Gruppen zu übertragen. Dies sei diffamierender Rassismus, „bei dem man sich zum Handlager von Extremisten/Maximalisten macht.“
Darüber hinaus rät das IMV vom Missbrauch von religiösen Symbolen ab. Die Mitwirkenden der Kampagne sollen in ihrem Wirkungskreis gegen verallgemeinernde Wahrnehmungen vorgehen und Aufklärungsarbeit dahingehend leisten, „ dass es weder ,die Amerikaner’ noch ,die Juden’ noch ,die Muslime’ noch ,die Schwarzen’ und auch nicht ,den Westen’ gibt.“
Gerade Medien könnten einer weiteren Polarisierung
entgegenwirken und durch differenzierte Darstellungen eine deeskalierende Funktion
einnehmen. „Alle öffentlichen Meinungsträger tragen eine besondere
Verantwortung und werden aufgefordert, ihre Aktivitäten zu überprüfen,
inwieweit sie zu einer Verständigung statt zu einer Eskalation beitragen.“
Gemeinsam, so das IMV, soll die Überzeugungskraft der skandalösen
Berichterstattung entzogen werden. (sb)