01.05.2006 |Nachrichten>Deutschland
Schulbücher verstärken Unterschiede von Migranten
Bayerische und hessische Schulbücher verstärkten die Unterschiede von Migranten anstatt die Integration zu fördern

Die Darstellung von Migranten in bayerischen und hessischen Schulbüchern verstärkt die Unterschiede anstatt die Integration zu fördern. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Bilder von Fremden“ der Universität Frankfurt am Main. Viele Schulbücher würden seit zwei Jahrzehnten die Migranten als Problemfälle darstellen. Migrantenkinder würden dadurch negativ beeinflusst, weil sie nicht als „ Schulnormalität“ akzeptiert würden, sagte der Erziehungswissenschaftler Thomas Höhne. Zudem werde Deutschland in den Büchern nicht als Einwanderungsland definiert. „Migranten wird durch die Form ihrer Darstellung die Integration buchstäblich verweigert, weil sie ständig als Fremde vorgeführt werden“, sagte Höhne. Dies sei vor allem in bayerischen Schulbüchern der Fall.

Höhne erklärte zudem, dass Deutsche und Migranten nicht nur in den Schulbüchern, sondern auch in den Massenmedien in „wir“ und „sie“, in „deutsch“ und „ausländisch“ kategorisiert würden.

Als Ausländer würden so gut wie nur Türken gemeint und nicht etwa Franzosen oder Japaner, hieß es. Dies sei aus dem Grund, weil die Presse in den 80er Jahren das „Ausländerproblem“ vor allem als „Türkenproblem“ definiert habe.

Weiterhin kamen Höhne und andere Erziehungswissenschaftler zu der Feststellung, dass in bayerischen und hessischen Sozialkundebüchern Migration und Flucht vorwiegend als sozialpolitisches Problem und als Belastung dargestellt würden. „Massenmediale Muster werden zum Teil ungebrochen in Schulbücher übernommen, und zwar durch Texte, Fotos, Statistiken und Karikaturen“, kritisierte Höhne.

Auch die gut gemeinte „Kulturalisierung und Folklorisierung“ von Migranten seit den 90er Jahren in den Schulbüchern sei problematisch.

Durch den folkloristisch-touristischen Blick auf die andere Kultur werde aufgefordert: „Befragt eure ausländischen Mitschüler“. Somit würden deutsche und ausländische Schüler in die Kategorien „Helfer“ und „Opfer“ eingeteilt. (hv)


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