28.05.2007 Nachrichten>Deutschland
Ralph Giordanos Entgleisung - Religionsfreiheit für Muslime soll vom Mehrheitswillen abhängig sein
Eine Großmoschee wäre „ein falsches Signal“, weil sie eine vermeintlich gelungene Integration der Muslime vorspiegeln würde

Der Schriftsteller Ralph Giordano sorgt mit seinen bisher rechtsradikalen Kreisen vorbehaltenen Äußerungen in Zusammenhang mit dem Moscheeprojekt der DITIB weiter für Diskussion. Giordano hatte vor einer Woche an den Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) und die Stadträte appelliert, die Baugenehmigung zurückzuziehen. Eine Großmoschee wäre „ein falsches Signal“, weil sie eine vermeintlich gelungene Integration der Muslime vorspiegeln würde. In Wirklichkeit sei „die Integration gescheitert“. Der Politik warf er vor, sie „ignoriere den Willen der Bevölkerung, die mehrheitlich gegen den Bau der Moschee ist“. Es sei erschreckend, dass sich viele Menschen nicht trauten, dies öffentlich zu äußern, „weil sie entweder Angst haben, in die rechtsextreme Ecke gestellt oder von Muslimen bedroht zu werden“. Er selbst habe bereits von Muslimen „telefonisch Morddrohungen erhalten“. Dies sei „eine höchst gefährliche Situation“, versuchte sich Giordano zu rechtfertigen.

Die Kölner SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün wies die Äußerungen Giordanos als unberechtigt und unüberlegt zurück. Dieser habe bei seinen Äußerungen nicht bedacht, dass er damit unbeabsichtigt Rechtsradikale zu anonymen Drohungen gegen Muslime ermuntert habe. Ein Sprecher des Zentrum‘s für Türkeistudien sagte, dass die Sorgen Giordanos zum Antisemitismus unter Muslimen zwar berechtigt seien. „Wenn er aber nun das Recht auf Religionsfreiheit vom Mehrheitswillen der deutschen Bevölkerung abhängig machen will und sich sogar Protest gegen dieses Recht wünscht, stellt er, offenbar aus Islamangst, seine eigenen und die Prinzipien des Rechtsstaats in Frage“.

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