Freitag 21. Mai 2010
Hutba – Adab: Gutes Benehmen

„Du solltest keine gute Tat gering schätzen, auch wenn es nur darin besteht, deinen Glaubensgeschwistern mit einem Lächeln zu begegnen.“ (Muslim, Birr, 144)
Verehrte Muslime,
gute und angemessene Verhaltensformen, die innerhalb einer Gesellschaft zur Regel geworden sind, also zum „guten Ton“ gehören, gehören zum „Adab“, dem guten Benehmen. Hierzu gehört auch die Erziehung des Individuums und dessen Charakters. Allgemein zählen auch die Verhaltensweisen, die von der der Sunna des Propheten umfasst werden zum guten Benehmen. In unserer heutigen Hutba möchten wir einige Beispiele dieses guten Benehmens besprechen.
Am Anfang des Adab kommt das Schamgefühl (Hayâ). Der Muslim ist jemand, der zurückhaltend und bescheiden ist. Diese Eigenschaft wurde von unserem Propheten, Muhammad (saw) oft zur Sprache gebracht und solche Menschen gelobt. So stieß der Gesandte Gottes eines Tages auf jemanden, der jemand anderem riet, nicht so zurückhaltend zu sein und sprach zu ihm: „Lass ihn wie er ist, denn Hayâ ist ein Teil des Îmân (Glaube)“(Buchârî, Îmân, 16) Ferner wird uns überliefert, dass unser Prophet gesagt hat: „Hayâ bringt nur Gutes.“ (Buchârî, Adab 77), „Hayâ umfasst nur Gutes.“(Muslim, Îmân, 61) und „Der Îmân hat siebzig (oder sechzig) Stufen. Die höchste Stufe ist es „Lâ ilâha illallâh“ zu sagen, die niedrigste ist, etwas vom Weg zu räumen, dass den Menschen Schaden zufügen könnte. Auch Hayâ ist eine Stufe des Îmân.“ (Buchârî, Îmân, 3)
Verehrte Geschwister,
es gehört auch zum guten Benehmen, dass ein Muslim stets versucht, einem anderen Muslim oder seinen Mitbürgern gegenüber mit einem lächelnden Gesicht zu begegnen. Unser Herr hat die Bedeutung dieses Verhaltens im Koran festgehalten, indem er dem Gesandten Gottes und somit allen Muslimen sagt: „Und dank der Barmherzigkeit Allahs warst du gütig zu ihnen. Wärst du aber grob und hartherzig gewesen, so wären sie von dir davongelaufen. Darum vergib ihnen und bete für sie um Verzeihung und ziehe sie in der Sache zu Rate, aber wenn du einmal entschlossen bist, dann vertraue auf Allah; siehe, Allah liebt die ihm Vertrauenden.“(Sure Âli Imrân, [3:159]) Und unser Prophet hat uns zum Guten aufgerufen, auch wenn unsere Tat keinen Wert zu besitzen scheint. Er sagte: „Schütz euch vor dem Feuer der Hölle, auch wenn ihr nur eine halbe Dattel gebt. Wer auch das nicht besitzt, soll sich schützen, indem er nur gutes spricht.“ (Buchârî, Adab, 34) So erfahren wir, dass auch gute Worte als Sadaka (Spende) gelten. Denn Muhammad (saw) sagte: „Du solltest keine gute Tat gering schätzen, auch wenn es nur darin besteht, deinen Glaubensgeschwistern mit einem Lächeln zu begegnen.“(Muslim, Birr, 144) Aus all dem folgern wir, dass im Islam jede gute Handlung und jedes gute Wort, mit der richtigen Absicht (Niyya), richtig ist und belohnt wird.
Verehrte Muslime,
ein anderes Beispiel für gutes Benehmen ist, sein Wort zu halten, komme was wolle. Im Koran heißt es: „Und haltet die Verträge. Siehe, für Verträge werdet ihr zur Rechenschaft gezogen.“ (Sure Isrâ, [17:34]) , oder an einer anderen Stelle „O ihr, die ihr glaubt! Haltet euere Verträge…“ (Sure Mâida, [5:1]) Laut den Hadithen unseres Propheten gehört es zu den Eigenschaften der sogenannten Heuchler (Munâfik), das Versprechen nicht einzuhalten: „Der Munafik hat drei Eigenschaften: Er lügt, wenn er spricht, hält sein Wort nicht, wenn er etwas verspricht und veruntreut das ihm Anvertraute.“(Buchârî, Îmân, 24) Deshalb sollte ein Muslim sein Versprechen auf jeden Fall halten; er sollte nichts versprechen, was er nicht einhalten kann. Ein Muslim sollte jemand sein, dem man ohne weiteres vertrauen kann.
Dies ist von solch einer Wichtigkeit, da es das Zusammenleben und die Vorbildfunktion betrifft. Auch wenn ein Muslim seine Ibadas (Gottesdienste) in bester Weise verrichtet, kann er kein Beispiel für gutes Benehmen sein, wenn er sich nicht an die Regeln des Adab hält. Dabei tragen wir Muslime eine besondere Verantwortung gegenüber unserer Gesellschaft. Möge uns Allah helfen dieser auch gerecht zu werden.
Freitag 14. Mai 2010
Hutba – Gerechtigkeit

„Siehe, Allah gebietet, Gerechtigkeit zu üben, Gutes zu tun und die Nahestehenden zu beschenken. Und er verbietet das Schändliche und Unrechte und Gewalttätige. Er ermahnt euch, euch dies zu Herzen zu nehmen.“ (Sure Nahl, [16:90])
Verehrte Muslime,
das Wort Gerechtigkeit (Adl) meint ein ausgewogenes Verhalten, jedem das zu geben, was ihm zusteht, sich von Ungerechtigkeiten fernzuhalten und in allen Lebenssituationen einen Mittelweg zu suchen. Das Gegenteil von Gerechtigkeit wird im islamischen Sprachgebrauch mit „Zulm“ widergegeben, was soviel bedeutet wie Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Gewissenlosigkeit. Gemäß dem Gerechtigkeitsverständnis des Islams dürfen Menschen nicht ungleich behandelt werden, weil sie sich etwa hinsichtlich ihrer Kultur, Bildung und der sozialen Stellung unterscheiden. Gerecht zu sein, ist eines der grundlegendsten Gebote des Korans. Deshalb wird am Ende jeder Hutba zur Gerechtigkeit ermahnt, indem folgender Vers rezitiert wird: „Siehe, Allah gebietet, Gerechtigkeit zu üben, Gutes zu tun und die Nahestehenden zu beschenken. Und er verbietet das Schändliche und Unrechte und Gewalttätige. Er ermahnt euch, euch dies zu Herzen zu nehmen.“(Sure Nahl, [16:90])
Verehrte Geschwister,
im Islam spielt es keine Rolle, ob man jemanden mag oder nicht, mit ihm verwandt oder befreundet ist oder nicht, reich, arm, einflussreich oder ohne eine Stimme ist; die Aufforderung zur Gerechtigkeit gilt für alle und muss jedem Menschen gegenüber erfüllt werden. Die Verse des Korans zeigen uns den Weg der Gerechtigkeit mit deutlicher Sprache: „O ihr, die ihr glaubt! Tretet für die Gerechtigkeit ein, wenn ihr vor Gott Zeugnis ablegt, und sei es gegen euch selber oder euere Eltern und Verwandten. Handele es sich um arm oder reich, Allah steht euch näher als beide. Und überlasst euch nicht der Leidenschaft, damit ihr nicht vom Recht abweicht. Wenn ihr (das Recht) verdreht oder euch (von ihm) abkehrt, siehe, Allah weiß, was ihr tut.“ (Sure Nisâ, [4:135]) „O ihr, die ihr glaubt! Steht in Gerechtigkeit fest, wenn ihr vor Allah bezeugt. Der Hass gegen (bestimmte) Leute verführe euch nicht zu Ungerechtigkeit. Seid gerecht, das entspricht mehr der Gottesfurcht. Und fürchtet Allah. Siehe, Allah kennt euer Tun.“(Sure Mâida, [5:8])
Verehrte Muslime,
egal ob für Freund oder Feind, es muss alles getan werden, um der Gerechtigkeit zu genügen. Denn der Muslim tut dies nur, um die Zufriedenheit Gottes zu erreichen, und nicht, um anderen Menschen zu gefallen. Das Gebot der Gerechtigkeit im Islam ist absolut und universell. Doch es müssen in erster Linie die Muslime sein, die sich vom Koran angesprochen fühlen. Wir sind in der Verantwortung, unser Leben dem Prinzip der Gerechtigkeit entsprechend zu führen. Nur so können wir von anderen dasselbe erwarten und ein gutes Beispiel sein. Die Geschichte zeigt uns, dass dies möglich ist. Denn an zahlreichen Beispielen kann aufgezeigt werden, dass in Zeiten, in denen Gerechtigkeit herrschte, die Menschen ein Leben in ihrer Verantwortung vor Gott führen konnten.
Verehrte Geschwister,
unser Prophet, Muhammad (saw), hat stets gerecht gehandelt und seine Gefährten dazu aufgerufen. In zahlreichen Hadithen wird berichtet, dass er jene lobte, die sich gerecht verhielten. Der Gesandte Gottes sagte: „Diejenigen, die gerecht herrschen und zu denen, für die sie die Verantwortung tragen, gerecht sind, werden bei Allah auf einem Podest aus Licht stehen.“ (Muslim, Imâra, 18)„Gerechte Staatsmänner und Beamte werden am der Tag der Abrechnung die Führer derer sein, die Allahs Gnade und Schutz genießen.“ (Buchârî, Adab, 36)
Deshalb, verehrte Muslime,
sind wir angehalten uns gegenüber unserer Familie, unseren Verwandten, Freunden und Bekannten gerecht zu verhalten, auch wenn es nicht zu unserem Vorteil ist. Möge uns Gott dabei helfen und uns leiten.
Freitag 07. Mai 2010
Hutba – Gutes tun und anderen dabei helfen

„Diese glauben an Allah und an den Jüngsten Tag und gebieten das Rechte und verbieten das Unrechte und wetteifern in guten Werken; und sie gehören zu den Rechtschaffenen.“ (Sure Âli Imrân, [3:114])
Verehrte Muslime,
eine der grundlegenden Eigenschaften des Muslims ist sein ständiges Bemühen, nur Gutes zu tun und anderen dabei zu helfen. Im islamisch-arabischen Sprachgebrauch verwenden wir für das Gute im Allgemeinen das Wort „Chayr“. Chayr ist alles, was schön und gut ist und deshalb von allen angestrebt wird. Das Gegenteil von Chayr ist „Schar“, das Schlechte. Jene, die nur Gutes zu tun versuchen, gehören zu den „Ahl al-Chayr“, also zu der „Gemeinschaft des Guten“. Zu dem Guten zählen vor allem Gerechtigkeit, Solidarität, Großzügigkeit und Aufrichtigkeit. Dementsprechend belohnt Allah alle, die gerecht, hilfsbereit, großzügig und aufrichtig sind.
Verehrte Geschwister,
über diese Menschen heißt es im Koran wie folgt: „Diese glauben an Allah und an den Jüngsten Tag und gebieten das Rechte und verbieten das Unrechte und wetteifern in guten Werken; und sie gehören zu den Rechtschaffenen.“ (Sure Âli Imrân Suresi, [3:114]) Ein anderer Vers lautet: „Diese eilen um die Wette nach dem Guten und suchen einander darin zuvorzukommen.“ (Sure Mu’minûn, [23:61]) Nichts von den guten Taten wird ohne Gegenleistung bleiben. Das verspricht uns unser Herr in folgendem Vers: „Die ihr Vermögen auf Allahs Weg ausgeben, gleichen einem Korn, das in sieben Ähren schießt, in jeder Ähre hundert Körner. Und Allah gibt doppelt, wem er will, und Allah ist umfassend und wissend. Die ihr Vermögen auf Allahs Weg ausgeben und, nachdem sie gespendet haben, ihr Verdienst nicht herausstellen und keine Gefühle verletzen, die finden ihren Lohn bei ihrem Herrn. Keine Furcht wird über sie kommen, und sie werden nicht traurig sein.“ (Sure Bakara, [2:261][2:262])
Verehrte Muslime,
unser Prophet lobte jene, die sich um das Gute bemühen, und sprach Duâ (Bittgebete) für sie, bei jeder Gelegenheit. Zahlreiche Gefährten des Gesandten Gottes wurden aufgrund ihres Verhaltens persönlich vom Propheten gelobt. Einer von ihnen war Abdurrahmân bin Awf (ra). Als der Gesandte Gottes die Muslime zum Spenden aufrief und jeder nach Kräften dem Wunsch des Propheten folgte, brachte Abdurrahmân bin Awf (ra) viertausend Dinar. Er sagte: „O Gesandter Gottes, viertausend Dinar habe ich meiner Familie hinterlassen und viertausend habe ich auf dem Weg Gottes gegeben.“Daraufhin antwortete Muhammad (saw): „Möge Allah sowohl das, was du deiner Familie hinterlassen hast als auch das, was du gegeben hast, um sein Wohlgefallen erlangen, reichlich segnen.“ (Al-Dschami’ Li-Ahkâmi’l Kur’ân, Bd. 3, S. 197)
Verehrte Geschwister,
gerade in unserer Zeit, in der es immer weniger Menschen zu geben scheint, die Gutes tun und anderen dabei helfen, ist es erforderlich, sich dafür einzusetzen. Auch wenn es nur wenig und unbedeutend zu sein scheint, sollten wir unsere Bemühungen fortführen. Denn keine gute Tat ist geringzuschätzen. Genauso sollten wir aber auch keine unserer Taten überbewerten oder uns damit rühmen. Denn eines Tages werden wir zu unserem Schöpfer zurückkehren. So heißt es im folgenden Vers: „Und jeder hat eine Richtung, nach der er sich kehrt. Wetteifert daher miteinander in guten Werken. Wo immer ihr seid, Allah wird euch allesamt zu ihm zurückbringen. Siehe, Allah hat Macht über alle Dinge.“(Sure Bakara, [2:148])
Freitag 30. April 2010
Hutba – Wissen und Bildung, ein Teil der Religion

„...Aber nur die Wissenden unter seinen Dienern fürchten Allah. Allah ist fürwahr mächtig, verzeihend.“ (Sure Fâtir, [35:28])
Verehrte Muslime,
die Suche nach Religion liegt in der Natur (Fitra) des Menschen. So oder so versucht jeder Mensch, diesem Bedürfnis nach Glauben nachzukommen. Um dem Menschen bei seiner Suche nicht allein zu lassen, hat Allah Propheten gesandt und Bücher offenbart. Auf diesem Wege hilft uns Gott, zu erkennen, dass nur er es ist, der es wert ist, angebetet zu werden. Der Islam ist eine Religion, die großen Wert auf Wissen (Ilm) legt. Das bedeutet: Der Islam kann nicht ohne Wissen gelebt werden. Der Mensch, der in besitz von Wissen und Weisheit (Hikma) ist, kann sogar einen höheren Rang erlangen als die Engel. So war es auch das Wissen, das den Propheten Âdam (as) von den Engeln unterschied und weshalb Gott ihnen befahl, sich vor ihm zu verbeugen.
Verehrte Geschwister,
sich zu einer Religion zugehörig zu fühlen, ist eine Sache. Dieses Zugehörigkeitsgefühl auch mit Wissen zu untermauern und als religiöser Mensch zu leben, ist die andere. So ging folgender Duâ (Bittgebet) des Gesandten Gottes in den Koran ein: „...O mein Herr! Mehre mein Wissen!“ (Sure Tâhâ, [20:114]) In einem anderen Vers heißt es: „...Allah wird diejenigen von euch, die glauben und denen Wissen gegeben wurde, um Rangstufen erhöhen...“ (Sure Mudschâdala, [58:11]) Was das Wissen für den Glauben bedeutet, darauf wird in der Sure Fâtir hingewiesen: „...Aber nur die Wissenden unter seinen Dienern fürchten Allah. Allah ist fürwahr mächtig, verzeihend.“ (Sure Fâtir, [35:28])
Verehrte Muslime,
allein sich die Mehrung seines Wissens zu bemühen, unabhängig von dem Resultat, ist eine lobenswerte Handlung. So heißt es in einem Hadith: „Die Welt und alles, was auf ihr ist, hat keinen Wert. Nur Gottes zu gedenken und die Beschäftigung mit Dingen, die ihm näher bringen, der Wissen Lehrende und Lernende, ist hiervon ausgenommen.“ (Riyâzu’s Sâlihîn) In einer anderen Überlieferung spricht Muhammad (saw) über die Bemühung Wissen zu erlangen: „Wer sich auf den Weg macht, um Wissen zu erwerben, dem erleichtert Allah den Weg zum Paradies. Weil sie mit demjenigen zufrieden sind, breiten die Engel ihre Flügel über ihm aus. Jene, die sich in den Himmeln und auf Erden befinden, sogar die Fische im Wasser, bitten um Vergebung für ihn. “ (Riyâzu’s Sâlihîn)
Verehrte Geschwister,
vieles auf dieser Welt kann man ersetzen. Doch den Platz des Wissens, das den Menschen Glückseligkeit im Jenseits bescheren wird, kann durch nichts erstetzt werden. Unser Ziel sollte es deshalb sein, Menschen zu sein, die Wissen besitzen und ihrer Religion verbunden sind. Dies ist möglich, wenn wir einen starken Glauben haben, die Ibâdas (Gottesdienste) nicht vernachlässigen und uns gemäß dem Vordild des Propheten verhalten. Wenn die Muslime heute unzufrieden sind mit ihrer Situation, sie keine Perspektiven haben und kein Bewusstsein dafür entwickelt haben, was es heißt, als Muslim zu leben, dann deshalb, weil sie sich von den Quellen – dem Koran und der Sunna – entfernt haben. Deshalb ist es notwendig, zu lernen, sich zu bilden, zu entwickeln und sich Wissen anzueignen. Nur so kann aus uns eine Gemeinschaft von Menschen werden, die sich ihres Muslimseins bewusst sind.