07.11.2005 | Nachrichten>Deutschland
Berliner Schulsenator will Ethik als Pflichtfach
Kritiker finden Rahmenplanentwurf des
Berliner Schulsenators für den Ethikunterricht zu monokulturell
Der Berliner Schulsenator Klaus Böger (SPD) will, dass der Ethikunterricht
an Berliner Schulen ab dem nächsten Schuljahr ab der siebten Klasse zum
Pflichtfach wird. Kritiker behaupten aber, dass der Rahmenplanentwurf des Schulsenators
für den Ethikunterricht nicht geeignet für die Berliner Schulen sei.
Der Lehrplan gebe wenig Platz für Religion und sei zu monokulturell. Deshalb
hätten sie das „Forum gemeinsames Wertefach für Berlin“
gegründet.
„Wir sind davon ausgegangen, dass eine solche Veränderung in den
Berliner Schulen die ganze Stadt bewegt. Deshalb wollen wir mit Öffentlichkeit
reagieren und möglichst viele Menschen, Experten und Gremien in die Diskussion
um das neue Fach einbeziehen“, sagte Siglinde Schaub (PDS).
Dem Forum gehören Bildungspolitiker von PDS, SPD und den Grünen sowie Experten der Gewerkschaften, des Fachverbandes LER und der Humanistischen Union an.
Sie fordern ein mehr auf die kulturell und religiös gemischten Berliner Verhältnisse gerichtetes Ethikfach. Die Schüler sollen in Ethik andere Lebensorientierungen, Religionen und Weltanschauungen verstehen und respektieren lernen, hieß es.
Die Vertreter der Kirchen dagegen lehnen ein solches Pflichtfach ab. Die Kirchen wollen, wie auch die CDU und FDP, aus dem bisher freiwilligen Religionsunterricht ein Wahlpflichtfach machen, wo die Schüler dann zwischen Ethik und Religionsunterricht entscheiden dürften.
Vor fünf Jahren wurde der Islamischen Föderation Berlin das Recht zugesprochen, an Berliner Schulen islamischen Religionsunterricht zu erteilen. Der islamische Religionsunterricht wird nur an Grundschulen unterrichtet, wo derzeit 3.600 Schüler daran teilnehmen.
Mittlerweile erteilen auch Aleviten und Buddhisten an einigen Berliner Schulen Religionsunterricht. Der freiwillige Unterricht der christlichen Kirchen werde von 114.000 Schülern besucht.
Der Werteunterricht richtet sich vor allem gegen den von den Religionsgemeinschaften selbst erteilten Religionsunterricht.
Gegner des Religionsunterrichts wollen diesen mit einem konfessions-
und weltanschauungsübergreifenden Werteunterricht ersetzen. (hv)