03.11.2005 | Nachrichten>Deutschland
Chancenungleichheit zwischen reichen und armen Schülern
Pisa-Test: „Kinder aus der Oberschicht
haben viel höhere Chancen ein Gymnasium zu besuchen, wie Kindern ärmerer
Familien“
Ein
zweiter Pisa-Bundesländer-Vergleich hat gezeigt, dass bei Kindern reicher
Eltern, selbst bei gleicher Intelligenz und Wissensstand, eine viermal so große
Wahrscheinlichkeit besteht, ein Gymnasium zu besuchen, wie bei Kindern ärmerer
Familien.
Außerdem wurde beobachtet, dass die Chancenungleichheit
immer größer wird. In Fächern wie Mathematik oder Naturwissenschaften
sind die Kinder reicherer Eltern, wie zum Beispiel Akademikern und Führungskräften,
inzwischen Gleichaltrigen aus Arbeiterfamilien im Bundesdurchschnitt
über 100-Pisa-Punkte voraus, was einem Lernfortschritt von mehr als zwei
Schuljahren entspricht.
Schon beim ersten Pisa-Test kam man zu dem Ergebnis, dass das deutsche Schulsystem
bei der Förderung von Arbeiter- und Migrantenkindern so sehr versagt hatte,
wie in keinem anderen Industriestaat. Ganz schlimm treffe es die Schüler
in Bayern, so die Studie.
Kinder aus der Oberschicht haben dort eine 6,65mal größere Chance, das Gymnasium zu besuchen und die Reifeprüfung abzulegen, wie Schüler aus einem Facharbeiterhaushalt. Die Testergebnisse sollen offiziell am 3. November auf einer Fachtagung der Kultusminister in Berlin vorgestellt werden.
Die Pisa-Studie untersucht nicht allein das Wissen der Schüler, sondern auch wie sie es in lebensnahen Aufgaben anwenden. Dabei werden neben Leistungen auch familiäre, soziale und schulische Hintergründe der Schüler sowie die Motivation, Lernmethoden und Unterstützung durch die Lehrer berücksichtigt.
Nach den Ergebnissen belegt Bayern nach wie vor beim bundesweiten
Leistungsranking in den Testdisziplinen Mathematik,
Naturwissenschaften und Textverständnis/Lesen den ersten Platz. Bayern
folgen Sachsen und Baden-Württemberg. (hv)