12.11.2005 | Nachrichten>Deutschland
Pisa-Studie entfacht Diskussionen über „sozialen Status“
Die Ergebnisse der Pisa-Studie haben gezeigt, dass in keinem anderen Industriestaat die Leistungen der Schüler so sehr vom sozialen Status abhängig sind, wie in Deutschland

Die Ergebnisse der zweiten deutschlandweiten Pisa-Studie haben gezeigt, dass die Leistungen der Schüler von ihrem sozialen Status sehr stark beeinflusst werden und führten deshalb zu heftigen Diskussionen.

Der Abgeordnete des Europa-Parlaments, Cem Özdemir (Die Grünen) kritisierte die Chancenungleichheit der Schüler und bezeichnete sie als eine Menschenrechtsverletzung, von der auch zahlreiche Schüler von Einwandererfamilien betroffen seien. Schüler, die nicht von ihren Eltern materiell unterstützt werden können, sollten daher aus demographischen und moralischen Gründen von der Gesellschaft und vom Bildungssystem unterstützt werden. Dabei spiele es überhaupt keine Rolle, aus welcher sozialen Schicht oder ethnischen Gruppe ein Schüler komme, so Özdemir.

Özdemir beklagte sich auch darüber, dass dieses Problem seit Jahren vernachlässigt wurde und forderte qualifizierte Lehrer. Außerdem sollen Ganztagsschulen eingeführt werden und Kinder schon in frühem Alter in Kindergärten gehen.

Die ehemalige Vorsitzende der Bündnis90/Die Grünen, Claudia Roth, wies nochmals darauf hin, dass in Deutschland der soziale Status die Leistungen der Schüler mehr beeinflusse, als in allen anderen Industrieländern. Roth sagte, dass Bildung eine der wichtigsten Themen für die Zukunft von Deutschland sei und daher talentierte Schüler unbedingt gefördert werden müssten.

Zudem erklärte sie, wie wichtig Kindergärten seien und forderte für sie ein Bildungssystem nach skandinavischem Modell.

Katherina Reiche, Vorsitzende der Arbeitsgruppe Bildung und Forschung der CDU/CSU Bundestagsfraktion und auch Sprecherin der Fraktion für Bildung und Forschung, sagte, dass als Gegenmaßnahme auf die schlechten Ergebnisse der Pisa-Studie der Bildungsstandart gehoben und Bildung vom sozialen Status unabhängig gemacht werden müsse.

Die Pisa-Studie habe gezeigt, dass viele talentierte Schüler aus verschiedenen Gründen die Schule nicht weiter besuchen könnten. Darüber hinaus könnten in Bremen 30 Prozent, in Nordrhein-Westfalen 25 Prozent und in Brandenburg 15 Prozent der Schüler im Alter von 15 Jahren nicht auf die Schule gehen, so Reiche. Die, die eine Chancengleichheit in der Bildung wollen, sollten gerade diese Gruppen unterstützen, sagte Reiche. Darüber hinaus forderte sie eine Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern bei den Kindergärten.

Die Bundesregierung erklärte, dass in Zukunft Schülern aus Einwandererfamilien sprachliche Förderung geboten werde.

Bundesministerin für Bildung und Forschung, Ed elgard Bulmahn, sagte, dass Kinder aus der Oberschicht eine sechs Mal so große Chance auf eine bessere Zukunft hätten, als Schüler aus ärmeren Familien und forderte, dass diese Ungleichheit abgeschafft werden müsse. Bulmahn sagte weiterhin, dass nur wenn die Probleme im Bildungssystem abgeschafft werden, soziale Gerechtigkeit geschafft werden könne und nur dann die Bedürfnisse der Wirtschaft nach qualifizierten Mitarbeitern gedeckt werden könne. Es sei noch ein langer Weg dazu, bis die Anstrengungen für eine Chancengleichheit in Bildung ihre Erfolge zeigen werden, sagte Bulmahn und forderte ebenfalls eine Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern.

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