Samstag 29. November 2008
Niederlande plant Ausweitung des Burka-Verbots

Nachdem im September der Gesetzentwurf, der das Tragen von Burka und Gesichtsschleier an niederländischen Schulen verbietet, verabschiedet wurde, plant die Regierung der Niederlande, die Gesichtsverschleierung auch an Universitäten zu verbieten.
Der Bildungsminister, Ronald Plasterk, teilte mit, dass sich das Verbot auch auf die Universitäten erstrecken werde.
Dem Regierungssprecher, Freek Manche, zufolge soll das Verbot für Studenten, Eltern, Lehrende sowie Reinigungskräfte gelten. Auf dem Universitätsgelände müsse jeder in der Lage sein, das Gesicht von seinem Gesprächspartner sehen zu können. Margot Kraneveldt von der niederländischen Partei PvdA sagte diesbezüglich: „Es ist wichtig, dass Menschen sich offen gegenübertreten und Gesprächspartner sich in die Augen sehen können- das gilt auch für die Hochschulen.”
Dem Regierungssprecher Manche zufolge soll sich Bildungsminister Ronald Plasterk zunächst gegen die Ausweitung des Verbots ausgesprochen haben, aber dem Druck der Juristen nachgeben müssen.
Bislang war es den Hochschulen freigestellt, derartige Entscheidungen zu treffen.
Der Gesundheitsminister, Ab Klink, plädiert für die Ausweitung des Verbots auf den gesamten Gesundheitsbereich. Eine Untersuchung im letzten Jahr hatte ergeben, dass unter 1 000 000 Muslimen nur 100 regelmäßig eine Burka oder Gesichtsschleier tragen. Von den muslimischen Schülerinnen sollen nur einige wenige eine Burka tragen. Auch Frankreich, Italien und Großbritannien diskutieren das Verbot der Burka. Für den Großteil der Politiker dieser Länder ist die Burka ein Symbol für Isolation und Abkapselung von der Gesellschaft. (fy)
Samstag 29. November 2008
Israelischer Polizist greift palästinensische Frau an

Die israelische Menschenrechtsorganisation B`Tselem hat Bilder von einem israelischen Polizisten veröffentlicht, der einer palästinensische Frau während eines Boykotts einen heftigen Kopfstoß versetzt. Die Polizei ermittelt derzeit gegen den Beamten.
Laut Angaben von B`Tselem hat sich der Vorfall am 5. November ereignet. Ein Mitarbeiter der Menschenrechtsorganisation nahm per Videokamera die Gewaltanwendung eines israelischen Polizisten auf. In den Videoaufzeichnungen ist zu sehen, wie der Beamte einer palästinensischen Frau einen brutalen Kopfstoß versetzt. Dieses geschah bei einem Hausabriss in einem hauptsächlich von Palästinensern bewohnten Viertel in Jerusalem, in Silwan. Dutzende Palästinenser boykottierten den Abriss.
Die Videoaufnahme sei dem israelischen Polizeipräsidium gesendet worden. Die Polizei ermittle nun den Fall. B`Tselem fordert die umgehende Sanktionierung des straftätigen Polizisten mit der Höchststrafe und unterstrich, dass ein Vorfall dieser Art auf keinen Fall geduldet werden könne.
Im Stadtteil von Ostjerusalem, El-Bustan, lässt Israel seit 2005 systematisch Häuser abreißen. In dem Stadtteil befinden sich etwa 90 Häuser, die abgerissen werden sollen. Diese sind vorwiegend in den Jahren zwischen 1980 und 1990 mit besonderer Baugenehmigung gebaut worden. Nach einem Baubeschluss für einen archäologischen Park setzt Israel diesen Hausbewohnern seit 2005 Strafen auf, da sie ihre Häuser ohne jegliche Baugenehmigung errichtet hätten. Bislang seien bereits vier der Häuser abgerissen worden. Doch durch Anklagen der Bewohner bei der Staatsanwaltschaft und dem internationalen Druck, dem Israel ausgesetzt ist, sei die Zerstörung bis auf Weiteres gestoppt.
Vergangenen Juli konnte außerdem eine junge palästinensische Frau, die von der B`Tselem mit einer Videokamera ausgestattet wurde, einen weiteren Vorfall filmen, bei dem zwei israelische Soldaten in nächster Nähe auf einen jungen Palästinenser schossen, dessen Hände und Augen verbunden waren. Der Vorfall hatte in Israel und innerhalb der israelischen Armee für großen Aufruhr gesorgt, und führte dazu, dass die straftätigen Soldaten inhaftiert wurden. (ab)
Freitag 21. November 2008
Europäische Parlamentarier erleben das Menschheitsdrama im Gazastreifen

Die Friedensbewegung „Free Gaza“ mit Hauptsitz in USA durchbrach die Blockade Israels von der Seeseite und brachte 13 Parlamentarier, europäische Gesetzesmacher und einen israelischen Journalisten in den Gazastreifen, um ihnen die Gelegenheit zu geben, sich von den Zuständen vor Ort ein eigenes Bild zu machen.
Die europäischen Abgeordneten, die mit dem Boot „Dignity“ im Hafen von Gaza ans Land gingen, kritisierten das tatenlose Zusehen des Westens angesichts der israelischen Blockade.
Die ehemalige Entwicklungsministerin und EU-Parlamentarierin, Clare Short, sagte: „Es ist empörend, dass sich unsere Regierungen nicht für die Einhaltung der internationalen Gesetze einsetzen und Israel zu einem Ende der Blockade bewegen. Die EU schließt die Augen vor den Geschehnissen im Gazastreifen. Die internationale Öffentlichkeit setzt sich nicht für die Einhaltung der internationalen Gesetze ein.“ Lord Nazir Ahmet hingegen äußerte: „Der Besuch des Gazastreifens von europäischen Parlamentariern, die die Aufmerksamkeit auf die Kollektivstrafe Israels zu lenken beabsichtigen, ist ein historischer Moment.“
Trotz der Drohungen Israels, durchbrach die Friedensbewegung zum dritten Mal innerhalb von drei Monaten die Blockade. Europäische Parlamentarier suchten im Gazastreifen Krankenhäuser auf, um Medikamente und medizinische Geräte auszuhändigen. „Wir sind mit diesem Boot gekommen, es können noch weitere folgen.“ sagte Short und fügte hinzu: „Wir sind hergekommen, um die Lebensbedingungen dieser Menschen mit eigenen Augen zu sehen, die Blockade zu durchbrechen und um die Erfolglosigkeit der Regierungen darzulegen, die sich nicht an die Genfer Konventionen halten. Das einzige was wir tun können, ist unsere Unterstützung zu zeigen und in unseren Parlamenten davon zu berichten. Denn nichts tun, ist ein Verrat an diesen Menschen.“
Selbst die grundlegendsten Menschenrechte würden im abgeriegelten Gazastreifen missachtet werden, teilte Lord Ahmet mit und setze hinzu: „Selbst in den Gefängnissen haben die Menschen einen Anspruch auf Nahrung, medizinische Versorgung und Bewahrung der Menschenwürde. Den Menschen im Gazastreifen werden diese Rechte verweigert.“ Zuvor waren die europäischen ParlamentarierInnen Luisa Morgantini, Vincenzo Aita und Allessandro Battilocchio aus Italien, John Bowis, Chris Davies, Jill Evans und Alyn Smith aus Großbritannien, Hulyne Flautre aus Frankreich, Gyula Hegyi aus Ungarn, Miguel Portas aus Portugal, Karin Resetaris aus Österreich und der Abgeordnete der Linkspartei, Norman Paech, zum Gazastreifen gereist, um die dortigen Zustände aus erster Hand zu erfahren und hatten anschließend in einer Pressekonferenz das Ende der Blockade gefordert.
Israel blockiert Hilfe
Seit der Machtübernahme der Hamas hält Israel die Grenzübergänge des Gazastreifens verriegelt. Seit Januar ist die Lebensmittel- und Treibstofflieferung ebenfalls eingestellt. Zuletzt wurde von einem Einfuhrverbot für einen Lebensmitteltransport berichtet. UN- Sprecher, Chris Gunness, teilte mit, dass sie unter diesen Umständen die Hilfspakete für 750 000 Menschen im Gazastreifen nicht zuliefern könnten. Israel hält die Grenzübergänge aufgrund der Angriffe aus palästinensischer Seite seit neun Tagen verriegelt. (fy)
Montag 17. November 2008
Nach den US-Wahlen: Hohe Erwartungen an Obama
Am
4. September wurde Barack Obama mit 52 % der Stimmen zum 44. Präsidenten
der USA gewählt. Die als historisch betrachteten Wahlen weisen drei Besonderheiten
auf. Anders als in den Wahlen zuvor, war diesmal eine hohe Wahlbeteiligung zu
verzeichnen. Es beteiligten sich 60 % der wahlberechtigten Amerikaner an der
Wahl.
Eine weitere Besonderheit ist die Tatsache, dass die US-Präsidentschaftswahlen zu einer globalen Angelegenheit wurden. Überall auf der Welt verfolgten die Menschen den Wahlkampf und fieberten mit. Erstmals seit der Amtszeit Kennedys gratulierten die Menschen dem Wahlsieger, freuten sich und schöpften Hoffnung aus seinem Wahlsieg. Zudem weist die Ernennung eines Afroamerikaners zum Präsidenten, angesichts der Tatsache, dass noch vor 40 Jahren Afroamerikaner diskriminiert wurden, auf einen Wandel hin. Ferner dient die Wahl Obamas zum Präsidenten als Exempel für andere Länder mit hoher Migrationsquote, da nun die Bekleidung hoher Ämter für Menschen mit Migrationshintergrund greifbarer ist.
In den USA wird der Mann, in den die Menschen große Erwartungen setzen, am 20. Januar ins Weiße Haus einziehen. Nun werden sich alle Augen auf die Taten und die Herangehensweise des Mannes richten, der es in kurzer Zeit schaffte, Amerika für sich zu gewinnen, und die Menschen werden mitverfolgen, inwieweit er den Erwartungen gerecht wird. Es wird mit Neugier erwartet, wie er als Afroamerikaner mit muslimischen Wurzeln an die zwei größten Herausforderungen Islam und Afrika herangehen wird und welche Politik er hierbei verfolgen wird. Zum einen erwarten die Menschen die Vermeidung der Fehler Bushs, zum anderen erwarten sie langwährende Lösungen von ihm. Seine weltweite Popularität gilt als seine größte Chance, denn die Unterstützung der Menschen ist ihm sicher. Doch diese Popularität ist verbunden mit einer ungeheuren Erwartungshaltung und kann sich daher als ein Handicap erweisen. Nämlich dann, wenn er den Erwartungen der Menschen nicht gerecht wird. Obama muss sich nun beweisen und zudem das beschädigte Ansehen von den USA verbessern. Das wird zwar kein leichtes Unterfangen werden, aber wenn Obama sich in einigen Punkten bewiesen hat, wird dies andere Erfolge nach sich ziehen.
Es gibt drängende Probleme, die Obama bevorstehen und drei Akteure der Weltpolitik, mit denen er die Beziehungen neu gestalten muss. Für die Bewältigung des Irak-Problems stellt der Iran eine Schlüsselfigur dar. Im Falle des Russland-Problems ist Europa diese Schlüsselfigur und die Lösung des Afghanistan-Konflikts erfordert die Einbeziehung der Taliban. Entweder wird sich Obama mit den genannten Akteuren an den Tisch setzen oder er wird die Probleme ebenso wie die Bushregierung über die Köpfe der Beteiligten hinweg zu lösen versuchen, aber daran scheitern. Langfristig gesehen, wird Obamas Erfolg oder Misserfolg an seinen Beziehungen zu den betroffenen Parteien und aus der daraus resultierenden Weltpolitik deutlich werden.
Dienstag 11. November 2008
Hollywood dreht Film über das Leben Muhammads

Hollywood plant einen neuen Film über das Leben des Propheten Muhammad und die Anfänge des Islams. Im Film sollen die für alle Muslime relevanten islamischen Werte Mitgefühl und Toleranz hervorgehoben werden.
Gegenstand des Filmes sollen die Anfänge des Islams und das Leben des Propheten werden. Daher wird erwartet, dass der Film an Originalschauplätzen in Saudi Arabien, in den Städten Mekka und Medina gedreht wird.
Zoghbi, der bereits an dem Film „Die Botschaft“ aus dem Jahre 1976 mitwirkte, und nun auch an dem zweiten Film über die Anfänge der Islams mitarbeiten wird, sagte, dass er sich über die Sensibilität und der Herausforderung, die mit diesem Vorhaben verbunden sind, bewusst wäre. Zugleich versicherte er, dass Muhammad (saw) im Film nicht körperlich dargestellt wird.
Im Islam ist die bildliche Darstellung der Propheten untersagt. Die Spekulationen bezüglich des Films „Die Botschaft”, darüber ob Anthony Quinn den Propheten darstellen wird, hatte weltweit für Kritik gesorgt. Entgegen der Befürchtungen wurde Muhammad jedoch nicht körperlich dargestellt, sondern es war lediglich seine Stimme zu hören. Die Anwesenheit des Propheten wurde mit leiser Hintergrundmusik angekündigt und Geschehnisse aus der Perspektive des Propheten näher gebracht.
„Es gibt einen Bedarf danach”
Es wird der zweite Film über die Geburt des Islams, der im Westen in englischer Sprache gedreht wird. Der Hollywood-Regisseur, Ramsey Thomas, der das Drehbuch schreiben wird, betonte indessen: „Es gibt einen Bedarf nach einem Film, der den Zuschauer emotional in die Geschehnisse einspannt und auf die Reise mitnimmt, die zur Geburt des Islams führt." Der Film soll in andere Sprachen, insbesondere ins Arabische übersetzt werden.
Der Produzent des neuen Films, Hajja Subhia Abu Elheja, machte darauf aufmerksam, dass bisher nur ein Film über die Geburt des Islams, einer Religion, die 1,5 Milliarden Anhänger hat, gedreht wurde, während über das Christentum mehr als dreißig Filme existieren.
Abu Elheja sagte weiter: „Nach dem 11. September hat der Islam an Ansehen eingebüßt. Daher ist die Behebung von Missverständnissen zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen wichtiger denn je.”
Thomas und Abu Elheja sind sich einig darüber, dass die Medien und insbesondere die Filmindustrie dazu beitragen könnten, Brücken zwischen der islamischen Welt und den westlichen Gesellschaften zu bauen. (fy)
Dienstag 11. November 2008
Muslime bewerten Globalisierung positiv
Das
Ergebnis einer aktuellen Umfrage zeigt: Die Mehrheit der Muslime bewerten die
Globalisierung des Handels allgemein positiv. In der Globalisierung wird nicht
eine Gefahr für die Gesellschaft, sondern eine Chance gesehen.
Dieses Ergebnis teilte das Institut „World Public Opinion“ in einer Pressekonferenz mit. Der Leiter des Instituts Steven Kull sagte: „Die Ergebnisse widersprechen der weitverbreiteten Annahme, Muslime stünden der globalisierten Weltwirtschaft skeptisch oder sogar feindlich gegenüber.“
Die Umfrage, an der 5216 Personen teilnahmen, zeigt, dass 79 % der Ägypter und 78 % der Muslime in Nigeria die Globalisierung als „allgemein gut“ für ihren Staat ansehen.
Dieselbe Meinung teilen 63 % der Aserbaidschaner, 61 % der Muslime auf den Philippinen und im Iran sowie 58 % der Palästinenser. In der Türkei dahingegen liegt der Anteil der Globalisierungsbefürworter bei 28 %.
Das Gesamtergebnis der Umfrage verdeutlicht, dass die Mehrheit der Muslime Globalisierung als positiv bewerten; 63 % sind dieser Meinung. Indes bezeichnen lediglich 25 % der Befragten die globale Weltwirtschaft als „allgemein schlecht“ für ihren Staat.
Mit dem Begriff „Globalisierung“ ist der Transformationsprozess lokaler und regionaler Sachverhalte in globale Angelegenheiten gemeint. Üblicherweise wird diese Bezeichnung für die wirtschaftliche Globalisierung benutzt, womit die Integration nationaler Ökonomien in die Weltwirtschaft gemeint ist. Diese wird durch Handel, Auslandsinvestitionen, Kapitalverschiebung, Migration und Verbreitung neuer Technologien vorangetrieben.
Muslime befürworten den weltweiten Handel
Die im Januar und Februar dieses Jahres durchgeführte Umfrage hat die positive Einstellung von Muslimen zum Welthandel verdeutlicht. Die Mehrheit der Muslime in Aserbaidschan (85 %) und in der Türkei (72 %) bewerten den globalen Handel positiv. Auch die meisten Palästinenser (70 %) und Indonesier (60 %) teilen diese Meinung. Indes stechen die Ägypter und Nigerianer als diejenigen, die dem globalen Welthandel skeptisch gegenüberstehen, ins Auge. Doch 59 % der Muslime, die an der Befragung teilnahmen, sehen den Welthandel mit Hinsicht auf die staatlichen Unternehmen positiv.
Des Weiteren meinen 63 % der Umfrageteilnehmer, dass die Globalisierung sich positiv auf die Verbraucher auswirkt. Dieselbe Meinung vertreten 56 % der Muslime mit Hinsicht auf ihren persönlichen Lebensstandard, während dies 29 % verneinen.
Außerdem sind 48 % der Teilnehmer der Ansicht, dass sich der globale Welthandel auch positiv auf die Sicherung von Arbeitsplätzen auswirkt.
Die Umfrage zeigt ebenfalls den Wunsch nach stärkerer Beachtung von Umweltschutz in den Handelsverträgen. 93 % der Ägypter und 91 % der Nigerianer meinen, dass jeder Handelsvertrag zumindest ein Minimum an Bestimmungen zum Umweltschutz enthalten muss. 83 % der Aserbaidschaner, 79 % der Indonesier und 75 % der Muslime in der Türkei sehen das ebenso. (am)
Freitag 07. November 2008
Islamische und katholische Würdenträger betonen Recht auf freie Religionsausübung

Beim Katholisch-Islamischen Forum im Vatikan forderten die Würdenträger beider Religionen das Recht auf freie und öffentliche Religionsausübung. Papst Benedikt XVI. bezeichnete das Forum als „zusätzlichen Schritt auf dem Weg zu einem besseren Verständnis zwischen Muslimen und Christen“.
In einer gemeinsamen Abschlusserklärung haben die Teilnehmer des ersten Katholisch-Islamischen Forums die wichtigsten Vereinbarungen der dreitägigen Veranstaltung festgehalten. Die Würdenträger beider Religionen bekannten sich darin unter anderem zur Religionsfreiheit und Minderheitenschutz und erteilten eine klare Absage zur Gewalt.
In der Abschlusserklärung heißt es: „Menschliches Leben ist ein äußerst wertvolles Geschenk Gottes an jede Person. Es sollte deshalb erhalten und geehrt werden in allen seinen Phasen.“ Katholiken und Muslime müssten für Harmonie in der ganzen Welt eintreten und jede Unterdrückung, aggressive Gewalt und Terrorismus zurückweisen. Nachbarschaftsliebe schließe den Respekt gegenüber der Person und deren Entscheidung in Sachen der Gewissens- und Religionsfreiheit ein. „Religionsfreiheit umfasst das Recht von Individuen und Gemeinschaften, ihre Religion privat und öffentlich zu praktizieren.“ Religiöse Minderheiten müssten in ihrer religiösen Überzeugung und Praxis respektiert werden. Sie hätten Anspruch auf eigene Gotteshäuser. Ihre Gründergestalten oder heiligen Symbole dürften nicht lächerlich gemacht werden.
Entwicklung eines „ethischen Finanzsystems“
Die Gelehrten forderten auch die Entwicklung eines „ethischen Finanzsystems“. Dieses müsse auf die Situation der Armen und der verschuldeten Staaten eingehen, vor allem aber auf die Opfer der weltweiten Nahrungskrise, hieß es in dem 15 Punkte umfassenden Abschlusstext.
Papst Benedikt XVI. hat in seiner Ansprache an das Katholisch-Islamische Forum Christen und Muslime zum gemeinsamen Einsatz für die Menschenrechte und gegen Gewalt, Armut und Ungerechtigkeit aufgerufen. Bestehende Missverständnisse und Vorurteile müssten überwunden werden. Christen und Muslime sollten sich als Mitglieder „einer Familie, der Familie Gottes“ verstehen, so der Papst. „Meine Hoffnung ist, dass die fundamentalen Menschenrechte für alle Völker und überall geschützt werden.“ Diskriminierung und Gewalt „sind inakzeptabel und durch nichts zu rechtfertigen.“ Gott rufe die Gläubigen zur Zusammenarbeit für die Opfer von Hunger, Armut, Ungerechtigkeit und Gewalt auf, führte der Papst aus.
Nasr: „Gewalt war nie das Monopol nur einer Religion“
Seyyid Hüseyin Nasr forderte in seinem Grußwort Christen und Muslime zu gegenseitigem Verständnis auf. Ziel sei der Frieden zwischen den beiden Religionen. Denn nur dieser Friede ermögliche es, Frieden zwischen den Nationen zu schaffen. Christentum und Islam hätten einen großen Einfluss bei der Entwicklung der Zivilisation gehabt, aber auch Kriege im Namen der Religion geführt. „Gewalt war dabei nie das Monopol nur einer Religion“, so Nasr.
Bei allen Differenzen seien sich beide Religionen durchaus in dem Doppelgebot von Gottesliebe und Nächstenliebe einig. Und dieser Blick auf den anderen könne über die beiden Religionen hinaus die ganze Menschheit einschließen, so Nasr. Er verwies auf zahlreiche Unterschiede zwischen Christentum und Islam. Jenseits aller „theologischen Differenzen und historisch belasteten Erinnerungen“ gehe es jedoch um eine Begegnung in Gottes Liebe, sagte der iranische Philosoph. (sa)
Donnerstag 06. November 2008
Neues Kapitel im Christlich-Islamischen Dialog

Das dreitägige Katholisch-Islamische Forum, an dem 29 Gelehrte und Theologen beider Religionsgemeinschaften teilnehmen, ist heute zu Ende gegangen. Gegen Mittag ist die Verabschiedung einer gemeinsamen Erklärung vorgesehen. Die Initiative soll in zwei Jahren mit einem zweiten Forum fortgesetzt werden, dass von islamischer Seite organisiert wird.
Kardinal Jean-Louis Tauran bezeichnete am Montag in einem Interview mit der französischen Tageszeitung „La Croix“ die Begegnung der 48 katholischen und islamischen Gelehrten als ein „neues Kapitel“ in der seit 1.400 Jahren andauernden Geschichte des Dialogs zwischen den beiden Religionen. Dem „Radio Vatikan“ gegenüber erklärte Tauran, man dürfe jetzt aber auch nicht so tun, „als ob der Dialog erst jetzt beginnen würde“.
Der Leiter der islamischen Delegation, Ibrahim Kalin, erklärte, dass sowohl auf christlicher Seite, wie auch unter Muslimen es eine „skeptische Haltung“ gebe. Der Weg des Dialogs müsse deshalb fortgesetzt werden. Auch sei ein besseres Krisenmanagement wünschenswert.
Der Sekretär des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, Erzbischof Pier Luigi Celata, sagte, dass sich die beiden großen Religionen gemeinsam für den Frieden in der Welt einsetzen müssten; dies sei die Erwartungshaltung an das Forum. „Diese Begegnung findet in einer Situation statt, da die Erwartung verbreitet ist, einerseits das Terrain zu leeren von der Möglichkeit, Gewaltakte oder gewalttätige Ideologien unter Hinweis auf Religionen, vor allem eben die großen monotheistischen Religionen, zu rechtfertigen“, so Celata. Am zweiten Arbeitstag des Forums standen dann auch Fragen von Menschenwürde und Menschenrechten im Mittelpunkt.
Ramadan: „Wir müssen die Pluralität der Vergangenheit anerkennen“
Der Islamwissenschaftler Tariq Ramadan schrieb in einem Beitrag für den „Guardian“, dass die beiden religiösen Traditionen dieselbe Quelle haben, „den einzigen Gott, der uns zur Respektierung der menschlichen Würde und Freiheit ruft“. Der Dialog verlange vor allem anderen Demut, so Ramadan. Wer immer behaupte, dass er allein die Wahrheit besitze, sei schon dem Irrtum verfallen.
Ramadan bezeichnete den vermeintlichen Gegensatz zwischen Islam und Westen als eine „historische Projektion“, den er als ein „ideologisches Instrument“ verstehe. Der Westen sei jedoch zutiefst vom Islam beeinflusst worden, ebenso wie der Islam vom Westen. In beiden Bereichen müsse man die „Pluralität der Vergangenheit“ anerkennen. (sa)