Freitag 28. November 2008
Hutba – Was ist ein Gottesdienst (Ibâda)

„Es war ihnen jedoch nichts anderes geboten worden, als Allah zu dienen, reinen Glaubens und lauter, und das Gebet zu verrichten und die Steuer zu zahlen; denn das ist die richtige Religion.“ (Sure Bajjina, [98:5])
Verehrte Muslime,
Ibâda bedeutet, Gehorsam, Unterwerfung, Dienerschaft und Anbetung. Im religiösen Kontext bezeichnet dieser Begriff eine von der Absicht (Nijja) abhängige Gehorsamshandlung, deren Einhaltung eine Belohnung und deren Versäumnis eine Bestrafung mit sich bringt. Ein Gottesdienst ist eine Annäherung an Gott, der mit Körper und Geist vollzogen wird. Dabei ist die Absicht eine wesentliche Voraussetzung. Die Absicht beinhaltet, das Wissen und den Wunsch einen Gottesdienst zu verrichten. Das Bewusstsein, einen Gottesdienst zu verrichten, ist ein Sache des Herzens. Nur so erhält eine Handlung den Status eines Gottesdienstes. Im Islam unterscheidet man drei Arten von Gottesdiensten: „körperliche“ Gottesdienste wie das Gebet (Salâh), das Fasten (Sawm) und der Dschihâd; „materielle“ Gottesdienste wie die Zakât und den Dschihâd und solche Gottesdienste, die sowohl mit dem Körper als auch mit dem Vermögen verrichtet werden, also die Hadsch und der Dschihâd.
Verehrte Geschwister,
das endgültige Ziel eines jeden Gottesdienstes ist es, das Wohlwollen (Rizâ) Gottes zu erlangen. Es gibt aber auch Zwischenziele. Dazu gehört es, ein Leben nach den Geboten des Islams zu führen und alle Hindernisse, die das Leben der Menschen erschweren und sie daran hindern, Gottes Wohlwollen zu erlangen, aus dem Weg zu räumen. Der Maßstab jeder Handlung ist dabei, inwieweit diese sich an den Geboten und Verboten Gottes orientieren.
Verehrte Muslime,
Gottesdienste umfassen das gesamte Leben eines Menschen. Nur der Tod des Einzelnen hebt die Verpflichtung zum Gottesdienst endgültig auf. Aus diesem Grund heißt es im Koran: „Und diene deinem Herrn, bis die Gewissheit/der Tod zu dir kommt.“ (Sure Hidschr, [15:99]) Die Verrichtung der Gottesdienste ist auch auf keinen bestimmten Ort eingeschränkt. Denn unser Prophet sagte „Egal wo du bist, fürchte Allah...“ (Tirmizî, Bir, 55; Ahmad bin Hanbal, V, 228) und machte uns daraf aufmerksam, uns unserer Verantwortung jederzeit bewusst zu sein. Die Furcht vor Gott, also Takwâ, wird beschrieben als „Gehorsam und nicht Auflehnung, als Gedenken (Zikr) und Lobpreisung (Schukr), nicht Undankbarkeit.“ (Ibni Kathîr, Tafsîrul Kur’ânil Azîm, II, 72)
Verehrte Geschwister,
damit ein Gottesdienst von Allah akzeptiert wird, müssen die Voraussetzungen erfüllt werden, derer es generell zwei gibt. Der Gottesdienst muss mit Aufrichtigkeit (Ichlâs) begangen werden und der Sunna entsprechen. Ichlâs bedeutet, etwas zu tun, weil es Allah gebietet und etwas zu unterlassen, weil es Allah verbietet. Ichlâs heißt, das Herz von allen Absichten und Gedanken, außer dem Streben nach dem Wohlwollen Allahs, zu reinigen. Allah gebietet im Koran: „Es war ihnen jedoch nichts anderes geboten worden, als Allah zu dienen, reinen Glaubens und lauter, und das Gebet zu verrichten und die Steuer zu zahlen; denn das ist die richtige Religion.“ (Sure Bajjina, [98:5]) Die Gottesdienste müssen auch der Sunna entsprechen, denn auch hier ist der Prophet das Vorbild: „Sprich: „Wenn ihr Allah liebt, dann folgt mir. Dann wird euch Allah lieben und euch euere Sünden verzeihen; denn Allah ist verzeihend und barmherzig.“ (Sure Âl-i Imrân, [3:31]) Wir möchten unsere Hutba mit einem Hadîth beenden: „Allah akzeptiert das Wort nicht (völlig) ohne Handlung, das Wort und die Handlung nicht ohne Absicht (Nijja) und das Wort, die Handlung und die Absicht nicht, wenn sie nicht der Sunna entsprechen.“ (Hâkim, al-Mustadrak, II, 425)
Freitag 21. November 2008
Hutba – Das Opferfest naht

„Weder ihr Fleisch noch ihr Blut erreicht Allah, jedoch erreicht Ihn euere Frömmigkeit. So hat Er sie euch dienstbar gemacht, damit ihr Allah dafür preist, dass Er euch rechtgeleitet hat. Und verkünde den Rechtschaffenen frohe Botschaft!“ (Sure Hadsch, [22:37])
Verehrte Muslime,
allmählich nähern wir uns dem Opferfest. Dies möchten wir zum Anlass nehmen, um auf einige Bedingungen dieses Gottesdienstes hinzuweisen. Das Opfern eines geeigneten Tieres mit dem Bewusstsein, damit einen Gottesdienst (Ibâda) zu verrichten, wird an den dafür vorgesehenen Tagen vorgenommen. Das Opfern ist ebenfalls ein Akt der Dankbarkeit für Gottes Gaben, da nur diejenigen, die finanziell dazu in der Lage sind, dieses Gebot erfüllen müssen. Ferner ist das Opfern ein Mittel der Annäherung an Allah und eine Möglichkeit, sein Wohlwollen zu gewinnen. Dies kann man auch an dem Wort „Kurbân“ – „sich nähern“ – erkennen. Der Opfernde stellt seinen Gehorsam gegenüber Gott und seinen Geboten unter Beweis, so wie es der Prophet Ibrâhîm (as) getan hatte.
Verehrte Geschwister,
die Voraussetzung eines jeden Gottesdienstes ist die richtige Absicht (Nijja). Dies gilt insbesondere für den Gottesdienst des Opferns. Deshalb heißt es im folgenden Vers: „Weder ihr Fleisch noch ihr Blut erreicht Allah, jedoch erreicht Ihn euere Frömmigkeit. So hat Er sie euch dienstbar gemacht, damit ihr Allah dafür preist, dass Er euch rechtgeleitet hat. Und verkünde den Rechtschaffenen frohe Botschaft!“ (Sure Hadsch, [22:37] ) Allah akzeptiert nur die Gottesdienste derjenigen, die „Frömmigkeit“, also Takwâ, besitzen. So hat Gott das Opfer des gottesfürchtigen Sohnes des Propheten Âdams (as) angenommen, während Gott die Opfergabe des anderen nicht akzeptierte, weswegen dieser seinen Bruder tötete. Er hat nicht beachtet, dass es beim Opfern um Takwâ geht, denn „...Siehe, Allah nimmt nur von den Gottesfürchtigen an.“ (Sure Mâida, [5:28]) heißt es in einem Vers. Unser Prophet sagte schließlich: „Die Taten werden gemäß den Absichten bewertet. Nur das, wofür er die Absicht gefasst hat, wird derjenige auch erhalten.“ (Buchârî)
Verehrte Muslime,
das Opfern ist eines der besten Beispiele der Solidarität im Islam. Jeden Tag werden auf der Welt unzählige Tiere geschlachtet. Es ist auch bekannt, dass von dem Fleisch der Tiere meistens den Reichen und Wohlhabenden zugute kommt. Beim Opferfest ist dies aber umgekehrt; an diesen Tagen werden insbesondere die Armen und Bedürftigen bedacht. Dieser Moment der Solidarität gehört zu den Zielen des Opferns. Denn im Koran gebietet Allah: „...Und nachdem sie auf die Flanke gestürzt sind, esst von ihnen und speist den Bittenden wie den (verschämten) Armen. So haben Wir sie euch dienstbar gemacht, auf dass ihr dankbar seid.“ (Sure Hadsch, [22:36]) Es ist also wünschenswert, wenn möglichst viele Menschen vom Fleisch der Opfertiere profitieren. Aus diesem Grund haben Muslime Organisationen gegründet, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Unser Verband hat sich zum Ziel genommen, dieses Jahr 90 Tausend Opfertierspenden auf dem gesamten Globus zu verteilen. Die Vorbereitungen dafür haben schon vor Monaten begonnen. Die Opfertierkampagne ist bereits seit Wochen am laufen. Wir bitten all unsere Geschwister, sich an der Kampagne zu beteiligen und andere zur Teilnahme zu veranlassen. Auf diese erhoffen wir uns die Gebete von den Menschen in über siebzig Ländern und Regionen der Welt, denen unsere Spenden zugute kommen werden.
Freitag 14. November 2008
Hutba – Gottesfurcht

„O ihr, die ihr glaubt! Fürchtet Allah! Und eine jede Seele habe auf das acht, was sie für morgen vorausschickt. Und fürchtet Allah! Allah weiß sehr wohl, was ihr tut.“ (Sure Haschr, [59:18])
Verehrte Muslime,
im Koran heißt es: „O ihr, die ihr glaubt! Fürchtet Allah! Und eine jede Seele habe auf das acht, was sie für morgen vorausschickt. Und fürchtet Allah! Allah weiß sehr wohl, was ihr tut.“ (Sure Haschr, [59:18]) Gemäß den Anweisungen des Verses sollen wir uns auf das Jenseits vorbereiten, im Bewusstsein, dass Allah alles weiß, was wir tun oder unterlassen. Denn der Koran berichtet davon, dass im Jenseits, wenn wir zur Rechenschaft gezogen werden, sogar unsere Körperteile als Zeugen unseres irdischen Lebens dienen werden. So heißt es: „Heute versiegeln Wir ihren Mund, doch ihre Hände sprechen zu Uns, und ihre Füße bezeugen, was sie angerichtet haben.“ (Sure Jâsîn, [36:65]) Auch gibt der Koran Auskunft darüber, dass die Engel, die Himmel, die Erde sowie der Tag und die Nacht unsere guten und schlechten Taten bezeugen werden. Sie werden als Zeugen dienen für diejenigen, die ein nach den Geboten Gottes ausgerichtetes Leben geführt haben, aber auch die Sünden und Fehler des einzelnen Menschen bezeugen.
Verehrte Geschwister,
das koranische Gebot der Furcht vor Gott kommt im folgenden Vers zum Ausdruck: „O ihr, die ihr glaubt! Fürchtet Allah geziemend, und sterbt nicht anders denn als Muslime.“ (Sure Âl-i Imrân, [3:102]) Die Gelehrten sind der Auffassung, dass Furcht vor Gott bedeutet, bis zum letzten Atemzug ein gehorsames und nach den Geboten Gottes ausgerichtetes Leben zu führen. Das heißt, dass wir uns mit all unseren Gedanken und Handlungen daran orientieren müssen.
Der große Gelehrte Abul Lajs as-Samarkandî sagte diesbezüglich: „Es gibt sieben Zeichen der Furcht vor Gott. Das erste Zeichen ist, dass derjenige, der sich vor Gott fürchtet, sich von Lügen, übler Nachrede, Verleumdung und sinnlosem Gerede fernhält. Stattdessen ist er mit dem Gedenken an Gott (Zikr), der Rezitation des Korans und dem Wissen beschäftigt. Das zweite Zeichen ist, dass er in seinem Herzen keinen Hass, keine Feindschaft und keinen Neid gegenüber anderen trägt. Er weiß nämlich, dass vor allem der Neid, die guten Taten zunichte macht. Denn unser Prophet sagte: „Hütet euch vor dem Neid. Denn so, wie das Feuer das Holz verbrennt und vernichtet, so macht der Neid auch die guten Taten zunichte.“ (Buchârî und Muslim) Das dritte Zeichen ist, dass ein gottesfürchtiger Mensch nichts Verbotenes ansieht. Er richtet seine Blicke nur auf Dinge, die ihm erlaubt sind. Das vierte Zeichen ist, dass ein gottesfürchtiger Mensch nichts zu sich nimmt, das ihm nicht erlaubt ist. Das fünfte Zeichen ist, dass jemand, der Gottesfurcht besitzt, sich nichts aneignet, das ihm nicht zusteht. Das sechste Zeichen eines gottesfürchtigen Menschen ist, das er seine Schritte nur zu Orten lenkt, an denen wahres Wissen und gutes Handeln vermittelt wird. Das siebte Zeichen für einen Menschen, der Gottesfurcht besitzt, ist schließlich, dass dieser seine Gottesdienste (pl. Ibâdât) nicht aus Prahlerrei verrichtet, sondern nur, um das Wohlwollen Allahs zu gewinnen. Im Koran heißt es letztlich: „...doch für die Gottesfürchtigen ist das Jenseits, bei deinem Herrn.“ (Sure Zuchrûf, [43:35])”
Aus diesem Grund, meine verehrten Geschwister,
egal wo und unter welchen Umständen wir leben, wir dürfen nie vergessen, dass Allah alles weiß. Wir sollten also nichts sagen und tun, das wir vor Gott nicht verantworten können.
Freitag 07. November 2008
Hutba – Dawa: Tablîg und Irschad

Der Tablîg und der Irschad sind Gebote Gottes und gehören zur Sunna des Propheten. Gemäß der Sunna des Gesandten Gottes ist es erforderlich, dass jeder Einzelne persönlich besucht wird.
Verehrte Muslime,
Tablîg bedeutet, den Islam denen zu vermitteln, die ihn nicht kennen. Irschad hingegen ist das Bemühen den Muslimen Wissen über ihre Religion zugänglich zu machen, um somit ihren Glauben (Îmân) zu festigen. Tablîg richtet sich also an Nichtmuslime, während mit Irschad Muslime angesprochen werden. Für Muslime ist Muhammad der letzte Prophet, der von Gott gesandt wurde. Der Gesandte Gottes hat den Menschen gleichzeitig die letzte Offenbarung, also den Koran, gebracht. Die Tatsache, dass es keinen neuen Propheten und keine neue Offenbarung mehr geben wird, erlegt den Muslimen zwei wichtige Pflichten auf: Tablîg und Irschad. So haben die Muslime die Aufgabe, den Islam den Nichtmuslimen näherzubringen und das Wissen der Muslime zu vervollständigen.
Verehrte Geschwister,
diese Verantwortung zur „Dawa“ gehört zur Sunna des Propheten und findet ihren Ausdruck beispielsweise in folgendem Vers: „Und wer führt bessere Rede, als wer zu Allah einlädt und das Rechte tut und spricht: „Ich bin einer der Gottergebenen“?“ (Sure Fussilat, [41:33]) Die Aufforderung des Gesandte Gottes „Die Anwesenden sollen es denjenigen mitteilen, die nicht anwesend sind.“ (Aus der Abschiedspredigt des Propheten) betont die Aussage des Verses. Nicht nur die Notwendigkeit der Dawa, sondern auch die Methode wird im Koran zur Sprache gebracht: „Lade zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung ein, und diskutiere mit ihnen auf die beste Art und Weise. Siehe, dein Herr weiß am besten, wer von Seinem Weg abgeirrt ist, und Er kennt am besten die Rechtgeleiteten.“ (Sure Nahl, [16:125]) Die Grundlage der Dawa ist also Weisheit und schöne Ermahnung.
Verehrte Muslime,
nachdem wir kurz über die Notwendigkeit und Bedeutung der Dawa gesprochen haben, möchten wir auf die heutige Situation eingehen. Der Tablîg und der Irschad sind Gebote Gottes und gehören zur Sunna des Propheten. Gemäß der Sunna des Gesandten Gottes ist es erforderlich, dass jeder Einzelne persönlich besucht wird. Von Zeit zu Zeit können wir einen Rückgang der Gemeinschaft in den Moscheen beobachten, was sich auf die allgemeine Arbeit in den Gemeinden auswirkt. Dies ist zum Teil auch verständlich, wenn man beachtet, dass es viele anziehende Ablenkungsmöglichkeiten gibt, die die Menschen daran hindern, das Richtige zu tun. Aus diesem Grund müssen mehr Hausbesuche durchgeführt werden und Wege gefunden werden, die Moscheen attraktiver zu machen.
Insbesondere müssen wir die langen Winterabende für solche Besuche nutzen. Moscheevorstand und Imâm müssen zusammenarbeiten, um alle Mitglieder der Gemeinde zu besuchen. Mit anderen Worten: Wir müssen uns derjenigen Muslime annehmen, die sich von anderen Dingen ablenken lassen und sie in die Arbeit der Moscheegemeinde einbinden. Denn wir wissen, dass jeder Mensch der Zuneigung bedarf und ein guter Rat (Nasîha) zur richtigen Zeit immer wünschenswert ist. Schließlich möchten wir daran erinnern, dass der Gesandte Gottes in einem bekannten Hadîth sagte: „Religion (Dîn) ist guter Rat (Nasîha).“